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Hercules

Georg Friedrich Händel 1685–1759

Oratorium in drei Akten
Text von Thomas Broughton
Uraufführung 1745, King’s Theatre, Haymarket, London

In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und kurz vor der Premiere als Video

Musikalische Leitung Laurence Cummings

Hercules Anthony Robin Schneider
Dejanira Paula Murrihy
Hyllus Michael Porter
Iole Elena Villalón
Lichas Kelsey Lauritano

Sie wartet auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg. Er kommt an. Dann zerstört ihre Eifersucht alles.

Wie so oft in den dramatischen Werken Händels steht auch in Hercules eine Frau und nicht der Titelheld im Mittelpunkt. Diesmal geht es um das Seelendrama von Dejanira, die von krankhafter Eifersucht geplagt wird. Erst fürchtet sie, dass ihr Mann Hercules aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt. Mit der Heimkehr des Kriegshelden kommt zunächst auch ihre Lebensfreude wieder, schwindet aber, weil sich in seinem Gefolge auch Prinzessin Iole befindet, deren Vater Hercules tötete. Dejanira projiziert all ihre Ängste auf Iole. Ihre unbegründete Eifersucht und selbstzerstörerischen Kräfte breiten sich aus. Sie lässt ihrem Mann ein Gewand, dem Zauberwirkung nachgesagt wird, überbringen, um ihre vermeintlich verlorene Liebe wiederherstellen zu können. Doch der Versuch scheitert: Der Mantel, der sich am Feuer entzündet, erweist sich als vergiftet, und Hercules verbrennt bei lebendigem Leibe. Dejanira erkennt ihre Schuld. In ihrer letzten Szene schafft Händel zum ersten Mal in der Musikgeschichte eine groß angelegte Wahnsinnsszene und komplettiert damit ein expressiv gezeichnetes, modernes Frauenporträt.

In seinem Text führte der Librettist Thomas Broughton Motive aus mehreren antiken Dichtungen über den Tod des Herakles zu einer eigenen Version zusammen, wobei er den Kontrast zwischen der Unschuld der Beteiligten und den furchtbaren Folgen ihrer Verstrickungen in den Mittelpunkt stellte. Als Oratorium veröffentlicht, entzieht sich Hercules einer strengen Zuordnung nach Gattungen. Vielmehr geht es hier um ein Stück für Musiktheater, das in seiner Entstehungszeit weder mit den großen Zaubereffekten der Opernbühnen noch mit den religiösen Ansprüchen des Oratoriums konkurrieren konnte und durchfiel. So gilt Hercules als ein Höhepunkt in Händels dramatischem Schaffen und markiert zugleich den Tiefpunkt seiner Karriere als Impresario. Mit überwiegend düsteren Moll-Tonarten lässt er uns Zeugen eines tragischen
inneren Konfliktes werden.