Spielplan

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Tancredi

Gioachino Rossini 1792–1868

Melodramma eroico in zwei Akten
Text von Gaetano Rossi nach Voltaire
Uraufführung 1813, Teatro La Fenice, Venedig

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt. Weitere spannende Inhalte zur Produktion finden Sie im Opernappetizer auf unserem Blog.

Am 20. Juni findet das Nachgespräch Oper im Dialog anlässlich der Premiere von Tancredi statt.

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Musikalische Leitung Giuliano Carella

Argirio Theo Lebow
Amenaide Bianca Tognocchi
Orbazzano Kihwan Sim
Tancredi Cláudia Ribas
Isaura Ruby Dibble°
Loredana Clara Kim

°Mitglied des Opernstudios

(…) Der Regisseur Manuel Schmitt, sein Bühnenbildner Bernhard Siegl und der Lichtkünstler Joachim Klein haben an der Oper Frankfurt für Rossinis ernste Oper Tancredi, die 1813 dessen Weltruhm begründete, eine sehr kluge, wohldurchdachte Lösung gefunden. (…)
(…) [Sie] haben diese Geschichte nun in ein etwas ruppiges Milieu von Bauern und Schützen im ländlichen Raum unserer Tage verlegt. Raphaela Rose steckt die Bauern in Blaumänner, die Jäger in Flecktarn. Es sind fremdenfeindliche Männerbünde mit faschistoiden Riten bei ihren Vereinssitzungen. (…)

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Unter der musikalischen Leitung von Giuliano Carella ist es in allererster Linie ein Sängerinnen- und Sängerfest, das sich hier auftut. Mit jungen Kräften aus dem Haus oder dessen nächster Umgebung und in einem so innigen Miteinander, dass es auf den Gesamtkörper Oper Frankfurt zurückstrahlt.
Cláudia Ribas war hier schon im Opernstudio, ihren Tancredi beglaubigt sie mit einem dunkel grundierten, ausdrucksstarken, noch dazu unermüdlichen Mezzo. Ihre Amenaide ist Bianca Tognocchi, die sich zu brutalen Spitzentönen aufmachen muss, aber alles sitzt. Unermüdlichkeit benötigt erst recht der in drastischen Höhenlagen geforderte Theo Lebow als Argirio, aber als zähen Burschen konnte man ihn schon häufiger erleben. Das kann mal grell werden, Rossini baut echte Renommierstücke ein, in Frankfurt können sie mithalten. Kihwan Sim hält das Ganze von unten, als strenger Bösewicht Orbazzano. Erstaunlich auch die intensiv mitleidende Isaura (Amenaides Vertraute) von Ruby Dibble aus dem Opernstudio. Sie verschenken wirklich nichts.
(…)
Das Premierenpublikum jubelte entsprechend den erschöpften, glücklichen Sängerinnen und Sängern zu.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Der Schlussgesang, als Tancredi tödlich verletzt vom Kampf gegen die Sarazenen zurückkehrt, versinkt in Tonlosigkeit, die Streicher imaginieren den Herzschlag, der schließlich aufhört.
Kein Punkt, keine Kadenz mehr, kein irgendwie versöhnender Schlussakkord – einfach Ende. Auch das kann Oper sein, sogar bei Rossini, der das Komödiantische in seiner Musik nie ganz ausblenden kann, sei es in den vibrierenden Crescendi seiner Arien, in endlos gesteigerten Kadenzen oder überraschenden harmonischen Rückungen und Klangwirkungen.
Giuliano Carella bringt diese Qualitäten mit dem konzentriert spielenden Museumsorchester angemessen zum Ausdruck. Der menschliche Konflikt, der in dieser Oper verhandelt wird: Liebe und Macht, Missverständnis plus Borniertheit gleich Tragik, ist zeitlos.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Tancredi ist eine der großen Hosenrollen der Opernliteratur, also eine Rolle, in der üblicherweise eine Mezzosopranistin eine männliche Bühnenfigur spielt, und Ribas gibt eine gesanglich und schauspielerisch großartige Vorstellung. Die beiden Duette von Tancredi und Amenaide sind ein musikalischer Höhepunkt der ganzen Frankfurter Saison, denn auch die italienische Sopranistin Bianca Tognocchi, auch sie Ensemblemitglied, ist eine beeindruckende Amenaide, die den rossinischen Belcanto scheinbar mühelos beherrscht und mit gekonnter Leichtigkeit von den herrschenden Dur-Tonarten in das c-Moll der Gefängnisarie und dann zurück ins Dur wechselt. Sowohl Theo Lebow als Argirio und Kihwan Sim als Orbazzano tragen zum Gelingen der Aufführung bei.

Stefana Sabin, www.faustkultur.de


(…) Der Dirigent Giuliano Carella (…) legt (…) die Mechanik offen, dosiert klug die Geschwindigkeit, setzt Farbtupfer. Und auch später erweist er sich als flexibler Begleiter, der immer den Sängerinnen und Sängern dient, aber klare Tempovorstellungen hat. Und das Frankfurter Museums- und Opernorchester folgt ihm auf den Schlag. Besonders schön gelingen die Vorspiele zu einzelnen Arien, die die Melancholie des Geschehens betonen, und vor allem der Schluss, bei dem nicht nur Tancredi, sondern auch die Musik stirbt. (…)

Bernd Zegowitz, Allgemeine Zeitung Mainz


(…) „Giurami … sposa … addio“, die Worte des auf dem Boden liegenden, einsam sterbenden Tancredi, mit letzter Kraft in langen Abständen voneinander hervorgepresst. Das Paar neben mir ergriff in den letzten Minuten wechselseitig die Hände, ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Meiner Nachbarin zur Rechten ebenso. Hinter mir leises Schniefen und schweres Atmen. Ich selbst hielt die Luft an und spürte, wie das Wasser in meinen Augen aufstieg. Die Mezzosopranistin Cláudia Ribas selbst brauchte nach dieser Schlussszene einige Applaus-Aufritte, bis sie sich vom Sterben lösen, den Jubel endlich lächelnd annehmen konnte. Und das nach einem Rossini-Werk? Ja, und komisch war in diesem Melodramma eroico fast gar nichts, ganz anders als wir es von diesem Komponisten des Humors gewöhnt sind. (…)

Andrea Richter, www.textor.online


(…) Die Reaktion des Premierenpublikums am Ende, großer Applaus für Giuliano Carella, für das exquisite, fast kammermusikalisch besetzte Frankfurter Opern- und Museumsorchester und das Ensemble (…).

Christiane Franke, www.klassik.com

Während Syrakus sich auf einen Krieg gegen die Sarazenen vorbereitet, wird die Königstochter Amenaide des Hochverrats beschuldigt.

Man wirft Amenaide vor, sie habe einen Brief an Solamir, den Anführer der Sarazenen, geschrieben, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht. Kurz vor ihrer Hinrichtung kehrt Tancredi, ein aus Syrakus verbannter Ritter und Amenaides heimlicher Geliebter, inkognito in die Stadt zurück. An ihn war der Brief eigentlich gerichtet. Zwar rettet Tancredi seine Geliebte vor der Hinrichtung, doch zweifelt er an ihrer Treue. Der Krieg mit den Sarazenen rückt näher, und Tancredi soll die Stadt in die entscheidende Schlacht führen.

So kompliziert sich das Libretto liest – neben dem abgefangenen Brief spielt auch die Beendigung einer Familienfehde und die damit verbundene Zwangsheirat eine Rolle –, so klar fasst Rossini das Geschehen in Musik. Mit Tancredi, seiner ersten Opera seria, startete der erst 20-Jährige seine internationale Karriere. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Werk von New York bis Wien viel gespielt. Heute steht es im Schatten der komischen Opern Rossinis. Ein Grund dafür ist die dem Ende des Kastraten-Zeitalters geschuldete Besetzung der Titelpartie als Hosenrolle mit einem Mezzosopran, die jedoch von ganz eigenem Reiz ist. Die Partitur ist dem Belcanto-Ideal des 18. Jahrhunderts verpflichtet und verströmt klassizistische Anmut, geht jedoch kompositorisch neue Wege. Trotz der tragischen Verwicklungen dominiert ein ausgewogener, fast heiterer Grundton von arkadischer Schwerelosigkeit.

Mit freundlicher Unterstützung