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Inferno

Lucia Ronchetti *1963

Oper
Text von Lucia Ronchetti nach Dante Alighieri, mit einem Epilog von Tiziano Scarpa.
Auftragswerk der Oper und  des Schauspiel Frankfurt.

In deutscher und italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video (verfügbar kurz vor der Premiere hier und auf YouTube)

Mit einer Oper nach Dantes Inferno hat das neueste Werk der Komponistin Lucia Ronchetti am Sonntag in Frankfurt / Main seine konzertante Uraufführung erlebt.
(…)
Einmalig eindrücklich erwies sich Ronchettis Umgang mit der menschlichen Stimme. Neben einem virtuosen Höllenchor und einem Vokalquartett als Dantes innerer Stimme sprachen und sangen Sänger und Schauspieler (…) bis an die Grenze ihrer Ausdrucksfähigkeit: Höchst engagiert gelang es Dirigent Tito Ceccherini, Schauspieler Sebastian Kuschmann als Dante dirigierend perfekt einzubinden und Countertenor Jan Jakub Monowid bei seinem überragenden Operndebüt an der Oper Frankfurt als Teil von Dantes innerer Stimme angemessen Gehör zu verschaffen und darüber hinaus Solisten, Chorsänger und das Orchester zu kathedraler Wucht zusammenzuschweißen.

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Musikalisch, das ist die größte Freude, herrscht echte Opernstimmung. Derber und subtiler Schrecken, Melancholie, Verzweiflung, Wut und die zarten Überreste der Liebe finden ihren Ausdruck in immer wieder neuen, originellen Sequenzen und Kombinationen. Neben den endlos vielfältigen, kunstvollen Tönen für Pein aller Art gibt es Madrigalhaftes und Folkloristisches und ein hinreißendes Liebesduett zwischen einer Sopranistin (Francesca) und einem Cello (Paolo).
Die Hauptrolle spielt, auch das ist pure Oper, die menschliche Stimme, stark herausgefordert in ihren klangerzeugenden Möglichkeiten. Dass der Ich-Erzähler Dante auf seiner Höllenfahrt in der Göttlichen Komödie Wesen trifft, die einst Menschen waren: einen heftigeren Ausdruck als Ronchetti in Inferno kann es dafür kaum geben – und was sollen Bilder da noch an Steigerung bringen? (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Einprägsam etwa die anrührende Francesca (Karolina Makuła) im Dialog mit dem Cello (Mark Schumann), der profunde Lucifero Alfred Reiters oder Ugolino della Gherardesca in Frank Albrechts intensiver Verkörperung. Der Chor der verdammten Seelen, der auch die teuflischen „Übeltatzen“ gibt, singt in Corona-Einzelzellen, die irgendwie gut ins Ambiente passen: Auch die Hölle hat ein Hygienekonzept.
Wenn Frank Albrecht das gruselige Schicksal des Ugolino vorführt (nachdem er im Kerker die Söhne verspeist hatte, muss er nun für alle Zeiten am Schädel seines erzbischöflichen Widersachers nagen), ist man eigentlich ganz froh, dass die ursprünglich auch szenisch geplante Uraufführung pandemiebedingt nur konzertant erfolgen konnte. Das innere Auge ist in dieser von Tito Ceccherini dirigierten Uraufführung von der Höllenpforte bis zum Epilog aus der Feder von Tiziano Scarpa ohnehin mehr als beschäftigt. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


Wüste Paukenattacken, hinrichtende Blechbläser und ein gefräßiger Luzifer, der nur schwer verständlich singt, weil er mit seinen Zähnen Men­schen zerfleischt: Lucia Ronchet­tis Unterwelt-Oper Inferno, die jetzt im Bockenheimer Depot in Frankfurt ihre Uraufführung fei­erte, ist in ihrer kompositori­schen Güte, reichen Farbigkeit und ihrer meisterlichen Aus­schöpfung aller stimmlichen Aus­drucksmittel eines der aufre­gendsten zeitgenössischen Wer­ke, das hier in den letzten Jahren zu sehen und zu hören war. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Musikalisch ist dieser Höllentrip angelehnt an die gesamte Musikgeschichte vom Mittelalter über Monteverdi bis zu Paganini und noch weit darüber hinaus. Doch ist dieses Zitieren kein wörtliches, sondern immer ein Verfremden, Anverwandeln, Umformen. Ronchettis Musik spricht letztlich eine eigene Sprache.
Der Film zur Oper wird am 11. Juli im Frankfurter Depot gezeigt, dann beim Festival im italienischen Spoleto und vielleicht gibt es ja doch irgendwann eine szenische Aufführung. Verdient hätte es die Oper allemal.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Die Göttliche Komödie als Opernstoff zu verarbeiten kommt einer Mammutaufgabe der Tragweite Wagners Ring des Nibelungen gleich. Die Reduktion auf das Inferno und den damit bekanntesten Teil seiner Commedia stellt einen klugen Kompromiss dar, der in Frankfurt souverän und packend umgesetzt wurde. Ronchettis Komposition und ihre Umsetzung im Bockenheimer Depot gehen eine ideale Verbindung ein, der man sich gern hingibt. Denn Dantes Werk wird so zu neuem Leben erweckt und seine Geschichten über die Menschen und das Florenz seiner Zeit ziehen uns auch 700 Jahre nach seinem Tod noch in seinen Bann.

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) Die Begeisterung im Zuschauerraum war spürbar, aber der Applaus konnte sie nicht wiedergeben, weil nicht einmal hundert Zuschauer im Depot zugelassen waren. Währenddessen saßen gegenüber an der Bockenheimer Warte im Straßencafé die Fußballfans dicht gedrängt und maskenlos. So ist das Inferno manchmal woanders, als man denkt.

Stefana Sabin, www.faustkultur.de

Ein Mann am Nullpunkt. Sein Lebensweg hat ihn in die Irre geführt. Da beschließt er, das Jenseits aufzusuchen. Er geht durch die Hölle.

Als Dante Alighieri zu Beginn des 14. Jahrhunderts begann, sein Riesenwerk Die Göttliche Komödie niederzuschreiben, war er als Dichter, Politiker und Mensch gescheitert. Aus seiner Heimatstadt Florenz ins Exil vertrieben, erfand er sich neu, indem er sich selbst zum Protagonisten einer Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies machte. Im ersten Teil, dem Inferno, entwickelt er sprachgewaltig Fantasien über die Qualen der Verdammten. Unter ihnen sind ehemalige Weggefährten, mit denen er alte Rechnungen offen hat, aber auch mythische Gestalten wie Francesca da Rimini oder Odysseus. Am Ende seines Höllentrips steht er vor Lucifer, dem gefallenen Engel. Bei Dante bleibt der Höllenfürst sprachlos. In ihrer Oper verleiht Lucia Ronchetti ihm eine Stimme; den Text dazu hat ihr der italienische Autor Tiziano Scarpa geschrieben.

Die Komponistin vereint in ihrem zweisprachig konzipierten Werk Sprech- und Gesangspartien. Der Schauspielrolle des Dante stellt sie ein Vokalquartett gegenüber, das für »Dantes innere Stimme« steht. In suggestiven Klanglandschaften lässt Lucia Ronchetti Dantes Schreckensvisionen lebendig werden und bedient sich dabei einer eigenwilligen Orchestrierung: Ein reines Blechblas-Ensemble und vier Paukisten werden am Ende, im Epilog, durch ein Streichquartett abgelöst. Für ihre Inszenierung nehmen die Regisseure Kay Voges und Marcus Lobbes Bezug auf den 1911 entstandenen, italienischen Stummfilm Inferno, den sie, kontrastierend mit eigenen Filmsequenzen, in die Inszenierung einbeziehen. Dabei wird klar: Die Hölle ist verdammt diesseitig!

Koproduktion mit

  • Schauspiel Frankfurt

Mit freundlicher Unterstützung

  • Aventis Foundation

Kompositionsauftrag finanziert durch

  • Ernst von Siemens Musikstiftung
  • Patronatsverein

Ihre Auswahl

konzertante Aufführung
Montag
28. Juni 2021
Beginn
19.30 Uhr
Dauer
ca. 1 Std. 45 Min. ohne Pause
Ort
Bockenheimer Depot
Preise
40/30/15 Euro

Besetzung

Musikalische Leitung
Tito Ceccherini
Sprachregie
Marcus Lobbes
Choreinstudierung
Lukas Rommelspacher / Simone Di Felice
Dramaturgie
Konrad Kuhn / Ursula Thinnes / Katja Herlemann
Dante
Sebastian Kuschmann
Dantes innere Stimme
Jan Jakub Monowid / Matthew Swensen / Sebastian Geyer / Eric Ander
Francesca
Karolina Makuła
Ulisse
Alexander Kravets
Lucifero
Alfred Reiter / Sebastian Geyer / Matthew Swensen
Charon, Ugolino della Gheradesca
Frank Albrecht
Minos, Brunetto Latini
Ralf Drexler
Filippo Argenti, Alessio Interminei
Florian Mania
Cavalcante de Cavalcanti, Vanni Fucci
Andreas Gießer
Pier delle Vigne
Anna Kubin

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Vokalensemble
Schumann Quartett