Spielplan

zur Übersicht

Zaide

Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791

Deutsches Singspiel in zwei Akten, Fragment (1779/80)
Text von Johann Andreas Schachtner
Uraufführung 1866, Opernhaus, Frankfurt.
Ergänzt durch Auszüge aus Mozarts Schauspielmusik Thamos, König in Ägypten (1773)

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot und als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt. Weitere spannende Inhalte zur Produktion finden Sie im Opernappetizer auf unserem Blog.

Am 16. Oktober findet das Nachgespräch Oper im Dialog anlässlich der Premiere von Zaide statt. 

Bei Anklicken dieses Inhalts werden Daten von Ihnen an SoundCloud übertragen.
Näheres dazu in unserer Datenschutzbestimmung.

Musikalische Leitung George Petrou

Zaide Karolina Bengtsson
Gomatz Michael Porter
Soliman Peter Marsh
Allazim Aleksander Myrling
Osmin Pete Thanapat

(…) Daniel Hermanns Inszenierung, musikalisch geleitet von George Petrou, pumpt das Vorhandene nicht künstlich auf. Nach schlanken 90 Minuten versinkt alles in tiefer Finsternis. Man sieht nicht das Ende des glücklosen Trios, aber die Bühnennacht hat sie geschluckt, während sie fest im Griff der Feinde waren.
(…)
Petrou und das „Opernwelt“ – „Orchester des Jahres“ bieten straffen Mozart, das Elegische transportiert sich ohne Verschleppungen umso besser. Die jungen Stimmen sind eine Lust. Obwohl mit steter Leidensmiene geschaut und getrabt werden muss, kommt singend sofort eine Lebendigkeit auf, und eine Schönheit. Vor allem bei Zaide und Gomatz, die für ihre Liebe so wenig Spielraum haben. Aber man glaubt ihnen alles. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die nach hinten verschobene Auftrittsarie der Zaide „Ruhe sanft, mein holdes Leben“ macht Karolina Bengtsson zum Höhepunkt der Aufführung. Hätte der Tyrann sie gehört, er hätte alle Gefangenen entlassen, sein Vermögen verschenkt und in der Einsamkeit über sein verpfuschtes Leben nachgedacht.


Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo


(…) Karolina Bengtsson kehrt (…) stimmlich besonders die Traurigkeit in der Titelpartie hervor. Michael Porter macht als ihr geliebter Mithäftling Gomatz mit stimmlichen Mitteln den Antrieb zum Ausbruch, den Freiheitsdrang spürbar. Aleksander Myrling wird als Allazim, der im Original Solimans Lieblingssklave ist, sogar besonders geschunden und stattet seine Partie darstellerisch präsent mit einer Art Kurzatmigkeit aus – so als könne er unter dem unsinnigen Frondienst jederzeit zusammenbrechen. Peter Marsh und Pete Thanapat agieren einander ähnlich als böses Zweigespann und bringen sängerisch die fiesen Seiten ihrer Partien gut heraus. (…)

Guido Holze, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rhein-Main


(…) Jo Schramm baut in der Mitte des Bockenheimer Depots eine Art Stadion, Circus Maximus für Brot und Spiele. Das Publikum sitzt auf Tribünen drumherum. Auf der gestuften Laufbahn werden die Opfer vorgeführt, an Oberleitungen gekettet; hin und wieder verschwindet einer im Keller, wo ein herumtigerndes Wesen auf Fraß wartet. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) David Hermann hat die Reihenfolge der originalen Musiknummern leicht verändert, Musik aus dem Thamos hinzugefügt, ein wenig Sprechtext dazu genommen und ein ganz düsteres Ende gewählt: kein Deus ex machina, kein Schluss im Sinne der Aufklärung, keine militärische Intervention zum Sturz des Tyrannen. (…)

Bernd Zegowitz, Allgemeine Zeitung Mainz    

Aus heutiger Perspektive erscheint uns Mozarts unvollendet gebliebenes Singspiel wie eine Vorstudie zu seiner zwei Jahre später entstandenen Entführung aus dem Serail: Zaide und Gomatz lernen sich in der Gefangenschaft von Soliman kennen und verlieben sich ineinander. Ein gemeinsamer Fluchtversuch misslingt. Wird Soliman die beiden begnadigen oder bestrafen?

Mozarts Fragment, das ohne Ouvertüre und Finale sowie ohne vollständige Dialoge überliefert ist, bricht vor der Beantwortung der Frage ab. Aus dieser Offenheit ergibt sich ein besonderer Spielraum für die Auseinandersetzung mit dem zweiaktigen Werk. Regisseur David Hermann kombiniert es mit Nummern aus Mozarts Schauspielmusik Thamos und schärft so die dunklen Facetten des Zaide-Stoffes, der uns auf diese Weise unerwartet nah kommt und Assoziationen an Brutalitäten und Zwänge unserer Gegenwart aufruft. Welche Macht hat die Liebe? Wie steht es um die menschliche Empathie? Und was bedeutet Freiheit?

Zaide entstand in einer Zeit, die für den Komponisten selbst zu einem Wendepunkt werden sollte: Als die pure »Sklaverei« empfand Mozart nämlich jene Jahre in Diensten des Salzburger Fürsterzbischofs Colloredo, mit dem er sich schon bald überwerfen sollte, um fortan als freischaffender Musiker und Komponist in Wien zu leben. Die eingehende Betrachtung der menschlichen Seele, wie sie uns in seinem Fragment vor Augen geführt wird, markiert den Beginn eines Emanzipationsprozesses – vom Brotgeber, von der Heimatstadt, vom eigenen Vater. Sie kennzeichnet zugleich Mozarts Hinwendung zu einer neuen Ästhetik, die ganz dem Geist der Aufklärung verpflichtet ist.

Mit freundlicher Unterstützung

  • Patronatsverein