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Mazeppa

Peter I. Tschaikowski 1840–1893

Oper in drei Akten und sechs Bildern
Text von Victor P. Burenin und Peter I. Tschaikowski nach Alexander S. Puschkin
Uraufführung 1884, Bolschoi-Theater, Moskau

Übernahme einer Produktion der Tiroler Festspiele Erl

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und kurz nach der Premiere als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt.

Musikalische Leitung Karsten Januschke

Mazeppa Petr Sokolov
Maria Nombulelo Yende
Kotschubej Alexander Roslavets
Andrej Mikhail Pirogov
Ljubow Karolina Makuła
Orlik Jarrett Porter
Iskra Jihun Hong°
Betrunkener Kosak Kudaibergen Abildin

°Mitglied des Opernstudios

Aus einer Liebe, die alle Konventionen sprengt, erwächst eine blutige Familienfehde: Tschaikowskis düsterste Oper porträtiert Machtmenschen, die zunehmend das rechte Maß verlieren.

Maria, die Tochter des reichen Kotschubej, liebt den deutlich älteren General Mazeppa. Als die beiden gegen den Willen von Marias Vater heiraten, entspinnt sich ein erbitterter Machtkampf: Kotschubej klagt Mazeppa, dem er bis dato als Freund und Geschäftspartner verbunden war, wegen Hochverrats beim Zaren an. Doch der Schuss geht nach hinten los: Der Zar schenkt den Anschuldigungen keinen Glauben und lässt Kotschubej öffentlich hinrichten. Als Maria die fatalen Folgen ihrer Liebe erkennt, verliert sie den Verstand.

Genauso wie Tschaikowskis Erfolgsopern Eugen Onegin und Pique Dame basiert Mazeppa auf einer literarischen Vorlage von Alexander Puschkin. Dessen Poem Poltawa von 1829 setzt sich mit dem Kosakenführer Iwan Mazeppa auseinander, der Anfang des 18. Jahrhunderts den Aufstand gegen die russische Vorherrschaft wagte. Während Puschkin den Protagonisten ganz im Sinne des damaligen Zarenregimes als manipulativen Vaterlandsverräter zeigt, verleiht ihm Tschaikowski durchaus ambivalente Züge: Mazeppas Liebe zu Maria macht der Komponist in melancholisch-sanften Arien ebenso hörbar wie dessen Brutalität, die sich durchschneidende Rhythmen und martialische Orchesterzwischenspiele vermittelt.

Regisseur Matthew Wild interpretiert Tschaikowskis Oper als politische Parabel über eine Elite, die ihre Konflikte auf dem Rücken der eigenen Bevölkerung austrägt. Ins Zentrum des Geschehens rückt dabei nach und nach die Figur der Maria: Unfähig, die eigenen Verstrickungen zu akzeptieren, verfällt sie schließlich in einen Zustand kindlicher Entrücktheit. Gelingt es Maria, die Bilder der allseits grassierenden Gewalt aus dem Kopf zu bekommen?