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Bluthochzeit

Wolfgang Fortner 1907–1987

Lyrische Tragödie in zwei Akten
Text von Federico García Lorca in der deutschen Übersetzung von Enrique Beck
Uraufführung 1957, Städtische Oper, Köln

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt. Weitere spannende Inhalte zur Produktion finden Sie im Opernappetizer auf unserem Blog.

Am 15. Mai findet das Nachgespräch Oper im Dialog anlässlich der Premiere von Bluthochzeit statt.
 

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Musikalische Leitung Duncan Ward

Mutter Claudia Mahnke
Braut Magdalena Hinterdobler
Bräutigam Christian Clauß
Tod / Bettlerin Daniela Ziegler 
Leonardo Mikołaj Trąbka
Leonardos Frau  Zanda Švēde
Schwiegermutter Annette Schönmüller
Magd Karolina Makuła
Nachbarin Barbara Zechmeister
Kleines Mädchen Karolina Bengtsson
Vater der Braut Dietrich Volle
Mond AJ Glueckert
Kind Alina Avagyan°
Drei Mädchen Julia Bell, Rachel Speirs, Svea Verfürth
Zwei Mädchen Zuzana Petrasová, Thalia Azrak
Zwei Burschen Jihun Hong,  Hubert Schmid
Drei Gäste / Drei Holzfäller Jonas Müller, Dongsu Lee, Aleksander Myrling

°Mitglied des Opernstudios

(…) Mit dieser symbolistischen Punktlandung lässt die Oper Frankfurt den dritten prachtvollen Premierenstern in Folge aufsteigen: Tatjana Gürbacas Written on Skin, Andrea Breths Turandot und jetzt Àlex Ollés Bluthochzeit. Vom Mittelalter-Femizid über die Nordkorea-Kälte der köpfenden Prinzessin bis hin zur Messerstecherei der Clans. Düstere Zeiten – antike Wucht.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) So karg wie stark: Wolfgang Fortners Oper Die Bluthochzeit nach Federico García Lorca überzeugt an der Oper Frankfurt sowohl musikalisch wie szenisch.

Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung (www.faz.net)


(…) Sängerisch war die Produktion exzellent besetzt. (…)

Elisabeth Richter, Deutschlandfunk Musikjournal


(…) Da ist sie wieder, die Stunde des Bluts. Wenn Claudia Mahnke das heraussingt, ist es so kalt wie markerschütternd. Die Frankfurter Mezzosopranistin ist hier in ihrer ganzen kultivierten Leidenschaft und Expressivität gefragt und bietet sie in einer von allen Allüren und Standardgesten befreiten Reinform.
(…)
Die Frauen verstehen bei García Lorca, Fortner und Ollé etwas mehr von der Situation, zugleich können sie weniger dagegen unternehmen. Den Abend prägen sie stimmlich stark. Die Braut, Magdalena Hinterdobler, ist unruhig und unfroh, schön abschattiert dazu ihr Sopran. Auch sonst ist viel jugendliche, glimmende Dunkelheit zu hören, darunter die Mezzostimmen von Karolina Makuła als mitleidende, hilflose Magd und Zanda Švēde als glücklose Frau des Brautentführers Leonardo, Mikołaj Trąbka, der als Einziger einen Eigennamen hat, einen raubtierhaften.
Wie luxuriös und liebevoll an der Frankfurter Oper besetzt wird, zeigt sich übrigens auch, wenn Karolina Bengtsson dem „Kleinen Mädchen“ all ihren Sopranglanz mitgibt.
Kein Spektakel, ein gedämpfter, unerbittlicher Abend.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) In der unheimlichen Waldszene sorgen die Kostüme des Mondes (stimmgewaltig: AJ Glueckert) und der Bettlerin (Daniela Ziegler) jedoch für fantasiereiche Akzente. (…)

Silvia Adler, Darmstädter Echo


An der Oper Frankfurt formt Regisseur Alex Ollé Wolfgang Fortners Bluthochzeit nach Federico García Lorca zu einer bitterkalten, entseelten und gerade dadurch so präzisen psychologischen Studie. (…)

Patrick Erb, www.concerti.de


(…) Aus dieser hermetisch abgeschotteten Welt kann niemand entkommen. Alles scheint erstarrt, verkrustet und verdorrt. Das Faszinierende an dem von Alfons Flores erdachten Bühnenbild ist es, dass es trotz der Starre, die es ausstrahlt, nur aus zarten Gazevorhängen besteht, die in bizarrem Faltenwurf über Metallgitter gespannt sind. In der raffinierten Lichtregie von Olaf Winter verwandeln sich die steinernen Innenräume in fantastische Waldlandschaften, einen Festsaal oder eine Kirche. Ein Konzept, welches das Spannungsfeld zwischen realistischer Dramatik und lyrischer Verdichtung, das Lorcas Textvorlage auszeichnet, klug einfängt. (…)

Silvia Adler, Allgemeine Zeitung Mainz


(…) Àlex Ollé inszeniert das Drama im sinnfällig düsteren Bühnenbild (Alfons Flores) und den in strenger Schwärze gehaltenen, perfekt stilisierenden Kostümen (Lluc Castells) mit dichter Personenführung stringent und eindringlich.

Jörg Riedlbauer, www.orpheus-magazin.de


(…) Dennoch verfehlt die Aufführung ihre Wirkung nicht. Denn sowohl das Darstellerensemble als auch das Orchester laufen bei dieser Opern-Wiederentdeckung zur Höchstform auf. Abgesehen von kleineren Kürzungen hat Fortner Lorcas Text vollständig umgesetzt. Dabei lässt er gesprochene mit gesungenen Passagen wechseln, was eine unmittelbare Dramatik erzeugt. Im Zentrum der Oper steht die Mutter. Sie bangt nicht nur um ihren Sohn, sondern hat bereits ihren Mann und ihren Erstgeborenen in der Familienfehde verloren. (…)

Silvia Adler, Wiesbadener Kurier

Seit Generationen bekriegen sich zwei Familien. In ihrem Kampf gibt es nur Verlierer. Auf beiden Seiten.

Wie eine antike Schicksalstragödie wirkt die Vorlage für Fortners Oper. Der spanische Dichter Federico García Lorca griff in seinem 1933 uraufgeführten Drama Bluthochzeit auf einen zeitlosen Stoff zurück. Seine Anklage richtet sich gegen das eiserne Gesetz der Blutrache: Die Mutter des Bräutigams hat ihren Mann und ihren ältesten Sohn im Kampf zwischen zwei Familienclans verloren und bangt nun um das Leben ihres jüngsten Sohnes. Sie fürchtet, dass durch seine Hochzeit der Krieg der beiden Clans wieder aufflammt. Denn die Braut liebt immer noch ihren früheren Verlobten Leonardo, der zur feindlichen Familie gehört. Noch während der Hochzeit entführt Leonardo sie. Die beiden fliehen in den Wald, doch ihre Verfolger holen sie ein. Die Blutrache wird zweifach vollzogen: Beide Rivalen sterben im Duell.

Als der 50-jährige Wolfgang Fortner 1957 mit Bluthochzeit seine erste Oper fertigstellte, galt er bereits als europaweit angesehener Komponist. Seit den Kompositionsarbeiten an der Bühnenmusik für die Berliner Erstaufführung des Schauspiels (1950) war er von Lorcas Welt gefesselt. Er hielt sich in seiner Oper eng an Lorcas Text, baute lange gesprochene Passagen in seine Partitur ein und benutzte den Gesang als intensive, dramatisch erhöhte Form der Sprache. Mit orchestralen Zwischenspielen verband Fortner die sieben Bilder der Oper, wobei er zurückhaltend mit Motiven der spanischen Folklore umging. Seine Musik ist zwar auf einer Zwölftonreihe aufgebaut, doch sie changiert zwischen verschiedenen Klangwelten und Stilrichtungen, ohne dabei epigonal zu wirken. Seine Lorca-Vertonung ist faszinierendes Musiktheater mit Sogwirkung: ein starkes Plädoyer für Freiheit und Liebe.

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