Spielplan

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Fedora

Umberto Giordano 1867–1948

Melodramma in drei Akten
Text von Arturo Colautti nach Victorien Sardou
Uraufführung 1898, Teatro Lirico, Mailand

Übernahme einer Produktion der Königlichen Oper Stockholm, Premiere 10. Dezember 2016

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen als Video und seit dem 4. März wieder live eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Lorenzo Passerini

Fedora Nadja Stefanoff / Svetlana Aksenova (14.5.)
Loris Ipanow Jonathan Tetelman / Giorgio Berrugi ( 28.4., 6., 14.5.)
De Siriex Nicholas Brownlee
Olga Sukarew Bianca Tognocchi
Gretch Jasper Leever (3.4.) / Frederic Jost
Dimitri Bianca Andrew / Cecelia Hall (16., 18. 21.4. 1. Akt), Aileen Schneider (16., 18., 21.4. szenisch 2., 3. Akt)
Desiré Peter Marsh
Baron Rouvel Michael McCown
Cirillo Thomas Faulkner / Anthony Robin Schneider (ab 21.4.)
Borow Gabriel Rollinson° / Iain MacNeil ( 16., 18., 21. 4.), Damjan Batistić (16.4. szenisch)
Lorek Pilgoo Kang°
Nicola Leon Tchakachow
Sergio Lukas Schmidt
Michele Damjan Batistić
Boleslao Lazinski (Pianist) Mariusz Kłubczuk / Simone di Felice  (8., 10., 16.4.)
Ein Junge Samuel Preisenberger/ Rocco Schulz
Basilio Dominic Betz
Dr. Müller Kobe Linder / Dominic Betz (16.4.)
Assistent des Kommissars Henry Holland-Letz
Ein Polizist Lauritz Jordan
Wladimiro Joakim Stephenson

°Mitglied des Opernstudios

(…) Fedora als großes Kino. (…)

Rolf Fath, www.operalounge.de


(…) Fedora wird in Deutschland nicht besonders häufig aufgeführt. Aber die lukullische, intelligente Inszenierung von Christof Loy belegt, dass es um Gewohnheiten geht, nicht um die Sache.
(…) Der jubelnde Beifall in einem vollen Haus selbstverständlich: uneinholbar. Den Mitwirkenden müssen die Herzen geklopft haben, sogar beim Zuhören war es so.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) als Frankfurter Erstaufführung war nun die Premiere von Fedora am dortigen Opernhaus ausgewiesen. Zwar handelt es sich dabei um die Übernahme einer Inszenierung, die Regisseur Christof Loy 2016 für die Königliche Oper Stockholm erarbeitet hat. Aber wie ein zweiter Aufguss wirkt sie ganz und gar nicht. Viel zu hoch ist ihre szenische Dichte und Vielschichtigkeit, mit der in Frankfurt eine starke und packende musikalische Umsetzung korrespondiert.
Den starken Rahmen dafür bietet Herbert Murauers Bühnenaufriss – und zwar im Wortsinn. Denn egal, ob im winterlichen St. Petersburg des ersten Akts, wo Fedora mit der Tötung ihres Verlobten konfrontiert wird, oder im Frühling von Paris, wo sie den Grafen Loris Ipanow als Täter entlarven und in eine Falle locken will, bevor sie sich in ihn verliebt: Stets prägt ein riesiger Bilderrahmen die Bühne. Mal ist dahinter als Tableau vivant eine Salonszene um einen Pianisten und Chopin-Neffen zu sehen, der später als Agent enttarnt wird, mal ist Fedoras Gesicht in schonungsloser filmischer Nahaufnahme darauf projiziert, nicht immer live, manchmal zeitlich leicht verzögert, manchmal aus dem Nebenraum. Bilder können täuschen, nicht nur das macht Loy mit ganz großer Regiehandwerkskunst, perfekter Personenführung und immer exaktem Timing deutlich.
Nadja Stefanoff, seit acht Jahren Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, hält bei ihrem Debüt an der Oper Frankfurt solchen Nahaufnahmen szenisch und mimisch locker stand. (…)

Axel Zibulski, Rhein-Zeitung


(…) Natürlich steht und fällt der Abend mit der Titelheldin. Nadja Stefanoff hat den Wechsel aus dem Mezzo-Fach in die „lirico spinto“-Sopranpartien beeindruckend vollzogen: ihre Bühnenerscheinung vereint genau das rollengerechte Maß an herbem Selbstbewusstsein, leidenschaftlicher Frau und souveräner Grande Dame, also vom dolce piano in harten Furor. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Jonathan Tetelman glänzt als von der Geliebten verratener Mörder mit kraftvoll strahlendem, gleichwohl geschmackvoll eingesetzten Tenor. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Die beiden Urkomödianten des Frankfurter Ensembles, Nicholas Brownlee als französischer Diplomat und Bianca Tognocchi als Gräfin Olga Sukarew, machen nicht nur auf zwei blauen Drahteseln Bella Figura, sondern auch bei spritzigen Gesangsduellen im Pariser Salon.
Am Pult verschmilzt Debütant Lorenzo Passerini die rezitativischen Passagen, die unzähligen kurzen Affekt-Arien, sommerli­che Schweizer Choridylle und die vielen, nur kurz angerissenen So­listenporträts zum effektvollen Gesamtklang.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Bis in die kleinsten, aus dem Ensemble besetzten Rollen hinein ist die Frankfurter Fedora stimmig, musikalisch ein Plädoyer für den in Deutschland oft geringgeschätzten italienischen Verismo und szenisch eine Oscar-verdächtige Meisterleistung.

Bernd Zegowitz, Die Rheinpfalz


(…) Die Frankfurter Premiere ist ei­ne neu besetzte Übernahme von Christof Loys filmisch präziser Regie für das Königliche Opern­haus in Stockholm (2016). Hinter dem süffigen Lila von Herbert Murauers Brokattapete sind viele Türen eingearbeitet, vor allem aber ein großer Goldrahmen, dessen Inhalt nicht nur als Leinwand dient, sondern auch als Panora­mafenster in weitere Welten. Dra­maturgisch von Giordano meis­terlich arrangiert, untermalt dort im Paris-Akt Mariusz Kłubczuk als Chopin-Imitant mit einem Live-Notturno das Geständnis von Loris, den Verlobten Fedoras ermor­det zu haben. Und empfängt die freiwillig aus dem Leben schei­dende Fedora am Ende im diffu­sen Zwischentotenreich samt kindlich tröstendem Schweizer Bergknaben (Rocco Schulz), der zur Wirklichkeit ihrer Primadonnengarderobe überleiten wird. (…)

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Giordanos Fedora hätte musikalisch durchaus einen festen Platz im Standardrepertoire neben Andrea Chenier verdient. Die Frankfurter Inszenierung sollte man sich daher nicht entgehen lassen.

Thomas Molke, www.omm.de

Umberto Giordanos Verismo-Thriller zeigt eine Titelfigur, die sich in atemberaubendem Tempo zwischen verschiedenen Extremen bewegt: Die russische Fürstin Fedora ist Spionin, Rächerin, Geliebte, Märtyrerin und Betrogene zugleich. Nachdem ihr Verlobter bei einem Attentat getötet wird, stellt sie sich in den Dienst der Polizei und spürt dessen Mörder Loris Ipanow in Paris auf. Die beiden verlieben sich ineinander und wagen einen gemeinsamen Neubeginn in den Schweizer Bergen. Doch sie werden von ihrer Vergangenheit eingeholt …

In seinen Bühnenwerken porträtiert Giordano immer wieder Charaktere, die sich in sozialen und emotionalen Ausnahmesituationen befinden. Sein bis heute größter Erfolg ist die zur Zeit der Französischen Revolution situierte Oper Andrea Chénier von 1896. In der darauffolgenden Fedora gelingt ihm auf der Grundlage eines Dramas von Victorien Sardou eine noch differenziertere Figurenzeichnung. Den verschiedenen Szenerien der Handlung verleiht der Komponist dabei eine je eigene Tonsprache: Während in den Pariser Salons romantische Klaviermusik zu hören ist, verbinden sich im Schlussakt volkstümliche Chöre der Bergbewohner und das akkordeonbegleitete Lied eines Knaben zu einem surreal schönen Klangmosaik.

Die Mailänder Uraufführung der Oper verhalf dem Tenor Enrico Caruso im Jahr 1898 zu seinem internationalen Durchbruch. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Werk jedoch für längere Zeit von den Spielplänen oder wurde – völlig zu Unrecht – lediglich wegen der anspruchsvollen Partien für Primadonnen und Star-Tenöre geschätzt. Christof Loy lotet in seiner Inszenierung den Kern dieses vielschichtigen Musikdramas aus und betont die innere Zerrissenheit und Einsamkeit der Protagonistin: Ihr Traum vom Glück mit Loris bleibt nur ein Wunschbild. 

Mit freundlicher Unterstützung