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I puritani

Vincenzo Bellini (1801-1835)

Opera seria in drei Teilen
Text von Carlo Pepoli
Uraufführung am 24. Januar 1835, Théâtre-Italien, Paris

Gekürzte Fassung

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video (verfügbar auf YouTube)

Musikalische Leitung Oksana Lyniv

Elvira Brenda Rae
Lord Arturo Talbo Francesco Demuro
Sir Riccardo Forth Andrzej Filończyk
Lord Gualtiero Valton Thomas Faulkner
Sir Giorgio Kihwan Sim
Sir Bruno Roberton Tianji Lin
Enrichetta di Francia Karolina Makuła°
Eine Frau Evie Poaros

°Mitglied des Opernstudios

(…) Um 19 Uhr und siebzehn Minuten war es soweit: in der Frankfurter Oper öffnete sich der Vorhang zum Start der neuen Saison und zugleich zur ersten Vorstellung, die seit dem Lockdown im März, der das Ende des regulären Betriebs gebracht hatte, möglich war. Zudem war es der erste Abend der neuen Corona-Ordnung, die mit Abstandsregelungen, Masken- und Meldepflicht den allermeisten Besuchern schon aus anderen Zusammenhängen vertraut sein durfte. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Statt der ursprünglich 56 Musiker lie­ßen sich nur 21 im Graben und als Fernorchester ausmachen. So konnte die rhythmussicher into­nierende ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv bei ihrem präzisen Hausdebüt auf nur drei erste Vio­linen zurückgreifen.
Bellinis Opus Magnum selbst, das Berühmtheit erlangte durch seine sich unendlich windenden Melodien, erklang auf pausenlo­se, gute zwei Stunden herunter ge­kürzt. Alle wesentlichen Num­mern blieben unter der szeni­schen Leitung von Caterina Panti Libprovici zwar erhalten, aber ohne Wiederholungen.
Dafür entschädigten die frei singenden Solisten für alle pandemiebedingten Restriktionen. Al­len voran begeisterte die stimm­lich immer aufs Neue erblühende Brenda Rae in ihren raffiniert nervösen Tüllkleidern Christian Lacroix's. Francesco Demuro als ihr Geliebter Arturo schraubte seinen Spinto-Tenor samt dreige­strichenem „f“ dazu in beglückende Höhen. Viel Gefühl setzte der polnische Bariton Andrzej Filończyk bei seinem Rollen- und Hausdebüt als Nebenbuhler Sir Riccardo Forth ein, ebenso wie der kräftige, lyrische Tenor Tianji Lin als Roberton. Aufhorchen ließ die noble Stimmeleganz, die Ka­rolina Makuła für ihre Enrichetta bereithielt.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Viril, effektvoll, trotz Reduzierung höchst qualitativ präsentierte sich der mit Masken dekorierte Opernchor (Tilman Michael). (…)

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) So präsentiert die Oper Frankfurt zum Saisonbeginn eine geradezu festspielwürdige Besetzung in den vier Hauptpartien. (…)
Am Ende merkt man Publikum wie Ensemble die Freude darüber an, dass wieder gespielt werden durfte. Bei einem voll besetzten Haus wären sicher jede Arie und jedes Duett dieser außerordentlichen Sängerriege vom Publikum mit Jubelstürmen bedacht worden. Doch Bravorufe führen zum erhöhten Aerosol-Ausstoß und sind in Corona-Zeiten tabu. Auch lässt sich mit wenigen hundert auf Lücke sitzenden Zuhörern kein ordentlicher Beifallssturm entfachen. Anfängliche Versuche von Szenenapplaus wurden im Laufe der Vorstellung schließlich aufgegeben. Auch der Schlussbeifall wirkte anders als sonst, weniger lautstark, aber inniger. Er transportierte mehr als bloße Anerkennung für künstlerische Leistungen, nämlich: Dankbarkeit.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Die Zeitgenossen des Komponisten glaubten, dass sich der melancholische Tonfall und romantische Weltschmerz von Vincenzo Bellinis Musik aus seiner Biografie speisten. Doch der vermeintliche Schöngeist war in Wirklichkeit ein kaltblütiger Egozentriker, der seine Liebschaften – seinem Protagonisten Arturo in I puritani ähnlich – in den Abgrund trieb. Diese Widersprüche zwischen Dichtung und Wahrheit, Bellinis verantwortungsloser Umgang mit seinen Geliebten und das aufgeheizte Klima der Pariser Gesellschaft in den 1830er Jahren inspirierten die Konzeption des Regisseurs Vincent Boussard. Jenseits von historischen Vorlagen und Folien erzählt seine Inszenierung eine explosive Geschichte in der Entstehungszeit: Anlässlich der Trauerfeier von Vincenzo Bellini, dem ehemaligen Mittelpunkt der polarisierten Pariser Gesellschaft, die er mit seiner Musik verführt hatte, ist der seelische Verfall von Elvira, einer betrogenen, jungen Frau, zu erleben. Sie erleidet die Extremsituationen einer Dreiecksgeschichte zwischen ihr, Arturo und Riccardo. Im Rahmen eines Balls der Schwarzen Romantik nach Motiven von I puritani erinnert man sich an den skandalumwitterten Komponisten, der in seiner letzten Oper eine musiktheatralische Wunderwelt schuf.