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Pressestimmen

(…) Es ist beeindruckend, wie geschmeidig und flexibel sich die Oper Frankfurt angesichts der Herausforderungen und Unwägbarkeiten in der Pandemie-Lage zeigt. In kürzester Zeit werden Premierenstücke ausgetauscht und maßgeschneiderte Neuproduktionen herausgebracht. Daneben wird in hoher Frequenz das Repertoire angepasst und in überzeugenden, ja herausragenden Besetzungen (Figaro! Puritani! Werther!) präsentiert. Die Künstler zeigen geradezu eine unbändige Lust zu spielen. Es bleibt zu hoffen, dass ein Rückgang der Infektionszahlen recht bald wieder die Aufnahme des Spielbetriebs ab Dezember erlaubt. Noch stehen im Spielplan Folgevorstellungen dieser unbedingt sehens- und hörenswerten Wiederaufnahme der Manon. Ob es bei dieser Programmplanung bleibt, wollte die Oper Frankfurt auf Nachfrage derzeit nicht bestätigen. Zu unwägbar sind die weiteren Entwicklungen. Zu empfehlen ist daher ein regelmäßiger Blick auf die aktualisierte Internetseite https://oper-frankfurt.de/de.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) Atalanta kleidet Elizabeth Sutphen in jenen virtuosen Koloraturenton, dessen Oberflächlichkeit dazu führt, dass sie als einzige keinen Mann abbekommt. Herrlich (nicht nur) die tiefen Töne Katharina Magieras, die scharf stechen können wie das Messer, mit dem die von Xerxes lange verschmähte Amastre oft herumfuchtelt. Kateryna Kasper lässt sich mit gelassener Würde als Romilda umwerben, von Arsamene, dem Counter Eric Jurenas ebenso wie vom Perserkönig selbst. Cecelia Hall singt ihn mit kalter Wut und wärmenden Gefühlen, eine geschmeidige, ausgeglichene Stimme. Roland Böer dirigiert das kleine Orchester. Viel Beifall. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

Laster und Frömmigkeit, Witz und Melancholie, Freude und Schwermut treffen beim Doppelabend mit Giovanni Battista Pergolesis (1710 bis 1736) La serva padrona und Stabat mater aufeinander. Es ist ein Abend der Gegensätze an der Oper Frankfurt: Opernintermezzo trifft auf katholische Sequenz. Katharina Thoma schafft es in ihrer Inszenierung, beides geschickt miteinander zu vereinen (…).

Beatrice May, Main-Echo Aschaffenburg


Schon bevor Streich­orchester und Continuo einset­zen, ist die pikante Situation klar: Die Art, wie die junge Serpina mit verwuschelten Haaren aus dem Ehebett ihres Hausherrn schlüpft, zeigt sie nicht nur als Dienerin, sondern als bereits schwangere Geliebte – morgendliche Übelkeit inbegriffen. Denn Vormund Uberto ist schon lange ihren Reizen er­legen und sträubt sich nur vor dem Traualtar, weil er in der Ver­sion von Regisseurin Katharina Thoma ein geistliches Amt beklei­det. (…)
Dass diese Umdeutung in der Frankfurter Oper (…) so gut funktioniert, hat einerseits mit dem jungen, kanadischen, auch im echten Leben verheirateten Sängerpaar Simone Osborne (So­pran) und Gordon Bintner (Bassbariton) zu tun, die beide in ihren Rollendebüts so vertraut mitei­nander turteln, flirten, schmollen und sich aus der Reserve locken, dass die knapp 300 Jahre alte Buf­fa wie frisch geschrieben über die Rampe kommt.
Der ironisch aufflackernde Heiligenschein, das ins Rutschen ge­ratene Wand-Triptychon und das stumme Hausfaktotum Vespone (Schauspieler Frank Albrecht), das Serpina kurzerhand zu ihrem „Hauptmann Ungewitter" erklärt und damit die Eifersucht Ubertos auf die Spitze treibt, tun ihr Übri­ges. Dass Uberto am Ende für Ser­pina sogar seine Priesterrobe an den Nagel hängt und sich zu ihr und dem Kind bekennt, scheint nach so viel erregten Gefühlen nur folgerichtig. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Gordon Bintner ist ein durchaus ansehnlicher Uberto, kein Bass, sondern ein Bariton, der seine gesteigerte Agilität auch stimmlich auszudrücken vermag, und Simone Osborne ist eine mit allen Wassern gewaschene Serpina, die Körper, Geist und Stimme virtuos einzusetzen vermag, um aus dem Diener Gottes einen verantwortungsvollen und selbständig handelnden Menschen zu machen. (…)

Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo


(…) Im pausenlosen Anschluss kre­denzt der musikalische Leiter Karsten Januschke dann Pergole­sis berühmtestes Werk, seine er­greifendes Stabat mater, oder „Poem des Schmerzes", wie Belli­ni das Opus Magnum über die Klage Marias nannte, die den Tod ihres Sohnes am Kreuz betrauert. Passend weitet sich das von Etien­ne Pluss liebevoll gestaltete Priesterzimmer zum beeindruckenden Kirchenraum. Um die ebenso himmlisch wie dramatisch into­nierende Monika Buczkowska und Kelsey Lauritano versammelt Thoma assoziativ eine Gruppe stummer Versehrter: eine verletzte Obdachlose, eine Prostituierte, einen Flüchtling, zwei Kinder und das Paar Serpina-Uberto samt Nachwuchs aus dem ersten Teil, das sich vom Leid der Gottesmut­ter ganz besonders berührt zeigt, jetzt, wo es selbst ein Kind be­kommen hat. Mit dem Raum er­weitert sich auch Vespones stum­mes Spiel, der sich vom staunen­den Beobachter zum aktiven Hel­fer und schließlich zum Verstor­benen wandelt. (…)

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Leitung des lang mit der Oper Frankfurt verbundenen Dirigenten Karsten Januschke avancierte zum regelrechten Barockorchester. In recht üppiger Besetzung mit Streichern und Continuo ertönte ein wohlig aufeinander abgestimmer Klang – kühn, virtuos und dennoch geschmeidig gab sich das sehr gut eingespielte Orchester. Die Musiker*innen schienen am letzten Abend vor der bevorstehenden Schließung nochmal alles geben zu wollen und das war deutlich zu hören.
Das im echten Leben bereits verheiratete Paar Gordon Bintner und Simone Osborne war ein unverkennbar eingespieltes Team, das der Komödie Charme und Esprit verlieh. Seine flexible und kraftvolle Bassbariton-Stimme beeindruckte hier ebenso wie ihr frischer Sopran. Bei Stabat mater blieb die gesangliche Gestaltung auf ebenso hohem Niveau. Die Stimme der Sopranistin Monika Buczkowska leuchtete klar und hell mit wenig Vibrato und auch Bianca Andrew, die erst in der Spielzeit 2019/20 aus dem Opernstudio in das Ensemble der Oper Frankfurt wechselte, wartete mit ihrer distinguierten und ausdrucksstarken Mezzostimme auf. (…)

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) Dirigent Karsten Januschke und Regisseurin Katharina Thoma [tun] alles, um ein geschmeidiges Ganzes herzustellen. Die Musik beruhigt sich vom Intermezzo zur katholischen Dichtung hin, aber sie behält bei verlängerten Melodielinien und entsprechenden verlängerten Empfindungen im Text eine Sensibilität dem Wort gegenüber, die vom kleinen Orchester und winzigen Ensemble überwältigend intensiv umgesetzt wird. In der Oper zu Scherzen aufgelegt mit gewitzt reinkommentierenden Glissandi, im frommen Gesang engelsgleich.
Die Magd als Herrin verlegt Thoma nicht ungeschickt in ein katholisches Milieu – als sollte das Zaudern des Mannes mehr Veranlassung bekommen, auch wenn es nun zugleich das nicht euphorische, aber vorhandene Happyend gewissermaßen verunmöglicht. Zudem teilen Angestellte und Chef offenbar schon das große Bett, hinter dessen Vorhängen sie nacheinander auftauchen. Gut möglich, dass sie schon schwanger ist. Gordon Bintner ist Uberto, jetzt ein Geistlicher, der mit beweglichem Bassbariton und stoischer Haltung ein schönes Pendant zu Simone Osborne darstellt, der agilen, auch als Sopranistin robusten Serpina in diesem kanadischen Duett. Serpinas Kittelschürze (Kostüme: Irina Bartels) ist das einzige, das eine zeitliche Einordnung im Heute nahelegt. Im etwas kärglichen katholischen Umfeld (Bühne: Etienne Pluss, Licht: Olaf Winter), mit allerdings prachtvollem Klappaltar – auf dem, als einziger klassischer Gag, zwischenzeitlich das Antlitz der reizenden Serpina dem braven Mann erscheint.
(…)
Wirkungsvoll geht die Rückwand von Pfarrers Wohnung zu den ersten Takten des Stabat mater hoch, die Bühne wird weit und abstrakt. Als fromme Renaissancedamen schieben sich die Sopranistin Monika Buczkowska und Kelsey Lauritano, Mezzo, von den Seiten hinein: in geschmackvoller Hell-Dunkel-Malerei ausgeleuchtet, die samtenen Gewänder in einem die Malkunst herausfordernden Faltenwurf, die Stimmen homogen und meditativ genug, um bei aller Süße eine Novemberstimmung zu erzeugen. Gemäldehaft auch die Gesten, aber Thoma sorgt dafür, dass sie nicht ins Posieren kommen. Auch hier hält sich das Geschehen in einer Mittellage aus Ernst und Gelassenheit, so dass bei aller unverhohlener Theatermäßigkeit der Bebilderung doch das Leben gespiegelt wird. Vielleicht ist das das Besondere an der Regiearbeit, bei allen Einschränkungen, die man als amüsierwillige Zuschauerin dafür in Kauf nehmen muss: Sich gerade nicht mit den näherliegenden Lösungen zufriedenzugeben. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die Sopranistin Monika Buczkowska und die Mezzosopranistin Kelsey Lauritano verkörperten [im Stabat mater] in roter und grüner Tracht fromme Frauen und sangen so schmerzlich innig, wie man diese Partien selten hört. Das Timbre ihrer Stimmen verschmolz zu einem glühenden Ton, überlagerte sich höchst empfindungsreich zu einer ebenso intensiv wie sensible geführten Ensemblebegleitung, souverän dirigiert von Karsten Januschke. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Karsten Januschke und das Museumsorchester verstehen sich auf die Sprache der Musik des 18. Jahrhunderts, rhetorisch ist das bis ins kleinste Detail ausgefeilt und auch jedes Komma, jedes Ausrufezeichen sitzt an der richtigen Stelle. (…)

Bernd Zegowitz, Wiesbadener Kurier

Zu Recht umjubelt war Anfang vergangener Spielzeit – in einer anderen Opernwelt – das Frankfurt-Debüt des amerikanischen Tenors Jack Swanson als Rodrigo in der Rossini-Rarität Otello. Auch bei seinem Liederabend im Opernhaus sang er eine Rossini-Zugabe, und es war erneut diese bodenlose Leichtigkeit, mit der seine Stimme Fahrt aufnimmt, nichts verschludert, immer ins Schwarze trifft, die das Publikum in Jubellaune versetzte. Es ist nicht so selten, dass Sänger und auch Sängerinnen der Reihe erst als Dreingabe das bieten, was sie am besten können. Vorher gibt sie großen Stimmen auch Gelegenheit, einmal von ihren vielgebuchten Opernpartien abzuweichen.
Swanson zum Beispiel – nicht nur souverän, sondern auch beweglich, hilfreich und charmant begleitet von Malcolm Martineau – begann mit deutschem Repertoire, Beethovens „Adelaide“ und Robert Schumanns Liederkreis op. 39 auf Eichendorff-Gedichte (…).

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Zum Höhepunkt des Konzerts wurde zuvor der Beginn des zweiten Teils. Mit Liszts drei Petrarca-Sonetten hat sich der junge Sänger selbst vor eine gewaltige Herausforderung gestellt, die er glänzend besteht. Er deutet die drei Lieder von ihrer Nähe zur italienischen Oper her, zeigt auf, wo Liszt sich an die Formen von Rezitativ und Arie anlehnt. Dass der Komponist es verstanden hat, die musikalischen Qualitäten aus der italienischen Sprache herauszukitzeln mit ihren farbigen Vokalen und klingenden Konsonanten, wird in jedem Takt dieser leidenschaftlichen Interpretation deutlich. Hier ist der Belcanto-Tenor in seinem Element, lässt seine saftige Stimme fluten und nimmt stratosphärisch hohe Spitzentöne unerschrocken mit Aplomb. Daneben gibt es in diesen Stücken aber auch kontemplative Elemente und Passagen, die dem deutschen romantischen Kunstlied näher sind als der italienischen Oper. Auch hierfür besitzt Swanson die technischen Mittel, kann seine Stimme abdunkeln und in tiefen Passagen sogar einen beinahe baritonalen Bronzeton entwickeln. Fasziniert folgt man dem Sänger durch dieses Klangabenteuer, bei dem ihm der bewährte Liedbegleiter großer Sängerpersönlichkeiten Malcolm Martineau ein ebenbürtiger Partner ist. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Nach der Pflicht folgte die Kür, hier in Form vom sehr gelöst und leidenschaftlich dargebotenen Zugabenevergreen „La danza“ (Rossini).

Markus Gründig, www.kulturfreak.de

Die Frankfurter Oper nimmt Jules Massenets Werther wieder ins Programm und kann mit Gerard Schneider einen in je­der Hinsicht überragenden Debü­tanten in der Titelpartie präsen­tieren. Ihm zur Seite gelingt Gaëlle Arquez als Charlotte ein weiteres Debüt der sensationellen Art: Wie sie die schwierige Rolle der zur inneren Passivität verdamm­ten Geliebten mit größter darstel­lerischer Finesse beglaubigt und dabei ihrem vollen Mezzosopran immer wieder neue Schattierungen abgewinnt, ist allein den Be­such des Abends wert.
(…)
Heather Engebretson ließ in ih­rem Hausdebüt als kindlich-mun­tere Sophie ihre unverwechselbar kernige Sopran-Stimme aufleuch­ten, die ihr am Hessischen Staatstheater Wiesbaden bereits die Partie der Kon­stanze (Serail) und Verdis Violetta eingebracht hat. Neben sängerischer Genauigkeit zeigten die No­vizen Iain MacNeil und Brian Mi­chael Moore als Johann und Schmidt großen Spaß an ihrer dämonischen Groteske (…).

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Die schönste und kultivierteste Stimme des Abends präsentierte zweifellos das neue Ensemble-Mitglied Domen Križaj. Der junge slowenische Sänger reüssierte bereits mit einem erfolgreichen Lieder-Recital  und verlieh nun dem chancenlos liebenden Albert die noble Erscheinung. Markant, herrlich timbriert strömte der dunkle Bariton in prächtigen Farbnuancen und ausdrucksstarker Klangbalance dahin und sicherte sich den Beifallszenit. (…)

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Einer schwierigen Aufgabe sah sich (…) Studienleiter Takes­hi Moriuchi im Orchestergraben gegenüber, der dem von 64 auf nur 26 Musiker reduzierten Opern- und Museumsorchester trotzdem fülligen Schmelz inklu­sive Verismo-Einsprengsel abzu­trotzen hatte. Ein Unterfangen, das bis auf minimale Cello-Ungenauigkeiten farbig und ideen­reich gelang, wobei ihm die dyna­mischen Aufwallungen der letz­ten beiden Akte besonders inten­siv glückten. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Die prägnante und schlüssige Personenregie hat sich auch in der Wiederaufnahme erhalten, was ein Verdienst von Alan Barnes ist, der die szenische Leitung der aktuellen Aufführungsserie innehat. Zusammen mit der gekonnten Lichtregie von Joachim Klein, die vor allem starke Effekte auf dem hinteren Teil der Bühne erzeugt, entstehen so sehr beeindruckende Schlaglichter auf die Personen.
(…)
Das auf 26 Musiker pandemiegerecht geschrumpfte Orchester wird von Takeshi Moriuchi umsichtig geleitet. Die reduzierte Besetzung bringt es mit sich, dass das Klangbild transparenter als gewohnt erscheint. Das kommt dem analytischen Interpretationsansatz des Dirigenten entgegen. Französische clarté bestimmt seine Haltung, welche der Musik die Anmutung epigonenhafter Wagner’scher Klangräusche austreibt. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

(…) Intendant Bernd Loebe zufolge war es nicht möglich, die ursprüngliche Inszenierung von drei Stunden coronagerecht umzusetzen. Caterina Panti Liberovici wagte eine Neufassung, die – flankiert vom stimmungsvollen Licht Olaf Winters – als ebenbür­tiger Ersatz in schwierigen Zeiten vom Publikum mit viel Beifall be­dacht wurde. Liberovici arbeitete nach einer Art Setzkasten-System, bei dem jedem Darsteller ein fes­ter, abgeteilter Raum zur Verfü­gung steht. Zwischen den Abtei­len befinden sich durchsichtige Trennwände, so dass Berührungen, von denen es im beziehungs­reichen Figaro so viele gibt, nur angedeutet werden müssen. Das Publikum hat seine Freude und das Gesundheitsamt seine Ruhe. (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Musikalisch ist ungetrübtes Mozart-Glück zu erleben. Gordon Bintner ist für den Figaro eine Traumbesetzung. Der junge Bariton verfügt über geschmeidiges Material mit virilem Kern und einer eleganten Höhe. Sein Figaro hat nichts Derbes. Mit seiner biegsamen und nobel geführten Stimme erinnert er – der Vergleich ist nicht zu hoch gegriffen – an den jungen José van Dam. Ihm zur Seite steht seine Ensemblekollegin Bianca Tognocchi, die in ihrem Debüt als Susanna mit quirligem Spiel und glockenhellem Sopran überzeugt. Auch für den Grafen und die Hosenrolle des Cherubino bietet das Ensemble mit Liviu Holender und Bianca Andrew rollendeckende Besetzungen. Aus dem hauseigenen Reservoire an unverbrauchten, frischen Stimmen werden selbst für das Buffo-Paar ungewöhnlich junge Sänger aufgeboten: Cecelia Hall singt ihre erste Marzelline mit derart intensivem Mezzo, daß die drohende Zwangsverheiratung mit ihr für Figaro gar nicht mehr als großes Übel erscheinen mag. Auch Anthony Robin Schneider steht als Bartolo mit seinem mächtigen Baß in vollem Saft. Wo sich in anderen Produktionen in die Jahre gekommene Sänger durch die Noten chargieren müssen, kann Schneider souverän aussingen. Einziger Gast in einer Hauptpartie ist Adriana Gonzáles als Gräfin. Sie setzt dem vorzüglichen Ensemble die Krone auf. Schon in ihrer Auftrittsarie „Porgi, amor“ überzeugt sie mit schwebenden Piani und einem edel schimmernden Ton. Genau so sollte eine Gräfin klingen. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) das Personal (…) ist überwiegend sehr jung, optisch geradezu perfekt und stimmlich geschmeidig und homogen über dem zärtlich aufspielenden Orchester mit Rory Macdonald am Pult. (…)
Die Grafens, Liviu Holender und Adriana González, sind stimmlich hochelegant und als echtes Paar leicht im Vorteil. Allein sie dürfen Händchen halten. Inhaltlich eine ulkige, geradezu bizarre Verschiebung. Im Graben, wie die Oper informiert, 21 statt der sonst 37 Orchestermitglieder. Transparenz, aber nicht Fadenscheinigkeit sind die Folge. Den gestrichenen Rezitativen, damit nach zweieinviertel Stunden alles vorbei ist, muss man keine Träne nachweinen, dem Chor aber schon.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(…) Bejubelt wurde der (…) Opernschocker The Medium von Gian Carlo Menotti, der als wahnsinnige Totenséance bereits im Sommer 2019 im Bockenheimer Depot Premiere feierte. Regisseur Hans Walter Richter stellte die Inszenierung klug für das Große Haus um und konnte sich in Dshamilja Kaiser über eine ebenso wuchtige Sängerin der sadistischen Madame Flora freuen wie in der Originalbesetzung. Gloria Rehm überzeugte als mitleidvolle Monica, während der 18-jährige Schüler Marek Löcker sein überragendes stummes Spiel vom letzten Sommer wiederholte.

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Damit ein etwas längerer Abend daraus wird und die Chöre auch wieder für ihr Pub­likum singen können, hat Weig­le eine Art Vorspiel zusammen­gestellt, das neben Witold Lutosławskis abgründiger Trauer­musik für Streichorchester zwei Raritäten bietet, in denen der Opernchor seine Klangkultur wahrscheinlich noch besser ausspielen kann als beim szeni­schen Einsatz. Die Herren sin­gen, von wenigen tiefen Strei­chern begleitet, Schuberts Goe­the-Vertonung Gesang der Geister über den Wassern, die Damen Vier Gesänge von Jo­hannes Brahms, die durch die aparte Begleitung mit Harfe und zwei Hörnern auffallen. Man kann auch das Konzert-Vorspiel als Inszenierung deu­ten mit gemessenen Auf- und Abgängen und dem feierlich synchronen Aufklappen der Notenkladden. Dass der zum Kostüm passend schwarze Mund- und Nasenschutz auch beim Singen nicht abgelegt wird, sieht ein wenig gespens­tisch aus, Einbußen im Klang sind aber nicht festzustellen.

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier


(…) Ein berührender, ein idealer Beginn: Er macht den unermesslichen Verlust sichtbar, den gerade die singende Zunft zurzeit hinnehmen muss. (…)

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Der dritte Abschnitt des ers­ten Teils, die Trauermusik von Witold Lutosławski (1913-1994), bringt jetzt die Streichergruppen des Orchesters und ihren Dirigen­ten auf die Bühne. Weniger Ver­zweiflung als elegische Gemüts­ruhe strahlt das Werk aus, in dem der Pole mit seiner eigenen Sicht auf Zwölftonreihen experimen­tiert. Die Zeitgenossenschaft zu Menotti ist damit erreicht, aller­dings in ganz anderer Ausformung. (…)
Dshamilja Kaiser [Madame Flora in The Medium] spielt und singt diese pragmatische, vom Unheimlichen oder ihrer eigenen Psyche kalt erwischte Frau mit hingebungsvoller Uneitelkeit. Der rasche Verfall von der alten Dame zur verwirrten Greisin ist beängs­tigend, aber nicht unrealistisch: der rasende Körper, die auffahrende Stimme. Gloria Rehm ist ihre Tochter Monica mit dem al­lerliebsten Sopran, eine seltsame Rolle, indem Monica zwar die Un­schuld vom Lande ist, aber doch bereitwillig der betrügerischen Mutter zu Diensten. Rehm, eine schöne, etwas kühle Darstellerin, zeigt die Doppelbödigkeit wun­derbar mit, ihr Sopran kann lieblich trällern, aber er kann auch anders. In der Luft liegt Lieblosigkeit.
(…)
Regisseur Hans Walter Richter zeigt die unerquickliche Ge­schichte in Kaspar Glarners dunkelwandigem Gespenstersalon und Cornelia Schmidts dezent historisierenden Kostümen als tüchtiges Schauerstück (…).
(…) Zwar legt Menotti es vom Text her nahe, über die unüberwindbare Gutgläubigkeit der Gobineaus und der jungen Mrs. Nolan den Kopf zu schütteln. Aber Barbara Zech­meister, Simon Neal und Kelsey Lauritano führen die Figuren sanft an der Lachhaftigkeit vorbei.
Das Orchester und Weigle las­sen Menottis Musik dabei wenig puccinihaft klingen, es ist ein her­ber, Straffer Spät-Verismo, der in Frankfurt das Auseinanderfliegen menschlicher Existenzen begleitet. Kein Entrinnen am Ende aus Glar­ners seinerseits gespenstischem Bühnenbild, denn selbst die Wen­deltreppe zum höher gelegenen Ausgang hat sich gegen die Men­schen verschworen. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Das Orchester zeigte sich in Bestform, auch als es zur nachfolgenden Oper wieder im Orchestergraben saß, aller Ausgedünntheit zum Trotz.
Wären die Zeiten andere, würde man mit diesem ersten Programmteil einen dramaturgisch schlüssigen, wie packenden Einstieg zu The Medium von Gian Carlo Menotti, dem Opernwerk des Abends, erlebt haben. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Die emotional aufwühlende Regie von Hans Walter Richter hatte bereits im Juni 2019 im Bockenheimer Depot Premiere – da­mals klug kombiniert mit der humoristischen Groteske Satyricon Bruno Madernas. Und auch diesmal schlägt die irre Totenséance wieder zuverlässig ein in das Nervensystem des Zuschauers.
Die grandiosen Neubesetzun­gen Dshamilja Kaiser (Madame Flora) und Gloria Rehm als unschuldshelle Monica machen den Abend zu einem stimmlichen Fest. Dass der Frankfurter Abiturient Marek Löcker den stummen Zigeunerjungen Toby mimt, dessen Verzweiflung schließlich in einen spektakulären Freitod mün­det, trägt entscheidend zum dunklen Stephen-King-Gruseln des Einakters bei.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Wenn sie selbst die Mutterrol­le spielt, kann Flora allerdings unberechenbar und gewalttätig sein, und das kommt zum Vorschein, als sie selbst eingeholt wird vom Schrecken unerklär­licher Ereignisse. Die Gewichte in diesem Familiendreieck sind durch die veränderte Besetzung ein wenig verschoben. Dshamilja Kaiser lässt in ihrem hel­len Mezzosopran die berech­nende Kälte, aber auch die Ver­unsicherung dieser Frau hören, Gloria Rehms sehr lyrischer Sopran passt wunderbar für die junge Monica, die zwischen Kindheit und Erwachsenwer­den steht und nicht recht weiß, wie sie mit den Gefühlen der Zuneigung von Toby umgehen soll. Wenn sie die ausrastende Mutter mit dem melancholi­schen Lied von einem schwar­zen Schwan besänftigt, hat die­se Aufführung ihren Höhe­punkt, von dem aus das Ver­hängnis nur umso zielgerichte­ter angesteuert wird. Die Sache geht finster aus, und Marek Löcker gestaltet die stumme Rolle des Toby mit großer Eindring­lichkeit.
Das ist großes Musiktheater in kleiner Besetzung und unbe­dingt hörens- und sehenswert. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Die Oper stand bereits im vergangenen Jahr auf dem Spielplan. Ihre volle Wirkung hat aber erst dieses Jahr angesichts der Ereignisse auf mich durchgeschlagen. Vielleicht auch wegen des klug gewählten Schubert-Brahms-Lutosławski-Vorspiels. Vielleicht auch wegen meines unbedingten Willens, mich endlich, endlich wieder dem lebendigen Klang hingeben zu wollen und berühren zu lassen. Wahrscheinlich wegen des Zusammenspiels dieser beiden Komponenten, angereichert durch die mit jedem Ton wachsende Dankbarkeit es erleben zu dürfen. Weil es eben nicht selbstverständlich ist, Kultur in ihrer besten Form live serviert zu bekommen.

Andrea Richter, www.faustkultur.de


(…) Die Choristen traten allesamt mit Mund-Nasen-Schutz auf, was erfreulicherweise dem klar konturierten und transparenten Klangbild ihrer Wiedergaben keinen Abbruch tat. Auch war die Wortverständlichkeit vorzüglich. Chorleiter Tilman Michael hatte seine Sängerschar hervorragend vorbereitet. (…)

Lars-Erik Gerth, Das Opernglas

(…) Um 19 Uhr und siebzehn Minuten war es soweit: in der Frankfurter Oper öffnete sich der Vorhang zum Start der neuen Saison und zugleich zur ersten Vorstellung, die seit dem Lockdown im März, der das Ende des regulären Betriebs gebracht hatte, möglich war. Zudem war es der erste Abend der neuen Corona-Ordnung, die mit Abstandsregelungen, Masken- und Meldepflicht den allermeisten Besuchern schon aus anderen Zusammenhängen vertraut sein durfte. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Statt der ursprünglich 56 Musiker lie­ßen sich nur 21 im Graben und als Fernorchester ausmachen. So konnte die rhythmussicher into­nierende ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv bei ihrem präzisen Hausdebüt auf nur drei erste Vio­linen zurückgreifen.
Bellinis Opus Magnum selbst, das Berühmtheit erlangte durch seine sich unendlich windenden Melodien, erklang auf pausenlo­se, gute zwei Stunden herunter ge­kürzt. Alle wesentlichen Num­mern blieben unter der szeni­schen Leitung von Caterina Panti Libprovici zwar erhalten, aber ohne Wiederholungen.
Dafür entschädigten die frei singenden Solisten für alle pandemiebedingten Restriktionen. Al­len voran begeisterte die stimm­lich immer aufs Neue erblühende Brenda Rae in ihren raffiniert nervösen Tüllkleidern Christian Lacroix's. Francesco Demuro als ihr Geliebter Arturo schraubte seinen Spinto-Tenor samt dreige­strichenem „f“ dazu in beglückende Höhen. Viel Gefühl setzte der polnische Bariton Andrzej Filończyk bei seinem Rollen- und Hausdebüt als Nebenbuhler Sir Riccardo Forth ein, ebenso wie der kräftige, lyrische Tenor Tianji Lin als Roberton. Aufhorchen ließ die noble Stimmeleganz, die Ka­rolina Makuła für ihre Enrichetta bereithielt.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Viril, effektvoll, trotz Reduzierung höchst qualitativ präsentierte sich der mit Masken dekorierte Opernchor (Tilman Michael). (…)

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) So präsentiert die Oper Frankfurt zum Saisonbeginn eine geradezu festspielwürdige Besetzung in den vier Hauptpartien. (…)
Am Ende merkt man Publikum wie Ensemble die Freude darüber an, dass wieder gespielt werden durfte. Bei einem voll besetzten Haus wären sicher jede Arie und jedes Duett dieser außerordentlichen Sängerriege vom Publikum mit Jubelstürmen bedacht worden. Doch Bravorufe führen zum erhöhten Aerosol-Ausstoß und sind in Corona-Zeiten tabu. Auch lässt sich mit wenigen hundert auf Lücke sitzenden Zuhörern kein ordentlicher Beifallssturm entfachen. Anfängliche Versuche von Szenenapplaus wurden im Laufe der Vorstellung schließlich aufgegeben. Auch der Schlussbeifall wirkte anders als sonst, weniger lautstark, aber inniger. Er transportierte mehr als bloße Anerkennung für künstlerische Leistungen, nämlich: Dankbarkeit.

Michael Demel, www.deropernfreund.de