Letzte Aufräumarbeiten. „Neueinstudierung nach coronabedingter Premierenabsage“ steht über der szenischen Aufführung, die kurz vor Spielzeitende über die Frankfurter Opernbühne geht. Die Inszenierung Tilmann Köhlers war fertig vorbereitet, als im Herbst 2020 die Pandemie den Betrieb stilllegte. Abstand halten hieß die Parole, bis die Impfungen die Türen allmählich wieder öffneten. Ein Zaubertrank spielt auch die Hauptrolle in Le vin herbé, dem 1942 uraufgeführten Oratorium von Frank Martin. Ein Konzertstück für Chor, Solisten und Instrumente auf eine Opernbühne zu bringen, Erzählung in Handlung zu übersetzen, überwindet einen ersten Abstand. (…)
Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse
(…) Mit Clara Kim als Branghien, Cláudia Ribas als Mutter von Iseut der Blonden und Jarrett Porter als Herzog Hoël haben Mitglieder des Opernstudios Gelegenheit, sich dem Publikum solistisch vorzustellen, was sie allesamt vorteilhaft nutzen. Theo Lebow als Kaherdin, Juanita Lascarro als Iseut die Blonde, Cecilia Hall als Iseut die Weißhändige und Rodrigo Porras Garulo [als Tristan] singen mit jugendlich schlanken, aber eindringlichen Stimmen, die dem Schmerz mit Würde nachspüren. (…)
Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung
(…) Takeshi Moriuchi am Pult steuert dies alles eindreiviertel Stunden lang mit Umsicht und Präzision (…).
Andreas Bomba, Offenbach-Post
(…) Diese Form der Präsentation wahrt die Konzeption des Komponisten, der das Stück als Oratorium aufgefasst hat. Tilmann Köhlers klare und sensible Regie fügt sich dabei ideal zum Grundduktus der Musik, lenkt nicht ab, sondern unterstreicht und verdeutlicht den Erzählcharakter. Das erleichtert die Rezeption der herben Schönheit dieses Werkes für das Publikum ungemein. Es erlebt einen spannenden, musikalisch exzellenten und atmosphärisch dichten Abend, der den eigenständigen Rang des Komponisten in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts unterstreicht.
Michael Demel, www.deropernfreund.de
(…) [Komponist Frank] Martin hätte vermutlich die reduziert gehaltene und aufs Wesentliche konzentrierte Inszenierung Tilmann Köhlers gut gefallen, die großartige Darbietung der Musiker, insbesondere die des Chors und des Tenors Rodrigo Porras Garulo als Tristan erst recht.
Andrea Richter, www.faustkultur.de
(…) Beharrlich baut die Oper Frankfurt den Rückstau ab, ein Langzeitdokument dafür, wie man sich von den Zeitläuften nicht den Schneid abkaufen lassen muss.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau