Spielplan

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Maskerade

Carl Nielsen 1865–1931

Komische Oper in drei Akten
Text Vilhelm Andersen nach der Komödie (1724) von Ludvig Holberg
Neue deutsche Fassung von Martin G. Berger auf der Grundlage der Linearübersetzung von Hans-Erich Heller
Mit freundlicher Unterstützung der Königlich-dänischen Botschaft

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video

Musikalische Leitung Titus Engel

Jeronimus, ein Bürger Kopenhagens Alfred Reiter
Magdelone, seine Frau Susan Bullock
Leander, ihr Sohn Michael Porter
Henrik, Leanders Kammerdiener Liviu Holender
Arv, Jeoronimus' Diener Samuel Levine
Leonard, aus Slagelse Michael McCown
Leonora, seine Tochter Monika Buczkowska
Pernille, Leonoras Zofe Barbara Zechmeister
Ein Nachtwächter / Meister der Maskerade  Božidar Smiljanić / Anthony Robin Schneider (13.11.)
Ein Maskenverkäufer  Danylo Matviienko / Iain MacNeil (13., 20.11.)
Ein Magister Gabriel Rollinson°
Blumenverkäufer Joel Stambke* / Felix Schmidt*

°Mitglied des Opernstudios
*Mitglied der Limburger Domsingknaben

(…) Ein herrlich leichtgewichtiger, vergnüglich komischer, trotzdem substanzreich talentvoller Opernabend über Spaß, Freiheit, Autorität und Identität. Hierzulande eine Seltenheit!

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


Dass die dänische Nationaloper Maskerade erstmals im Frankfurter Opernhaus in einer lebhaft für Toleranz werbenden Inszenierung von Tobias Kratzer zu sehen war, traf am Sonntagabend beim Publikum auf helle Begeisterung. Die komische Oper von Carl Nielsen aus dem Jahr 1906 ist außerhalb Dänemarks eine Rarität und die Aufführung Grund genug, dass zur Premiere eine Vertreterin des dänischen Hochadels anreiste: Die theaterbegeisterte jüngere Schwester der Königin, Prinzessin Benedikte zu Dänemark.
Die dreiaktige Oper mit dem Text von Vilhelm Andersen, der nach Vorlage Ludvig Holbergs (1724) das Verbot der damals als sittenverderbend geltenden Maskenbälle anprangert, konnte die Oper Frankfurt bis auf zwei Ausnahmen (Susan Bullock als Magdelone und Samuel Levine in der Rolle von Diener Arv) sämtlich mit hervorragenden Sängerinnen und Sängern des Ensembles besetzen, die alle ihre Rollendebüts gaben.
Herausragend komisch agierte Bassist Alfred Reiter als verklemmter Bürger Kopenhagens (Jeronimus) und Liviu Holender in der Gestalt des wortgewandt, lustvoll und trickreich brillierenden Dieners Henrik. Großes Lob auch für die ebenso virtuos wie dezent eingesetzten Gasttänzer in der Choreographie Kinsun Chans sowie für die kühl hintersinnige Spiegelbühne Rainer Sellmaiers, die das Bunte, Anarchische und Wilde seiner Kostüme umso kontrastreicher hervorstechen ließ. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Das einzige „Buh“ des Publikums erhält an diesem Abend ein Übersetzer: Martin G. Berger. Er hat sich einen deutschen Reim auf die dänischen Libretto-Reime von Vilhelm Andersen gemacht, die der wiederum aus einer Komödie des „dänischen Molière“ Ludvig Holberg gefiltert hat. Dabei hat sich Martin G. Berger akribisch genau an Andersens oft von Fantasie-Wörtern durchzogenen Reim-Schemata orientiert – und an dessen Selbst-Ironie. Denn wie heißt es im zweiten Akt so schön: „Im Ohr macht all das Reimen kille-kille, es ist ein bisschen ville. Doch macht man sich 'nen Reim auf alles Schrille, dann lebt man gut mit jeder Grille.“

Ursula Böhmer, Deutschlandfunk / Musikjournal


(…) Im Vergleich zum Bürger­schreck-Potential der Salome von Richard Strauss (1905) gibt sich Nielsens ein Jahr später uraufgeführte Opern-Komödie im Konversationston weitgehend brav. Das Maskenspiel auf der Bühne wird von gleichsam mas­kierter Musik getragen: Nielsen bedient sich nicht nur virtuos aus der älteren Musikgeschich­te, sondern lässt neben reichlich Kontrapunkt auch Wagner und Verdi grüßen. Dazwischen blitzen im Opernorchester unter der Leitung von Gastdirigent Ti­tus Engel schräge Töne auf: Die Tortur verkaterten Aufstehens zum Beispiel wird anfangs aus­gesprochen plastisch im Glis­sando hörbar. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Eine komische Oper wie Maskerade lebt von einem homogenen Ensemble. Und die Frankfurter Besetzung ist rundweg fantastisch (…).
(…) Ein großer, zu Recht bejubelter Abend an der Oper Frankfurt für ein Werk mit Seltenheitswert. Einfach ganz tolles Musiktheater.

Bernd Künzig, SWR 2 / Journal am Mittag


(…) An der Frankfurter Oper dirigiert Titus Engel diese Musik erfreulich plastisch, kehrt genau deren Witz hervor, der auch mal ein auskomponierter Kater sein kann. Also der Zustand, nicht das Tier. Engel leitet das Frankfurter Opernorchester sehr flott, sehr transparent. (…)
Tobias Kratzer ließ sich von Rainer Sellmaier einen offenen Kasten mit vielen Türen auf die Bühne stellen, erfindet im Detail auch lustige Zeichnungen der Figuren, gerade bei denen, die eher am Rande stehen. Und er kann mit Michael Porter (Leander), Monika Buczkowska (Leonora) und vor allem Liviu Holender (Henrik) auf sehr muntere Sängerdarsteller vertrauen, die, wie fast alle der zahlreichen Solisten hier, den stimmlichen Ansprüchen weitgehend mühelos gewachsen sind. (…)

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung


(…) Für alle: ein Pauschallob. Drei Stunden vergehen selbst in anhaltender Corona-Maskerade hinter verpflichtenden FFP2-Masken in Frankfurt wie im Flug.

Karl Harb, www.sn.at (Salzburger Nachrichten)


(…) Das trotz allem nach wie vor (ein paar sozialkritischer Seitenhiebe besonders des Kammerdieners gibt es – Figaro lässt grüßen) etwas schmalbrüstige Libretto wird von Kratzer weder mit einer anderen Geschichte überschrieben, noch mit Bedeutungstiefsinn überfordert. Er lässt sich auf den leichtfüßig turbulenten Dreiakter ernsthaft ein, was bedeutet, dass er die Komödie mit souveräner leichter Hand bedient und zum Leuchten bringt. Obwohl er dabei auf jegliche Ausstattungsopulenz verzichtet, zündet das beim Publikum. Vor allem durch seine punktgenaue Personenführung, in die die von Kinsun Chan so witzig wie hochmusikalisch choreographierten vier Tänzerpaare und der ebenso bewegungsfreudige, von Tilman Michael einstudierte Chor integriert sind.
(…) Ein Opernspaß für trübe Zeiten ist dieser Abend allemal. Im bejubelten, spielfreudigen Ensemble konnten sich vor allem Liviu Holender als wendiger Diener, Susan Bullock als unternehmungslustige Mutter Magdelone und auch Michael Porter als Leander besonders profilieren.

Joachim Lange, www.concerti.de


(…) Eine hübsche kleine Geschichte – und Tobias Kratzer hat einen echten Kracher daraus gemacht. (…)

Bettina Kneller, Main-Echo Aschaffenburg


(…) Der nachdenklichste Moment passiert ganz ohne Text. Im drit­ten Akt stellt eine Pantomime ei­ne treulose Dreiecksgeschichte von Venus, Mars und Vulcanus tänzerisch nach. Jeronimus, der bislang so streng-konservative Ko­penhagener Bürger, schaut zu und beginnt zu ahnen, dass es hier um ihn selbst geht, seine ver­drängten Lüste und Begierden, und dass die Welt nicht so keusch ist wie er sich das vorstellt – ja, warum soll er da eigentlich nicht selbst übergriffig werden, auf der Maskerade, die zur Disco mutiert und im Kostümrausch alle Anstandsgrenzen überwindet? Alfred Reiter geht in dieser Rolle vollkommen auf, singt und spielt einfach hinreißend. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Der Regisseur Tobias Kratzer stellt den großen Maskenball des dritten Aktes ins Zentrum seiner Inszenierung und plötzlich nimmt die vorher etwas bemühte Komödienhandlung richtig Fahrt auf. Dann beginnt nämlich das Spiel mit Identitäten, dann finden und verlieren sich Paare und manch einer lernt, die Welt und sich neu zu sehen. Die bunten Kostüme von Rainer Sellmaier, die Sportler, Musikerinnen und Comicfiguren zitieren, sind herrlich anzuschauen (…). Den Sängerinnen und Sängern, dem Orchester, den Tänzerinnen und Tänzern macht die Inszenierung sichtlich Freude. Und Michael McCown als Björn Borg oder Susan Bullock als Minnie Maus muss man einfach erlebt haben.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


Am königlichen Hof zu Kopenhagen hält man seinem berühmtesten Bediensteten auch 90 Jahre nach seinem Tod die Treue. Die Rede ist von Carl Nielsen, dem wichtigsten Komponisten Dänemarks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und von Prinzessin Benedikte zu Dänemark, der Schwester des Staatsoberhaupts, Königin Margrethe II. von Dänemark. Sie kam aus Anlass der Premiere von Nielsens Maskerade an der Frankfurter Oper in die Mainmetropole und wohnte der Vorstellung bei. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis diese Oper auch in Deutschland zur Aufführung kommt und wo, wenn nicht in der Oper Frankfurt, deren Publikum wie kaum ein zweites an Raritäten dieser Art gewöhnt ist und ihr Intendant Bernd Loebe diese als wichtigen Eckpfeiler der Spielplanpolitik seines Hauses betrachtet.
(…)
Nielsens Maskerade bietet dank seinen zahlreichen kleinen und mittelgroßen Rollen die Gelegenheit gerade für die Sänger*innen des Ensembles sich zu beweisen und dem Publikum zu präsentieren. Dies wurde hier vortrefflich genutzt, wobei einmal wieder die hohe Qualität des Frankfurter Ensembles zum Vorschein kam, mit einigen Namen, die man sich merken sollte. (…)

Alexandra Richter, www.orchestergraben.com


(…) Der Applaus für die Raritätenpremiere jedenfalls fällt treffend heiter bis hörbar hingerissen aus.

Axel Zibulski, Rhein-Zeitung


(…) Aber die eigentliche Witzigkeit und Situationskomik kommt durch die Neuübersetzung von Martin G. Berger zustande, der für einige Obszönitäten auch Buhs bekam. Es ist eine ins Spiel integrierte, relativ große Übertitelungsanlage, die seine Neudichtungen transportiert und einen erfrischend heutigen (…) Jugendslang in die Oper bringt, wie man ihn auch bei modernen Opern noch nie erlebt hat. Es wird dabei auch mit Freude gegendert, Beispiel: „Rings herum, das ist nicht schwer / Niemand weiß mehr: Ist das sie oder er?“ Und das alles in einem Reim-Tsunami, der sich gewaschen hat. (…)

Friedeon Rosén, www.der-neue-merker.eu


(…) Dabei hat der Unsinn (…) ja Methode und ist der Versuch einer Nachdichtung, die im ak­tualisierenden Reim-Exzess, der den Unterleib einbezieht, sub­versive Dada-Energien spüren lässt. Bis man diese Energien der ansonsten anhaltend gefei­erten Maskerade, vor allem einer großartigen Ensembleleis­tung, auf sich wirken lassen kann, muss man natürlich erst mal selbst die Maske anlegen und sich an die Tuchfühlung ge­wöhnen: Vollbesetzung. (…)

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Tobias Kratzer (…) inszeniert in Frankfurt eine federleichte, in den präzise gehüpften Tändeleien (Choreografie: Kinsun Chan) fast musicalwendige Komödie. Nach durchrauschter Nacht ruhen Leander und Diener Henrik in weißen Pants inmitten von Rainer Sellmaiers stufig gerahmter Bühne. Bald fügen sie sich als topfitte Unterwäschemodels in Nielsens tänzerische Applikationen. Eine Türen- und Spiegelkomödie, die den Anbruch einer neuen Zeit nur vorsichtig andeutet.

Nikolaus Schmidt, Badische Neueste Nachrichten


(…) Das richtige Stück also zum richtigen Zeitpunkt – entspre­chender Beifall!

Andreas Bomba, Offenbach-Post

Dem reichen Großbürger Jeronimus ist die neue Mode der Maskenbälle suspekt: Da geraten die Identitäten ins Schwimmen, und die alte Ordnung droht zu verfallen. Sein Sohn Leander hat sich jedoch auf einer solchen Maskerade in eine unbekannte Schöne verliebt, und diese in ihn. Nun weigert er sich, den Plänen seines Vaters zu entsprechen und Leonora, die Tochter von Jeronimus’ Geschäftsfreund Leonhard, zu heiraten. Insgeheim erliegt Leonhard der Verführungskraft der Maskerade ebenso wie Jeronimus‘ Frau Magdelone, der er auf dem Ball inkognito näherkommt. An der Seite von Leander ist sein Diener, der gewitzte Henrik. Er weiß mit jeder Lebenslage umzugehen und intrigiert geschickt für seinen Herrn. Am Ende stellt sich nach turbulenten Verwicklungen heraus, dass die Leander vom Vater zur Braut bestimmte Leonora eben die unbekannte Schöne vom Maskenball ist, der er ewige Liebe geschworen hat.

Carl Nielsens komische Oper fußt auf einer Komödie des dänischen Molière Ludvig Holberg von 1724. Maskerade gilt als dänische Nationaloper, ist jedoch außerhalb Dänemarks eine Rarität. Die Partitur verbindet Volksliedhaftes mit Mozart’scher Leichtigkeit, schwelgerischen romantischen Kantilenen und energiegeladenen Tänzen. Der Orchestersatz ist hochvirtuos und voller harmonischer und kontrapunktischer Überraschungen. Für die Neuinszenierung haben wir bei dem Übersetzer und Regisseur Martin G. Berger eine neue deutsche Versfassung in Auftrag gegeben, fußend auf einer Linearübersetzung von Hans-Erich Heller. Sie überträgt die überbordende Reimflut des dänischen Librettos von 1906 in eine heutige, jedoch nicht platt aktualisierende Sprache und bringt den Sprachwitz und die Situationskomik zum Blühen.

Mit freundlicher Unterstützung