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Pressestimmen

(…) Die Premiere krönt ein selbst für die emsige Oper Frankfurt geschäftiges Wochenende. Mit Tschaikowskis lautem Schlachtenklanggemälde Mazeppa (als Übernahme von den bis vor Kurzem von Intendant Bernd Loebe geleiteten Tiroler Festspielen Erl) sowie dem Mozart-Fragment Zaide und dem Händel [Ottone] als Doppelvorstellung im Bockenheimer Depot und im Opernhaus stehen hier drei absolute Spielplanraritäten nebeneinander. Gleichzeitig sind das die ersten drei Novitäten 2026/27, wo andere deutsche Opernhäuser gerade einmal eine oder gar keine Premiere hervorgebracht haben.
Damit ist Frankfurt weltweit genauso einmalig wie mit elf Premieren in der gesamten Saison (von denen, bei zwei Uraufführungen, sonst nur Verdis Maskenball zum Kernrepertoire zählt). Der seit 24 Jahren amtierende Langzeitintendant Bernd Loebe macht solche staunenswerte Vielfalt möglich – auch weil er das Vertrauen seiner zahlreichen Abonnenten genießt. (…)

Manuel Brug, Die Welt


Regisseurin Jetske Mijnssen gelang mit der Rarität Ottone am Sonntagabend ein rundweg überzeugendes Debüt an der Oper Frankfurt. Berstend vor barocker Sinnlichkeit, tänzerischer Raffinesse und psychologischer Stimmigkeit stutzte sie die verworrene Handlung von Georg Friedrich Händels Librettisten Nicola Francesco Haym auf ein Sozial-Experiment zusammen. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Das Orchester schippert unterdessen geschmeidig und farbenreich durch die Musik, als wäre es sein Hauptberuf, historisch informiert zu spielen. Auch dafür ist es in der Zeitschrift „Opernwelt“ zum „Orchester des Jahres“ gewählt worden und bekommt zusammen mit Václav Luks noch etwas mehr Beifall als das prächtige Ensemble. Wohlwollend auch der Beifall für die geschmackssichere Regie.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Mijnssens Inszenierung ist eine großartige Gefühlsstudie, die tiefe Blicke in die menschliche Seele zulässt und da Händel ein Meister der Seelenzergliederung war, kommt die Regie dabei ganz nah an die Figuren heran. (…)

Bernd Zegowitz, Wiesbadener Kurier


(…) Neben der janusköpfigen Gismonda Paula Murrihys überzeugen auch Monika Buczkowska-Ward (Teofane) und die an schwerem Liebeskummer leidende, eigentlich Adelberto versprochene Matilda (Cecelia Hall). Die konkurrierenden männlichen Protagonisten sind beide mit exzellenten Countertenören besetzt: Yuriy Mynenko in der Titelpartie und Iurii Iushkevich als Muttersöhnchen Adelberto. Für Zwerchfellattacken sorgt die hinzuerfundene Rolle der Contessa (Corinna Schnabel), die sich selbst inmitten brodelndster Leidenschaft nicht von ihrem geliebten Nickerchen abbringen lässt. Während Mirjam Motzke und Guillermo de la Chica López jede Menge tänzerisch-barocke Eleganz versprühen.
Passend dazu steigen unter Alte-Musik-Spezialist Václav Luks trotz des klein besetzten Orchesters schmissige Da-Capo-Arien, populäre Evergreens, aber auch abgründige Schwermut, wie Ottones F-moll-Scena „Tanti affanni ho nel core“ in prachtvoller Varianz aus dem Orchestergraben. Einhelliger Schlussjubel.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(...) Die Musik ist stark und abwechslungsreich. Ein großes Lob ans komplette Ensemble – und auch ans Regie-Team –, die gestern alle viel Applaus bekommen haben.

Martin Grunenberg, hr2-kultur / Frühkritik


(…) Mijnssens barockes Seelengemälde ist wunderbar heutiges Theater, getanzt, gesungen und gespielt auf höchstem Frankfurter Niveau. 

Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo


(…) Es gibt Abende, die vor Spannung bersten, die emotional überwältigen, die zu Tränen rühren oder innerlich aufwühlen. Diese Produktion spielt auf einer anderen Ebene. Sie vermittelt mit perfekt aufeinander abgestimmten Zutaten einen Eindruck davon, was die Faszination gerade der Spitzenwerke des Barock auch jenseits einer nachvollziehbaren Handlung gegenüber den Werken etwa des Verismo ausmacht: Ausgefeilte Kunst bis zur Künstlichkeit, darin aber die Essenzen menschlicher Emotionen, präsentiert wie in einem kostbaren Gefäß. Nur selten gelingt das auf einem solchen Niveau. Das macht diesen Abend zu einem außerordentlichen Erlebnis.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Optisch ist die Produktion ein absoluter Hingucker. (…)

Thomas Molke, www.omm.de

(…) Daniel Hermanns Inszenierung, musikalisch geleitet von George Petrou, pumpt das Vorhandene nicht künstlich auf. Nach schlanken 90 Minuten versinkt alles in tiefer Finsternis. Man sieht nicht das Ende des glücklosen Trios, aber die Bühnennacht hat sie geschluckt, während sie fest im Griff der Feinde waren.
(…)
Petrou und das „Opernwelt“ – „Orchester des Jahres“ bieten straffen Mozart, das Elegische transportiert sich ohne Verschleppungen umso besser. Die jungen Stimmen sind eine Lust. Obwohl mit steter Leidensmiene geschaut und getrabt werden muss, kommt singend sofort eine Lebendigkeit auf, und eine Schönheit. Vor allem bei Zaide und Gomatz, die für ihre Liebe so wenig Spielraum haben. Aber man glaubt ihnen alles. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die nach hinten verschobene Auftrittsarie der Zaide „Ruhe sanft, mein holdes Leben“ macht Karolina Bengtsson zum Höhepunkt der Aufführung. Hätte der Tyrann sie gehört, er hätte alle Gefangenen entlassen, sein Vermögen verschenkt und in der Einsamkeit über sein verpfuschtes Leben nachgedacht.


Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo


(…) Karolina Bengtsson kehrt (…) stimmlich besonders die Traurigkeit in der Titelpartie hervor. Michael Porter macht als ihr geliebter Mithäftling Gomatz mit stimmlichen Mitteln den Antrieb zum Ausbruch, den Freiheitsdrang spürbar. Aleksander Myrling wird als Allazim, der im Original Solimans Lieblingssklave ist, sogar besonders geschunden und stattet seine Partie darstellerisch präsent mit einer Art Kurzatmigkeit aus – so als könne er unter dem unsinnigen Frondienst jederzeit zusammenbrechen. Peter Marsh und Pete Thanapat agieren einander ähnlich als böses Zweigespann und bringen sängerisch die fiesen Seiten ihrer Partien gut heraus. (…)

Guido Holze, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rhein-Main


(…) Jo Schramm baut in der Mitte des Bockenheimer Depots eine Art Stadion, Circus Maximus für Brot und Spiele. Das Publikum sitzt auf Tribünen drumherum. Auf der gestuften Laufbahn werden die Opfer vorgeführt, an Oberleitungen gekettet; hin und wieder verschwindet einer im Keller, wo ein herumtigerndes Wesen auf Fraß wartet. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) David Hermann hat die Reihenfolge der originalen Musiknummern leicht verändert, Musik aus dem Thamos hinzugefügt, ein wenig Sprechtext dazu genommen und ein ganz düsteres Ende gewählt: kein Deus ex machina, kein Schluss im Sinne der Aufklärung, keine militärische Intervention zum Sturz des Tyrannen. (…)

Bernd Zegowitz, Allgemeine Zeitung Mainz    

(…) Detailliert leuchteten die Mitglieder des Opernorchesters die Partituren aus. Dirigent Tim Anderson hatte sowohl die Linienführung der zwölftönigen Musik als auch die instrumentalen Farben ausdrucks- und wirkungsstark herausgearbeitet. Dergestalt bewegten sich die Sängerinnen und Sänger auf einem vorzüglich bereiteten Terrain. (…) 

Ulrich Boller, Frankfurter Neue Presse

(…) Die Oper Frankfurt bringt Mazeppa von Peter I. Tschaikowski heraus. Die Regie schreckt vor Brutalität nicht zurück. Der Gesang ist erlesene Kunst. (…)

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


Mit Nombulelo Yende besitzt die Oper Frankfurt einen Diamanten im Sopranfach

Als Übernahme des Tiroler Festspiele Erl spielt die Oper Frankfurt Tschaikowskis Oper Mazeppa. Unter der exzellenten Leitung von Karsten Januschke begeistert ein homogenes Sängerensemble, aus dem allerdings Nombulelo Yende als Marie hervorsticht. Der Regisseur Matthew Wild inszeniert das Werk als Fehde zwischen zwei mafiösen Gruppen mit politischem Hintergrund und stellt die Frage, wieso es Populisten immer wieder gelingt, sich auf dem Rücken des einfachen Volkes ihre Machtkämpfe auszutragen. (…)

Jean-Nico Schambourg, www.klassik-begeistert.de


(…) Karsten Januschke und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zaubern jedenfalls, geben Tschaikowskis geradezu exemplarischer slawisierender Süße Gewicht, ohne je pathetisch zu werden. Der Chor, noch in der frühen Phase mit seinem neuen Leiter Manuel Pujol, hat Gelegenheit, sich groß zu präsentieren, und nutzt die Chance. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Matthew Wilds Inszenierung gelingt das Kunststück, aktuelle Entwicklungen wie die russische Invasion in die Ukraine in drastische Bilder einfließen zu lassen, dem Stoff aber dennoch eine zeitlose Dimension zu verleihen. Dabei kann der Regisseur auf ein nahezu ideal besetztes Solistenensemble zurückgreifen. (...)

Silvia Adler, Darmstädter Echo


(…) Nombulelo Yende als Maria ist der Star des Abends – mit ihrer Schlussarie hat sie wirklich jeden im Saal berührt.

Bastian Korff, hr2-kultur / Frühkritik


(…) Wilds Inszenierung im Geflecht von Familie, Macht und Mafia gelingt mit durchdachter, präziser Personenregie und starken Bildern, verlangt dem Publikum aber auch einiges ab in brutalen Szenen.
(…)
Die Sängerbesetzung ist ein Traum, allen voran Nombulelo Yende als Maria, deren stimmliche Ausdruckspalette stilsicher von zerbrechlich-zart bis voluminös-volltönend reicht. Bariton Petr Sokolov gestaltet den Mazeppa vielschichtig und doch rollengemäß kühl, gar nicht einmal körperlich bedrohlich, aber doch als Teufel in Person. Bassist Alexander Roslavets gestaltet einen zwiespältigen Kotschubej mit mächtiger und beweglicher, nicht zu schwarzer Stimme, sehr anrührend in seinem Gebet vor der Hinrichtung. Karolina Makuła rührt im zweiten Akt als Ljubow in der Szene mit ihrer Tochter Maria. Tenor John Findon bewegt und brilliert als Marias trauriger Jugendfreund Andrej, Jihun Hong (Iskra), Jarrett Porter (Orlik) und Kudaibergen Abildin runden das vortreffliche Sängerensemble ab. (…)

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse


(…) Im Fokus steht die dem Wahnsinn verfallende Maria. Ihr zartes Wiegenlied am Schluss verdämmert in entrückten Farben. Ein Geniestreich, der noch lange nachhallt.

Silvia Adler, Allgemeine Zeitung Mainz 


(…) Mazeppa mag vielleicht nicht die beliebteste der Tschaikowski-Opern sein, aber Matthew Wild hat bewiesen, dass das Werk auch heute noch Relevanz besitzt. Gewisse Konflikte scheinen die Zeiten zu überdauern, flammen immer wieder auf und verlangen jedes Mal ihre unschuldigen Opfer.

Philipp Richter, www.opernmagazin.de

(…) Wie ärgerlich, aber auch wie süß, dass sie im echten Leben so schwer zusammenkommen wie das Pärchen im Liederzyklus: Louise Alder und Mauro Peter sollten Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ schon 2025 im Frankfurter Opernhaus singen, damals erkrankte der Tenor und die Sopranistin sang alleine ein anderes Programm. Diesmal erkrankte die Sopranistin, aber es fand sich ad hoc großartiger Ersatz: Christiane Karg bildete nun mit Peter und dem Pianisten Joseph Middleton ein so gewitztes Duo, als sei es nie anders geplant gewesen. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Dass Christiane Karg in der Oper kurzfristig für ihre erkrankte Kollegin Louise Alder eingesprungen war, ließ Mauro Peter schnell vergessen. „Auch kleine Dinge können uns entzücken“ – die beinahe mottohafte Eröffnung der im losen Wechsel zu singenden Lieder vermittelte Karg vorahnungsvoll und andeutungsreich, denn natürlich geht es in den 48 Liedern um mehr, um das Leben, um die Liebe, um große Gefühle im kleinen Format: „Verschling der Abgrund meines Liebsten Hütte!“ (…)

Axel Zibulski, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rhein-Main


(…)  Mauro Peter wiederum pflegt die bebende Deckelung unterdrückter Gefühle ebenso wie den Faltenwurf des Beleidigten. Während sich Middleton als unverzichtbarer Dritter empfiehlt. Ob scherzend, ob absichtsvoll aus dem Takt geraten, ob samten die Liebespein mildernd: Immer agiert er nicht nur als Begleiter, sondern auch als Impulsgeber und Mitdenkender.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse

(…) Eine erfrischende, begeisternde Bühnenpräsenz ging von den beiden Strippenziehern aus: Sebastian Geyer als agiler Don Alfonso und Elizabeth Reiter als selbstbewusste und aufreizende Despina, als näselnder falscher Notar und als falscher Arzt mit Akupunkturnadeln statt Mesmer-Magneten.
Vor allem im zweiten Akt loteten Karolina Bengtsson (Fiordiligi), Kelsey Lauritano (Dorabella), Taehan Kim (Guglielmo) und Matteo Ivan Rašić (Ferrando) tiefgründig ihre Gefühlswelt aus. „Historisch informiert“ – und somit agil und drahtig – spielte das Opernorchester unter Takeshi Moriuchi auf.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse

(…) Auf der Bühne mondlose Nacht über Peking, im Reich der Musik ein Hauptgewinn. Im Prolog glänzten bereits Chor und Kinderchor der Oper. Das Orchesterspiel unter der Leitung von Simone Di Felice stand im positiven Sinne unter nervöser Spannung und blieb stets im Fluss. Immer wieder betörte es mit exotischen Farben, als würden auch chinesische Mundorgeln und Bambusflöten mitspielen. In den wuchtigen Passagen entwickelte es enorme Macht, Schärfe und zugleich Transparenz.
Fantastisch ist die Sängerbesetzung mit Elza van den Heever, die sich die undankbar eisige Titelrolle souverän zu eigen macht. Julia Stuart berührt als Liù, Alfred Kim überzeugt als zuverlässiger und zudem stimmschöner Calaf. Liviu Holender, Sven Hjörleifsson, Michael Porter (Minister-Trio), Thomas Faulkner (Timur) und Michael McCown (Altoum) komplettieren das starke Ensemble.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse