Spielplan

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Dalibor

Bedřich Smetana 1824-1884

Oper in drei Akten
Text von Josef Wenzig
Uraufführung der ersten Fassung am 16. Mai 1868; zweite Fassung am 2. Dezember 1870, Neustädter Theater, Prag

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Stefan Soltesz
Vladislav Gordon Bintner
Dalibor Aleš Briscein
Budivoj Simon Bailey
Beneš Thomas Faulkner
Vítek Theo Lebow
Milada Izabela Matuła
Jitka Angela Vallone
Ein Richter Barnaby Rea

Es war ein großer Feiertag. Das Bier floss in Strömen. Am 16. Mai 1868 wurde der Grundstein für das Prager tschechische Nationaltheater gelegt. 13 Jahrespäter, als die antiösterreichischen Demonstrationenihren ersten Höhepunkt erreichten, wurde es mit Smetanas festlichem Singspiel Libusa eröffnet. Kurz darauf brannte das Theater ab. Am Freudentag von 1868 aber waren Zehntausende aus den böhmischen und mährischen Landesteilen angereist; viele von ihnen in alter volkstümlicher Kostümierung. Bedřich Smetana, der Sprecher der tschechischen Künstlerzunft, sagte in seiner Rede: »In der Musik ist das Leben der Tschechen.« Am Neustädter Theater, das immerhin 4000 Besucher fasste, wurde an jenem Maiabend sein durchaus als Nationaloper gedachtes Werk Dalibor, einziges tragisches Musikdrama aus seiner Feder, uraufgeführt.

Die Geschichte eines spätmittelalterlichen tschechischen Ritters, der wegen Tyrannenmordes in einemGefängnisturm der Prager Burg auf seine Exekution wartete und auf die Hilfe von Milada, einer ihn liebenden Frau, rechnen konnte, die ihn in Männerkleidern zu befreien versuchte, geriet aber keineswegs zum lang ersehnten Erfolgsstück. Im Gegenteil! Man bezichtigte den Komponisten der Deutschtümelei und schlimmer noch — nicht nur wegen Adaption der Leit-motivtechnik — des untschechischen Wagnerismus. Smetana, dessen Libretto ursprünglich in deutscher Sprache angelegt war, litt sehr an dieser Reaktion. Gleichwohl galt ihm bis zu seinem qualvollen Tod 1884 das großangelegte Bühnenwerk, sein Sorgenkind, als das geglückteste Stück seines Schaffens — im Gegensatz zu Die verkaufte Braut, die er gerne als marginale Gelegenheitsarbeit abtat. Die dreiaktige, rhythmisch und harmonisch entschieden avancierte Oper, die stofflich sowohl Elemente der klassischen Befreiungsoper, aber durchaus, etwa in der anfänglichen Gerichtsszene, auch eine Nähe zum romantischen Lohengrin erkennen lässt, offenbart im Kern das einfache Gleichnis einer tragisch endenden Liebe: einer in der Kerkerfinsternis entflammten Leidenschaft vor dem Hintergrund der sich zum Schicksal aufbauschenden Politik. Ein wahrhaft unvergängliches, universelles Sujet.

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