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Pressestimmen

(…) Musikalisch lässt der Abend keine Wünsche offen. Die hervorragende Sängerriege beschert mit wunderbaren Melodien den Zuschauern einen Glücksmoment nach dem nächsten und belegt, dass die Oper musikalisch wirklich ein Meisterwerk ist. Da ist zunächst Brenda Rae als Elvira zu nennen. Mit intensivem Spiel und glasklaren, halsbrecherischen Koloraturen gestaltet sie glaubhaft die Labilität und innere Zerrissenheit der jungen Frau. Mädchenhaft naiv präsentiert sie die Partie zu Beginn des ersten Aktes, wenn sie in einer Cabaletta mit ihrem Onkel Giorgio ihrer Freude darüber freien Lauf lässt, dass ihr Vater seine Zustimmung zu einer Hochzeit mit Arturo gegeben hat, und auch ihre Cabaletta „Son vergin vezzosa“, in der sie sich mit dem Schleier auf die bevorstehende Feier vorbereitet, gestaltet Rae mit frischer Leichtigkeit und großer Beweglichkeit in den Läufen. Regelrecht zerbrechlich präsentiert sie dann ihre große Wahnsinnsszene im zweiten Akt, „O rendetemi la speme“, wenn sie sich von Arturo verraten glaubt. John Osborn meistert die anspruchsvolle Partie des Arturo mit höhensicherem Tenor (…). Seine Auftrittskavatine im ersten Akt, „A te, o cara“, wenn er Elvira seine Brautgabe überreicht, und seine Verzweiflungsarie im dritten Akt, „Credeasi, misera“, wenn er fürchtet, zum Tode verurteilt zu werden, nachdem er erneut einen kurzen Moment des Glücks mit Elvira erleben durfte, avancieren mit Osborns weicher Stimmführung zu weiteren Höhepunkten des Abends.
Iurii Samoilov punktet als Riccardo mit markantem Bariton, der auch in den Höhen enorme Durchschlagskraft besitzt. Mit großer Emotion spielt er die tiefen Gefühle für Elvira aus und macht das Handeln der Figur damit gut nachvollziehbar. Kihwan Sim begeistert als Sir Giorgio mit kraftvollem Bass. Im Duett mit Rae findet er im ersten Akt zu einer betörenden Innigkeit, die nachvollziehbar macht, wieso Elvira ihren Onkel als „padre“ bezeichnet. Auch im zweiten Akt gelingt es ihm stimmlich sehr überzeugend, Riccardo von seinen Racheplänen abzubringen, da er erkennt, dass Elvira durch Arturos Tod nur noch größeres Leid erfahren würde. Das große Duett „Suoni la tromba“ wird von Sim und Samoilov sehr emotionsgeladen gestaltet. Bianca Andrew punktet als abgesetzte Königin Enrichetta mit warmem Mezzosopran. Thomas Faulkner und Michael Porter runden als Elviras Vater Lord Valton und Riccardos Freund Sir Bruno Robertson das Solisten-Ensemble überzeugend ab. Großes leistet auch der von Tilman Michael einstudierte Chor der Oper Frankfurt, der einiges auf und auch hinter der Bühne zu singen hat. Tito Ceccherini taucht mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester tief in die Partitur ein und zaubert wunderbare Melodienbögen aus dem Orchestergraben, so dass es verdienten Jubel für die musikalische Leistung des Abends gibt. (…)

Thomas Molke, www.omm.de


(…) Es gibt nicht nur viel zu hören, sondern auch zu sehen in Vincent Boussards Bellini-Interpretation. Hohen Anteil an einer gelungenen Premiere an der Oper Frankfurt haben Protagonisten wie Sopranistin Brenda Rae und US-Tenor John Osborn sowie ein auf I puritani melodisch und klanglich ideal eingestimmtes Frankfurter Opern- und Museumsorchester, dem Gastdirigent Tito Ceccherini die italienischen Impulse eingibt. Stimmschön und affektsicher singt zudem der Frankfurter Opernchor, mitfühlender Kommentator des tragischen Geschehens. (…)

Klaus Ackermann, Hanauer Anzeiger


(…) Angesichts von Brüchen und Unwahrscheinlichkeiten: die Republikanerin Elvira liebt den Royalisten Arturo; er lässt sie vor dem Gang in die Kirche sitzen, rettet die verurteilte Königin mit dem Brautschleier Elviras und muss für drei Monate untertauchen; sie verfällt dem Wahnsinn, gesundet aber bei Arturos Rückkehr und in den letzten drei Minuten gibt es per Amnestie für alle Royalisten ein opern-übliches „lieto fine“! – dafür holte Intendant Loebe Kenner: den von der Comédie-Française zur Oper gewechselten Regisseur Vincent Boussard und seinen langjährigen Partner Christian Lacroix für die Kostüme. Beide entschieden sich für eine vielschichtige Interpretation.
Da ist die Zeit nach der Revolution von 1830 zu sehen in dem leer gebrannten, schwarz geräucherten Theaterrund mit seinen drei offenen Logen-Rängen, die Johanes Leiacker als Einheitsbühnenbild bauen und von Joachim Klein raffiniert und zart wechselnd ausleuchten ließ. Am Ende lodert im Hintergrund neues Feuer auf: die Aufstände des „Giovane Italia“, des „Jungen Deutschland“ werden in die Revolution von 1848 münden.
Doch gleichzeitig durchzieht die „Schwarze Romantik“ die Kunst jener Jahrzehnte, mit Geistern, die in Mary Shelleys Frankenstein gipfeln. Da es im Umfeld Bellinis neben vielen Geliebten auch die Beziehung zu einer ominös bleibenden, schwarzhaarigen Italienerin gab, stilisierte Regisseur Boussard sie zu einem schwarzen Todesengel, der insbesondere das alter ego Bellinis, den Royalisten Arturo umspielte und, für die Bühnenfiguren unsichtbar, die Szene mysteriös und abgründig machte. So im hinzugefügten Vorspiel: Bellini sitzt im leeren Theaterrund am Flügel und spielt aus Liszts Hexameron die Variationen über ein Thema aus I Puritani; die heftige Liebesszene mit dieser schwarzkostümierten Italienerin endet tödlich, er stürzt neben dem Flügel ins Grab, aus dem sie seine Totenmaske emporhebt. Der Flügel als Symbol der unsterblichen Musik Bellinis wird präsent bleiben. Auf ihm ruht die als hypersensibel, seelisch zerquält (weil Riccardo versprochen) und buchstäblich „sterblich“ in Arturo verliebt gezeichnete, Hysterie nahe Elvira. Im Inneren des Flügels liegen der fatal missbrauchte Brautschleier, viele Rosen und die Totenmaske – als der Schalldeckel in den Wirren der Gefühle hochfährt, spiegelt er diese Irrealität – doch da sind die Zuschauer längst allem enthoben, denn zur Ouvertüre gibt es auf dem halbdurchsichtigen Zwischenvorhang eine filmische Grabsuche auf dem Friedhof Père Lachaise, der dann von einem Grabsteinauge durch eine durchscheinende Fotolinse in das ausgebrannte Theaterrund führt (unaufdringliches Video Isabel Robson).
Alles bleibt so in einer raffiniert kalkulierten Zwischenwelt-Schwebe, in überlegter Personenkonstellation auf dem Bühnenboden, beobachtet und kommentiert von mal halb realen, mal halb geisterhaften Opernbesuchern und Kriegsparteien, durchschritten vom die Figuren mal bedrohenden, mal umspielenden Todesengel… Kunst als die wahre und einzige Realität.
Boussard / Lacroix wagen eine kühne Lösung des unglaubwürdigen „lieto fine“: Elvira will Arturo „end-gültig“ für sich, erschießt ihn und stirbt an ihrer eigenen Tat, so auch Riccardo an all dem miterlebten Scheitern – Blackout – dann stehen alle Figuren als Schattenriss gegen den heller werdenden Hintergrund – Beifall rauscht von hinten auf – dorthin verbeugen sich alle: wir haben eine Aufführung im ausgebrannten Théâtre Italien erlebt – und um den zentral hereingerollten Flügel feiern die Künstler, Elvira umarmt ihren geliebten Arturo, Champagner wird gereicht – doch im Hintergrund erschießt sich der Todesengel – so wie etliche verlassene Geliebten Bellinis tragisch endeten. Doch das tat dem von einigen verstörten Buhs durchbrochenen Jubel über ein singuläres Belcanto-Erlebnis in Frankfurt keinen Abbruch.

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Große Gesten, starke Töne, tiefes Leid: Brenda Rae dient dieser Elvira nicht nur ihren außerordentlich wandlungsfähigen Sopran an, sondern beherrscht auch darstellerisch die Szene in einer Opera seria, bei der jede Arie ein Schlager ist. Und hat mit Tenor John Osborn einen Bühnenpartner, der als Retter und Liebhaber Arturo die höchsten Töne stemmt. Gefühlvoll vor allem im Duett mit Giorgio, dem noblen Mittler zwischen allen Fronten, den Bassbariton Kihwan Sim gibt, starke Stimme der Hoffnung (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Sämtliche weitere Solisten, aus wiederum sportlicher Sicht ein fulminanter Erfolg des Hauses, haben als jetzige Ensemblemitglieder im Opernstudio begonnen beziehungsweise sind derzeit dort engagiert (Bianca Andrew, den Kollegen ebenbürtig in der überschaubaren Partie der Königin). Großartig breiten sich Kihwan Sims fundamentaler Bassbariton als Elviras Onkel und Iurii Samoilovs weicher, staunenswert reifer Bariton als Arturos Rivale in der Tiefe aus. Ihnen gehört das wahre Herz der Puritaner mit dem Duett am Ende des 2. Aktes. Inhaltlich ein irres Teil, indem zunächst auf dieselbe Melodie grundlegend unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Weltklasse ist Brenda Rae als Elvira. Ihre Stimme bietet alles, was diese Rolle braucht: schmelzendes Legato, perlend virtuose Koloraturen, leichtes Staccato, kluge Atemführung. Zwei Wahnsinnsszenen billigt der Komponist dieser Partie zu, in beiden folgt das Publikum der im Frankfurter Ensemble großgewordenen Sängerin atemlos. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Die Neuentdeckung des Abends ist jedoch zweifelsohne die Mezzosopranistin Bianca Andrew aus dem Frankfurter Opernstudio, die Enrichetta nicht nur mit einer ausdrucksstarken kräftigen Stimme sang, sondern ihr auch eine expressive Bühnenpräsenz verlieh. Tito Ceccherini lieferte ein ebenso versiertes wie emotionales Dirigat ab und schuf einen ungeahnt runden und schönen Becanto-Klang im Frankfurter Opernhaus. So wurde dieser Abend musikalisch Bellinis Anweisungen, „die Oper muss die Leute zum Weinen bringen, mit Grauen erfüllen, sie durch Gesang sterben lassen“, gerecht.

Alexandra Richter, www.bachtrack.com

Liederabende in der Oper Frankfurt verheißen stets Glücksmomente und höchste Genüsse der besonderen Art. So war nun heute Hanna-Elisabeth Müller angesagt, doch die Dame sagte wegen Heiserkeit ab, und der Intendanz war es zu danken, eine adäquate Alternative zu präsentieren: Christiane Karg!
Die freudig begrüßte Sängerin, vor Jahren Ensemblemitglied und Publikumsliebling, hob in Würdigung des Komponisten Claude Debussy seinen 100. Todestag (…), dessen Affinität zu Richard Wagner und sein immenses Schaffen hervor. Bedingt durch die zeitlichen Umstände, auf die Schnelle einen Pianisten zu finden, erläuterte Christiane Karg, dass sie heute mit Simon Lepper erstmals auftrete. (…)

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Debussy machte jedenfalls eine bedeutende Figur. Ihm, so die Sopranistin vorab – denn wunderbarerweise gelang zwar noch ein Programmdruck, aber die Liedtexte blieben natürlich unkommentiert –, habe sie mehr von jenem Raum geben wollen, der ihm musikgeschichtlich zustehe. Als versierter Liedsängerin, die von aller Opernhaftigkeit absehen kann und über eine immens ausgefeilte Stimmkontrolle verfügt, fiel ihr das nicht schwer. Die Baudelaire-Lieder waren so flirrend zart, dass sie wie zerbrechliche Körperlein erschienen, Luftgespinste, aber vorzüglich abgestützt. In Saties „Engeln“ ging es bis an die Schwelle des Gerade-noch-Hörbaren (so mag es wohl sein, wenn Engelsstimmen „still aufsteigen“), bevor mit „Ich begehre dich“ Walzerseligkeit aufschwappte. Simon Lepper immer dicht und licht dabei. Probenprozesse wurden dermaßen ad absurdum geführt, dass man gar nicht darüber nachdenken darf. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Eine kokette Seite zeigte sie in vier Liedern von Debussys Zeitgenossen Erik Satie. „La diva de l’empire“ trat als Karikatur ihrer Epoche auf, eine wohlbehütete Dame, die unschuldig-frivol ihre Spitzenwäsche zeigt. Die Wesendonck-Lieder des von Debussy und seinen französischen Kollegen verehrten Richard Wagner beschlossen den Abend; die Grundstimmung „nicht mehr als mezzoforte“ erlaubte es Christiane Karg, auch ohne sängerische Tricks ihre Stimme in die geforderte Tiefe zu führen. Sie tat gut daran, nur eine kontrollierte Portion Gefühl in diese Kooperation Wagners mit der geliebten Züricherin Mathilde zu investieren, eher den ausdrucksvollen Zusammenklang von Text und Stimmführung hervorzuheben. Dankbarer Beifall, keine Zugaben – es war alles gesagt, gespielt und gesungen.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Ende lang anhaltender und starker Applaus. Auf eine Zugabe verzichtete Christiane Karg bewusst, denn den gesungenen Worten sollte erst einmal in Ruhe nachgespürt werden. Dafür trug sie ein Zitat von Debussy vor: „Höre auf den Rat von niemandem, außer auf den Wind in den Bäumen. Er erzählt Dir die Geschichte der gesamten Menschheit.“ (Claude Debussy alias Monsieur Croche).

Markus Gründig, wwwkulturfreak.de

Aus der Not eine Tugend zu machen, ist für die Oper Frankfurt offenbar kein Problem. Statt dem aus Krankheitsgründen abgesagten Il corsaro zauberte die Intendanz Verdis La Traviata aus dem Hut, ebenfalls konzertant dargeboten. Und dank der großartigen Belcantisten Brenda Rae, Mario Chang und Željko Lučić gelang ein Überraschungscoup, der mit anhaltenden Ovationen gefeiert wurde. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Brenda Rae gelang ein überwältigendes Portrait der Violetta Valéry, dass man aus dem Staunen kaum heraus kam und rechtfertigte die Wahl dieser Oper umso mehr. Bewundernswert respektabel zugleich die außergewöhnliche Legatokultur der Sopranistin, die gesangsprofessorale Phrasierungskunst, in deren Mittelpunkt die Charakterstudie dieser tragischen Figur stand. Bei Rae stimmte einfach alles, ganz besonders die vokale Akkuratesse, die bezaubernde Optik gepaart mit intensiver Darstellung. Bemerkenswert die bruchlose, saubere Intonation, die herrlichen lyrischen Piani, die klangvollen silberhell leuchtenden Höhen gekrönt von schier endlosen schwebenden Tönen. Sicher bewältigte Brenda Rae die Koloraturen im ersten Akt und in komplexen Linienführungen verstand sie es mit ihrer nuancenreichen Stimme diese Frauenfigur zu formen, zu bezaubern und schließlich bis zur finalen Schlussphase zu berühren. Bravissimo!
(…)
Das Publikum schien euphorisiert, geizte nicht mit Szenenapplaus und bedachte alle Künstler, Dirigent und Orchester mit 10-minütigen lautstarken Ovationen.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Der italienische Dirigent Francesco Lanzillotta übernimmt sympathisch pragmatisch die Rolle des konzentrierten Sortierers und Organisierers. Das glänzend aufgelegte Museumsorchester bietet einen überzeugenden, federnden Verdi-Klang, der von Tilman Michael (hurtig) einstudierte Chor wirkt kompakt und beweglich.
(…)
Nun aber: Als Vater Germont singt [Željko] Lučić  machtvoll und raumsprengend und dabei mit geradezu provozierender Mühelosigkeit (wenn auch eher diabolisch angeraut, ein gezähmter, gezügelter Rampenberserker). Das ist so enorm, dass der vom Frankfurter Publikum hier nicht inflationär, sondern kennerhaft verteilte Zwischenbeifall mit dem Toben und Jubeln nicht mehr aufhören will. Herrlich dabei zuzuschauen, wie Lučić und Rae, in verschatteter Rollensituation, tapfer in ihrem Ernst und ihrer Traurigkeit verharren, denn auch als Paar sind sie die Sensation der ganzen Unternehmung.
Aus dem Haus werden die kleineren Rollen besetzt, gut bis brillant, darunter Elizabeth Reiter als quecksilbrige Annina und Michael McCown als markanter Vicomte de Letorière, auch darstellerisch stets einen Seitenblick wert. Staunenswert etwa auch Opernstudiomitglied Iain MacNeil, der sich problemlos als Alfredos Gegenspieler Douphol integriert.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Mario Chang erwies sich als nobler Alfredo, der in den Duetten mit Brenda Rae für tenoralen Glanz sorgte, während zwei Debütanten herausstachen: Iain MacNeil als kaltherziger Baron Douphol und Brandon Cedels wuchtiger Marquis d’Obigny. Heute Abend [9. November 2018] läuft die zweite, letzte und unbedingt sehenswerte Vorstellung um 19 Uhr.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse

(…) Schon bei ihrer Premiere 2013 war Fassbaenders Ariadne ein gewaltiger Erfolg. Nun wurde diese Inszenierung zum zweiten und letzten Mal wieder auf den Spielplan gesetzt. Man sollte sich also beeilen, wenn man das gute Stück noch einmal erleben möchte, nicht nur des famos mit räumlichen Effekten spielenden Bühnenbildes (von Johannes Leiacker) wegen.
Für die Titelrolle steht die schwedische Sopranistin Christina Nilsson zur Verfügung, die trotz ihrer jungen Jahre für exponierte Partien prädestiniert scheint. Sie arbeitet derzeit an ihrem Aida-Image (in der heimatlichen Oper zu Stockholm), wird aber auch eine gefragte Ariadne werden (Lausanne hat sie schon gebucht). Woran ihre Beliebtheit festgemacht werden kann, wurde bei der Wiederaufnahme in mehrerlei Hinsicht deutlich: Ihre klare und bis in große Höhen bezwingend schlanke Stimme macht sie für die typischen Strauss-Partien zu einem großen Gewinn. Dazu kommt die reife darstellerische Ausstrahlung dieses sehr kompakten Wesens.
Auch sonst kann sich das Solistenensemble sehen und hören lassen. Elizabeth Sutphen als Zerbinetta, Paula Murrihy als Komponist, vor allem aber der hingebungsvoll-komische Harlekin, der von Mikołaj Trąbka Format und Klasse erhielt, boten besonders im ersten Teil eine wirkungsvolle Einheit. Florina Ilie, Zanda Švēde und Angela Vallone ließen die drei Nymphen Najade, Dryade und Echo in liebenswertester Form Wirklichkeit werden. Und die (wichtigen) Nebenrollen eines Hofmeisters (Michael Benthin), Perückenmachers (Thomas Faulkner) und Tanzmeisters (Michael McCown) waren mit Bedacht ausgewählt und besetzt worden.
So ist auch Ariadne auf Naxos als wichtiges Glied einer Kette bedeutender Strauss-Inszenierungen in Frankfurt in den vergangenen zehn Jahre zu sehen. Das Opernorchester, das diesmal unter der couragierten Leitung von Christoph Gedschold stand, hatte mit großem Format in kleiner Besetzung daran seinen gebührenden Anteil.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Diese Wiederaufnahme vereint kurzweilige und intelligente Unterhaltung mit Vokalakrobatik und opulentem Strauss-Sound vom Feinsten. Wir empfehlen, den Preis für die teureren Karten in den vorderen Parkettreihen nicht zu scheuen, um keine Nuance des ausgefeilten Spiels der darstellerisch exzellenten Besetzung zu verpassen. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) nach zwei fulminanten Eröffnungspremieren des derzeit auch international mit Preisen ausgezeichneten Opernhauses ein weiterer Frankfurter Triumph abseits ausgetretener Repertoirepfade. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


Einhellige Zustimmung erhielt das Frankfurter Opernhaus am Sonntagabend für die intelligente Kombination von zwei Kurzopern aus unterschiedlichen Stilepochen. Die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier bekam bei ihrem Hausdebüt großen Beifall des Publikums, trotz ihres unerbittlichen Blicks auf unsagbare Tabus.
In Igor Strawinskys wuchtigem Opern-Oratorium Oedipus Rex aus dem Jahr 1927 mutete sie den Zuschauern nicht nur ihre drastische Bebilderung der Vater-Tötung samt inzestuöser Mutterliebe zu.
Vor allem die zugespitzte Deutung von König Renés Liebe zu seiner blinden Tochter Iolanta, in der Steier schweren sexuellen und emotionalen Missbrauch freilegte, gelang ihr durchweg überzeugend. Im Gedächtnis bleiben wird bei dem erstmals in Frankfurt aufgeführten Einakter von Peter Tschaikowski aus dem Jahr 1892 das entlarvende Bühnenbild von Barbara Ehnes: Ihre 400 quietschrosa Kleinmädchenpuppen, aufgereiht wie Zinnsoldaten, die Iolanta bewachen und bedrohen, erhielten Szenenapplaus.
Frenetischen Jubel erntete die litauische Sopranistin Asmik Grigorian in ihrem Hausdebüt als Iolanta, die mit Ensemblemitglied AJ Glueckert als Graf Vaudémont die emotionalsten Höhepunkte des Abends lieferte. Als weitere große Ensembleleistungen wurden Peter Marshs Ödipus und Tanja Ariane Baumgartners aufgetakelte Jokaste lautstark gefeiert. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle bewies, dass er nicht nur Strawinskys düstere Oratorienwucht meisterlich ausformulieren, sondern auch der romantischen Üppigkeit Tschaikowskis abgründige Klänge des Unterbewussten gegenüberstellen kann.

Bettina Boyens, www.musik-heute.de


(…) Der aufwändige und grandiose Abend (dirigiert von Sebastian Weigle, inszeniert von Lydia Steier) zeigte, dass sich das Frankfurter Haus nicht auf dem neuerlichen „Oper des Jahres“-Ruhm (der Opernwelt-Kritikerjury) auszuruhen gedenkt.
(…) Eine große Premiere!

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


„Nos sumus populus“ (Wir sind das Volk) und „Thebae semper primo“ (Theben immer zuerst) steht auf den Schildern der Anzugträger. Ihr Führer verspricht die Lösung aller Probleme. Lydia Steiers in die Weimarer Republik verlegte Inszenierung von Oedipus Rex an der Frankfurter Oper kommt manchem Premierengast beängstigend nah, zumal er beim Blick auf das Handy in der Pause vom erstmaligen Einzug der AfD in den hessischen Landtag erfährt. Während sich die amerikanische Regisseurin bei ihrer Salzburger Zauberflöte im Sommer in den Erzählsträngen verhedderte, gelingen ihr an diesem Frankfurter Doppelabend gleich zwei aufwühlende Deutungen, denn neben Strawinskys lateinischem Opernoratorium steht noch Tschaikowskys letzte Oper Iolanta auf dem Programm. So unterschiedlich die beiden Werke musikalisch sind – Lydia Steier entdeckt Gemeinsamkeiten. Angst regiert im antiken Themen wie im Frankreich des 15. Jahrhunderts die Gesellschaft. Beide Titelfiguren können oder wollen die Realität nicht sehen. Es geht um Schuld und Sühne und um Verdrängtes, das ans Licht kommt. (…)

Georg Rudiger, Badische Zeitung


(…) Regisseurin Lydia Steier und die grandiose Sängerin Asmik Grigorian, die im Sommer bei den Salzburger Festspielen als Salome (Richard Strauss) alle überwältigte, bohren unerbittlich in die Leerstellen und Grauzonen der Tschaikowski-Oper und ihrer Protagonistin. (…)
Schon das Libretto lässt keinen Zweifel daran, dass Iolantas Blindheit keine körperliche, sondern eine psychosomatische Ursache hat. Aber welche? Lydia Steiers ohne alle Grellheit oder Provokation in Szene gesetzte Erklärung lautet Inzest. (…)

Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung


(…) Aus der Weimarer Zeit könnten diese Parlamentarier stammen: Männer mit Zylinder, Kriegsversehrte und Soldaten, die vor einem trutzigen Palast Demoschilder hochhalten, auf denen in Latein „Wir sind das Volk“ oder „Theben zuerst“ geschrieben steht (Bühnenbild: Barbara Ehnes). Die exzellent agierenden Männer des Frankfurter Opernchors (Leitung: Tilman Michael) sind bei der Doppel-Premiere nicht nur eine flexible Gesangsmasse, sondern auch als Kommentatoren gefragt – und einer Rauferei nicht abgeneigt.
Denn in Strawinskys der griechischen Mythologie entlehntem Oedipus Rex herrscht in Theben die Pest – und der gerade erst zum König gemachte Titelheld (weil er das Rätsel der Sphinx geknackt hat) soll es richten. Peter Marsh ist Ödipus, ein mit heller Tenorstimme sich Respekt verschaffender Realpolitiker, den seine Vergangenheit einholt. Hochemotional, wenn er die bittere Wahrheit zu ahnen beginnt, die ihm der blinde Seher Teiresias (Andreas Bauer) und seine – im knallroten Kleid wie eine Musical-Evita posierende – Gemahlin Iokaste (Kostüme: Alfred Mayerhofer) noch vorenthalten. Tanja Ariane Baumgartner ist gurrende Salonschlange und mitleidende Mutter gleichermaßen, ein gewohnt charaktervoller Auftritt der Mezzosopranistin. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Als sich der Vorhang für Peter Tschaikowskis Einakter Iolanta hebt, lässt sich das Frankfurter Publikum einen Sturm aus „Ah“-Rufen entlocken. Denn Lydia Steier (…) hat das Bett der Königstochter in einem bühnenhohen Raum mit mehr als 400 rosa gekleideten Puppen platziert. Ihr Vater, der König René, lässt sie in Serie herstellen und damit immer wieder das Bild reproduzieren, das er sich und uns von seiner entsprechend bonbonhaft ausstaffierten Tochter macht (Kostüme: Alfred Mayerhofer). Die Geschichte selbst, in der ein arabischer Arzt (stattlich: Andreas Bauer als Ibn-Hakia) und der Graf Vaudémont Hand in Hand für Heilung sorgen, ist eher Nebensache, die lyrische Pracht von Tschaikowskis Musik dafür umso suggestiver. (…)

Axel Zibulski, Darmstädter Echo


(…) In Iolanta beklatscht das Publikum zunächst das Bühnenbild von Barbara Ehnes. Sie hat ein rosa Kinderzimmer mit zwei überdimensionalen Puppenwänden in den ersten Stock gezaubert. Die Untertanen sitzen im Parterre und fertigen immer neue Puppen an. Steier jubelt diesem König (impulsiv: Bass Robert Pomakov), der seine Tochter von der Welt abschirmt, ein Inzest-Verbrechen unter. Während die Ritter Robert (stark: Bariton Gary Griffiths) und Vaudémont (in den Höhen beeindruckend: Tenor AJ Glueckert) die Liebe besingen, macht sich der Vater über das schlafende Mädchen her. Im Finale, wenn Iolanta von ihrer Blindheit geheilt ist, wendet sie sich vom König ab. Dass die Regisseurin mit dem gut disponierten Bass Andreas Bauer in beiden Opern eine Schlüsselposition besetzt, den die Wahrheit sagenden Seher Teiresias (Strawinsky) und den heilenden Arzt Ibn-Hakia (Tschaikowski), zeugt von dramaturgischem Weitblick.
Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Dirigent Weigle. Er fordert das Frankfurter Opern- und Museumsorchester immer wieder neu. Im Strawinsky arbeitet Weigle das Kleinteilige sauber heraus, ohne laut zu werden, während er in Tschaikowskis letzter Oper die Musiker durch die Partitur schwelgen lässt. Der Chor klingt gewohnt erhaben. Sopranistin Asmik Grigorian als Iolanta wird gefeiert. Die Litauerin spielt intensiv und singt mit Ausdruck und enormer Klangschönheit. Sie allein ist bereits den Besuch des gelungenen Doppelabends wert.

Manfred Merz, Frankfurter Neue Presse


(…) Asmik Grigorian sitzt mit leerem Blick auf dem Bett. Sie habe Augen, um zu weinen, wird diese Iolanta später sagen, ehe sie dann doch vom arabischen Arzt Ibn-Hakia (mit voluminösem Bass: Andreas Bauer) von ihrer Blindheit geheilt wird.
Regisseurin Lydia Steier möchte das genauer wissen und fragt nach der Ursache dieses Leidens. Den Missbrauch durch den Vater zeigt sie in verstörenden Bildern. Es ist Asmik Grigorian, die diese fordernde Rollenzeichnung zu einem packenden und glaubwürdigen Porträt gestaltet. Die litauische Sopranistin, die bei den Salzburger Festspielen als Salome Maßstäbe setzte, zeigt in allen Nuancen die allmähliche Emanzipation vom geknechteten Kind bis zur selbstbestimmten Frau. Ihr dunkel gefärbter, sehr körperlicher Sopran bleibt lange verhalten, ehe diese Iolanta durch Graf Vaudémont (mit enormer Leuchtkraft: AJ Glueckert) die Wahrheit und auch die Liebe entdeckt. Am Ende sind Grigorians fulminante Spitzentöne Schreie gegen den übergriffigen Vater. (…)

Georg Rudiger, www.die-deutsche-buehne.de


(…) Anna Netrebko hat die Titelpartie längst für sich entdeckt; in Frankfurt ist mit der jüngst für ihre Salzburger Strauss-Salome bejubelten Sopranistin Asmik Grigorian eine andere, am Ende hymnisch gefeierte Ausnahmesängerin zu hören. Ihr Duett mit dem auf Augenhöhe strahlenden Tenor AJ Glueckert als Graf Vaudémont wird zur vokalen Sternstunde, in der die Oper Frankfurt ihrem neuerlich erworbenen Ruf als „Opernhaus des Jahres“ gerecht wird. Dirigent Weigle vermittelt bei Tschaikowski Lyrik und Melodik vollblütig, die Reihe der starken Eindrücke ergänzt in beiden Werken der stattliche Waliser Bariton Gary Griffiths als Kreon sowie als Herzog Robert. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Regisseurin Lydia Steier bringt in Frankfurt die Enthüllungsstory. Ihre Aussage ist klar und verständlich: Mythos wie Märchen bergen unter dem Deckmantel fremdgesteuerter Schicksale tiefste seelische Dramen. Sie thematisieren kausale Zusammenhänge einer Ereigniskette, die der Mensch nicht aufhalten kann. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Kein Happy End, dafür aber Vieles zum Nachdenken. Ein großartiger Premierenabend mit zwei exorbitant gelungenen Musikdramen zweier Komponisten, die Blindheit und Sehen als aufklärerisches Moment moderner Gesellschaften in zwei großartige Musikwerke transportierten. Ein Opernerlebnis, dass durchaus wiederholt werden sollte.

Helmut Wäldele, www.hboscaiolo.blogspot.com



(…) Lydia Steiers Spiel mit der Doppeldeutigkeit von Szene, Wort und Klang ist aufgegangen. Die Frankfurter Oper ist auch in den Nebenrollen den Stücken nichts schuldig geblieben und hat so am Gewebe der Täuschung mitgewirkt. Das Publikum feiert die Darsteller ebenso wie das Team und geht tief beunruhigt aus dem Saal. Und starrt auf das offene Wahlergebnis. Ja, achtet auf die Kinder – sie sind nicht das Eigentum ihrer Eltern, sondern die Zukunft der Gesellschaft, an der nicht gespart werden sollte.

Bernd Feuchtner, www.klassikinfo.de

(…) Ein Opernhaus, dem es gelingt, eine derart schlüssige und erhellende Produktion im Repertoire zu halten und eine Besetzung auf herausragendem Niveau ausschließlich mit Ensemblemitgliedern zu bestreiten, ist wahrhaft preiswürdig. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(...) Lothar Koenigs leitete zum ersten Mal das Opern- und Museumsorchester, das sich diesmal in leisen, fast kammermusikalischen Tönen zu üben hatte. Graf und Gräfin waren in Person von Sebastian Geyer und Kirsten MacKinnon Neubesetzungen, die mit klaren stimmlichen Konturen und ausgewogener Balance aufwarteten.
(…)
Von der Premiere kannte man noch AJ Glueckert als Flamand und Alfred Reiter als Theaterdirektor La Roche mit einem eindrucksvollen, leidenschaftlichen Plädoyer für Geist und Würde des Theaters.
Dass es während der gesamten zweieinhalb Stunden Spielzeit stets auch ein wenig selbstironisch zugeht bei den Theaterleuten, versteht sich von selbst. Sinnbild für diese Komik ist Tenor Hans-Jürgen Lazar in der Rolle des ewig schläfrigen Souffleurs Monsieur Taupe, der am Ende des Theaters in der Oper einen gewichtigen Auftritt hat.
Von allem war das Publikum sehr angetan. Der Schlussapplaus galt aber auch dem Bühnenbildner Johannes Leiacker, der erst kürzlich für seine überzeugende Frankfurter Arbeit ausgezeichnet worden ist.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltete umsichtig und souverän Lothar Koenigs. Der Dirigent animierte das bestens disponierte Orchester zu schlankem, silbrigem Streicherklang, zu rhythmischer Präzision während der Lach- und Streit-Oktette, verband leicht ironische Zwischentöne bei den vokalen Dialogen und wurde der Strauss’schen Orchestersprache in jeder Hinsicht gerecht. Betörend schön klang die „Mondscheinmusik“ sowie die wunderbare Untermalung des finalen Schlussmonologs. Quasi trug er kompetent seine Sänger auf musikalischen Händen.
(…)
Die Protagonisten der qualitativ hochwertigen Aufführung wurden vom begeisterten Publikum lautstark und stürmisch gefeiert.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu

(…) Die Inszenierung von Jim Lucassen, erstmals gezeigt 2013, versetzt den Zuschauer mitten in ein naturkundliches Museum, präparierte Tiere und das große Sauriergerippe im zweiten Akt könnten auch aus der Senckenberg’schen Stiftung stammen. Rusalka selbst erwacht erst nach einigen Takten zum Leben und steigt aus einer Art Wald-Voliere mit Bäumen und Wasserfall ins wahre, grausige Menschenleben herunter.
Mit klarem Strich gezeichnete Charaktere eifern um die Wette: Der zwischen Realität und Träumerei wandelnde Prinz, die keifende Hexe Ježibaba. Die scheinbar über allen Wirrungen schwebende Fremde Fürstin und der barsche Wassermann. Dazu noch drei Waldelfen in synchroner Bewegung, die es sich am Ende in den Vitrinen des Museums bequem gemacht haben.
Für all dies märchenhafte Volk stehen in der Frankfurter Wiederaufnahme stimmlich und darstellerisch adäquate Künstler zur Verfügung: Karen Vuong (…) überzeugte auch diesmal wieder – gerade ihr Schweigen ließ die darstellerischen Qualitäten noch wichtiger werden.
Auch sonst griff man auf bewährte Kräfte zurück: die erhabene Claudia Mahnke als Fürstin, Andreas Bauer als Wassermann und Katharina Magiera als eine sehr bewegliche Hexe. Der australische Tenor Gerard Schneider aber war in der Rolle des Prinzen zum ersten Mal zu erleben – stimmlich die passende Ergänzung zur zarten Rusalka.
Generalmusikdirektor Sebastian Weigle ließ es sich nicht nehmen, auch die Wiederaufnahme zu leiten – er formte mit dem hervorragend einstudierten Opern- und Museumsorchester kraftvolle Urwüchsigkeit im besten Sinne Dvořáks.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Nach der wunderbar gelungenen Wiederaufnahme von Richard Strauss‘ Capriccio bietet die Oper Frankfurt erneut eine exzellente Besetzung auf, die sich ausschließlich auf hauseigene Kräfte stützen kann und ohne Gäste auskommt. Wer immer kann, sollte die letzte Gelegenheit, diese wunderbare Produktion vor ihrer Absetzung noch einmal zu erleben, nicht verpassen. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) Malin Byström in der Titelrolle hatte ihre überzeugendsten, bezwingendsten Momente natürlich im zweiten Akt, als sie dem drängenden Scarpia die kalte Schulter zeigt. Aber auch beim Sturz von der Engelsburg – für Regisseure eine szenische Herausforderung – bewahrte sich die Sängerin ihren Platz in den Herzen der Zuhörer.
Gemeinsam mit dem leidenschaftlichen Stefano La Colla bot man ein ausgewogenes, rundum überzeugendes Liebespaar. La Collas mächtige, aber trotzdem recht schlanke, flexible Stimme lag dem Zuhörer noch lange im Ohr.
Man konnte sich also über ein Festival der Stimmen freuen. Es wäre ohne die weiteren Darsteller nicht denkbar gewesen: Dario Solari wurde als Bösewicht Scarpia allen sängerischen und darstellerischen Herausforderungen gerecht. Auch Brandon Cedel als Häftling Angelotti und der gute alte Franz Mayer als Mesner boten Farbe und Format wie Michael McCown als Spoletta und Barnaby Rea als Scarrione. Diese Tosca zeigte einmal mehr, dass das Frankfurter Opernensemble derzeit glänzend in Form ist. Chor und natürlich das Opern- und Museumsorchester – diesmal unter der Leitung von Lorenzo Viotti – hielten mit.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Gut aufgelegt präsentiert sich das Orchester unter der Leitung von Lorenzo Viotti. Der junge Dirigent ist ein aufmerksamer Begleiter. In den Einleitungen zu den einzelnen Akten beweist er ein gutes Gespür für die klangfarblichen Finessen der Partitur, in der Puccini eine erstaunliche Nähe zum französischen Impressionismus zeigt. Angenehm, dass das „Te Deum“ trotz angemessener Wucht nicht dröhnt. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Zum ersten Mal ist in Deutschland die multimediale Oper Lost Highway von Olga Neuwirth zu sehen. Die Premiere am Mittwoch im Bockenheimer Depot in Frankfurt war ein irrer Trip durch alle Genres: Die Sänger-Schauspieler wurden unter anderem via Greenscreen in Animationen und Filmszenen eingeblendet.
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Das 2003 in Graz uraufgeführte Werk der 1968 geborenen Österreicherin basiert auf dem gleichnamigen Film von David Lynch. Das Libretto für die Opernversion verfasste Neuwirth zusammen mit der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Regie führte der Amerikaner Yuval Sharon, ein weltweit gefragter Spezialist für medienübergreifende Arbeiten.
Seine Frankfurter Version von Lost Highway ist modernes Musiktheater, das mit der gängigen Vorstellung von Oper kaum etwas zu tun hat (…). Eine surreale Krimihandlung. Klänge, neu und nervenzehrend wie Filmmusik. Bis Ende September gibt es fünf weitere Aufführungen.

Sandra Trauner, Deutsche Presse-Agentur (dpa)


(…) [Yuval] Sharon ist zufällig momentan auch der heißeste junge Opernregisseur in Deutschland (…)

Mark Swed, Los Angeles Times (Übersetzung: Oper Frankfurt)


(…) Der Regisseur Yuval Sharon eilte umweglos von seiner Bayreuther Lohengrin-Inszenierung zur Frankfurter Aufgabe, in der er sich weit mehr zu Hause fühlte. Es entstand eine durchdachte, in jedem Detail überzeugende Aufführung! Klarer hätte man eine scheinbar verzweifelt wirre, zumindest sehr komplexe Story nicht präsentieren können. (…)
Originell diesmal die Präsenz des für den Instrumentalpart verantwortlichen Ensemble Modern. Es versteckt sich hinter der Bühnenwand, wird aber phasenweise auf der Projektionsfläche sichtbar gemacht. Den gesamten Ablauf muss man als ein Wunder an Präzision bezeichnen. Selbstverständlich sind Qualität und Prägnanz des Orchesteranteils unter der engagierten Leitung von Karsten Januschke untadelig. Wie das alles mit dem live-elektronischen Sounddesign (Markus Noistering, Gilbert Nouno, Norbert Ommer) und den minuziös arrangierten Bühnenbild-, Video- und Lichteffekten abgestimmt ist (Jason A. Thompson, Kaitlyn Pietras), musste geradezu als mirakulös wahrgenommen werden.
Im nahtlosen Zusammenspiel von Manpower und Technik, in der spielerischen Lust am Umgang mit allen Facetten narrativ-theatralischer (Un-)Wirklichkeit war dieser Abend ein Manifest des aktuell lebendigen Musiktheaters. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Ein spektakuläres Gesamtkunstwerk aus Bild und Ton, aus (Über-)Blendung und Bewegung haben Jason H. Thompson und Kaitlyn Pietras da für Sharons psychologisierende Tiefenbohrung entfesselt. Ein Kunstwerk, das über 90 Minuten den Blick des Zuschauers in sich einsaugt wie eine Windhose. Und seien wir ehrlich: Diesem Strudel des verirrten Sinnes entkommt man leichten Herzens nicht, weil er wirkt wie eine (synthetische) Droge – und weil er, einem LSD-Trip vergleichbar, Bilder kreiert, die aus dem Teufelskreis jener Wunsch- (oder Wahn-)Vorstellungen stammen, die, bei Dunkel betrachtet, vermutlich in jedem von uns wohnen.
Lost Highway in Frankfurt, das ist Musikfilmtheater (Filmmusiktheater? Theaterfilmmusik?) der Grausamkeit, der Insinuation und Manipulation. Mit Darstellern, die sich mit choreografischer Präzision in ihre Rollen einfinden, sie sich geradezu einverleiben. (…)

Jürgen Otten, Opernwelt


(…) Es dauert eine ganze Weile, bis alle Raffinessen der komplizierten Bühne wirksam durchschaut sind. Während Schauspieler Jeff Burrell als Fred unten im Green Screen live agiert, setzen die Video-Spezialisten Jason H. Thompson und Kaitlyn Pietras ihn im oberen Teil in mysteriöse, extrem künstlich flirrende Film-Sets. Unten glaubt Fred, autonom zu handeln, in Wirklichkeit wird sein Leben manipuliert.
Das Ergebnis: Alle seine Beziehungen wirken entfremdet, vor allem die zu seiner Frau, von Elizabeth Reiter als düstere Reinkarnation einer kühlen Hitchcock-Lady gesungen und gesprochen. Sie agiert in ihrer Zwillingsrolle als Renee / Alice ebenfalls in einem Green Screen, ebenso wie das hervorragende Ensemble Modern. Nur selten zeigt eine Live-Kamera das Orchester hinter einem feinen Gaze-Vorhang aus der Vogelperspektive.
Als sich Fred in der Gefängniszelle in Pete verwandelt, wandelt sich die Oper komplett in einen live gedrehten Film. Und der formt sich immer stärker zur undurchsichtigen Struktur aus vorgefertigtem Bühnenbild, sprechenden Sängern und singenden Schauspielern. Auf diese überzeugende Weise findet Yuval Sharon eine adäquate künstlerische Übersetzung für die zunehmenden Avatar-Erfahrungen unserer digitalen Zeit.
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Wer Yuval Sharons flirrend-erratischen Klang-Film-Raum noch nicht gesehen hat, muss sich sputen. Die weiteren fünf Termine bis zum 23.September sind nahezu ausverkauft.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Auch dem Darstellerensemble glückt die virtuose Gratwanderung zwischen Film, Computeranimation und Musiktheater auf grandiose Weise. Nicht nur der Schauspieler Jeff Burrell als Fred verleiht seiner Partie rasiermesserscharfe Konturen.
Auch die Sopranistin Elizabeth Reiter, die als Renee und Alice erotische Coolness mit glutvollen Gesangsausbrüchen verbindet, sowie der Vokalkünstler David Moss als brutal aufbrausender Mr. Eddy und der Bariton John Brancy als stimmstrotzender Mechaniker Pete erreichen – nicht zuletzt dank Yuval Sharons perfektionistischer Personenregie – eine Leinwandpräsenz, die bei jedem noch so strengen Casting überzeugt hätte.

Silvia Adler, Darmstädter Echo

(…) Dass die Darsteller den Zuschauer derart beeindrucken, liegt auch an den charakteristisch-fantasievollen Kostümen, die Doey Lüthi ihnen hat schneidern lassen. Vor allem aber an Yuval Sharon, der mit ihnen so genau gearbeitet hat. Und an dessen Video-Partnern Jason H. Thompson und Kaitlyn Pietras, die mit Sharon das raffinierte Bühnenkonzept ausgetüftelt und so brillant realisiert haben. Sobald Fred in der Zelle sitzt, verschwindet die grüne Wand und hinter Gittern sitzt nun auf der oberen Ebene Pete – es dauert einige Zeit, bis der Zuschauer begreift, dass da oben zwischen und hinter Videoprojektionen nun reale Darsteller handeln. Und es dämmert ihm, dass das Video im ersten Teil ebenfalls live, nur eben versteckt, aufgenommen war. Auch die Musiker des Ensemble Modern tauchen immer mal wieder auf der Gaze auf, dazwischen die typischen Schlieren vom Vor- und Rückspulen oder Farbverläufe wie einst in Kubricks 2001, dem das Frankfurter Filmmuseum gerade eine Rückschau widmet.
Jene Odyssee im Weltraum hatte ja auch dadurch eine so große Wirkungsmacht, weil sie realistisch tat, aber ganz unwahrscheinliche Vorgänge zeigte – dies war der erste große Science-fiction- und Fantasyfilm. Und wie 2001 vor 50 Jahren etwas zeigte, das absolut auf der Höhe der Zeit war, so vermittelte auch der Frankfurter Abend mit Lost Highway den Eindruck, hier seien Musik und Theater absolut im Hier und Jetzt und auf der Höhe der Kunst angelangt. Das kann man von Opernproduktionen nicht häufig sagen. Der Zuschauer war einerseits enthusiasmiert von einem außergewöhnlichen Kunstereignis, andererseits ging er aber auch beunruhigt nach Hause, weil die Bedrohung der Gesellschaft durch die Spaltung der Wahrnehmung ihn spätestens bei der nächsten Nachrichtensendung wieder einholen würde.

Bernd Feuchtner, www.klassikinfo.de


Ein multimediales Musiktheater mit psychologischem Tiefgang. Eine Inszenierung, die in Atem hält: Die Premiere von Olga Neuwirths Lost Highway nach dem gleichnamigen David-Lynch-Film in der Regie von Yuval Sharon war im Bockenheimer Depot ein voller Erfolg. (…)

Stefan Michalzik, Offenbach-Post

(…) Zum Auftakt interpretierte Günther Groissböck Vier ernste Gesänge von Johannes Brahms. Getragen, ja weihevoll behandelte der vorzügliche Sänger in ungekünsteltem Ausdruck und lyrischen Färbungen seines herrlichen Timbres diese Vertonungen. Sein dunkel leuchtender Tonfall harmonierte so charakteristisch zur majestätischen Deklamation, hier hörte man nicht den Propheten, der das Wort verkündete, sondern jemanden, der dies alles erfahren hat. (…)
In Folge präsentierte der vortreffliche Erzähler den Liederkreis op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff zur Komposition aus der Feder Robert Schumanns. (…)
In höchst beeindruckender Weise verstand es der exzellente Bass, die grundlegenden Leidenserfahrungen eines Menschen derart farb- und facettenreich auszudrücken.
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Samtig tönend, vorzüglich musikalisch untermalend begleitete Malcolm Martineau den Solisten, unterlegte sein nie dominantes Spiel mit pianistischen Finessen, stilistischem Einfühlungsvermögen, nachhaltiger Virtuosität und hatte so gewaltigen Anteil am großen bejubelten Erfolg.
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Der denkwürdige Liederabend und verheißungsvolle Serien-Auftakt dürfte in die Annalen des Hauses eingehen.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Nach der Pause waren Lieder von Peter Tschaikowski und Sergei Rachmaninow perfekter Stoff für alle Register eines beweglichen Basses. Noch prächtiger als die sonoren Nummern wirkten die stark belebten, allen voran Tschaikowskis untergründig schon tragisch gehetztes „Ständchen des Don Juan“ (mit noch über den Sänger hinaus bereits weiterjagendem Klavier, raffiniert).
So, und anschließend sang Günther Groissböck den Schluss der Walküre, als Luxuszugabe und als Work in Progress. Für 2020 ist er als Bayreuther Wotan angekündigt, ein enormer Ort für ein solches Rollendebüt. Der probierende Groissböck aber jetzt mit hinreißend warmer, samtener Kraft. Man verstand seinen Interviewsatz „Der Wotan sollte meiner Meinung nach von der unteren Lage her kommen“ aus dem Stand. Hart, nicht sofort mehr davon zu hören.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(…) Nach dem Tod ihrer Eltern leben die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga zusammen mit ihrem Bruder Andrei und dessen Frau Natascha in der russischen Provinz. Man sehnt sich zurück nach Moskau, das Landleben nervt. Doch niemand hat die Kraft, daran etwas zu ändern. Es bleibt bei Träumen und Hoffnungen. In einem Prolog sinnieren die Schwestern über die Leere (…). In den folgenden drei Sequenzen erzählt Eötvös das sich wiederholende Geschehen rund um die Themen Liebe, Lust und Langeweile aus der Sicht von Irina, Andrei und Mascha jeweils neu.
Frankfurt folgt bei der Besetzung der drei Schwestern dem Plan des ungarischen Komponisten und präsentiert statt Frauen mit dem US-Amerikaner Ray Chenez (Irina), dem Kanadier David DQ Lee (Mascha) und dem Russen Dmitry Egorov (Olga) drei Countertenöre. Das hat seinen Reiz, da die Herren glänzend disponiert sind, über unterschiedliche Stimmfärbung verfügen und auch die Tiefen einwandfrei ausloten. Selbst die alte Haushälterin Anfisa (mit Schalk im Nacken: Alfred Reiter) erhält ein finsteres Basstimbre. Wäre da nicht die verstorbene Mutter, die hin und wieder stumm als Statistin durch die Szenerie geistert, es stünden nur Männer auf der Bühne.
Die Inszenierung geht auf das Konto von Dorothea Kirschbaum. Sie dient dem Haus seit 2013 als Regieassistentin und hat bereits mit Tschaikowskis Eugen Onegin ein Händchen fürs Sujet bewiesen. Auch den Eötvös zeichnet sie klar, macht aus dem Vorgarten einen Kinderspielplatz mit Sandkasten und Schaukel, aus dem Haus der Geschwister ein Wohnzimmer mit integrierter Küche, Esstisch, Bücherregal und Klavier. Nach der Pause stehen alle Utensilien spiegelverkehrt im Raum. Kirschbaum gewährt ihren Protagonisten im 60er-Jahre-Chic Zeit. Es wird Mikado gespielt, weil das Ende ungewiss ist und offen bleibt. Die Zeichentricksequenzen von Christina Becker zeigen Wünsche. (…)
Die Musik lässt im Ansatz ein wenig Gershwin hören. Eötvös zitiert in der ersten Sequenz die Arie des Gremin aus Eugen Onegin, die auch zur Tschechow-Vorlage gehört. Doch das Zauberwort heißt Glissandi. Sowohl im Orchester als auch bei den Sängern wird in die Töne hineingerutscht. Es zirpt und zerrt. Es quietscht und raunt. In den Duetten funktioniert das besonders gut. Wenn der verliebte Soljony (intensiv: Barnaby Rea) der jungen Irina näherkommt und die Streicher diesen Vorgang mit eindringlichem Auf- und Abgleiten unterstützen, wird das zu einer der stärksten Szenen des Premierenabends.
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Die musikalische Leitung hat mit dem amerikanischen Dirigenten Dennis Russell Davies ein Experte für neue Tonkunst übernommen. Das Opern- und Museumsorchester ist zweigeteilt. Davies führt im Graben ein 18-köpfiges Kammer-Ensemble mitsamt Akkordeonspielerin fürs russische Kolorit. 50 weitere Instrumentalisten spielen als Orchester unter dem Dirigat des Frankfurter Kapellmeisters Nikolai Petersen hinter der Szenerie, auf einem eigens gebauten lichtgerahmten ersten Stock. Die beiden Dirigenten stehen über Monitore in optischer Verbindung. Der duale Klang mag die beiden Ebenen bei Tschechow symbolisieren, das ideelle und das reale, die Figuren auf der Bühne tun das ausdrücklich nicht. Die Instrumente des Ensembles repräsentieren in der Partitur jeweils einen oder mehrere Charaktere, weshalb beim aufdringlichen Soljony immer die Pauken bollern und bei der Nervensäge Natascha (hervorragend: Eric Jurenas), der Frau des leidgeprüften Andrei (zum Ende hin prächtig: Mikołaj Trąbka), das Saxofon quiekt. (…)

Manfred Merz, Frankfurter Neue Presse


(…) Dass Musik und Szene in dieser beispielhaften Inszenierung so enggeführt werden, liegt auch an der Regie von Dorothea Kirschbaum, die mit kleinen Zeichen viel erzählt von der Sehnsucht dieser Menschen und ihren Enttäuschungen. Sie alle sind zu spät dran fürs Leben. Irina entschließt sich, Tusenbach zu lieben, wenn der schon im Duell getötet wurde, und malt Protestplakate. Mascha hofft auf Werschinin (Iain MacNeil) und bleibt doch bei ihrem einfältigen Mann (Thomas Faulkner) hängen, und auch Olgas heimliche Liebe zu Werschinin wird in wenigen Gesten angedeutet. Andrei hängt an seiner Frau, obwohl er wie alle anderen angewidert ist von ihrer vulgären Herrschsucht; Eric Jurenas als Natascha macht mit kurzen, stampfenden Schritten eine schöne Karikatur aus dieser Rolle. Bei aller Melancholie findet dieser zweieinhalbstündige Abend sogar die Komik der Vergeblichkeit – und ist umso bewegender

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier


(…) Gleich zwei Orchester sind für Eötvös’ (…) Musik nötig: eine kammermusikalische Besetzung im Graben und das Opern- und Museumsorchester in lichter Höhe der Guckkastenbühne. Zudem hat sich die Oper Frankfurt eine Option des Komponisten zu eigen gemacht: Die wichtigsten Frauenrollen werden von Countertenören gesungen. Regiert Dennis Russell Davies aus dem Graben heraus, so dirigiert Nikolai Petersen das große Orchester oben, die modernistischen Töne mit spätromantischem Wohlklang unterfütternd. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Eötvös hat die drei Titelpartien und die Figur der Natascha mit Counterte­nören besetzt, einmal um das Allgemeingültige dieser sich selbst pulverisierenden Lebensentwürfe zu offenbaren, aber auch mit dem Willen, das Groteske zuzuspitzen. Ein Unterfangen, das auf bemerkenswerte Weise eingelöst wird: durch die subtile, fein ausziselierte (und augenzwinkernde) Personenführung der jungen Regisseurin Dorothea Kirschbaum ebenso wie durch die Kostüme von Michaela Barth. (…)

Jürgen Otten, Opernwelt


(…) In dieser Szenerie ein ständiges Kommen und Gehen, aber auch so etwas wie rasanter Stillstand. Die Gruppen werden von der Regisseurin plausibel nach musikalischen Eckpunkten „geordnet“ oder bilden ein musikalisch gestütztes Chaos. Mit der Zeit zeigen sich die drei Schwestern in ihren Verschiedenheiten. Am „weiblichsten“ die charmante Mascha von David DQ Lee. Wie einfrierend in ihrer alternden Verklemmtheit die Olga von Dmitry Egorov. Und verhuscht in rotem Haarschopf Ray Chenez als Irina. Drei gleichermaßen virtuose, dabei plastisch charakterisierende Counterstimmen. Dazu noch die kratzbürstige Natascha (mit besonders stark zurückgedrängter Virilität: Eric Jurenas) und die in stiller Komik zum lang aufgeschossenen Hausmann stilisierte Amme Anfisa von Alfred Reiter. Dem Bruder Andrei ist in der zweiten Sequenz ein hochexpressiver Monolog vorbehalten – der betont jungenhaft aussehende Mikołaj Trąbka absolvierte ihn mit Verve und Durchschlagskraft. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Die weitere Garde der Funktionsträger aus der russischen Provinz sind mit Mark Milhofer als Doktor, Krešimir Stražanac als Tusenbach, Barnaby Rea als Soljony, Thomas Faulkner als Kulygin und Iain MacNeil als Werschinin vorzüglich besetzt. (…)

Achim Dombrowski, www.opera-online.com


(…) Ausstatter Ashley Martin-Davis lässt das Stück in einer modernen Wohnküche spielen, in der auch ein paar Polstermöbel herumstehen. Zur Linken schließt sich ein Innenhof an, in dem sich ein Sandkasten und Klettergerüste befinden – Erinnerungen an eine glücklichere Kindheit. Die zweite Sequenz nach der Pause zeigt das gleiche Bühnenbild, jedoch an der Mittelachse gespiegelt. Dieser einfache Kniff macht die Änderung der Erzählperspektive auch optisch deutlich. Regisseurin Dorothea Kirschbaum bespielt diesen unspektakulären Raum mit einem darstellerisch hochengagierten Ensemble in traumwandlerischer Sicherheit. Jede Figur wird unaufdringlich, aber prägnant charakterisiert. Aktionen und Interaktionen befinden sich stets im Einklang mit der von der Musik vorgegebenen Erzählstruktur. Der inhärente Humor des Stückes wird dezent ausgespielt, ohne in Slapstick umzukippen. Die tragischen Momente werden ohne Pathos dargeboten und erreichen damit eine stille Eindringlichkeit. Sehr dezent kommen drei kurze Comicfilm-Einblendungen zum Einsatz, die in jeder der drei Sequenzen jeweils die unerfüllten Lebensträume der Protagonisten zeigen.
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Der Oper Frankfurt ist eine mustergültige Aufführung gelungen, die in souveräner Selbstverständlichkeit den Rang dieses herausragenden Beitrags zum zeitgenössischen Musiktheater unterstreicht.
Am Ende nimmt ein glücklicher Komponist gemeinsam mit dem Ensemble den für alle Beteiligten ungeteilten und kräftigen Applaus entgegen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) ein sensationeller Neuzugang im Ensemble: der polnische Bariton Mikołaj Trąbka.

Sandra Trauner, Deutsche Presse-Agentur (dpa)


(…) die vor 20 Jahren uraufgeführte Oper ist so unverbraucht stark, dass sie auch gelingen müsste, wenn Frauen Frauen singen. Aber ein Schaden ist es nicht für die Frankfurter Aufführung, die nicht einen Hauch von peinlicher Travestie zulässt und die drei Hauptrollen mit Ray Chenez (Irina), David DQ Lee (Mascha) und Dmitry Egorov (Olga) in stimmlicher und charakterlicher Differenzierung perfekt besetzen kann. Gemeinsam mit Mikołaj Trąbka als Andrei steht ein starkes Geschwister-Quartett auf der Frankfurter Opernbühne, vereint in der Sehnsucht nach der verklärten Vergangenheit, entzweit im individuellen Ringen um eine Zukunft, die hinausführen könnte aus der Ödnis und Enge der Provinz, die im Bühnenbild von Ashley Martin-Davis die Langeweile bildungsbürgerlicher Behaglichkeit meint. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Unter dem Doppeldirigat von Dennis Russell-Davies (Ensemble) und Nikolai Petersen (Hauptorchester) entfalteten sich ungeheuer spannende und emotional aufgeladene Klangwelten. (…)

Andrea Richter, www.faustkultur.de


(…) Die Rockrollen – wenn man das Begriffspendant zur etablierteren Hosenrolle verwenden möchte – gelangen Chenez, Lee und Egorov ohne jeden gekünstelten Affekt. Vielmehr erscheint das Spiel mit dem biologischen Geschlecht die Situation der drei Schwestern auf eine Abstraktionsebene zu heben. Nicht von russischen Frauen um 1900 ist hier die Rede, sondern vom Unglück des postmodernen Menschen überhaupt. (…)

Miriam Zeh, www.bachtrack.com

Sie wird auch in ihrem 20. Jahr an der Oper Frankfurt noch heiß geliebt, die familienfreundliche Zauberflöte von Michael Sowa und Alfred Kirchner.
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Wie im Premierenjahr 1998 staunten auch jetzt wieder zahlreiche fein gekleidete Zehnjährige mit ihren Freunden, Eltern oder Geschwistern über das tierische Kabinett Sarastros: Vom Spinnenmonster über den Schmetterlingssauger bis hin zum Kaffee servierenden Hasen. Wer die in den Himmel ragende Bibliothek und das finstere Katermaul-Höllentor noch mal erleben will, hat jetzt in der unwiederbringlich letzten Aufnahme die Gelegenheit dazu. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse

(…) Man musste in der neuen Spielzeit nicht lange warten, um die geballte Strahlkraft des Frankfurter Opernchores im Zusammenspiel mit dem Orchester erleben zu können. (…)
In der Titelrolle zeigte der deutsch-italienische Tenor Roberto Saccà einmal mehr machtvolles stimmliches Format. Aber auch der Feldherr bleibt ein Mensch mit sensiblen Gefühlen – auch, als er zur Kenntnis nehmen muss, Opfer einer mörderischen Intrige geworden zu sein. Als attraktive Leihgabe vom Nationaltheater Mannheim erwies sich Evez Abdulla (Bariton) in der Rolle des Intriganten Iago – man wird ihn auch in Kürze in der neuen Inszenierung von La forza del destino (Verdi) in Frankfurt erleben können. Olesya Golovneva verkörperte eine authentische Desdemona, die wichtigste weibliche Rolle der von Männern dominierten Handlung. Katharina Magiera (Emilia), Arthur Espiritu (Cassio) und Jaeil Kim waren weitere Säulen im Ensemble. (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Saccà [als Otello] gewinnt schnell an Sicherheit und formt mit Darstellungskunst und Stimme das intensive Porträt einer zerrissenen Figur. Dafür erhält er am Ende verdientermaßen die ungeteilte Zustimmung des Publikums.
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Das Orchester zeigt sich unter der Leitung von Henrik Nánási in guter Form. Der von Verdi in den ersten Takten entfesselte Sturm springt das Publikum aus dem Orchestergraben direkt an, ohne dabei zu lärmen. Im weiteren Verlauf offenbart sich ein vollmundiger, dabei gut ausbalancierter und durchhörbarer Gesamtklang. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de