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Pressestimmen

Georg Friedrich Hän­del wusste ganz genau: Der Erfolg seiner Opern hing vom Gesangspersonal ab. In den späten 1720er Jahren versammelte er die berühmtesten Primadonnen und Kas­traten auf seiner Londoner Büh­ne. An dieser Vorgabe kommt auch heute kein Theater vorbei, das Händels Opern ins Programm und sie ernst nimmt. Insofern fin­det Frankfurts kluge Ensemblepo­litik immer wieder herausragen­de Sängerinnen und Sänger, die sich diese Musik mit viel Können, Lust und Leidenschaft zu eigen machen. Erneut nun im Orlan­do, einer vor genau 290 Jahren uraufgeführten Ritteroper. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Ein Abend für die Musik, das machen [Regisseur] Huffman und sein Team (…) klar. Simone Di Felice dirigiert das historisch informierte Opern- und Museumsorchester, das einen besonders schlanken, aber durchaus nicht kargen, sondern geschmackssicheren Barockklang produziert, sozusagen à la 1733 – in dem Jahr wurde Orlando mit mittlerem Glück in London uraufgeführt. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die Inszenierung lebt vom Licht und Farbenspiel (…), aber vor allem vom lockenden, kunstfertigen Gesang, der anfangs etwas affektgebremst wirkt, sich dann aber in der Anteilnahme steigert. (…)

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Der sprichwörtlich ra­sende Roland steht vor der bizar­ren Entscheidung, seine Karriere als Feldherr oder als Liebhaber fortsetzen zu sollen. Eine Versuchsanordnung, die zu leiten das Libretto eine Art Magier erfindet; Zoroastro lässt das an sich tragi­sche Stück in ein Happy End münden, wie es das Publikum damals liebte. Božidar Smiljanić gibt ihn kernig und bestimmt, scheut auch nicht schwärzeste Tiefen, bewahrt sich aber Nobilität und feine Ironie.
Die anderen Figuren dieses Kammerspiels sind zwei Liebes­paare. Dorinda, eine kecke Schä­ferin, von Händel mit quirligen Koloraturen und eher frischen Melodien bedacht: Monika Buczkowska verleiht ihr lebhaft und unbekümmert Figur und Stimme. Angelica, die umworbe­ne Königin: Ihr setzt das Hin und Her zwischen den Männern ge­waltig zu, wie Kateryna Kasper berührend und facettenreich zum Ausdruck bringt (…). Medoro, ihr ver­gleichsweise kühler, korrekter Liebhaber: Christopher Lowrey singt ihn elegant, mit ausneh­mend schöner Stimme. Schließ­lich die Titelpartie: Zanda Švēde als Idealbesetzung, in Höhe und Tiefe gleichermaßen klang- und ausdrucksvoll, auch gesangstechnische Spezialitäten wie das Wachsen und Vergehen einzelner Töne auskostend, Empfindsam­keit und Raserei im Gesang fokussierend. (…)

Andreas Bomba, Offenbach-Post

Der Komponist Vito Žuraj und der Dramatiker Händl Klaus haben Thomas Manns Novelle Die Betrogene als Opernstoff bearbeitet. Das Ergebnis: kluges Musiktheater, das berührt. (…)
Gäbe es einen Nobelpreis für Zynismus, Thomas Mann hätte ihn für seine letzte Novelle verdient. Erbarmungsloser, hoffnungsloser, trauriger geht es nimmer: Eine ältere Frau nach dem Klimakterium verliebt sich in einen jungen Studenten. Als die Beziehung körperlich wird, setzen (wieder) Blutungen ein, was die Verliebte als Verjüngung interpretiert, als Zeichen neuer Fruchtbarkeit. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um einen bösartigen Tumor...
Gäbe es einen Nobelpreis für eine gefühlvolle, völlig antizynische Umsetzung dieser Geschichte, der slowenische Komponist Vito Žuraj und der aus Tirol stammende Dramatiker Händl Klaus hätten ihn verdient. Zwar werden auch hier in rund 75 Minuten viele grausame Details erzählt, aber es gibt eine große Zugewandtheit der Autoren zur leidenden, sterbenden Frau. (…)

Jörn Florian Fuchs, BR-Klassik / Leporello


(…) Die Inszenierung von Brigitte Fassbaender lässt sich in einer hochrühmlichen Art vorbehaltlos auf das Stück ein; sie lässt den Figuren Raum. Ein variabel raumteilendes Element auf der Bühne von Martina Segna sind Reihen von schlanken Pfählen, deren knospende Äste an Weidenkätzchen erinnern, zugleich aber auch weitere, dunklere Assoziationen zulas­sen, etwa an Geschwüre. (…)

Stefan Michalzik, Darmstädter Echo


(…) Die Solisten bilden ein Ensemblewunder. Bianca Andrew als Aurelia ist so glaubwürdig wie berührend. Die Anna von Nika Gorič als Tochter mit Klumpfußhandicap wandelt sich zu einer den mütterlichen Verlust Betrauerenden. Jarrett Porter ist ein einfühlsamer Sohn, der machtvolle Bass von Alfred Reiter verkörpert den Arzt als archaischen Todeskünder. Und der lyrische Tenor von Michael Porters Ken ist ein zutiefst ehrlich Liebender. Die Uraufführung von Vito Žurajs und Händl Klaus’ Blühen an der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot ist ein Riesenerfolg für die zeitgenössische Oper.

Bernd Künzig, SWR 2 / Am Morgen


(…) Eine besondere Rolle kommt dabei einem gemischten Vokal­ensemble – exzellent einstu­diert von Takeshi Moriuchi – zu, ein steter emotionaler Be­gleiter der Protagonistin, aus­schließlich in einer Lautlich­keit, die vorwiegend stoßweise oder in langgezogenen Wellen­bewegungen hervorgebracht wird. (…)

Stefan Michalzik, Allgemeine Zeitung Mainz


(…) Wie verbunden sich Vito  Žuraj mit dem Ensemble Modern fühlt, lässt sich in jeder der 75 Premierenminuten bewundern. Beson­ders der musikdramatische Spannungsabfall der aus sieben Bil­dern bestehenden Oper ist unge­wöhnlich. So zeigt  Žuraj bereits zu Anfang im pochenden Blech das wuchernd Ungesunde und lässt die 20 solistisch aufspielen­den Frankfurter Musiker unter Leitung von Michael Wendeberg pulsieren und sprießen, während Aurelia noch mit glitzernden Celestaklängen von einer rosigen Zukunft träumt. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) In gewisser Weise ist das alles dann doch wieder ganz klas­sisch, nur eben mit Mitteln des 21. Jahrhunderts. Vito Žurajs Musiksprache ist gekennzeich­net durch vor allem geräuschhaft-bewegte Instrumentalfar­ben; jeder Figur ist leitmotivisch ein Instrument zugeordnet Mit­unter wirkt das beinahe wie eine avantgardistische Filmmu­sik. Auf eines setzt der 43-jähri­ge Komponist ganz und gar nicht: Klangwucht. Weitreichend sind es eher gedämpfte, verhaltene Klänge, aus denen er eine singuläre Wirkung zieht.
Dramaturgisch so schlicht wie wirkungsvoll wird erzählt in der Form einer Stationen-Chronik. Das geht zunächst recht ge­schwind und kulminiert in einem sehr unmittelbaren Bild der erotischen Erfüllung. Viel Zeit nimmt dann schließlich die Sterbeszene ein. Im Hinter­grund bricht ein gewaltiges Krebsgeschwür aus der Wand, die instrumentale Textur ist nun ausschließlich perkussiv, vor­wiegend sind es Klangschalen, die von den Musikern ange­schlagen werden.
Mit einem außerordentlichen Klangsinn agierte das Ensemb­le Modern unter der das Zarte, Leise, Intime rückhaltlos auslo­tenden Hand von Michael Wen­deberg. Ein Abend von einer äußersten Eindringlichkeit, nicht zuletzt ob der Einheit al­ler Elemente.

Stefan Michalzik, Wiesbadener Kurier


(…) Die Regie findet in einer abstrakten Umgebung zu so viel Menschlichkeit, dass es erschütternd ist. Erschütternd auch, wie selten man das auf der Bühne sieht: Menschen.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Aus der großen Mezzosopranistin von einst [Brigitte Fassbaender], der sinnlichsten von allen, ist längst eine der großen Opernregisseurinnen unserer Zeit geworden, die noch mit über achtzig Jahren Mut zu ganz Neuem beweist.

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung

(… ) Am En­de kannte der Jubel kaum eine Grenze – es wird hoffentlich nicht die letzte Begegnung mit Leichtfuß Onegin gewesen sein.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

(… ) Ein gelungener Auftakt für das Opernjahr 2023.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

Er ist in seinen jun­gen Jahren schon auf den Bühnen großer Opernhäuser daheim, macht aber auch im intimen Rah­men des Kunstlieds eine sympathische Figur: Der französische Tenor Benjamin Bernheim beschloss die Reihe der Liederaben­de im Frankfurter Opernhaus für dieses Jahr mit einem souveränen Mix aus Brahms, Schumanns nob­ler Dichterliebe, Henri Duparc und Ernest Chausson.
(…)
In den Zugaben ging es wieder zur deutschen Tonkunst: „Mor­gen!“ von Richard Strauss und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs Land des Lächelns. Spä­testens jetzt flogen dem Sänger und seiner Partnerin [am Klavier, Carrie-Ann Matheson,] die Herzen nur so zu.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Ob es die Äpfel waren, die er zur Erholung in den Pausen genießt, wie er es auf seinem Internet-Kanal ausplaudert? Jedenfalls betrat im zweiten Teil des Liederabends ein ganz anderer Benjamin Bernheim die Bühne. Souverän, selbstbewusst, mit raumfüllender Bühnenpräsenz, entspannt und großartig. In der „Mélodie“, wie man das französische Äquivalent zum deutschen Kunstlied bezeichnet, ist er zuhause und mit Carrie-Ann Matheson in den Augenblicken absoluter musikalischer Synchronisation so eins, wie es Künstler nur sein können. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Bei den Werken nach der Pause mit ihren ruhigen, langbogigen und fast bis ins Beiläufige reichenden Intonationen kam der Tenor dann gänzlich zur Präsenz. Drei Lieder von Henri Duparc in einem impressiven Habitus auf der Grundlage der Sinneseindrücke notierenden Lyrik de Lisles und Baudelaires waren perfekte Wort-Ton-Verbindungen des Frankophonen.
(…)
Erst recht galt das für das Hauptwerk des Abends, das halbstündige „Poème de l’amour et de la mer“, das Ernest Chausson auf einen Text Maurice Bouchors komponierte. Ungemein dezent gefasste Melancholie, der Bernheim alles gab. In fast ausdruckslosen Schwebungen einer Atmosphäre der Vergeblichkeit – einer Art sinnender Wollust. Jessye Norman hat das Werk in seiner Originalgestalt für Orchester und Sopran zu einem Denkmal gemacht. Das Klavier konnte da nur ein Hinweisgeber sein. Aber [Carrie-Ann] Matheson vermochte es, die Versunkenheit der Stimme Bernheims in den schönsten Rahmen zu stellen.

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau

Es ist purer Luxus für Frankfurt, die ganz besondere Sängerdarstellerin Asmik Grigorian aktuell gleich in zwei Produk­tionen höchsten Ranges in der Oper am Willy-Brandt-Platz erle­ben zu können. Nachdem sie ge­rade in Tschaikowskis Rarität Die Zauberin Triumphe einfuhr, ist sie jetzt auch in der zweiten Wiederaufnahme der äußerst er­folgreichen Premiere von 2019/20 zu sehen: Puccinis radikal ins Heute gewendete Manon Les­caut nach der Inszenierung von Àlex Ollé. Ebenbürtig an ihrer Sei­te wieder Joshua Guerrero als Des Grieux, mit dem sie scheinbar mühelos eine gleißende Opernsternstunde an die nächste reiht. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Wenn wie hier eine intelligent aktualisierende Regie in einem attraktiven Bühnenbild von einer Starbesetzung in der Titelpartie gekrönt wird, ist man dem siebten Opernhimmel ganz nahe.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) Vasily Barkhatov, eine Art russischer Wunderknabe der Opernregie, hört der Musik genau zu und erschafft zusammen mit seinem Bühnenbildner Christian Schmidt eine neue Welt, die aber passgenau mit der Originalhandlung harmoniert. (…)
Alle Partien sind wie oft in Frankfurt hervorragend besetzt, in der Mitte steht, für alles und alles der Bezugspunkt, Asmik Grigorian. Man kann den Titel der Oper auch mit „Die Bezaubernde“ übersetzen, dann weiß man, was Grigorian macht. Ihr Anderssein ist warme Menschlichkeit, ihr sängerdarstellerischer Instinkt reines Wunder bis ins Detail jeder kleinsten Geste, jeder unscheinbarsten Phrase. Das System vernichtet den reinsten, schönsten, leuchtendsten, strahlendsten Menschen.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung


(…) Nicht minder faszinierend ist die Bühnenpräsenz von Claudia Mahnke mit dem großformatigen Hass als Fürstin. Von der angesagten Indisposition lässt der Fürst des Iain MacNeil nichts spüren. Im Gegenteil: Für die Verbindung von baritonalem Wohllaut und Versorgung des Schäferhundes mit Leckerlis ist ihm die Bewunderung des Publikums sicher. Die proteinreiche Kraftnahrung, die sich sein Sohn Prinz Juri auf der Bühne mischt, wird diesen nicht aus der pathologischen Mutterbindung retten. Alexander Mikhailov macht diese Tragik mit dem Nachdruck seines samtweich timbrierten Tenors deutlich und registriert früh, dass in seiner Familie etwas sehr gründlich schiefläuft. Wie schief, zeigt das Ende. Nur so viel sei verraten: Es wird sehr blutig. Und man möchte eigentlich noch einmal zurückspulen.

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Dazu kommt Frederic Jost mit bildschönem, klug geführtem Bass als Mamyrow, ein zehnköpfiges, durch die Bank brillantes Nebenrollenensemble und der von Tilman Michael fantastisch einstudierte Chor. (…)

Andreas Falentin, www.die-deutsche-buehne.de


(…) Da sollte man sich nicht zu sehr hineinsteigern, aber man muss schon sagen, dass es schwierig ist, sich nicht hineinzusteigern, wenn Asmik Grigorian es ist, die diese Liebe aus freien Stücken und mit ihrem makellosen, fein abgetönten Sopran hinaussingt. Nastasja, was für eine Partie für diese große Sängerdarstellerin. Mit erschütterndem Ernst und mitreißender Freundlichkeit wirft sie sich in die Rolle eines Menschen, der das Leben kennt. Und der eine Freiheit propagiert, die nicht ihrerseits Zwang ausübt (wie Carmens, zum Beispiel, Carmen wirkt im Vergleich überhaupt merkwürdig – kleinlich), sondern die großmütig und vernünftig ist. Es wird ihr nichts helfen, wie gesagt.
Asmik Grigorian ist ein Dreh- und Angelpunkt dieser aber auch ansonsten höchst facettenreich besetzten Aufführung, die – so erzählte es Intendant Bernd Loebe bei der Vorstellung der Spielzeitpläne – ihr eigener Vorschlag war. Ein toller Vorschlag. Im großen Ensemble ist sie die einzige, die ihre Rolle schon gesungen hat, aber die Begeisterung des Publikums sollte durchschlagend genug sein, um Nachahmungen anzuregen. Es gibt keinen Grund, schon wieder auf Eugen Onegin zu setzen, wenn Die Zauberin, ein paar Jahre später, 1887, in Sankt Petersburg uraufgeführt, in den Blick genommen werden könnte. Tschaikowski mochte sie sehr. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Dirigent Valentin Uryupin stürzt mit dem Frankfurter Opern- und Museumorchester die Zuhörer in aufwühlende, gegensätzliche Emotionen: volksliedhaft schlicht, ja sentimental, dann wieder mit kraftvoller Energie, manche Chöre unsichtbar im Hintergrund wie flüsternde innere Stimmen der Figuren. Dann wiederum macht sich eine sich immer mehr aufgepeitschte Ausgelassenheit im Wirtshaus von Natasja breit. (…)

Bernhard Doppler, www.tagesspiegel.de


(…) Der Chor der Oper Frankfurt, trainiert von Tilman Michael, zeigt sich in Bestform. Für eine atemraubende Revue beim Fest sorgen, gleich nach Freiheitsballade und  Wodkaexzess, fünf Tänzer, die in rabenschwarzen Tüll-Tutus über Tisch und Bänke springen und beim Handstand-Überschlag ihre revolutionsroten Unterhosen vorzeigen, bösartigerweise bedruckt mit einem feschen Hammer-und-Sichel-Emblem. (…)

Eleonore Büning, www.van-magazin.de


(…) Am Ende Begeisterungsstürme, wie sie selbst an der Oper Frankfurt Seltenheitswert haben.

Roland H. Dippel, www.nmz.de (neue musikzeitung)

(…) Der Abend überzeugt auch beim Wiedersehen durch die unkonventionelle Frische der Inszenierung und begeistert musikalisch mit einer herausragenden Besetzung.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Hier und da schmunzelt man gerne, aber erschrickt auch vor der Grausamkeit, zu der Men­schen fähig sind, leider nicht nur auf der Bühne. Eine auf ihre Art erlebenswerte Gratwanderung (…).

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

(…) Es war weit mehr als ein Liederabend mit Marina Viotti in der Oper Frankfurt. Die wunderbare Mezzo-Stimme der viel­sprachigen Schweizerin mit kräf­tigem Timbre, warmen und in der Tiefe fast bedrohlichen Far­ben, verführerischem mezzavoce und dramatischer Höhe hätte auch einer „normalen“ Programmabfolge Genuss verschafft. Begleitet von Todd Camburn am Klavier und Antoine Brochot mit dem Kontrabass verpackte Viotti die Nummern in eine kokett er­zählte Geschichte. Die Geschichte einer müden, hier lebenslustig-liebestollen, dort frustriert-anlehnungsbedürftigen Frau. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Man habe ihr gesagt, erzählt sie ganz am Ende, das deutsche Publikum sei noch nicht bereit für ein solches Programm, aber in der Zwischenzeit ist es längst bereit dafür. Es will Zugaben, bekommt Zugaben (…). Sie ist eine Komikerin, eine Opernsängerin als Komikerin, das ist ungewöhnlich, aber in dieser Ausführung als Herzensangelegenheit auch unwiderstehlich. Beim Liederabend im Frankfurter Opernhaus bedankt sie sich für unsere Neugier, aber wie immer müssen wir dankbar sein. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(… ) Dirigent Leo Hussain und das Opernorchester ließen den romantischen Geist der Musik sorgsam in Vollendung aufblühen. Bianca Andrew (Hänsel) und Monika Buczkowska (Gretel) harmonierten prächtig miteinander und waren in den herzigen Duetten die reine Freu­de und eine ideale Besetzung. Alternative Besetzungen des Titel­paars stehen der Oper für weitere Aufführungen zur Verfügung. Pe­ter Marsh hatte eine diebische Freude an seiner Hexerich-Rolle. Liviu Holender gab den Besenbin­dervater eher freundlich als pol­ternd, Barbara Zechmeister die bewährte Mutter – eine der weni­gen, die hier nicht ihr Rollende­büt gab. Sandmännchen Nombulelo Yende und Taumännchen Hyoyoung Kim machten nebst Kinderchor der Oper das rundum vortreffliche Ensemble perfekt.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse

(…) Der bekannte, am rechten Rand der Vorderbühne verharrende Hase des Nürnberger Meisters Dürer trägt bereits den herabhängenden Strick ums Genick. So sieht Regisseur Johannes Erath in seiner Inszenierung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg am Opernhaus Frankfurt die Kunst im Würgegriff. Denn die Kunstzunft hat sich ein so starres Regelwerk gesetzt, dass es sich in formelhaften Kreidezeichen über die ganze Fläche der mobilen, kirchenschiffartigen Bühnenarchitektur von Kaspar Glarner zieht. Nicht erst später, sondern von Anfang an ist Hans Sachs mit seinem Konkurrenten Sixtus Beckmesser ein um die von ihrem Vater Pogner als Preisgeld gesetzte Eva Werbender. Dass er am Ende doch zugunsten Walther von Stolzings auf sie verzichtet, gehört zu seinem Plan, Beckmesser eins auszuwischen. Aber wie das Paar eines absurden Theaters bleiben der Dichter Sachs und sein Kunstkontrolleur Beckmesser aneinander geschmiedet. Zur berüchtigten, von Sachs vorgetragenen Ansprache der deutschen Kunstfeier zieht Beckmesser den roten Vorhang zu. Stumm wie das Publikum, verfolgt er die Rede mit. Dann öffnet sich noch einmal der Vorhang für den Jubel-Chor und von oben herein schwebt als Neonleuchtschrift das Wort „Germania“, bevor es zu den Schlussakkorden zur „Mania“ ausgeknipst wird. Schon zuvor besingt Sachs bei Wagner den Wahn. (…)

Bernd Künzig, SWR 2 / Journal am Mittag


(…) Wahnsinn, diese tollkühne Inszenierung!

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Alles steht und fällt mit der Musik, nein, nicht alles, wie sich jetzt erneut zeigt, aber vieles. An einem gut geführten Haus übernimmt selbstverständlich der Generalmusikdirektor die Leitung, wenn er das wünscht, und Sebastian Weigle hat einen liebevoll bestimmten Zugriff auf das Werk, dessen musikalische Schönheit er mit leichter Hand (na ja, wie mit leichter Hand) herausarbeitet.
Jedenfalls ist das Ergebnis federnd strahlend im Detail. Feines Gewirk statt Klangmasse, das glänzend aufgelegte Orchester bietet das komplette Gegenteil einer Ohrenbetäubung. Nur selten kommt es zum allgemeinen Aufbauschen. Am ehesten darf der Chor (unter der Leitung von Tilman Michael), etwa beim „Wach auf“, die Haare des Publikums für einen Moment nach hinten fliegen lassen. Es geht in Frankfurt nicht um Kleinformat, es geht um Transparenz. Das Pathetische, weitgehend selbst das ironisch Gravitätische hat sich verabschiedet, nicht weil die Musik banalisiert, sondern weil sie sublimiert wird. Ein junges Ensemble lässt ausgezeichnete Stimmen hören und Spaß an Spiel, Arbeit und sogar Sport sehen. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die zentralen Partien sind nahezu komplett aus dem Ensemble des Frankfurter Hauses besetzt. Nicholas Brownlee singt einen beeindruckend standhaften Sachs (…). AJ Glueckert ist ein wunderbar geschmeidiger, klug dosierender Stolzing, Andreas Bauer Kanabas ein kraftvoller Pogner. Gäste sind der überragende Michael Nagy als Beckmesser, der die richtige Mischung aus trockenem Konversationston und melodischem Gesang findet, und Magdalena Hinterdobler als aufblühende Eva. Und da auch noch der Chor homogen und kraftvoll singt, ist der Abend sängerisch ein Fest. (…)

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Beckmesser, Hauptziel des Wagnerschen Spotts, ist eben kein spitzfindiger (jüdischer…) Kritikaster. Michael Nagy eine Bestbesetzung, indem er wunderbare Töne findet, feine Nuancen und Sinn fürs Detail. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


Singt da nicht Heino mit auf der Festwiese? Den deutschen Barden mit der Sonnenbrille erwartet man eigentlich nicht im großen Finale von Richard Wagners Meistersingern, aber er passt ganz gut in die altdeutsche Gemengelage. Schließlich ist er auch schon mit völkischem Liedgut ins Gerede gekommen. Udo Lindenberg könnte man das hingegen nicht vorwerfen, und schon gar nicht den Beatles oder Luciano Pavarotti. Sie alle sind in dem großen, bunten Chor-Tableau zu entdecken, mit dem Johannes Erath als Regisseur der Frankfurter Premiere der nur bedingt komischen Oper Die Meistersinger von Nürnberg die nationale Selbstfeier zum internationalen Musikfest weitet. Getragen von einem prächtigen, von Tilman Michael einstudierten Kollektiv, das dem Titel „Chor des Jahres“ alle Ehren macht. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


Großen Jubel erntete Regisseur Johannes Erath, der in Wagners einziger komischer Oper Die Meistersinger von Nürnberg am Sonntagabend nicht nur Parallelen zu Mendelsohns / Shakespeares Ein Sommernachtstraum entdeckte, sondern ihm auch mit Samuel Beckett Züge des absurden Theaters verlieh. So arrangierte er das Sängerpaar Hans Sachs und Stadtschreiber Sixtus Beckmesser als Verwandte von Estragon und Wladimir, die untrennbar miteinander in Hass, Zuneigung und Abhängigkeit verbunden sind.
(…)
Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der Die Meistersinger von Nürnberg in Bayreuth fünf Jahre lang dirigierte, betonte das kammerspielartig intime von Wagners komplexen Werk und ließ die vielen polyphonen Verwebungen in all ihrer changierenden Vielfältigkeit schimmern. Ensemblemitglied Nicholas Brownlee gab als Hans Sachs ein Bayreuth-würdiges Debüt, ebenso wie Andreas Bauer Kanabas in der Rolle des Goldschmieds Veit Pogner. Eindrücklich in seiner mal mitleiderregenden, mal ulkigen Beckmesser-Eselei verwandelte Gastbariton Michael Nagy sein Debüt in einen Triumph (…). Einmal mehr zeigte der gerade preisgekrönte Opernchor unter Tilman Michael mit dem „Wach auf!“-Chor seine überragende Qualität.

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de

In dem zur Laudatio geratenen Porträt des Frankfurter Opernintendanten Bernd Loebe anläßlich der erneuten Auszeichnung der Oper Frankfurt als „Opernhaus des Jahres“ in der Zeitschrift Opernwelt bemerkte jüngst die geschätzte Kollegin Judith von Sternburg, dass nicht selten Frankfurter Wiederaufnahmen Premierenniveau haben. Das lässt sich aktuell exemplarisch an Richard Strauss’ Alterswerk Capriccio aufzeigen.
(…)
Diese Produktion ist ein besonders edel funkelndes Glanzstück im Repertoire des an Glanzstücken nicht armen Opernhauses am Main. Den Besuch des musikalisch saftigen, szenisch ungemein anregenden und auf intelligente Weise unterhaltsamen Abends können wir uneingeschränkt empfehlen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Man sah und hörte viel Gutes bei dieser Wiederaufnahme. Maria Bengtsson zeichnete das Bild einer reifen, abgeklärten Gräfin, die sich Mumm und Humor trotz widriger Zeit nicht abkaufen lässt. Domen Križaj war als Graf ein erhabener Darsteller mit mar­kanter Stimme. Auch Martin Mitterrutzner als Flamand und Liviu Holender als Olivier waren solide Stützen – das langjährige Ensemblemitglied Mitterrutzner wieder­zuhören war eine Freude.
Sebastian Weigle am Pult war wie oft ein Garant für opulent und vollmundig zubereitete Musik. (…) Vor allem die grazile, feine Ouvertüre hatte es in sich und blieb von allem am ehesten in Erinnerung.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

Mozarts immergrüner Repertoire-Reißer ist am frisch gekürten „Opernhaus des Jahres“ wie neu zu erleben: Die Handlung aus der Perspektive des gealterten Tamino zu erzählen, geht voll auf. Auch musikalisch ist alles zum Besten bestellt.
Wenn man gerade den Titel „Opernhaus des Jahres 2021/22“ verliehen bekommen hat, und das auch noch zum sechsten Mal, ist es verlockend, der Versuchung nachzugeben, sich im Rückblick auf das Erreichte der Muße hinzugeben. Derartiges gönnen sich die Oper Frankfurt und ihr Intendant Bernd Loebe keineswegs. Mit der Neuinszenierung von Mozarts Die Zauberflöte durch Ted Huffman wurde nun eine Arbeit von Alfred Kirchner abgelöst, die nach ihrer Premiere im Jahr 1998 zu Recht Kultstatus genoss und stolze 15 mal wieder aufgenommen wurde.
Dass Huffman in Frankfurt mit Die Zauberflöte eine der am häufigsten aufgeführten Opern überhaupt auf die Bühne brachte, ist bemerkenswert, weil er sich vor allem mit der Inszenierung von Neukompositionen international einen Namen gemacht hat. Seine Lesart des märchenhaft-symbolistischen Werks, das vollständig aus dem Hausensemble der Oper Frankfurt heraus besetzt ist, kommt erfrischend ungezwungen daher. Im Zentrum von Huffmans Deutung steht Tamino, dem der dominierende Charakter des Papageno üblicherweise die Show stiehlt. Dieser scheinbar werkimmanent gegebenen Dominanz begegnete Huffman, indem er in Frankfurt die Handlung als Erinnerungsraum des gealterten Tamino zeigte. (…)

Wolfgang Wagner, www.concerti.de


(…) Musikalisch reiht sich ein Lichtblick an den nächsten: Das zum sechsten Mal vom Fachmagazin „Opernwelt“ frisch gekürte „Opernhaus des Jahres“ wartet mit gewohnt exzellenten Choristen unter Tilman Michael auf und kann alle Rollen mit herausragenden Sängerinnen und Sängern besetzen. Michael Porters Tamino besticht nicht nur mit tenoralem Glanz, sondern vor allem mit der glaubhaft verzweifelten Suche nach sich selbst. Opernstudio-Mitglied Hyoyoung Kim als Pamina gestaltet ihre schwierige Partie mit schauspielerischer Verve und klarem Sopran und kann selbst Andreas Bauer Kanabas als furchteinflößendem Sarastro spielend Paroli bieten.
Danylo Matviienkos Papageno macht als peinlicher Farbfleck und unbekümmerter Lebemensch stimmlich und humoristisch alles richtig (…).
Als reine Augen- und Ohrenweide und allein den Besuch des Abends wert platzieren sich (…) Monika Buczkowska, Kelsey Lauritano und Cláudia Ribas als strippenziehendes Champagnerterzett. Aus dem Orchestergraben klingt eine warmtönender, federnder, exquisit reiner Mozart, den Steven Sloane am Pult zu immer neuen Höhepunkten führt. Tadellos auch die Flötentöne von Elizaveta Ivanova und das Tastenglockenspiel Takeshi Moriuchis.

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Eine beglückende Leistung bietet das Orchester unter der Leitung von Steven Sloane. Dass die ersten beiden Einsätze der Pauke in der Ouvertüre zu früh kommen, ist der Premierennervosität geschuldet. Die Musiker zeigen sich in allen Gruppen in bestechender Form. Die Streicher meistern den historisch informierten Verzicht auf Dauervibrato ohne die sonst so oft zu hörenden Intonationstrübungen. Trotz reduzierter Besetzung klingen sie nicht anämisch dünn, sondern erfreuen mit klarem, spannungsreichem Ton und sprechender Phrasierung. Die stark geforderten Holzbläser entfalten solistisch eine breite Palette an Klangfarben und fügen sich im Ensemble zu leuchtenden Harmoniemusiken. Dem Dirigenten gelingt es trotz des beständigen Stopp-and-Go der Regie immer wieder gleichsam aus dem Stand die Musik unter prickelnde Spannung zu setzen. Die oft sehr raschen Tempi wirken dabei nie gehetzt. Würde es allein auf den Orchestergraben ankommen, so wäre von einem perfekten Premierenabend zu berichten gewesen. Dass der Chor sich mit gut ausbalanciertem Klang ideal hinzufügt, bedarf in Frankfurt kaum noch der Erwähnung. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Das Orchester und das Ensemble zeigen vom ersten Moment an eine Spiel- und Singfreude, die den Raum ergreift. (…)

Maximilian John, Main-Echo Aschaffenburg

(…) Zum Saisonbeginn präsentiert die Oper Frankfurt ihren Repertoire-Klassiker szenisch aufpoliert mit ausgezeichneter Sängerbesetzung und einer überzeugenden Orchesterleistung. Auch wer die Produktion bereits kennt, wird an dieser lebendigen Wiederaufnahme fern von jeder Routine seine Freude haben.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Mehr als 18 Jahre hat Keith Warners Inszenierung von Gioachino Rossinis berühmter Aschenbrödel-Oper nun schon auf dem Buckel, doch die Wiederaufnahme zum Saison­start zeigte, dass seine Frankfurter La Cenerentola inzwischen nichts an Farbe und Temperament eingebüßt hat. Es ist die herzzerreißende Geschichte von dem verstoßenen jungen Mädchen, das mit graziler Aufrichtigkeit und Demut die Zuneigung des begehrten Fürsten findet. Am Ende sind alle ande­ren die Dummen: der tollpatschige Vater und die beiden eingebildeten, eit­len Stiefschwestern. Von Anfang an ist klar, wo in dieser Handlung die Sympa­thien liegen.
(…)
Wenn es so weitergeht auf der Bühne und im Orchestergraben, kann man sich auf die ganze Saison nur freuen.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

Der erste Liederabend der Spielzeit 2022/23 der Oper Frankfurt war ein künstlerischer Paukenschlag. Die Sopranistin Asmik Grigorian und der Pianist Lukas Geniušas traten mit einem rein russischen Programm auf: Tschaikowski und Rachmaninow. Darf das heutzutage sein? Es muss sogar sein. Erst recht, wenn zwei wie diese beiden Künstler es tun (…).

Andrea Richter, www.faustkultur.de


(…) Es ist ein bisschen unfair, dass der Name Lukas Geniušas auf dem Titel des Programmhefts dünner gedruckt ist als der von Asmik Grigorian: Der Pianist spielt für das Gelingen dieses Liederabends in der Oper Frankfurt – und er ist, so viel vorweg, sehr gelungen – eine fast ebenso wichtige Rolle wie die Sopranistin. Doch Grigorian ist hier der Star, von sensationsfreudigeren Feuilletons als „die neue Netrebko“ gefeiert; ihretwegen ist das Haus voll, noch vor dem Theaterfest zum Saisonauftakt am kommenden Sonntag.
(…)
Asmik Grigorian kann zurückhaltend bleiben, die tiefen Lagen klingen lassen, umso beeindruckender wirken die druckvollen Spitzentöne im Fortissimo. Wie auf der Opernbühne ist sie in den Liedern nicht nur Sängerin, sondern Darstellerin, gibt die Trauernde, die sehnsuchtsvoll Liebende oder auch die naturbegeisterte Wanderin – die kennen auch Tolstoi und Tschaikowski, nicht nur Müller und Schubert. (…)

Volker Schmidt, Frankfurter Rundschau