(…) Der Regisseur Manuel Schmitt, sein Bühnenbildner Bernhard Siegl und der Lichtkünstler Joachim Klein haben an der Oper Frankfurt für Rossinis ernste Oper Tancredi, die 1813 dessen Weltruhm begründete, eine sehr kluge, wohldurchdachte Lösung gefunden. (…)
(…) [Sie] haben diese Geschichte nun in ein etwas ruppiges Milieu von Bauern und Schützen im ländlichen Raum unserer Tage verlegt. Raphaela Rose steckt die Bauern in Blaumänner, die Jäger in Flecktarn. Es sind fremdenfeindliche Männerbünde mit faschistoiden Riten bei ihren Vereinssitzungen. (…)
Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung
(…) Unter der musikalischen Leitung von Giuliano Carella ist es in allererster Linie ein Sängerinnen- und Sängerfest, das sich hier auftut. Mit jungen Kräften aus dem Haus oder dessen nächster Umgebung und in einem so innigen Miteinander, dass es auf den Gesamtkörper Oper Frankfurt zurückstrahlt.
Cláudia Ribas war hier schon im Opernstudio, ihren Tancredi beglaubigt sie mit einem dunkel grundierten, ausdrucksstarken, noch dazu unermüdlichen Mezzo. Ihre Amenaide ist Bianca Tognocchi, die sich zu brutalen Spitzentönen aufmachen muss, aber alles sitzt. Unermüdlichkeit benötigt erst recht der in drastischen Höhenlagen geforderte Theo Lebow als Argirio, aber als zähen Burschen konnte man ihn schon häufiger erleben. Das kann mal grell werden, Rossini baut echte Renommierstücke ein, in Frankfurt können sie mithalten. Kihwan Sim hält das Ganze von unten, als strenger Bösewicht Orbazzano. Erstaunlich auch die intensiv mitleidende Isaura (Amenaides Vertraute) von Ruby Dibble aus dem Opernstudio. Sie verschenken wirklich nichts.
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Das Premierenpublikum jubelte entsprechend den erschöpften, glücklichen Sängerinnen und Sängern zu.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
(…) Der Schlussgesang, als Tancredi tödlich verletzt vom Kampf gegen die Sarazenen zurückkehrt, versinkt in Tonlosigkeit, die Streicher imaginieren den Herzschlag, der schließlich aufhört.
Kein Punkt, keine Kadenz mehr, kein irgendwie versöhnender Schlussakkord – einfach Ende. Auch das kann Oper sein, sogar bei Rossini, der das Komödiantische in seiner Musik nie ganz ausblenden kann, sei es in den vibrierenden Crescendi seiner Arien, in endlos gesteigerten Kadenzen oder überraschenden harmonischen Rückungen und Klangwirkungen.
Giuliano Carella bringt diese Qualitäten mit dem konzentriert spielenden Museumsorchester angemessen zum Ausdruck. Der menschliche Konflikt, der in dieser Oper verhandelt wird: Liebe und Macht, Missverständnis plus Borniertheit gleich Tragik, ist zeitlos.
Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse
(…) Tancredi ist eine der großen Hosenrollen der Opernliteratur, also eine Rolle, in der üblicherweise eine Mezzosopranistin eine männliche Bühnenfigur spielt, und Ribas gibt eine gesanglich und schauspielerisch großartige Vorstellung. Die beiden Duette von Tancredi und Amenaide sind ein musikalischer Höhepunkt der ganzen Frankfurter Saison, denn auch die italienische Sopranistin Bianca Tognocchi, auch sie Ensemblemitglied, ist eine beeindruckende Amenaide, die den rossinischen Belcanto scheinbar mühelos beherrscht und mit gekonnter Leichtigkeit von den herrschenden Dur-Tonarten in das c-Moll der Gefängnisarie und dann zurück ins Dur wechselt. Sowohl Theo Lebow als Argirio und Kihwan Sim als Orbazzano tragen zum Gelingen der Aufführung bei.
Stefana Sabin, www.faustkultur.de
(…) Der Dirigent Giuliano Carella (…) legt (…) die Mechanik offen, dosiert klug die Geschwindigkeit, setzt Farbtupfer. Und auch später erweist er sich als flexibler Begleiter, der immer den Sängerinnen und Sängern dient, aber klare Tempovorstellungen hat. Und das Frankfurter Museums- und Opernorchester folgt ihm auf den Schlag. Besonders schön gelingen die Vorspiele zu einzelnen Arien, die die Melancholie des Geschehens betonen, und vor allem der Schluss, bei dem nicht nur Tancredi, sondern auch die Musik stirbt. (…)
Bernd Zegowitz, Allgemeine Zeitung Mainz
(…) „Giurami … sposa … addio“, die Worte des auf dem Boden liegenden, einsam sterbenden Tancredi, mit letzter Kraft in langen Abständen voneinander hervorgepresst. Das Paar neben mir ergriff in den letzten Minuten wechselseitig die Hände, ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Meiner Nachbarin zur Rechten ebenso. Hinter mir leises Schniefen und schweres Atmen. Ich selbst hielt die Luft an und spürte, wie das Wasser in meinen Augen aufstieg. Die Mezzosopranistin Cláudia Ribas selbst brauchte nach dieser Schlussszene einige Applaus-Aufritte, bis sie sich vom Sterben lösen, den Jubel endlich lächelnd annehmen konnte. Und das nach einem Rossini-Werk? Ja, und komisch war in diesem Melodramma eroico fast gar nichts, ganz anders als wir es von diesem Komponisten des Humors gewöhnt sind. (…)
Andrea Richter, www.textor.online
(…) Die Reaktion des Premierenpublikums am Ende, großer Applaus für Giuliano Carella, für das exquisite, fast kammermusikalisch besetzte Frankfurter Opern- und Museumsorchester und das Ensemble (…).
Christiane Franke, www.klassik.com