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Lothar Koenigs leitete zum ersten Mal das Opern- und Museumsorchester, das sich diesmal in leisen, fast kammermusikalischen Tönen zu üben hatte. Graf und Gräfin waren in Person von Sebastian Geyer und Kirsten MacKinnon Neubesetzungen, die mit klaren stimmlichen Konturen und ausgewogener Balance aufwarteten.
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Von der Premiere kannte man noch AJ Glueckert als Flamand und Alfred Reiter als Theaterdirektor La Roche mit einem eindrucksvollen, leidenschaftlichen Plädoyer für Geist und Würde des Theaters.
Dass es während der gesamten zweieinhalb Stunden Spielzeit stets auch ein wenig selbstironisch zugeht bei den Theaterleuten, versteht sich von selbst. Sinnbild für diese Komik ist Tenor Hans-Jürgen Lazar in der Rolle des ewig schläfrigen Souffleurs Monsieur Taupe, der am Ende des Theaters in der Oper einen gewichtigen Auftritt hat.
Von allem war das Publikum sehr angetan. Der Schlussapplaus galt aber auch dem Bühnenbildner Johannes Leiacker, der erst kürzlich für seine überzeugende Frankfurter Arbeit ausgezeichnet worden ist.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltete umsichtig und souverän Lothar Koenigs. Der Dirigent animierte das bestens disponierte Orchester zu schlankem, silbrigem Streicherklang, zu rhythmischer Präzision während der Lach- und Streit-Oktette, verband leicht ironische Zwischentöne bei den vokalen Dialogen und wurde der Strauss’schen Orchestersprache in jeder Hinsicht gerecht. Betörend schön klang die „Mondscheinmusik“ sowie die wunderbare Untermalung des finalen Schlussmonologs. Quasi trug er kompetent seine Sänger auf musikalischen Händen.
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Die Protagonisten der qualitativ hochwertigen Aufführung wurden vom begeisterten Publikum lautstark und stürmisch gefeiert.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu

(…) Die Inszenierung von Jim Lucassen, erstmals gezeigt 2013, versetzt den Zuschauer mitten in ein naturkundliches Museum, präparierte Tiere und das große Sauriergerippe im zweiten Akt könnten auch aus der Senckenberg’schen Stiftung stammen. Rusalka selbst erwacht erst nach einigen Takten zum Leben und steigt aus einer Art Wald-Voliere mit Bäumen und Wasserfall ins wahre, grausige Menschenleben herunter.
Mit klarem Strich gezeichnete Charaktere eifern um die Wette: Der zwischen Realität und Träumerei wandelnde Prinz, die keifende Hexe Ježibaba. Die scheinbar über allen Wirrungen schwebende Fremde Fürstin und der barsche Wassermann. Dazu noch drei Waldelfen in synchroner Bewegung, die es sich am Ende in den Vitrinen des Museums bequem gemacht haben.
Für all dies märchenhafte Volk stehen in der Frankfurter Wiederaufnahme stimmlich und darstellerisch adäquate Künstler zur Verfügung: Karen Vuong (…) überzeugte auch diesmal wieder – gerade ihr Schweigen ließ die darstellerischen Qualitäten noch wichtiger werden.
Auch sonst griff man auf bewährte Kräfte zurück: die erhabene Claudia Mahnke als Fürstin, Andreas Bauer als Wassermann und Katharina Magiera als eine sehr bewegliche Hexe. Der australische Tenor Gerard Schneider aber war in der Rolle des Prinzen zum ersten Mal zu erleben – stimmlich die passende Ergänzung zur zarten Rusalka.
Generalmusikdirektor Sebastian Weigle ließ es sich nicht nehmen, auch die Wiederaufnahme zu leiten – er formte mit dem hervorragend einstudierten Opern- und Museumsorchester kraftvolle Urwüchsigkeit im besten Sinne Dvořáks.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

(…) Malin Byström in der Titelrolle hatte ihre überzeugendsten, bezwingendsten Momente natürlich im zweiten Akt, als sie dem drängenden Scarpia die kalte Schulter zeigt. Aber auch beim Sturz von der Engelsburg – für Regisseure eine szenische Herausforderung – bewahrte sich die Sängerin ihren Platz in den Herzen der Zuhörer.
Gemeinsam mit dem leidenschaftlichen Stefano La Colla bot man ein ausgewogenes, rundum überzeugendes Liebespaar. La Collas mächtige, aber trotzdem recht schlanke, flexible Stimme lag dem Zuhörer noch lange im Ohr.
Man konnte sich also über ein Festival der Stimmen freuen. Es wäre ohne die weiteren Darsteller nicht denkbar gewesen: Dario Solari wurde als Bösewicht Scarpia allen sängerischen und darstellerischen Herausforderungen gerecht. Auch Brandon Cedel als Häftling Angelotti und der gute alte Franz Mayer als Mesner boten Farbe und Format wie Michael McCown als Spoletta und Barnaby Rea als Scarrione. Diese Tosca zeigte einmal mehr, dass das Frankfurter Opernensemble derzeit glänzend in Form ist. Chor und natürlich das Opern- und Museumsorchester – diesmal unter der Leitung von Lorenzo Viotti – hielten mit.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Gut aufgelegt präsentiert sich das Orchester unter der Leitung von Lorenzo Viotti. Der junge Dirigent ist ein aufmerksamer Begleiter. In den Einleitungen zu den einzelnen Akten beweist er ein gutes Gespür für die klangfarblichen Finessen der Partitur, in der Puccini eine erstaunliche Nähe zum französischen Impressionismus zeigt. Angenehm, dass das „Te Deum“ trotz angemessener Wucht nicht dröhnt. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Zum ersten Mal ist in Deutschland die multimediale Oper Lost Highway von Olga Neuwirth zu sehen. Die Premiere am Mittwoch im Bockenheimer Depot in Frankfurt war ein irrer Trip durch alle Genres: Die Sänger-Schauspieler wurden unter anderem via Greenscreen in Animationen und Filmszenen eingeblendet.
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Das 2003 in Graz uraufgeführte Werk der 1968 geborenen Österreicherin basiert auf dem gleichnamigen Film von David Lynch. Das Libretto für die Opernversion verfasste Neuwirth zusammen mit der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Regie führte der Amerikaner Yuval Sharon, ein weltweit gefragter Spezialist für medienübergreifende Arbeiten.
Seine Frankfurter Version von Lost Highway ist modernes Musiktheater, das mit der gängigen Vorstellung von Oper kaum etwas zu tun hat (…). Eine surreale Krimihandlung. Klänge, neu und nervenzehrend wie Filmmusik. Bis Ende September gibt es fünf weitere Aufführungen.

Sandra Trauner, Deutsche Presse-Agentur (dpa)


(…) [Yuval] Sharon ist zufällig momentan auch der heißeste junge Opernregisseur in Deutschland (…)

Mark Swed, Los Angeles Times (Übersetzung: Oper Frankfurt)


(…) Der Regisseur Yuval Sharon eilte umweglos von seiner Bayreuther Lohengrin-Inszenierung zur Frankfurter Aufgabe, in der er sich weit mehr zu Hause fühlte. Es entstand eine durchdachte, in jedem Detail überzeugende Aufführung! Klarer hätte man eine scheinbar verzweifelt wirre, zumindest sehr komplexe Story nicht präsentieren können. (…)
Originell diesmal die Präsenz des für den Instrumentalpart verantwortlichen Ensemble Modern. Es versteckt sich hinter der Bühnenwand, wird aber phasenweise auf der Projektionsfläche sichtbar gemacht. Den gesamten Ablauf muss man als ein Wunder an Präzision bezeichnen. Selbstverständlich sind Qualität und Prägnanz des Orchesteranteils unter der engagierten Leitung von Karsten Januschke untadelig. Wie das alles mit dem live-elektronischen Sounddesign (Markus Noistering, Gilbert Nouno, Norbert Ommer) und den minuziös arrangierten Bühnenbild-, Video- und Lichteffekten abgestimmt ist (Jason A. Thompson, Kaitlyn Pietras), musste geradezu als mirakulös wahrgenommen werden.
Im nahtlosen Zusammenspiel von Manpower und Technik, in der spielerischen Lust am Umgang mit allen Facetten narrativ-theatralischer (Un-)Wirklichkeit war dieser Abend ein Manifest des aktuell lebendigen Musiktheaters. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Es dauert eine ganze Weile, bis alle Raffinessen der komplizierten Bühne wirksam durchschaut sind. Während Schauspieler Jeff Burrell als Fred unten im Green Screen live agiert, setzen die Video-Spezialisten Jason H. Thompson und Kaitlyn Pietras ihn im oberen Teil in mysteriöse, extrem künstlich flirrende Film-Sets. Unten glaubt Fred, autonom zu handeln, in Wirklichkeit wird sein Leben manipuliert.
Das Ergebnis: Alle seine Beziehungen wirken entfremdet, vor allem die zu seiner Frau, von Elizabeth Reiter als düstere Reinkarnation einer kühlen Hitchcock-Lady gesungen und gesprochen. Sie agiert in ihrer Zwillingsrolle als Renee / Alice ebenfalls in einem Green Screen, ebenso wie das hervorragende Ensemble Modern. Nur selten zeigt eine Live-Kamera das Orchester hinter einem feinen Gaze-Vorhang aus der Vogelperspektive.
Als sich Fred in der Gefängniszelle in Pete verwandelt, wandelt sich die Oper komplett in einen live gedrehten Film. Und der formt sich immer stärker zur undurchsichtigen Struktur aus vorgefertigtem Bühnenbild, sprechenden Sängern und singenden Schauspielern. Auf diese überzeugende Weise findet Yuval Sharon eine adäquate künstlerische Übersetzung für die zunehmenden Avatar-Erfahrungen unserer digitalen Zeit.
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Wer Yuval Sharons flirrend-erratischen Klang-Film-Raum noch nicht gesehen hat, muss sich sputen. Die weiteren fünf Termine bis zum 23.September sind nahezu ausverkauft.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Auch dem Darstellerensemble glückt die virtuose Gratwanderung zwischen Film, Computeranimation und Musiktheater auf grandiose Weise. Nicht nur der Schauspieler Jeff Burrell als Fred verleiht seiner Partie rasiermesserscharfe Konturen.
Auch die Sopranistin Elizabeth Reiter, die als Renee und Alice erotische Coolness mit glutvollen Gesangsausbrüchen verbindet, sowie der Vokalkünstler David Moss als brutal aufbrausender Mr. Eddy und der Bariton John Brancy als stimmstrotzender Mechaniker Pete erreichen – nicht zuletzt dank Yuval Sharons perfektionistischer Personenregie – eine Leinwandpräsenz, die bei jedem noch so strengen Casting überzeugt hätte.

Silvia Adler, Darmstädter Echo

(…) Dass die Darsteller den Zuschauer derart beeindrucken, liegt auch an den charakteristisch-fantasievollen Kostümen, die Doey Lüthi ihnen hat schneidern lassen. Vor allem aber an Yuval Sharon, der mit ihnen so genau gearbeitet hat. Und an dessen Video-Partnern Jason H. Thompson und Kaitlyn Pietras, die mit Sharon das raffinierte Bühnenkonzept ausgetüftelt und so brillant realisiert haben. Sobald Fred in der Zelle sitzt, verschwindet die grüne Wand und hinter Gittern sitzt nun auf der oberen Ebene Pete – es dauert einige Zeit, bis der Zuschauer begreift, dass da oben zwischen und hinter Videoprojektionen nun reale Darsteller handeln. Und es dämmert ihm, dass das Video im ersten Teil ebenfalls live, nur eben versteckt, aufgenommen war. Auch die Musiker des Ensemble Modern tauchen immer mal wieder auf der Gaze auf, dazwischen die typischen Schlieren vom Vor- und Rückspulen oder Farbverläufe wie einst in Kubricks 2001, dem das Frankfurter Filmmuseum gerade eine Rückschau widmet.
Jene Odyssee im Weltraum hatte ja auch dadurch eine so große Wirkungsmacht, weil sie realistisch tat, aber ganz unwahrscheinliche Vorgänge zeigte – dies war der erste große Science-fiction- und Fantasyfilm. Und wie 2001 vor 50 Jahren etwas zeigte, das absolut auf der Höhe der Zeit war, so vermittelte auch der Frankfurter Abend mit Lost Highway den Eindruck, hier seien Musik und Theater absolut im Hier und Jetzt und auf der Höhe der Kunst angelangt. Das kann man von Opernproduktionen nicht häufig sagen. Der Zuschauer war einerseits enthusiasmiert von einem außergewöhnlichen Kunstereignis, andererseits ging er aber auch beunruhigt nach Hause, weil die Bedrohung der Gesellschaft durch die Spaltung der Wahrnehmung ihn spätestens bei der nächsten Nachrichtensendung wieder einholen würde.

Bernd Feuchtner, www.klassikinfo.de


Ein multimediales Musiktheater mit psychologischem Tiefgang. Eine Inszenierung, die in Atem hält: Die Premiere von Olga Neuwirths Lost Highway nach dem gleichnamigen David-Lynch-Film in der Regie von Yuval Sharon war im Bockenheimer Depot ein voller Erfolg. (…)

Stefan Michalzik, Offenbach-Post

(…) Zum Auftakt interpretierte Günther Groissböck Vier ernste Gesänge von Johannes Brahms. Getragen, ja weihevoll behandelte der vorzügliche Sänger in ungekünsteltem Ausdruck und lyrischen Färbungen seines herrlichen Timbres diese Vertonungen. Sein dunkel leuchtender Tonfall harmonierte so charakteristisch zur majestätischen Deklamation, hier hörte man nicht den Propheten, der das Wort verkündete, sondern jemanden, der dies alles erfahren hat. (…)
In Folge präsentierte der vortreffliche Erzähler den Liederkreis op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff zur Komposition aus der Feder Robert Schumanns. (…)
In höchst beeindruckender Weise verstand es der exzellente Bass, die grundlegenden Leidenserfahrungen eines Menschen derart farb- und facettenreich auszudrücken.
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Samtig tönend, vorzüglich musikalisch untermalend begleitete Malcolm Martineau den Solisten, unterlegte sein nie dominantes Spiel mit pianistischen Finessen, stilistischem Einfühlungsvermögen, nachhaltiger Virtuosität und hatte so gewaltigen Anteil am großen bejubelten Erfolg.
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Der denkwürdige Liederabend und verheißungsvolle Serien-Auftakt dürfte in die Annalen des Hauses eingehen.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Nach der Pause waren Lieder von Peter Tschaikowski und Sergei Rachmaninow perfekter Stoff für alle Register eines beweglichen Basses. Noch prächtiger als die sonoren Nummern wirkten die stark belebten, allen voran Tschaikowskis untergründig schon tragisch gehetztes „Ständchen des Don Juan“ (mit noch über den Sänger hinaus bereits weiterjagendem Klavier, raffiniert).
So, und anschließend sang Günther Groissböck den Schluss der Walküre, als Luxuszugabe und als Work in Progress. Für 2020 ist er als Bayreuther Wotan angekündigt, ein enormer Ort für ein solches Rollendebüt. Der probierende Groissböck aber jetzt mit hinreißend warmer, samtener Kraft. Man verstand seinen Interviewsatz „Der Wotan sollte meiner Meinung nach von der unteren Lage her kommen“ aus dem Stand. Hart, nicht sofort mehr davon zu hören.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(…) Nach dem Tod ihrer Eltern leben die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga zusammen mit ihrem Bruder Andrei und dessen Frau Natascha in der russischen Provinz. Man sehnt sich zurück nach Moskau, das Landleben nervt. Doch niemand hat die Kraft, daran etwas zu ändern. Es bleibt bei Träumen und Hoffnungen. In einem Prolog sinnieren die Schwestern über die Leere (…). In den folgenden drei Sequenzen erzählt Eötvös das sich wiederholende Geschehen rund um die Themen Liebe, Lust und Langeweile aus der Sicht von Irina, Andrei und Mascha jeweils neu.
Frankfurt folgt bei der Besetzung der drei Schwestern dem Plan des ungarischen Komponisten und präsentiert statt Frauen mit dem US-Amerikaner Ray Chenez (Irina), dem Kanadier David DQ Lee (Mascha) und dem Russen Dmitry Egorov (Olga) drei Countertenöre. Das hat seinen Reiz, da die Herren glänzend disponiert sind, über unterschiedliche Stimmfärbung verfügen und auch die Tiefen einwandfrei ausloten. Selbst die alte Haushälterin Anfisa (mit Schalk im Nacken: Alfred Reiter) erhält ein finsteres Basstimbre. Wäre da nicht die verstorbene Mutter, die hin und wieder stumm als Statistin durch die Szenerie geistert, es stünden nur Männer auf der Bühne.
Die Inszenierung geht auf das Konto von Dorothea Kirschbaum. Sie dient dem Haus seit 2013 als Regieassistentin und hat bereits mit Tschaikowskis Eugen Onegin ein Händchen fürs Sujet bewiesen. Auch den Eötvös zeichnet sie klar, macht aus dem Vorgarten einen Kinderspielplatz mit Sandkasten und Schaukel, aus dem Haus der Geschwister ein Wohnzimmer mit integrierter Küche, Esstisch, Bücherregal und Klavier. Nach der Pause stehen alle Utensilien spiegelverkehrt im Raum. Kirschbaum gewährt ihren Protagonisten im 60er-Jahre-Chic Zeit. Es wird Mikado gespielt, weil das Ende ungewiss ist und offen bleibt. Die Zeichentricksequenzen von Christina Becker zeigen Wünsche. (…)
Die Musik lässt im Ansatz ein wenig Gershwin hören. Eötvös zitiert in der ersten Sequenz die Arie des Gremin aus Eugen Onegin, die auch zur Tschechow-Vorlage gehört. Doch das Zauberwort heißt Glissandi. Sowohl im Orchester als auch bei den Sängern wird in die Töne hineingerutscht. Es zirpt und zerrt. Es quietscht und raunt. In den Duetten funktioniert das besonders gut. Wenn der verliebte Soljony (intensiv: Barnaby Rea) der jungen Irina näherkommt und die Streicher diesen Vorgang mit eindringlichem Auf- und Abgleiten unterstützen, wird das zu einer der stärksten Szenen des Premierenabends.
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Die musikalische Leitung hat mit dem amerikanischen Dirigenten Dennis Russell Davies ein Experte für neue Tonkunst übernommen. Das Opern- und Museumsorchester ist zweigeteilt. Davies führt im Graben ein 18-köpfiges Kammer-Ensemble mitsamt Akkordeonspielerin fürs russische Kolorit. 50 weitere Instrumentalisten spielen als Orchester unter dem Dirigat des Frankfurter Kapellmeisters Nikolai Petersen hinter der Szenerie, auf einem eigens gebauten lichtgerahmten ersten Stock. Die beiden Dirigenten stehen über Monitore in optischer Verbindung. Der duale Klang mag die beiden Ebenen bei Tschechow symbolisieren, das ideelle und das reale, die Figuren auf der Bühne tun das ausdrücklich nicht. Die Instrumente des Ensembles repräsentieren in der Partitur jeweils einen oder mehrere Charaktere, weshalb beim aufdringlichen Soljony immer die Pauken bollern und bei der Nervensäge Natascha (hervorragend: Eric Jurenas), der Frau des leidgeprüften Andrei (zum Ende hin prächtig: Mikołaj Trąbka), das Saxofon quiekt. (…)

Manfred Merz, Frankfurter Neue Presse


(…) Dass Musik und Szene in dieser beispielhaften Inszenierung so enggeführt werden, liegt auch an der Regie von Dorothea Kirschbaum, die mit kleinen Zeichen viel erzählt von der Sehnsucht dieser Menschen und ihren Enttäuschungen. Sie alle sind zu spät dran fürs Leben. Irina entschließt sich, Tusenbach zu lieben, wenn der schon im Duell getötet wurde, und malt Protestplakate. Mascha hofft auf Werschinin (Iain MacNeil) und bleibt doch bei ihrem einfältigen Mann (Thomas Faulkner) hängen, und auch Olgas heimliche Liebe zu Werschinin wird in wenigen Gesten angedeutet. Andrei hängt an seiner Frau, obwohl er wie alle anderen angewidert ist von ihrer vulgären Herrschsucht; Eric Jurenas als Natascha macht mit kurzen, stampfenden Schritten eine schöne Karikatur aus dieser Rolle. Bei aller Melancholie findet dieser zweieinhalbstündige Abend sogar die Komik der Vergeblichkeit – und ist umso bewegender

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier


(…) Gleich zwei Orchester sind für Eötvös’ (…) Musik nötig: eine kammermusikalische Besetzung im Graben und das Opern- und Museumsorchester in lichter Höhe der Guckkastenbühne. Zudem hat sich die Oper Frankfurt eine Option des Komponisten zu eigen gemacht: Die wichtigsten Frauenrollen werden von Countertenören gesungen. Regiert Dennis Russell Davies aus dem Graben heraus, so dirigiert Nikolai Petersen das große Orchester oben, die modernistischen Töne mit spätromantischem Wohlklang unterfütternd. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) In dieser Szenerie ein ständiges Kommen und Gehen, aber auch so etwas wie rasanter Stillstand. Die Gruppen werden von der Regisseurin plausibel nach musikalischen Eckpunkten „geordnet“ oder bilden ein musikalisch gestütztes Chaos. Mit der Zeit zeigen sich die drei Schwestern in ihren Verschiedenheiten. Am „weiblichsten“ die charmante Mascha von David DQ Lee. Wie einfrierend in ihrer alternden Verklemmtheit die Olga von Dmitry Egorov. Und verhuscht in rotem Haarschopf Ray Chenez als Irina. Drei gleichermaßen virtuose, dabei plastisch charakterisierende Counterstimmen. Dazu noch die kratzbürstige Natascha (mit besonders stark zurückgedrängter Virilität: Eric Jurenas) und die in stiller Komik zum lang aufgeschossenen Hausmann stilisierte Amme Anfisa von Alfred Reiter. Dem Bruder Andrei ist in der zweiten Sequenz ein hochexpressiver Monolog vorbehalten – der betont jungenhaft aussehende Mikołaj Trąbka absolvierte ihn mit Verve und Durchschlagskraft. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Die weitere Garde der Funktionsträger aus der russischen Provinz sind mit Mark Milhofer als Doktor, Krešimir Stražanac als Tusenbach, Barnaby Rea als Soljony, Thomas Faulkner als Kulygin und Iain MacNeil als Werschinin vorzüglich besetzt. (…)

Achim Dombrowski, www.opera-online.com


(…) Ausstatter Ashley Martin-Davis lässt das Stück in einer modernen Wohnküche spielen, in der auch ein paar Polstermöbel herumstehen. Zur Linken schließt sich ein Innenhof an, in dem sich ein Sandkasten und Klettergerüste befinden – Erinnerungen an eine glücklichere Kindheit. Die zweite Sequenz nach der Pause zeigt das gleiche Bühnenbild, jedoch an der Mittelachse gespiegelt. Dieser einfache Kniff macht die Änderung der Erzählperspektive auch optisch deutlich. Regisseurin Dorothea Kirschbaum bespielt diesen unspektakulären Raum mit einem darstellerisch hochengagierten Ensemble in traumwandlerischer Sicherheit. Jede Figur wird unaufdringlich, aber prägnant charakterisiert. Aktionen und Interaktionen befinden sich stets im Einklang mit der von der Musik vorgegebenen Erzählstruktur. Der inhärente Humor des Stückes wird dezent ausgespielt, ohne in Slapstick umzukippen. Die tragischen Momente werden ohne Pathos dargeboten und erreichen damit eine stille Eindringlichkeit. Sehr dezent kommen drei kurze Comicfilm-Einblendungen zum Einsatz, die in jeder der drei Sequenzen jeweils die unerfüllten Lebensträume der Protagonisten zeigen.
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Der Oper Frankfurt ist eine mustergültige Aufführung gelungen, die in souveräner Selbstverständlichkeit den Rang dieses herausragenden Beitrags zum zeitgenössischen Musiktheater unterstreicht.
Am Ende nimmt ein glücklicher Komponist gemeinsam mit dem Ensemble den für alle Beteiligten ungeteilten und kräftigen Applaus entgegen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) ein sensationeller Neuzugang im Ensemble: der polnische Bariton Mikołaj Trąbka.

Sandra Trauner, Deutsche Presse-Agentur (dpa)


(…) die vor 20 Jahren uraufgeführte Oper ist so unverbraucht stark, dass sie auch gelingen müsste, wenn Frauen Frauen singen. Aber ein Schaden ist es nicht für die Frankfurter Aufführung, die nicht einen Hauch von peinlicher Travestie zulässt und die drei Hauptrollen mit Ray Chenez (Irina), David DQ Lee (Mascha) und Dmitry Egorov (Olga) in stimmlicher und charakterlicher Differenzierung perfekt besetzen kann. Gemeinsam mit Mikołaj Trąbka als Andrei steht ein starkes Geschwister-Quartett auf der Frankfurter Opernbühne, vereint in der Sehnsucht nach der verklärten Vergangenheit, entzweit im individuellen Ringen um eine Zukunft, die hinausführen könnte aus der Ödnis und Enge der Provinz, die im Bühnenbild von Ashley Martin-Davis die Langeweile bildungsbürgerlicher Behaglichkeit meint. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Unter dem Doppeldirigat von Dennis Russell-Davies (Ensemble) und Nikolai Petersen (Hauptorchester) entfalteten sich ungeheuer spannende und emotional aufgeladene Klangwelten. (…)

Andrea Richter, www.faustkultur.de


(…) Die Rockrollen – wenn man das Begriffspendant zur etablierteren Hosenrolle verwenden möchte – gelangen Chenez, Lee und Egorov ohne jeden gekünstelten Affekt. Vielmehr erscheint das Spiel mit dem biologischen Geschlecht die Situation der drei Schwestern auf eine Abstraktionsebene zu heben. Nicht von russischen Frauen um 1900 ist hier die Rede, sondern vom Unglück des postmodernen Menschen überhaupt. (…)

Miriam Zeh, www.bachtrack.com

Sie wird auch in ihrem 20. Jahr an der Oper Frankfurt noch heiß geliebt, die familienfreundliche Zauberflöte von Michael Sowa und Alfred Kirchner.
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Wie im Premierenjahr 1998 staunten auch jetzt wieder zahlreiche fein gekleidete Zehnjährige mit ihren Freunden, Eltern oder Geschwistern über das tierische Kabinett Sarastros: Vom Spinnenmonster über den Schmetterlingssauger bis hin zum Kaffee servierenden Hasen. Wer die in den Himmel ragende Bibliothek und das finstere Katermaul-Höllentor noch mal erleben will, hat jetzt in der unwiederbringlich letzten Aufnahme die Gelegenheit dazu. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse

(…) Man musste in der neuen Spielzeit nicht lange warten, um die geballte Strahlkraft des Frankfurter Opernchores im Zusammenspiel mit dem Orchester erleben zu können. (…)
In der Titelrolle zeigte der deutsch-italienische Tenor Roberto Saccà einmal mehr machtvolles stimmliches Format. Aber auch der Feldherr bleibt ein Mensch mit sensiblen Gefühlen – auch, als er zur Kenntnis nehmen muss, Opfer einer mörderischen Intrige geworden zu sein. Als attraktive Leihgabe vom Nationaltheater Mannheim erwies sich Evez Abdulla (Bariton) in der Rolle des Intriganten Iago – man wird ihn auch in Kürze in der neuen Inszenierung von La forza del destino (Verdi) in Frankfurt erleben können. Olesya Golovneva verkörperte eine authentische Desdemona, die wichtigste weibliche Rolle der von Männern dominierten Handlung. Katharina Magiera (Emilia), Arthur Espiritu (Cassio) und Jaeil Kim waren weitere Säulen im Ensemble. (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Saccà [als Otello] gewinnt schnell an Sicherheit und formt mit Darstellungskunst und Stimme das intensive Porträt einer zerrissenen Figur. Dafür erhält er am Ende verdientermaßen die ungeteilte Zustimmung des Publikums.
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Das Orchester zeigt sich unter der Leitung von Henrik Nánási in guter Form. Der von Verdi in den ersten Takten entfesselte Sturm springt das Publikum aus dem Orchestergraben direkt an, ohne dabei zu lärmen. Im weiteren Verlauf offenbart sich ein vollmundiger, dabei gut ausbalancierter und durchhörbarer Gesamtklang. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de