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Pressestimmen

(…) Regisseur David Hermann verbindet Arnold Schönbergs Einakter Von heute auf morgen und Frank Martins Jedermann-Monologe mit der Erwartung (ebenfalls Schönberg) zu einer Geschichte, bei der die Beziehung zweier Menschen ebenso im Mittelpunkt steht wie die Frage, was uns der Schutz dieses Glücks wert ist. Der narrative Coup: Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene. Im Sinne einer Verwandlungsmusik und unter Verwendung klassisch-filmischer Elemente (Projektionen, Zeitraffer) sehen wir der Kernfamilie aus dem Einakter dabei zu, wie sie sich im Laufe der Zeit entzweit: Die Frau verlässt das gemeinsame Haus, Mann und Kind (Bühnenbild und gekonnter Einsatz der Frankfurter Drehbühnen: Jo Schramm). Der (Jeder-)Mann bleibt allein zurück in einem Geisterhaus, in dem sich die Styropor-Essensboxen zu einem Mahnmal moderner Einsamkeit getürmt haben. Nach seinem Tod kehrt die Frau zurück (Erwartung) und zerbricht letztlich an ihrem Leben. Ein düsteres Gesamtbild, das in seiner Geschlossenheit überzeugt, wenn es auch jeglichen Hoffnungsschimmer vermissen lässt.
(…)
Alexander Soddy führt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester souverän, mit viel Verständnis und Kenntnis für die Stilistik dieser Musik. Trotz aller Düsternis: ein großer Opernabend, der uns die volle Tragik der menschlichen Existenz vor Augen führt.

Dimitra Will, www.orpheus-magazin.de


(…) Das Bespielen des gesamten Gespensterbaus findet vor allem im ersten Teil statt, Von heute auf morgen. Elizabeth Sutphen und Sebastian Geyer sind das jüngere Paar, junge und bewegliche Körper und Stimmen. Letztere zugleich mit raumfüllendem Volumen, Sutphens Sopran strahlend und bei Bedarf zickig und zackig, Geyers Bariton sonor und charaktervoll. Denn es geht rund. Nach einer Abendgesellschaft kehren die beiden leicht angetrunken, überdreht, erschöpft zu Haus und Kind zurück und streiten nach Pärchenart. Er ist entzückt von einer anderen Frau, die eigene scheint ihm nun hausmütterlich und uninteressant. Sie lehrt ihn Mores, indem sie sich kurzfristig in eine so aufreizende wie wurschtige Femme fatale verwandelt. Sibylle Wallum hat sich einen originellen Kostümzauber dafür überlegt, die bizarre Zerlegung des braven Negligés entspricht dem Zerlegen des Hauses.
Zudem zeigt sich, dass die Frau ihrerseits von einem Sänger angeflirtet worden ist. In jeder Hinsicht gewinnt sie die Oberhand im Ehezank, auch wenn es sich um eine Art Fricka-Sieg handelt, indem die Männerfantasien nicht entkräftet, aber doch als alltagsinkompatibel entlarvt werden. Und eine Frau anscheinend nur entweder Familienmutter oder Luder sein kann. Hermann aber ironisiert das aufs Witzigste. Der Auftritt von Freundin und Sänger, die sich das Pärchen doch noch angeln wollen, ist der Auftritt zweier Zombies, Brian Michael Moore und Juanita Lascarro als grandiose Schauergestalten, gegen die sich das Paar zur Wehr setzen muss. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die Klänge (…) liefern zwei existenzielle Einsamkeitsmusiken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: für ihn die sechs Monologe, die Frank Martin nach Hugo von Hofmannsthals Jedermann komponierte; für sie Schönbergs Erwartung aus dem Jahr 1909.
Der Bariton Johannes Martin Kränzle verleiht Martins Klage enorme Eindringlichkeit, lotet mittels expressiver Textdeutung das ganze Spektrum zwischen Angst und Todessehnsucht, Aufbäumen und Schicksalsergebenheit aus. Nicht minder beeindruckt die Sopranistin Camilla Nylund, die angesichts der dramatischen Anforderungen von Schönbergs Monodram nie unter Überdruck gerät, sondern die Gefühlsumschwünge mit reicher, weich ausgesungener Farbpalette nachzeichnet. (…)

Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung


(…) Die agile Sopranistin Elizabeth Sutphen, von Sibylle Wallum sehr variabel eingekleidet, und der Bariton Sebastian Geyer haben sich zuvor als junges Paar souverän durch die kontrapunktische Linienführung bewegt. Ihr Kind (Anthony Ritts) ist Opfer und Stichwortgeber. Brian Michael Moore und Juanita Lascarro scheinen als gruselige Gegenspieler des Eheglücks, dessen Gefährdungen Arnold Schönberg schon in erster Ehe erlebt hat, einem Horrorfilm entsprungen zu sein. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Joachim Kleins Hitchcock-Licht, das mit düsterem Schattenspiel Urängste weckt und Jo Schramms beständig rotierendes, in seine Einzelteile zerfallendes Holzhaus sind bedeutende eigene Player in dieser Inszenierung. (…)

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Zwei große Sängerschauspieler [Camilla Nylund und Johannes Martin Kränzle] machen diesen verblüffend schlüssigen Abend zum Ereignis, Mannheims scheidender Generalmusikdirektor Alexander Soddy leitet das hörbar auf der Stuhlkante sitzende Frankfurter Opern- und Museumsorchester souverän und mit viel Sinn für impressionistische Farben und feinste Zwischentöne, grobschlächtige Effekte vermeidend. Ein großer Wurf.

Regine Müller, www.nmz.de (neue musikzeitung)

(…) Der Regis­seur Chris­tof Loy (…) hat sich vom Frank­fur­ter Inten­dan­ten Bernd Loebe gewünscht, Rimski-Korsa­kows Märchen Die Nacht vor Weih­nach­ten nach einer Erzäh­lung von Niko­laj Gogol insze­nie­ren zu dürfen. Als Er­gebnis ist nun eines der größ­ten Thea­ter­wun­der der Frank­fur­ter Opern­ge­schich­te zu bestau­nen. (…)

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Ziehen Sie Ihre Maske auf, kaufen Sie Ihr Zugticket, oder schnallen Sie sich in Ihrem Flugzeugsitz an, um sich auf den Weg nach Frankfurt zu machen und diese Inszenierung zu sehen. Unsere Herzen brauchen Wärme, und sie versieht diesen Job besser als jeder Schnaps.

Shirley Apthorp, Financial Times (Übersetzung: Oper Frankfurt)


(…) Rimski-Korsakow griff (wie Humperdinck in einer anderen großen Weihnachtsoper, die sich in der Konkurrenz, und das sagen wir nicht jeden Tag, warm anziehen muss) auch nach Vorhandenem, sowohl für die fidelen jahreszeitgemäßen Koljada-Lieder – hier namentlich zu einer Sammlung ukrainischer Volkslieder – als auch die geistliche Besinnung.
Diese klassische Kunstvolkstümlichkeit funktioniert unmittelbar, zumal Rimski-Korsakow sie delikat orchestriert – vor allem den klirrenden Frost überirdisch funkeln lässt (Kristalle wie Sterne), und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester lässt es unter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle auch funkeln und strahlen. Munter und aufgedreht wird es musikalisch, derb wird es im Grunde genommen nie – man könnte schon, Weigle und Regisseur Christof Loy sind sich offenkundig einig darin, es nicht zu tun. Der Komponist sorgt ohnehin für ständige Abwechslung, strapaziert keinen Einfall über, hat lieber noch einen und noch einen. Die beiden längsten, überhaupt die einzigen beiden langen Arien bekommt Oksana, die kapriziöse, dann aber sehr verliebte junge Frau. Ewig will man ihr zuhören, ewig will man dem in engelhafte Höhen getriebenen Sopran von Julia Muzychenko zuhören. Ihre Oksana ist reizend, sie ist eitel, sie will die Schuhe der Zarin, aber dann will sie vor allem den Tenor und Schmied Wakula, und das ist leicht nachzuvollziehen, denn Georgy Vasiliev, auch er bei seinem Frankfurt-Debüt, ist und singt enorm rodolfohaft. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Neben den Huldigungen der Hofdamen – es dürfte in der russischen Oper kaum schönere Gesangsgirlanden geben – macht der Chor der Oper Frankfurt mit seinem Direktor Tilman Michael aus jedem seiner Auftritte ein Fest. (…)

Roland H. Dippel, www.die-deutsche-buehne.de


(…) In einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten bat der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe vor kurzem flehentlich: "Bitte zerstören Sie nicht, was wir in Jahrzehnten aufgebaut haben!" Fürs Weiterspielen tut das Haus alles, testet Zuschauer selbst. Diese explodieren am Ende dieser herrlichen Aufführung geradezu vor Glück.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung


(…) Christof Loy inszenierte die pantheistische Märchenoper aus dem Jahre 1895 mit geschmackvoller Opulenz. In Johannes Leiackers sternenreichem Weltenkosmos mit Riesenmond erzählt er die Geschichte vom braven Schmied Wakula, der auf dem Rücken des Teufels nach Moskau reitet, um für seine anspruchsvolle Verlobte Oksana die goldenen Schuhe der Zarin zu erbitten. Diese Bedingung hatte ihm die selbstverliebte Oksana für die Heirat gestellt.
Ursula Renzenbrinks von russischer Folklore inspirierten Kostüme, der komplette Zarenhof von Katharina der Großen in detailgetreuen Roben und neun teils klassische Tänzerinnen und Tänzer bildeten den Rahmen für die Verbindung von christlicher Vorweihnachtsstimmung mit Gestalten heidnischer Sonnenwendmythologie. Vier russische Gäste in den Hauptpartien verstärkten in ihren Hausdebüts den präzis intonierenden Chor des Hauses, weitere fünf Frankfurter Solisten und das hervorragend von Sebastian Weigle disponierte Opernorchester (…).

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Sagenwelten haben es im Westen schwer. Doch langsam finden seine [Nikolai Rimski-Korsakows] Opern auch hier wieder Gehör, wenn sich auch niemand erinnern kann, die Weihnachtsoper in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland erlebt zu haben.
Die Oper Frankfurt holte das Versäumnis mit einer hinreißenden Produktion nach, die jetzt schon als Wiederentdeckung der Saison gefeiert werden darf. (…)
(…) Wobei man nicht weiß, was mehr zu bewundern ist: die Flugchoreographie von Ran Arthur Braun oder die Unerschrockenheit der schwerelos durch die Lüfte schwebenden und purzelnden Sänger.

Nikolaus Schmidt, Badische Neueste Nachrichten


(…) Die meisten Hauptpartien werden von russischen Muttersprachlern gesungen, von ausnahmslos charaktervollen Stimmen, die überwiegend sowohl an der Oper Frankfurt als auch in ihren Partien debütieren. Georgy Vasiliev singt den Schmied Wakula mit stämmigem Tenor, Julia Muzychenko malt als Oksana ihre beiden Arien lyrisch feinfühlig aus, Alexey Tikhomirov gibt deren Vater Tschub mit hünenhaftem Bass. Den arg machtlosen Teufel mit Anzug und freier Brust färbt Andrei Popov geschmeidig, Enkelejda Shkoza singt und spielt die Mutter Solocha mit herzhaftem Mezzosopran. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Christof Loy gelingt ein sinnliches Spiel voller Humor und Leichtigkeit. Ins harmonische Schlussbild reiht sich selbst der Teufel ein – unbedeutend geworden. Welch schöne Illusion!

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

Was für ein Lieder­abend! Jamie Bartons wunderbare Stimme, großartige Bühnenpräsenz, ein Programm zum Entde­cken und auch Genießen. Wehmut schwingt mit, wenn die ame­rikanische Mezzosopranistin mit Purcell anhebt und die Wirkung der Musik preist: „für eine Weile vertreibt sie alle Sorgen"! Von Franz Schubert schiebt sie die „Holde Kunst" nach, Musik, die einen in eine bessere Welt ent­rückt.
(…)
Jamie Barton hatte viel Text vorzutragen, sie verkörperte die­se Musik in glutvoller Tiefe und dramatischer Höhe mit Gespür für Witz und Abgründe und de­ren ständigem Wechsel. Schlim­mer kann es ja nicht mehr wer­den. Was für ein Liederabend!

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) An der Seite von Barton, die vor ein paar Wochen ihren 40. Geburtstag feierte, also der Pianist und Komponist [Jake] Heggie, dessen erste Oper Dead Man Walking (nach dem auch erfolgreich verfilmten Buch von Helen Prejean) sich seit ein paar Jahren auf den Spielplänen festsetzt. Anfang 2022, so Gott will, wird nicht so weit weg in Koblenz Gelegenheit sein, das Werk zu bestaunen. Barton und er sind schön aufeinander eingespielt, Heggies Liedern gehört die gesamte zweite und damit sehr amerikanische Hälfte.
Denn das sind durchweg effektvolle, keine Musical-nähe scheuende Nummern. Den Pandemie-Eindrücken folgt unter anderem ein Katzen-Schlager, in dem Barton schnurrt und miaut, dass es eine Art hat. Schließlich folgt ein zweiter Heggie-Zyklus, Iconic Legacies, der sich auf Museums-Erinnerungsstücke von First Ladies bezieht. Der Librettist und Autor Gene Scheer hat daraus kleine Gedichte gemacht, eine lebhafte Abfolge von Erinnerungen tragischer und neckischer Natur, mit denen Barton verspielt und liebevoll umgeht. Das Kunstlied, es lebt weiter.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(…) Für die „jahreszeitenbedingt“ in­disponierte Zanda Švēde ließ die Oper nachmittags als Ersatz Dshamilja Kaiser einfliegen, die von der Bühnenseite konzertant sang, während Švēde auf der Bühne da­zu tanzte, mimte und die Lippen bewegte. Damit rettete die Mezzo­sopranistin die vierte Wiederauf­nahme des Kassenschlagers.
Denn wenn vor der Oper Frank­furt lange Einlass-Schlangen ste­hen, weiß man: Es ist Barrie-Kosky-Zeit. Der australische Regis­seur hat in Frankfurt mit Bizets „Carmen“ einen Welthit gelan­det (…). Seine kultig-glitzernde Revue hat sich durchgesetzt und wurde zum Pu­blikumsmagnet über die Mainme­tropole hinaus. So standen sich jetzt auch bei der vierten Wieder­aufnahme geduldige Zuschauer die Beine in den Bauch.
Sie wurden nicht enttäuscht: neben dem erfolgreichen „Play­back“ durch Dshamilja Kaiser, die auch spielend die girrend into­nierte, fast operettenhafte Früh­fassung der Habanera bewältigte, überzeugten auch die wenigen „Neueinsteiger“: Adriana Gonzá­lez' überragende „Messa di voce“-Fähigkeiten machten sie zu einer wunderbar sensiblen Micaëla (...).

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse

(…) GMD Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester füllten bereits die Ouvertüre mit reichlich Melancholie und prägten den Abend mit einer atmosphärischen und gleichermaßen zurückhaltenden Interpretation. Der Fokus lag auf einen schwermütigen Schönklang, ließ durchaus heitere Phrasen zu, ging dann aber wieder ganz in der Tragik des Stücks auf. Besonders im Vorspiel zum dritten Akt betonte Weigle die Nähe der Musik Humperdincks zu Wagner.
Die Mezzosopranistin Katharina Magiera trat als gesanglich und visuell fast zu schön geratene Hexe auf. Mit wohlig samtener und klar artikulierter Mezzostimme zählte ihre Darstellung zu den besten des Abends. (…) Iain MacNeil gab in der Rolle des Spielmann ein Bild des unerschütterlichen Optimismus ab. Mit ansteckend frohmütiger Rollengestaltung und kraftvoll satter Baritonstimme überzeugte er sowohl szenisch als auch stimmlich auf ganzer Länge und schuf einen Schlussgesang auf die Königskinder, der direkt ins Herz stach.
Es scheint nicht zuletzt dem Frankfurter Intendant Bernd Loebe geschuldet zu sein, dass diese Oper erneut auf die Bühne in Frankfurt zurückkehrt. Bei seinen Tiroler Festspielen in Erl hat Loebe die Königskinder kürzlich in einer Neuinszenierung gezeigt – interessanterweise mit verblüffend ähnlicher Besetzung – so kann man ihm sicherlich eine persönliche Affinität zu diesem unterschätzten Werk zuschreiben. Es ist ihm und dem Frankfurter Opernhaus mit seiner einzigartigen Spielplanpolitik – mit unzähligen Raritäten, Wiederentdeckungen und Uraufführungen – zu verdanken, dass das Publikum erneut in den Genuss dieser anrührenden Inszenierung kommt und die zu Unrecht aus dem Repertoire verdrängte Oper von Humperdinck (…) erleben darf.

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) Die zweite Wiederaufnahmeserie soll nun bereits die letzte sein. Dass diese Produktion eine Frankfurter Herzensangelegenheit ist, zeigt sich in der erneuten Übernahme der musikalischen Leitung durch Generalmusikdirektor Weigle. Er animiert das gut aufgelegte Orchester wieder zu jenem warmen Sehnsuchtston, der bereits bei der Premiere einen unwiderstehlichen Sog erzeugt hatte: herrlich aufblühend bei der Erweckung von Liebesgefühlen zwischen den verkannten Königskindern und mit ans Herz rührender Wehmut bei ihrem tragischen Scheitern. Der Farbenreichtum der Partitur wird zur vollen Pracht entfaltet, ohne dass der Dirigent sich in Details verlöre. Das Orchester breitet für die Sänger einen opulenten Klangteppich aus, deckt sie aber niemals zu. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) Ein herrlich leichtgewichtiger, vergnüglich komischer, trotzdem substanzreich talentvoller Opernabend über Spaß, Freiheit, Autorität und Identität. Hierzulande eine Seltenheit!

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


Dass die dänische Nationaloper Maskerade erstmals im Frankfurter Opernhaus in einer lebhaft für Toleranz werbenden Inszenierung von Tobias Kratzer zu sehen war, traf am Sonntagabend beim Publikum auf helle Begeisterung. Die komische Oper von Carl Nielsen aus dem Jahr 1906 ist außerhalb Dänemarks eine Rarität und die Aufführung Grund genug, dass zur Premiere eine Vertreterin des dänischen Hochadels anreiste: Die theaterbegeisterte jüngere Schwester der Königin, Prinzessin Benedikte zu Dänemark.
Die dreiaktige Oper mit dem Text von Vilhelm Andersen, der nach Vorlage Ludvig Holbergs (1724) das Verbot der damals als sittenverderbend geltenden Maskenbälle anprangert, konnte die Oper Frankfurt bis auf zwei Ausnahmen (Susan Bullock als Magdelone und Samuel Levine in der Rolle von Diener Arv) sämtlich mit hervorragenden Sängerinnen und Sängern des Ensembles besetzen, die alle ihre Rollendebüts gaben.
Herausragend komisch agierte Bassist Alfred Reiter als verklemmter Bürger Kopenhagens (Jeronimus) und Liviu Holender in der Gestalt des wortgewandt, lustvoll und trickreich brillierenden Dieners Henrik. Großes Lob auch für die ebenso virtuos wie dezent eingesetzten Gasttänzer in der Choreographie Kinsun Chans sowie für die kühl hintersinnige Spiegelbühne Rainer Sellmaiers, die das Bunte, Anarchische und Wilde seiner Kostüme umso kontrastreicher hervorstechen ließ. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Das einzige „Buh“ des Publikums erhält an diesem Abend ein Übersetzer: Martin G. Berger. Er hat sich einen deutschen Reim auf die dänischen Libretto-Reime von Vilhelm Andersen gemacht, die der wiederum aus einer Komödie des „dänischen Molière“ Ludvig Holberg gefiltert hat. Dabei hat sich Martin G. Berger akribisch genau an Andersens oft von Fantasie-Wörtern durchzogenen Reim-Schemata orientiert – und an dessen Selbst-Ironie. Denn wie heißt es im zweiten Akt so schön: „Im Ohr macht all das Reimen kille-kille, es ist ein bisschen ville. Doch macht man sich 'nen Reim auf alles Schrille, dann lebt man gut mit jeder Grille.“

Ursula Böhmer, Deutschlandfunk / Musikjournal


(…) Im Vergleich zum Bürger­schreck-Potential der Salome von Richard Strauss (1905) gibt sich Nielsens ein Jahr später uraufgeführte Opern-Komödie im Konversationston weitgehend brav. Das Maskenspiel auf der Bühne wird von gleichsam mas­kierter Musik getragen: Nielsen bedient sich nicht nur virtuos aus der älteren Musikgeschich­te, sondern lässt neben reichlich Kontrapunkt auch Wagner und Verdi grüßen. Dazwischen blitzen im Opernorchester unter der Leitung von Gastdirigent Ti­tus Engel schräge Töne auf: Die Tortur verkaterten Aufstehens zum Beispiel wird anfangs aus­gesprochen plastisch im Glis­sando hörbar. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Eine komische Oper wie Maskerade lebt von einem homogenen Ensemble. Und die Frankfurter Besetzung ist rundweg fantastisch (…).
(…) Ein großer, zu Recht bejubelter Abend an der Oper Frankfurt für ein Werk mit Seltenheitswert. Einfach ganz tolles Musiktheater.

Bernd Künzig, SWR 2 / Journal am Mittag


(…) An der Frankfurter Oper dirigiert Titus Engel diese Musik erfreulich plastisch, kehrt genau deren Witz hervor, der auch mal ein auskomponierter Kater sein kann. Also der Zustand, nicht das Tier. Engel leitet das Frankfurter Opernorchester sehr flott, sehr transparent. (…)
Tobias Kratzer ließ sich von Rainer Sellmaier einen offenen Kasten mit vielen Türen auf die Bühne stellen, erfindet im Detail auch lustige Zeichnungen der Figuren, gerade bei denen, die eher am Rande stehen. Und er kann mit Michael Porter (Leander), Monika Buczkowska (Leonora) und vor allem Liviu Holender (Henrik) auf sehr muntere Sängerdarsteller vertrauen, die, wie fast alle der zahlreichen Solisten hier, den stimmlichen Ansprüchen weitgehend mühelos gewachsen sind. (…)

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung


(…) Für alle: ein Pauschallob. Drei Stunden vergehen selbst in anhaltender Corona-Maskerade hinter verpflichtenden FFP2-Masken in Frankfurt wie im Flug.

Karl Harb, www.sn.at (Salzburger Nachrichten)


(…) Das trotz allem nach wie vor (ein paar sozialkritischer Seitenhiebe besonders des Kammerdieners gibt es – Figaro lässt grüßen) etwas schmalbrüstige Libretto wird von Kratzer weder mit einer anderen Geschichte überschrieben, noch mit Bedeutungstiefsinn überfordert. Er lässt sich auf den leichtfüßig turbulenten Dreiakter ernsthaft ein, was bedeutet, dass er die Komödie mit souveräner leichter Hand bedient und zum Leuchten bringt. Obwohl er dabei auf jegliche Ausstattungsopulenz verzichtet, zündet das beim Publikum. Vor allem durch seine punktgenaue Personenführung, in die die von Kinsun Chan so witzig wie hochmusikalisch choreographierten vier Tänzerpaare und der ebenso bewegungsfreudige, von Tilman Michael einstudierte Chor integriert sind.
(…) Ein Opernspaß für trübe Zeiten ist dieser Abend allemal. Im bejubelten, spielfreudigen Ensemble konnten sich vor allem Liviu Holender als wendiger Diener, Susan Bullock als unternehmungslustige Mutter Magdelone und auch Michael Porter als Leander besonders profilieren.

Joachim Lange, www.concerti.de


(…) Eine hübsche kleine Geschichte – und Tobias Kratzer hat einen echten Kracher daraus gemacht. (…)

Bettina Kneller, Main-Echo Aschaffenburg


(…) Der nachdenklichste Moment passiert ganz ohne Text. Im drit­ten Akt stellt eine Pantomime ei­ne treulose Dreiecksgeschichte von Venus, Mars und Vulcanus tänzerisch nach. Jeronimus, der bislang so streng-konservative Ko­penhagener Bürger, schaut zu und beginnt zu ahnen, dass es hier um ihn selbst geht, seine ver­drängten Lüste und Begierden, und dass die Welt nicht so keusch ist wie er sich das vorstellt – ja, warum soll er da eigentlich nicht selbst übergriffig werden, auf der Maskerade, die zur Disco mutiert und im Kostümrausch alle Anstandsgrenzen überwindet? Alfred Reiter geht in dieser Rolle vollkommen auf, singt und spielt einfach hinreißend. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Der Regisseur Tobias Kratzer stellt den großen Maskenball des dritten Aktes ins Zentrum seiner Inszenierung und plötzlich nimmt die vorher etwas bemühte Komödienhandlung richtig Fahrt auf. Dann beginnt nämlich das Spiel mit Identitäten, dann finden und verlieren sich Paare und manch einer lernt, die Welt und sich neu zu sehen. Die bunten Kostüme von Rainer Sellmaier, die Sportler, Musikerinnen und Comicfiguren zitieren, sind herrlich anzuschauen (…). Den Sängerinnen und Sängern, dem Orchester, den Tänzerinnen und Tänzern macht die Inszenierung sichtlich Freude. Und Michael McCown als Björn Borg oder Susan Bullock als Minnie Maus muss man einfach erlebt haben.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


Am königlichen Hof zu Kopenhagen hält man seinem berühmtesten Bediensteten auch 90 Jahre nach seinem Tod die Treue. Die Rede ist von Carl Nielsen, dem wichtigsten Komponisten Dänemarks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und von Prinzessin Benedikte zu Dänemark, der Schwester des Staatsoberhaupts, Königin Margrethe II. von Dänemark. Sie kam aus Anlass der Premiere von Nielsens Maskerade an der Frankfurter Oper in die Mainmetropole und wohnte der Vorstellung bei. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis diese Oper auch in Deutschland zur Aufführung kommt und wo, wenn nicht in der Oper Frankfurt, deren Publikum wie kaum ein zweites an Raritäten dieser Art gewöhnt ist und ihr Intendant Bernd Loebe diese als wichtigen Eckpfeiler der Spielplanpolitik seines Hauses betrachtet.
(…)
Nielsens Maskerade bietet dank seinen zahlreichen kleinen und mittelgroßen Rollen die Gelegenheit gerade für die Sänger*innen des Ensembles sich zu beweisen und dem Publikum zu präsentieren. Dies wurde hier vortrefflich genutzt, wobei einmal wieder die hohe Qualität des Frankfurter Ensembles zum Vorschein kam, mit einigen Namen, die man sich merken sollte. (…)

Alexandra Richter, www.orchestergraben.com


(…) Der Applaus für die Raritätenpremiere jedenfalls fällt treffend heiter bis hörbar hingerissen aus.

Axel Zibulski, Rhein-Zeitung


(…) Aber die eigentliche Witzigkeit und Situationskomik kommt durch die Neuübersetzung von Martin G. Berger zustande, der für einige Obszönitäten auch Buhs bekam. Es ist eine ins Spiel integrierte, relativ große Übertitelungsanlage, die seine Neudichtungen transportiert und einen erfrischend heutigen (…) Jugendslang in die Oper bringt, wie man ihn auch bei modernen Opern noch nie erlebt hat. Es wird dabei auch mit Freude gegendert, Beispiel: „Rings herum, das ist nicht schwer / Niemand weiß mehr: Ist das sie oder er?“ Und das alles in einem Reim-Tsunami, der sich gewaschen hat. (…)

Friedeon Rosén, www.der-neue-merker.eu


(…) Dabei hat der Unsinn (…) ja Methode und ist der Versuch einer Nachdichtung, die im ak­tualisierenden Reim-Exzess, der den Unterleib einbezieht, sub­versive Dada-Energien spüren lässt. Bis man diese Energien der ansonsten anhaltend gefei­erten Maskerade, vor allem einer großartigen Ensembleleis­tung, auf sich wirken lassen kann, muss man natürlich erst mal selbst die Maske anlegen und sich an die Tuchfühlung ge­wöhnen: Vollbesetzung. (…)

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Tobias Kratzer (…) inszeniert in Frankfurt eine federleichte, in den präzise gehüpften Tändeleien (Choreografie: Kinsun Chan) fast musicalwendige Komödie. Nach durchrauschter Nacht ruhen Leander und Diener Henrik in weißen Pants inmitten von Rainer Sellmaiers stufig gerahmter Bühne. Bald fügen sie sich als topfitte Unterwäschemodels in Nielsens tänzerische Applikationen. Eine Türen- und Spiegelkomödie, die den Anbruch einer neuen Zeit nur vorsichtig andeutet.

Nikolaus Schmidt, Badische Neueste Nachrichten


(…) Das richtige Stück also zum richtigen Zeitpunkt – entspre­chender Beifall!

Andreas Bomba, Offenbach-Post

(…) Durch Matteis differenzierte Interpretation wurde aus jedem Lied eine kleine Oper. Jedem Stück hauchte er ganz unterschiedliche Emotionen ein – ganz entlang der sich stets abwechselnden Tonarten – und gab dabei besonders auf Dramatik und Spannungsaufbau Acht. Seine kultivierte Stimme war agil und konnte von einem Ton auf den nächsten seine Stimmung verändern und behielt trotz zahlreicher dynamischer Abstufungen die dem Liedgesang so essentielle einwandfreie Artikulation bei. Der schwedische Bariton bestach mit einem schwermütigen aber nicht schwerfälligen Gesang, der die Geschichte des von seiner Geliebten verstoßenen Wanderers feinsinnig markant darbot, ohne seinen existenziellen Schmerz dramatisch zu überzeichnen. (…)

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) David Fray ist ein exzellenter, sehr behutsamer Begleiter. (…)

Stefan Michalzik, Frankfurter Rundschau


(…) Wo an­dere Sänger es mit Stilmitteln der Deklaration wie bellen, knurren, hauchen, seufzen, flehen oder schreien mitunter übertrieben haben, blieb Mattei maßvoll und kantabel und trotzdem ohne Defi­zite in der Wortdeklaration. Seine Gesangskunst zeichnete aus, dass er die Legatobögen durchdacht spannte und durch die Lagen und Stimmregister mühelos wechsel­te. Deutlich und rhythmisch präzise, im Einklang mit dem Pianis­ten, artikulierte Mattei die End­konsonanten. Dem verstoßenen Liebhaber, dem lyrischen Ich, be­gegnete Mattei mit Empathie und bewegte sich zwischen den Polen einer impulsiven, unmittelbaren Rollendarstellung und einer dis­tanzierten, aber milden und ver­ständnisvollen Nacherzählung. (…)

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse


(…) Peter Mattei wurde vom französischen Pianisten David Frey begleitet. Auch er setzte ganz eigene, nachhaltige Akzentuierungen. Zusammen war dies eine außerordentlich faszinierende Interpretation dieses Liedklassikers. Das Publikum sah es auch so. Lang anhaltender, intensiver Applaus, inklusive „Bravo“-Rufen, Getrampel und Standing Ovations (…).

Markus Gründig, www.kulturfreak.de

(…) Mit seiner radikal neuen und dabei durch und durch werktreuen Sicht auf ein vermeintlich bekanntes Repertoirestück hat Barrie Kosky im Verbund mit Bühnen- und Kostümbildnerin Katrin Lea Tag und Lichtdesigner Joachim Klein Interpretationsgeschichte geschrieben. Durch herausragende Sängerdarsteller in den Hauptpartien, eine auch in den kleinsten Nebenrollen vorzügliche Besetzung und ein hellwach musizierendes Orchester bietet die Wiederaufnahme Musiktheater von geradezu atemberaubender Intensität.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Die widersprüchliche Figur der Salome gibt die kanadische Sopranistin Ambur Braid stimmlich frisch und höhensicher. Überaus kraftvoll und wohltönend präsentiert sich der Jochanaan des Bassbaritons Nicholas Brownlee. Den von Salome paranoid besessenen Herodes verkörpert Tenor AJ Glueckert mit viel Leidenschaft. Schlaue Kommentare liefert die Herodias der Mezzosopranistin Zanda Švēde.
Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchester sorgt bei dieser Wiederaufnahmeserie Titus Engel für eine große atmosphärische Dichte der expressionistisch gefärbten Klangwelten.

Markus Gründig, www.kulturfreak.de

(…) Die Wiederaufnahme bietet insgesamt pralles, abwechslungsreiches und durchaus zu Kontroversen anregendes Musiktheater mit vorzüglichen Gesangsleistungen. Gerade eine Rarität wie die Iolanta sollte man sich in einer solch vorzüglichen Besetzung nicht entgehen lassen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Die Oper Frankfurt hat tief gegraben, um in einer Zeit ohne Planungssicherheit, aber mit Startgarantie alle Gönner, Freunde und Kulturbedürftigen zu locken. Das befreiende Glucksen und Lachen des mehr oder wenig geduldig Masken tragenden Publikums, viel Zwischenapplaus und am Ende einmütiges Trampeln, Pfeifen und Bravi bestätigte das Konzept. Mit dem Intermezzo L’italiana in Londra“ von Domenico Cimarosa, komponiert für fünf Protagonisten und eine erweiterte Kammerbesetzung im Orchestergraben, gelang ein vielumjubelter Auftakt einer über diesen Abend hinaus vielversprechenden Saison. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Ohne den Regisseur R. B. Schlather wüsste man vermutlich nicht, weshalb man hier ist, ohne das grandiose Quintett auf der Bühne wüsste man es nicht, ohne das von dem britischen Dirigenten Leo Hussain zu behänder Leichtgängigkeit geführte Opern- und Museumsorchester wüsste man es nicht. Wie die Dinge aber liegen und wie es hier geplant und durchgeführt wurde, ist es ein bezwingender Abend. Dass er keine Cimarosa-Renaissance einleiten dürfte, macht ihn nicht kleiner, eher zu einer womöglich einmaligen Gelegenheit. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Allerdings triefen die amourösen Verwick­lungen in einer Londoner Pension, in der internationale Gäste ein und aus gehen, genüsslich vor na­tionalistischen Vorurteilen und platten Charakteren. Wundervoll, findet der New Yorker Regisseur R.B. Schlather, überdreht die Buffa zur fetzigen Farce und verdon­nert das Ensemble im Lockdown (Corona lässt grüßen) zum perma­nenten Sich-Begegnen und Sich- Begehren in der Lobby. Da ver­sucht Bassbariton Gordon Bintner als touristischer Latin Lover Don Polidoro, die geheimnisvolle Livia mit Goldketten, angeklebtem Brusthaar und schwingenden Hüften zu gewinnen – dabei stän­dig auf die steifen, witzlosen Eng­länder schimpfend –, zappelt aber seinerseits fest im Erotik-Netz der Hotelchefin Madama Brillante (zum Brüllen komisch in Raffines­se und Verzweiflung: Bianca Tognocchi). Ständig Tee servierend spielt sie im sexy Ingrid-Steeger-Look gezielt das dumme Frau­chen, verfolgt aber eigentlich den Plan, ihrer Hoteltristesse zu ent­fliehen und mit Polidoro nach Ita­lien auszuwandern. Irrwitzig dümmlich kann auch Theo Le­bow als vorgeblich stinkreicher niederländischer Kaufmann nicht bei Livia landen, da ständig im Kampf mit Mundgeruch und wiederborstigem Haupthaar begrif­fen. Das quirlige Quintett perfekt macht Iurii Samoilov als steifer Adelssohn Arespingh samt Schirm, Charme und Melone, der am Ende die Hosen runterlässt und Titelheldin Livia alias Angela Vallone, die als Einzige tragisch über ihr Klischee hinauswachsen darf, in einer winzigen Telefon­zelle vernascht. Herrlich albern auch Cimarosas Einfall, mit Zau­berkraft in Gestalt eines Steins, der angeblich unsichtbar macht, dem Verliebtsein Polidoros auf die Sprünge zu helfen. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Bereits in der Ouver­türe leuchteten die musikali­schen Parallelen zur Musik des sieben Jahre jüngeren Mozart deutlich auf. Leo Hussains Dirigat hob diesen musikalischen Déjà-vu-Effekt gekonnt hervor und unterstrich zugleich die Unvorhersehbarkeit der Musik und ihren unverwechselbaren Humor.
Der amerikanische Regisseur R.B. Schlather griff diesen wie in einem Ping-Ping-Spiel mit dem Orchester auf und zünde­te ein komödiantisches Feuer­werk, das in seiner artistischen Raffinesse mühelos über drei Stunden hinweg trug. (…)
(…) Dem stimmlich wie dar­stellerisch überragend aufge­legten Solistenensemble (Angela Vallone – Livia, Bianca Tognocchi – Madama Brillante, Theo Lebow –  Sumers, Iurii Samoilov – Milord Arespingh, Gordon Bintner – Don Polidoro) gelang es ausnahmslos, hinter der stereotypen Buffo-Maske glaubhafte menschliche Ge­sichter erkennen zu lassen.

Silvia Adler, Darmstädter Echo


(…) Eingepasst und doch frei abgezirkelt im Korsett der Cimarosa-Nummern, die sich besonders zu zwei fluffigen Kettenfinale genüsslich ausweiten, macht dieses muntere Quintett drei Stunden lang Zuhör- wie -schaulaune. Diese Musik träufelt galant, ist handwerklich brillant gemacht, hält mit architektonischen Unregelmäßigkeiten wach, die Leo Hussain mit Gusto, aber unerbittlich raschen Tempi vorantreibt. (…)

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


(…) Das Produktionsteam um Regisseur R.B. Schlather nimmt die Vorlage zum Anlass, um ein Feuerwerk des Humors abzubrennen, mal übermütig, mal hintersinnig. Von einer „Inszenierung“ zu sprechen, wäre eine Untertreibung: Die schauspielerisch ungemein geforderten Protagonisten bewegen sich vielmehr in einer genauestens kalkulierten Choreographie über die Bühne. Slapstick und Ironie werden in der exakt richtigen Dosis und mit perfektem Timing serviert. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Leo Hussain mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester meistert die Partitur durch durchsichtig-prickelndes, aber ebenso exaktes Spiel der Musiker, als wolle das gesamte Orchester den Abend nur Champagner ausschenken angesichts der Freude, dass man wieder Musik spielen und Theater machen darf.
Großer Jubel im wegen des Wahlabends nur mäßig besetzten Haus – die aber dort sind, denen ergeht es mit Sicherheit besser als vor dem Fernseher daheim.

Achim Dombrowski, O-Ton


(…) Die Oper Frankfurt hat mit L’italiana in Londra eine Rarität ausgegraben, die musikalisch und inhaltlich einen Platz im Repertoire verdienen würde.

Thomas Molke, www.omm.de


(…) Die Frankfurter Italienerin ist jedenfalls Unterhaltungstheater im besten Sinne: herrlich gespielt, schön gesungen und saukomisch inszeniert.

Bernd Zegowitz, Badische Neueste Nachrichten

(…) Viel dunkle Magie (…) in Händels Zauberoper Amadigi, in der ausschließlich vier hohe Stimmen gegeneinander antre­ten: [Regisseur] Andrea Bernard versetzt sie ins autoritäre Spa-Reich von Well­ness-Intrigantin Melissa, der Eli­zabeth Reiter mit Präzision und nicht nachlassender Rachsucht überragenden Ausdruck verleiht. Schön zu erleben, wie Ensemble und Gäste stimmlich und sze­nisch aufs Ganze gehen: Der schwarze Countertenor Brennan Hall ringt fesselnd echt mit Rivale Dardano (eindrückliches Debüt von Beth Taylor), der angeblichen Untreue seiner Geliebten (kraft­voll: Kateryna Kasper) und den Zudringlichkeiten Melissas. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Und um Verliebte und Verrückte geht es auch in den folgenden drei Stunden. Andrea Bernard löst recht geschickt das Libretto-Problem, dass hier nur gebarmt, gefleht und gelitten wird, und dass ein weiteres Paar fehlt, um die Verwirrung wirklich zu würzen. So beschränken sich die Hindernisse, bis Amadigi endlich seine Oriana in den Armen hat, auf die Zaubertricks von Melissa, die aber nicht als Bühnenmagie, sondern als psychologische Manipulationen vorgeführt werden. Am Ende geht die ins Wasser, auch Dardano kommt durch seinen Exfreund Amadigi zu Tode. Wird das Paar auf dieser Grundlage glücklich werden können? (…)

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


(…) Im Grunde aber passt die Produktion in die Reihe der Frankfurter Händel-Inszenierungen, die fast alle für einen modernen, dramaturgisch und theatralisch ambitionierten Umgang mit der Barockoper stehen. (…)

Karl Georg Berg, Die Rheinpfalz


(…) Roland Böer führt (…) das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit sicherer Hand durch die barocke Partitur, so dass es am Ende großen und verdienten Beifall für alle Beteiligten gibt. (…)

Thomas Molke, www.omm.de


(…) Das singende Quartett, vier Rollendebüts: höchst engagiert. Als Titelheld ist der außerordentlich jugendlich wirkende Brennan Hall zu erleben (…). Kateryna Kasper ist seine Oriana, die bei aller Sanftheit über einen beherrschenden Sopran verfügt – ein neckischer Kommentar zur Beziehung zwischen den beiden, die im Spiel nur zart angedeutet wird. (…) Mächtig und prächtig Elizabeth Reiter als Melissa, ein überzeugendes Rivalinnen-Duell auch der Soprane. Als Dardano spielt Beth Taylor das Androgyne großartig aus, dazu passt ihr Mezzo, die tiefste Stimme des Abends. Ihre Arie „Pena tiranna“, eine namhaftere dieser Opernrarität, erinnert ja zum Verwechseln an die Rinaldo-Arie „Lascia ch’io piango“ und ist damit ein Zugpferd des Abends. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Das Frankfurter Opern- und Mu­seumsorchester unter der Lei­tung von Roland Böer sorgte mit prägnantem, kontrastrei­chem Spiel für starke emotio­nale Impulse. (…)
Während Elizabeth Reiter als Melissa gleißende Koloraturen und rachedurstig explodieren­de Spitzentöne abfeuerte und Beth Taylor als Dardano mit glutvoller, männlich gefärbter Altstimme auftrumpfte, liefer­te Kateryna Kasper als Oriana mit ihrem hellen Sopran ein lyrisches Gegengewicht. (…)

Silvia Adler, Darmstädter Echo


(…) Die drei Frauen (…) sind eine Wucht: Beth Taylor als Dardano mit sattem, aber beweglich-ausgeglichenem Mezzosopran, Elizabeth Reiter als von Eifersucht zernagte Melissa, deren Abgang trotz alledem zu Tränen rührt, und Kateryna Kasper als zärtlich liebende, aber arg gebeutelte Oriana, die sängerisch alle Gefühlsgrenzen ausloten muss.

Bernd Zegowitz, Badische Neueste Nachrichten


(…) An vorderster Stelle zu nennen ist Kateryna Kasper in der Partie der Oriana. Die Frankfurter Stammsopranistin befindet sich aktuell auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Fähigkeiten. Mit einem herrlich runden, honigsüßen Ton umschmeichelt sie ihren Geliebten. Verzierungen, Melismen und Koloraturen werden mit einer staunenswerten Makellosigkeit dargeboten. Sie erscheinen bei der Kasper nicht als Vokalkunststückchen, sondern als selbstverständlicher, ja notwendiger Teil ihrer Gestaltungskunst. Schon diese beglückende Gesangsleistung wäre Grund genug für den Besuch der Produktion. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Elizabeth Reiter bewegt sich in dieser Rolle, als sei sie jene Melissa, die sich krampfhaft an ein im Glas herumschwimmendes Herz klammert und über ihre Ohnmacht, Amadigi nicht herumdrehen zu können, verzweifelt. Ihre Ausbrüche sind stimmgewaltig, mit Strahlkraft und aller geforderten Härte, dramatisch ihr Tod. Melissa taucht ein in die Quelle der wahren Liebe. Während sie untergeht, singt sie so hauchfein wie der Dunst über dem Wasser. Eine sanfte Welle spült ihren Körper weg, unendliche Ruhe breitet sich aus, das Orchester verklingt. Stille. Händel verstand sich darauf, menschliche Qualen in allen Schattierungen und über lange Schwelltöne hinweg in der Musik abzubilden. Elizabeth Reiter füllt diese Partie mit großartiger Stimmkunst und darstellerischer Überzeugung aus. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com

(…) Mitterrutzner singt ohne Prätention, exzellent schlicht der lyrisch-weiche Ton. Auf der anderen Seite lässt er immer wieder einmal den Opernsänger hören. Gerade im ersten Drittel sind einige Stelle vergleichsweise „ausgesungen“. Das geht dann an die Grenze des Liedgesangs, sprengt sie aber nicht.
In der klaren rhetorischen Durchformung wahrt Mitterrutzner eine beobachtende Distanz, den Abstand eines Außenstehenden. Das ist nicht die schmerzhaft intime Offenbarung der Seele und auch kein Bad in der romantischen Melancholie. Alles wirkt unangestrengt, die Phrasierungsnuancen sitzen, die Textverständlichkeit ist beispielhaft.
Phänomenal luzide der Klavierpart von Gerold Huber, mit gelegentlichen Pointierungen in den Einleitungen und einer immer aufmerksamen Einlässlichkeit mit Blick auf den Sänger.

Stefan Michalzik, Frankfurter Rundschau


(…) Intensiver, lang anhaltender Applaus (…).

Markus Gründig, www.kulturfreak.de

(…) Mit (…) der Möglichkeit, vor einem ausgebuchten Haus zu spielen, startet die Oper Frankfurt gestärkt in die neue Spielzeit. Und mit dieser fulminanten Wiederaufnahme von Norma beweist sie, dass man auch weiterhin „ganz große Oper“ in der hessischen Bankenmetropole erwarten darf. So scheint die Krise zumindest an der Oper Frankfurt überwunden zu sein!

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


Die Premiere der Frankfurter Norma am 10. Juni 2018 war ein Triumph von Elza van den Heever (…). Kann unter diesen Bedingungen eine Umbesetzung der Titelpartie gelingen? Sie kann, was sich gerade in der aktuellen Wiederaufnahmeserie zeigt. Die Oper Frankfurt hat mit Ambur Braid im eigenen Ensemble eine überzeugende Neubesetzung gefunden. (…)
(…) Das Publikum belohnt dieses überzeugende Rollendebüt mit starkem Schlussapplaus. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de