Dieser Link öffnet ein YouTube-Video. Bitte beachten Sie die dort gültigen
Datenschutzbestimmungen
Der Triumph von Zeit und Erkenntnis
Georg Friedrich Händel 1685–1759
Oratorium in zwei Teilen
Text von Kardinal Benedetto Pamphilj
Uraufführung vermutlich 1707, Teatro del Collegio Clementino, Rom
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot und kurz nach der Premiere als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt. Weitere spannende Inhalte zur Produktion finden Sie im Opernappetizer auf unserem Blog.
Bei Anklicken dieses Inhalts werden Daten von Ihnen an SoundCloud übertragen.
Näheres dazu in unserer
Datenschutzbestimmung.
(…) Vier grundverschiedene Charaktere treffen als Allegorien in einem Streitgespräch aufeinander. Da ist die personifizierte Schönheit (sensitiv: Monika Buczkowska-Ward), der das Vergnügen (subtil: Younji Yi) ewige Jugend verspricht. Die Zeit (subversiv: Michael Porter) heilt nicht alle Wunden, sie verstärkt die Zweifel der Schönheit. Die Erkenntnis (symbolträchtig: Katharina Magiera) schließlich weiß, wie die Realität aussieht. Bis die Schönheit das kapiert, vergehen drei Stunden.
(…)
Am Ende, wenn die Bühne ordnungsgemäß verwüstet ist, erfährt die Schönheit dank eines von Regisseurin Kastening dazuerfundenen stummen Alter Egos Lehrreiches: Der schöne Schein ist nicht die Bohne wert. Beide schöpfen Wasser aus dem Brunnen der Erkenntnis – die Versöhnung mit der Vorstellung, alt zu sein. (…)
Manfred Merz, Frankfurter Neue Presse
(…) In diesem Ambiente erzählt Kastening in einer ausgeklügelten Personenregie eine Geschichte, die trotz der allegorischen Figuren einem heutigen Publikum großen Aktualitätsbezug bietet. (…)
Thomas Molke, www.omm.de
(…) Musikalisch darf der Abend (…) als Triumph der Händelschen Musik bezeichnet werden. Der in Italien geborene Simone Di Felice am Pult hat mit Verve, Temperament, subtiler, stilbewusster Gestaltung und bekenntnishafter Emotionalität, dabei durchaus historisch informiert, Händels meisterhafter Partitur Rechnung getragen. Die handverlesene Klein-Besetzung des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters spielte einen Händel zum Niederknien farbig, rhythmisch pointiert, straff, vital und klangschön. Das kleine Orgelkonzert, das der begnadete Organist Händel in seine farbenreiche Partitur einbaute, begeisterte ganz besonders ob der rasanten Virtuosität des Organisten Johannes Oesterlee.
Sängerisch war die Aufführung durchweg hochkarätig besetzt. Die vier Hauptpartien des Werks wurden alle mit hauseigenen Kräften besetzt. Sie überboten sich an stilsicherem und stimmlich geradezu atemberaubendem barocken Ziergesang. Die Bellezza (Die Schönheit / Sopran) wurde von der in Polen geborene Sopranistin Monika Buczkowska-Ward mit außerordentlich warmer und höhensicherer Stimme gesungen. Piacere (Das Vergnügen / Sopran) wurde von der koreanische Sopranistin Younji Yi plastikverschürt verkörpert. Der gebürtige Amerikaner Michael Porter sang mit feiner, schlanker und markantem Stimme Tempo (Die Zeit / Tenor). Katharina Magiera lieht der Allegorie Disinganno (Die Erkenntnis / Alt) ihre balsamische und doch sehr bewegliche Stimme.
Alles in allem ein Sängerfest und eine zumindest musikalisch superlativische Händelaufführung.
Dieter David Scholz, www.deropernfreund.de
(…) Musikalisch ist das die reinste Köstlichkeit, herausragend, wie Simone Di Felice und das souverän alte Musik produzierende Frankfurter Opern- und Museumsorchester einen Extreme meidenden und dennoch abwechslungsreichen Klang erarbeiten. (…)
Wenn wir uns alle hoffentlich wiedersehen, beginnt die 25. Spielzeit von Bernd Loebe als Intendant des Hauses. Mit elf Premieren, viel Verheißungsvolles darunter und nichts Müdegewordenes daran. Schönheit, Vergnügen, Erkenntnis und Zeit verstehen sich in der Kunst glänzend, wenn diese so gut behandelt wird wie hier.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
Muss der Mensch seine Eitelkeiten überwinden, um Selbsterkenntnis zu erlangen? Und liegt der Schlüssel zum Glück tatsächlich in der Akzeptanz unserer eigenen Endlichkeit?
Mit brillanten Improvisationen auf der Orgel machte sich der 22-jährige Händel seit Januar 1707 in der Kulturszene Roms einen Namen und gewann gut betuchte Freunde. Einer von ihnen war Kardinal Benedetto Pamphilj. Dieser lieferte dem Komponisten nicht nur die Gelegenheit und finanziellen Mittel, sondern auch gleich den Text zu jenem musikalischen Streitgespräch zwischen der Schönheit, dem Vergnügen, der Erkenntnis und der Zeit. Die Schönheit muss sich entscheiden: Soll sie sich dem Vergnügen ganz verschreiben oder auf die Ermahnungen von Zeit und Erkenntnis hören und die Gedanken an ihre eigene Endlichkeit zulassen?
Die Partitur von Händels erstem Oratorium Il trionfo del Tempo e del Disinganno spiegelt das entschiedene Vorgehen des Vatikans gegen weltliche Bühnenwerke, welches in mehreren Theaterschließungen der Stadt gipfelte. Mit der Bezeichnung als Oratorium umging der aufstrebende Komponist zwar die Hürde der »opera proibita«, sein dramatisches Gespür offenbart sich dennoch in jeder Note. Hinreißend fantasievoll gestaltet er die lebhafte Auseinandersetzung der vier Charaktere.
Im Laufe seines Schaffens bediente sich Händel immer wieder des musikalischen Materials seines Oratorienerstlings, nicht zuletzt für die berühmte Klage-Arie »Lascia ch’io pianga« in seiner Oper Rinaldo. Als »Lascia la spina« hatte er sie ursprünglich der allegorischen Figur des Vergnügens in den Mund gelegt.
Mit freundlicher Unterstützung
Hinweis zum Datenschutz
Wir verwenden auf dieser Webseite Cookies. Ihre IP-Adresse wird ohne Ihre Zustimmung aus technischen Gründen für 10 Tage gespeichert. Ihre Daten werden nicht weitergegeben.
Um Ihnen das beste Nutzererlebnis zu ermöglichen, verwenden wir ein Analysetool. Auswertungen bzw. Statistiken hierzu erfolgen nur anonymisiert.