Spielplan

zur Übersicht

L'italiana in Londra

Domenico Cimarosa 1749–1801

Intermezzo in musica in zwei Akten
Text von Giuseppe Petrosellini
Uraufführung 1778, Teatro Valle, Rom

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video

Musikalische Leitung Leo Hussain

Livia Angela Vallone
Madama Brillante Bianca Tognocchi / Florina Ilie (24.10.)
Sumers Theo Lebow
Milord Arespingh Iurii Samoilov
Don Polidoro Gordon Bintner

Die Oper Frankfurt hat tief gegraben, um in einer Zeit ohne Planungssicherheit, aber mit Startgarantie alle Gönner, Freunde und Kulturbedürftigen zu locken. Das befreiende Glucksen und Lachen des mehr oder wenig geduldig Masken tragenden Publikums, viel Zwischenapplaus und am Ende einmütiges Trampeln, Pfeifen und Bravi bestätigte das Konzept. Mit dem Intermezzo L’italiana in Londra“ von Domenico Cimarosa, komponiert für fünf Protagonisten und eine erweiterte Kammerbesetzung im Orchestergraben, gelang ein vielumjubelter Auftakt einer über diesen Abend hinaus vielversprechenden Saison. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Ohne den Regisseur R. B. Schlather wüsste man vermutlich nicht, weshalb man hier ist, ohne das grandiose Quintett auf der Bühne wüsste man es nicht, ohne das von dem britischen Dirigenten Leo Hussain zu behänder Leichtgängigkeit geführte Opern- und Museumsorchester wüsste man es nicht. Wie die Dinge aber liegen und wie es hier geplant und durchgeführt wurde, ist es ein bezwingender Abend. Dass er keine Cimarosa-Renaissance einleiten dürfte, macht ihn nicht kleiner, eher zu einer womöglich einmaligen Gelegenheit. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Allerdings triefen die amourösen Verwick­lungen in einer Londoner Pension, in der internationale Gäste ein und aus gehen, genüsslich vor na­tionalistischen Vorurteilen und platten Charakteren. Wundervoll, findet der New Yorker Regisseur R.B. Schlather, überdreht die Buffa zur fetzigen Farce und verdon­nert das Ensemble im Lockdown (Corona lässt grüßen) zum perma­nenten Sich-Begegnen und Sich- Begehren in der Lobby. Da ver­sucht Bassbariton Gordon Bintner als touristischer Latin Lover Don Polidoro, die geheimnisvolle Livia mit Goldketten, angeklebtem Brusthaar und schwingenden Hüften zu gewinnen – dabei stän­dig auf die steifen, witzlosen Eng­länder schimpfend –, zappelt aber seinerseits fest im Erotik-Netz der Hotelchefin Madama Brillante (zum Brüllen komisch in Raffines­se und Verzweiflung: Bianca Tognocchi). Ständig Tee servierend spielt sie im sexy Ingrid-Steeger-Look gezielt das dumme Frau­chen, verfolgt aber eigentlich den Plan, ihrer Hoteltristesse zu ent­fliehen und mit Polidoro nach Ita­lien auszuwandern. Irrwitzig dümmlich kann auch Theo Le­bow als vorgeblich stinkreicher niederländischer Kaufmann nicht bei Livia landen, da ständig im Kampf mit Mundgeruch und wiederborstigem Haupthaar begrif­fen. Das quirlige Quintett perfekt macht Iurii Samoilov als steifer Adelssohn Arespingh samt Schirm, Charme und Melone, der am Ende die Hosen runterlässt und Titelheldin Livia alias Angela Vallone, die als Einzige tragisch über ihr Klischee hinauswachsen darf, in einer winzigen Telefon­zelle vernascht. Herrlich albern auch Cimarosas Einfall, mit Zau­berkraft in Gestalt eines Steins, der angeblich unsichtbar macht, dem Verliebtsein Polidoros auf die Sprünge zu helfen. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Bereits in der Ouver­türe leuchteten die musikali­schen Parallelen zur Musik des sieben Jahre jüngeren Mozart deutlich auf. Leo Hussains Dirigat hob diesen musikalischen Déjà-vu-Effekt gekonnt hervor und unterstrich zugleich die Unvorhersehbarkeit der Musik und ihren unverwechselbaren Humor.
Der amerikanische Regisseur R.B. Schlather griff diesen wie in einem Ping-Ping-Spiel mit dem Orchester auf und zünde­te ein komödiantisches Feuer­werk, das in seiner artistischen Raffinesse mühelos über drei Stunden hinweg trug. (…)
(…) Dem stimmlich wie dar­stellerisch überragend aufge­legten Solistenensemble (Angela Vallone – Livia, Bianca Tognocchi – Madama Brillante, Theo Lebow –  Sumers, Iurii Samoilov – Milord Arespingh, Gordon Bintner – Don Polidoro) gelang es ausnahmslos, hinter der stereotypen Buffo-Maske glaubhafte menschliche Ge­sichter erkennen zu lassen.

Silvia Adler, Darmstädter Echo


(…) Eingepasst und doch frei abgezirkelt im Korsett der Cimarosa-Nummern, die sich besonders zu zwei fluffigen Kettenfinale genüsslich ausweiten, macht dieses muntere Quintett drei Stunden lang Zuhör- wie -schaulaune. Diese Musik träufelt galant, ist handwerklich brillant gemacht, hält mit architektonischen Unregelmäßigkeiten wach, die Leo Hussain mit Gusto, aber unerbittlich raschen Tempi vorantreibt. (…)

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


(…) Das Produktionsteam um Regisseur R.B. Schlather nimmt die Vorlage zum Anlass, um ein Feuerwerk des Humors abzubrennen, mal übermütig, mal hintersinnig. Von einer „Inszenierung“ zu sprechen, wäre eine Untertreibung: Die schauspielerisch ungemein geforderten Protagonisten bewegen sich vielmehr in einer genauestens kalkulierten Choreographie über die Bühne. Slapstick und Ironie werden in der exakt richtigen Dosis und mit perfektem Timing serviert. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Leo Hussain mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester meistert die Partitur durch durchsichtig-prickelndes, aber ebenso exaktes Spiel der Musiker, als wolle das gesamte Orchester den Abend nur Champagner ausschenken angesichts der Freude, dass man wieder Musik spielen und Theater machen darf.
Großer Jubel im wegen des Wahlabends nur mäßig besetzten Haus – die aber dort sind, denen ergeht es mit Sicherheit besser als vor dem Fernseher daheim.

Achim Dombrowski, O-Ton


(…) Die Oper Frankfurt hat mit L’italiana in Londra eine Rarität ausgegraben, die musikalisch und inhaltlich einen Platz im Repertoire verdienen würde.

Thomas Molke, www.omm.de


(…) Die Frankfurter Italienerin ist jedenfalls Unterhaltungstheater im besten Sinne: herrlich gespielt, schön gesungen und saukomisch inszeniert.

Bernd Zegowitz, Badische Neueste Nachrichten

Humor, Dramatik, Wahnsinn, Erotik, Absurditäten und der Glaube an die magischen Kräfte eines Steins, der Menschen unsichtbar machen kann – das alles steckt in Domenico Cimarosas spritzigem Intermezzo L’italiana in Londra. Schon das Premierenpublikum im geschichtsträchtigen römischen Teatro Valle verfolgte 1778 begeistert die Ent- und Verwicklungen zwischen den internationalen Gästen, die da im Londoner Hotel von Madama Brillante aufeinander treffen. Ein Ort wie eine Gegenwelt zum realen Leben, im Zentrum ein Liebespaar: Livia, eine Tochter aus gutem genuesischem Hause, und Milord Arespingh, der von seinem Vater aus Jamaika zurückbeordert wurde, um eine englische Lady zu heiraten. 

Die Musik spiegelt in einer engen Verbindung mit dem Text nicht nur die einzelnen Charaktere, sondern auch das soziale Gefüge der Figuren wider. Neben innehaltenden Arien und fein ausgearbeiteten Duetten zeichnet sich das Werk vor allem durch ausgedehnte, handlungsreiche Ensembles aus. Auch mit dieser Aufwertung des Ensembles als musikalischer Form machte Cimarosa, der vor L’italiana in Londra hauptsächlich in Rom und Mailand gefeiert wurde, international auf sich aufmerksam. Goethe rühmte die »höchste ästhetische Herrlichkeit« seiner Musik und übersetzte zwei seiner Libretti, Haydn dirigierte am Fürstenhof der Esterházys in sieben Jahren 13 Cimarosa-Opern. Rossinis Siegeszug schließlich dämpfte den Erfolg des Komponistenkollegen. Umso spannender, Cimarosa in einer Lesart des New Yorkers R.B. Schlather wiederzuentdecken!

Mit freundlicher Unterstützung