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Ariadne auf Naxos

Richard Strauss 1864-1949

Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel
Text von Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung der 2. Fassung, 1916, Wiener Hofoper

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
 

Primadonna - Ariadne Ambur Braid
Zerbinetta Sarah Aristidou
Der Tenor - Bacchus AJ Glueckert / Andreas Schager (20., 25. Juni)
Der Komponist Diana Haller/ Claudia Mahnke (13. Juni)
Najade Florina Ilie
Dryade Zanda Švēde
Echo Angela Vallone
Harlekin / Ein Lakai Mikołaj Trąbka
Scaramuccio / Ein Offizier Theo Lebow
Truffaldin / Ein Perückenmacher Kihwan Sim
Brighella Michael Porter
Ein Tanzmeister Michael McCown
Ein Musiklehrer Sebastian Geyer
Der Haushofmeister Peter Schröder

(…) Tatsächlich sollte an der Oper Frankfurt Strauss’ Salome in Koskys dichter Inszenierung wiederaufgenommen werden. Der Berliner Dirigent Thomas Guggeis war dafür engagiert und demonstrierte nun, dass er auch für die schlankere Ariadne-Partitur zu Hugo von Hofmannsthals genialem Text einen mitreißenden und gut kontrollierten Zugang fand. Die Aufführung zum Neustart nach dem Lockdown ist so belebt wie irgend möglich. Im Rücken des Dirigenten und vor dem in die Tiefe des Bühnenraums verteilten Orchesters (alles durchgefeilt, wie eine Mannschaftsaufstellung) entsteht eine ordentliche Spielfläche. Guggeis ist für Sängerinnen und Sänger offenbar über einen Schirm am angestammten Dirigentenplatz zu sehen, praktisch. Wenn Notenständer ins Spiel kommen, dienen sie zugleich als Requisiten, schließlich ist ein Theater der Ort des Geschehens. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

Die kokette Zerbinetta (Sarah Aristidou) ist gemeinsam mit ihren Buffo-Kumpanen mit einem Tanzspiel zur Erheiterung des Publikums für eine private Soiree engagiert. Zuvor soll die dafür eigens geschriebene tragische Oper Ariadne auf Naxos gegeben werden. Im Laufe des Abends ordnet der Hausherr an, dass die Stücke gleichzeitig aufgeführt werden sollen. Der Komponist (Diana Haller / Claudia Mahnke), die Primadonna (Ambur Braid) und der Tenor (AJ Glueckert / Andreas Schager) sind schockiert. Recht pragmatisch reagieren hingegen die Komödianten …

Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal verbinden in ihrem dritten Gemeinschaftswerk – dem »Liebling unter den gemeinsamen Kindern« – auf der Grundlage der Molière-Komödie Der Bürger als Edelmann Sprech- und Musiktheater, Commedia dell’arte, Opera seria, Melodram, Tanz und Mythos zu einem dichten, aber differenzierten Geflecht. Dabei intendieren sie »das Experiment einer Rekonstruktion der Gattung Oper« unter Einbeziehung komischer Figuren, mit der Orientierung am Mozart’schen Singspiel und der Abwendung von einem riesigen Orchesterapparat. Und versehen ihr spielerisches, aber ernsthaftes Anliegen auch mit bissigen Seitenhieben auf Kulturbetrieb und Publikum.

Im Kern geht es jedoch auch um »ein simples und ungeheures Lebensproblem, das der Treue« – verkörpert durch die trauernde Ariadne und die flirtende Zerbinetta. In einem Brief an Strauss formuliert Hofmannsthal seine Schlussfolgerung in dieser Sache, einen universalen über die menschliche Liebesnatur hinausgehenden Gedanken: »Verwandlung ist Leben des Lebens, ist das eigentliche Mysterium der schöpferischen Natur; Beharren ist Erstarren und Tod. Wer aber leben will, muss über sich selber hinwegkommen, muss sich verwandeln: er muss vergessen. Und dennoch ist ans Beharren, ans Nichtvergessen, an die Treue alle menschliche Würde geknüpft.«

Nachdem der Berliner Staatskapellmeister Thomas Guggeis mit dem Stream von Mozarts Requiem am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters debütierte, dirigiert er nun zum ersten Mal live für das Frankfurter Publikum konzertante Vorstellungen der Ariadne auf Naxos.