Die Liebe zu den drei Orangen
Sergei S. Prokofjew 1891–1953
Oper in vier Akten und einem Prolog
Text vom Komponisten nach Wsewolod E. Meyerhold und Carlo Gozzi
Deutsche Textfassung von Werner Hintze
Uraufführung 1921, Auditorium Theatre, Chicago
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und kurz nach der Premiere als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt.
Musikalische Leitung Patrick Hahn
König Treff Kihwan Sim
Prinz Magnus Dietrich
Prinzessin Clarisse Cláudia Ribas
Leander Liviu Holender
Truffaldino Theo Lebow
Pantalon Sebastian Geyer
Tschelio Thomas Faulkner
Fata Morgana Alyona Rostovskaya
Ninetta Anna Nekhames
Nicoletta Kelsey Lauritano
Linetta Ruby Dibble°
Köchin Alfred Reiter
Farfarello Aleksander Myrling
Smeraldina Cecelia Hall
Zeremonienmeister Kudaibergen Abildin
Herold Aleksander Myrling
°Mitglied des Opernstudios
Der Prinz ist depressiv und kann nur noch in schlechten Reimen reden. Seine Neider haben ihn verzaubert. Wer heilt ihn durch Lachen?
Gute und böse Zauberer, korrupte Beamte, machtgierige Verwandte und ein gespaltenes Publikum begleiten den hypochondrischen Prinzen auf dem Weg zur Genesung. Sergei Prokofjew war gerade mal 28 Jahre alt, als er nach der Oktoberrevolution aus Russland über Japan in die USA emigrierte. Dort entstand seine sarkastische Märchenoper nach einer Commedia-dell’arte-Vorlage des Italieners Carlo Gozzi. Der russische Theater-Avantgardist Wsewolod Meyerhold, ein Freund von Prokofjew, bearbeitete das Stück grundlegend und stellte seine ursprüngliche Struktur auf den Kopf. Meyerhold durchbrach die Spielebenen von Märchen und Komödie und erfand gespaltene Publikumsgruppen: Einige wünschen sich Tragödien, andere wollen einfach nur Klamauk. Hinzu kommen die Sonderlinge, die in die skurrile Handlung eingreifen.
König Treff will abdanken. Doch er lehnt seine ungeliebte Nichte Clarisse als Nachfolgerin ab. Diese wird vom Premierminister Leander und der bösen Fee Fata Morgana unterstützt. Der König wünscht sich seinen Sohn als Nachfolger, dem Truffaldino und der gute Zauberer Tschelio beistehen. Geheilt werden kann der gemütskranke Prinz nur, wenn er lacht. Herkömmliche Witze helfen ihm nicht mehr, nur Schadenfreude: Als Fata Morgana stolpert, hebt sich zwar die Stimmung des Thronfolgers, aber die böse Zauberin rächt sich und verflucht ihn dazu, drei Orangen in der Wüste zu lieben. Beim Öffnen der dritten Orange findet der Prinz endlich seine große Liebe Ninetta. Trotz weiterer Intrigen kommt es zum Happy End, getrübt von Fata Morgana, die alle Bösewichter doch noch vor dem Galgen retten kann.
Die Musik des jungen Prokofjew passt perfekt zur ungewöhnlichen Handlung: Zugunsten großer Spannungsbögen verzichtet der Komponist auf eine Einteilung in abgeschlossene Nummern und gestaltet die Partitur vielschichtig. Faszinierende Melodien kommen in ihr ebenso vor wie grelle Ensembles und skurrile Chorszenen. Auch die Instrumentation sorgt mit frechen Kommentaren für Überraschungen und konterkariert den Text. Prokofjew sprengt damit die Form eines naiven Märchens ebenso wie die Tradition der Commedia dell’arte. Ein Feuerwerk von fantastischen Einfällen, Witz, beißender Ironie, Gesellschaftskritik und Liebe – nicht nur zu Zitrusfrüchten …