Mit einer Oper nach Dantes Inferno hat das neueste Werk der Komponistin Lucia Ronchetti am Sonntag in Frankfurt / Main seine konzertante Uraufführung erlebt.
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Einmalig eindrücklich erwies sich Ronchettis Umgang mit der menschlichen Stimme. Neben einem virtuosen Höllenchor und einem Vokalquartett als Dantes innerer Stimme sprachen und sangen Sänger und Schauspieler (…) bis an die Grenze ihrer Ausdrucksfähigkeit: Höchst engagiert gelang es Dirigent Tito Ceccherini, Schauspieler Sebastian Kuschmann als Dante dirigierend perfekt einzubinden und Countertenor Jan Jakub Monowid bei seinem überragenden Operndebüt an der Oper Frankfurt als Teil von Dantes innerer Stimme angemessen Gehör zu verschaffen und darüber hinaus Solisten, Chorsänger und das Orchester zu kathedraler Wucht zusammenzuschweißen.
Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de
(…) Musikalisch, das ist die größte Freude, herrscht echte Opernstimmung. Derber und subtiler Schrecken, Melancholie, Verzweiflung, Wut und die zarten Überreste der Liebe finden ihren Ausdruck in immer wieder neuen, originellen Sequenzen und Kombinationen. Neben den endlos vielfältigen, kunstvollen Tönen für Pein aller Art gibt es Madrigalhaftes und Folkloristisches und ein hinreißendes Liebesduett zwischen einer Sopranistin (Francesca) und einem Cello (Paolo).
Die Hauptrolle spielt, auch das ist pure Oper, die menschliche Stimme, stark herausgefordert in ihren klangerzeugenden Möglichkeiten. Dass der Ich-Erzähler Dante auf seiner Höllenfahrt in der Göttlichen Komödie Wesen trifft, die einst Menschen waren: einen heftigeren Ausdruck als Ronchetti in Inferno kann es dafür kaum geben – und was sollen Bilder da noch an Steigerung bringen? (…)
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
(…) Einprägsam etwa die anrührende Francesca (Karolina Makuła) im Dialog mit dem Cello (Mark Schumann), der profunde Lucifero Alfred Reiters oder Ugolino della Gherardesca in Frank Albrechts intensiver Verkörperung. Der Chor der verdammten Seelen, der auch die teuflischen „Übeltatzen“ gibt, singt in Corona-Einzelzellen, die irgendwie gut ins Ambiente passen: Auch die Hölle hat ein Hygienekonzept.
Wenn Frank Albrecht das gruselige Schicksal des Ugolino vorführt (nachdem er im Kerker die Söhne verspeist hatte, muss er nun für alle Zeiten am Schädel seines erzbischöflichen Widersachers nagen), ist man eigentlich ganz froh, dass die ursprünglich auch szenisch geplante Uraufführung pandemiebedingt nur konzertant erfolgen konnte. Das innere Auge ist in dieser von Tito Ceccherini dirigierten Uraufführung von der Höllenpforte bis zum Epilog aus der Feder von Tiziano Scarpa ohnehin mehr als beschäftigt. (…)
Volker Milch, Wiesbadener Kurier
Wüste Paukenattacken, hinrichtende Blechbläser und ein gefräßiger Luzifer, der nur schwer verständlich singt, weil er mit seinen Zähnen Menschen zerfleischt: Lucia Ronchettis Unterwelt-Oper Inferno, die jetzt im Bockenheimer Depot in Frankfurt ihre Uraufführung feierte, ist in ihrer kompositorischen Güte, reichen Farbigkeit und ihrer meisterlichen Ausschöpfung aller stimmlichen Ausdrucksmittel eines der aufregendsten zeitgenössischen Werke, das hier in den letzten Jahren zu sehen und zu hören war. (…)
Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse
(…) Musikalisch ist dieser Höllentrip angelehnt an die gesamte Musikgeschichte vom Mittelalter über Monteverdi bis zu Paganini und noch weit darüber hinaus. Doch ist dieses Zitieren kein wörtliches, sondern immer ein Verfremden, Anverwandeln, Umformen. Ronchettis Musik spricht letztlich eine eigene Sprache.
Der Film zur Oper wird am 11. Juli im Frankfurter Depot gezeigt, dann beim Festival im italienischen Spoleto und vielleicht gibt es ja doch irgendwann eine szenische Aufführung. Verdient hätte es die Oper allemal.
Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg
(…) Die Göttliche Komödie als Opernstoff zu verarbeiten kommt einer Mammutaufgabe der Tragweite Wagners Ring des Nibelungen gleich. Die Reduktion auf das Inferno und den damit bekanntesten Teil seiner Commedia stellt einen klugen Kompromiss dar, der in Frankfurt souverän und packend umgesetzt wurde. Ronchettis Komposition und ihre Umsetzung im Bockenheimer Depot gehen eine ideale Verbindung ein, der man sich gern hingibt. Denn Dantes Werk wird so zu neuem Leben erweckt und seine Geschichten über die Menschen und das Florenz seiner Zeit ziehen uns auch 700 Jahre nach seinem Tod noch in seinen Bann.
Alexandra Richter, www.bachtrack.com
(…) Die Begeisterung im Zuschauerraum war spürbar, aber der Applaus konnte sie nicht wiedergeben, weil nicht einmal hundert Zuschauer im Depot zugelassen waren. Währenddessen saßen gegenüber an der Bockenheimer Warte im Straßencafé die Fußballfans dicht gedrängt und maskenlos. So ist das Inferno manchmal woanders, als man denkt.
Stefana Sabin, www.faustkultur.de