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Flavio

Georg Friedrich Händel 1685–1759

Oper in drei Akten
Text von Nicola Francesco Haym
Uraufführung 1723, King’s Theatre, Haymarket, London

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot und kurz nach der Premiere als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt.

Musikalische Leitung Karsten Januschke 

Flavio Cláudia Ribas
Guido Iurii Iushkevich
Emilia Lubov Karetnikova
Teodata Kelsey Lauritano
Vitige Elizabeth Reiter
Ugone Andrew Bidlack
Lotario Jarrett Porter

Die Untertanen sind in Liebesaffären und unsinnige Duelle verstrickt. Einer stirbt. Zwei Paare heiraten. Der König schaut zu und lässt es sich gut gehen. Er regiert – nebenbei.

Von Eifersucht, Ehrgeiz und verletztem Stolz am Hof des Königs Flavio erzählt die Geschichte: eine bunte und ungewöhnliche Mischung aus Motiven verschiedener Ritterromane. Nur die Heldentaten fehlen. Die Figuren in Händels Oper erinnern zwar an edle Ritter und seriöse Charaktere einer Opera seria, doch im Gegensatz zu ihren Vorgängern schaffen sie es selten, richtig zu agieren. Von Politik redet man am Hof kaum. Viel lieber wird über gesellschaftlichen Aufstieg und Macht diskutiert. Der König amüsiert sich, allerdings ungern mit seiner Frau, die in dieser Tragikomödie keinen einzigen Ton zu singen hat. Flavio versucht lieber, ihre Hofdame Teodata zu verführen, die wiederum seinen Adjutanten Vitige liebt. Beim zweiten Liebespaar, Emilia und Guido, gibt es ebenfalls Komplikationen. Ihre beiden Väter streiten um die vakant gewordene Stelle des Statthalters. Es setzt eine Ohrfeige und als Folge ein Duell. Guido muss für seinen Vater kämpfen und tötet seinen zukünftigen Schwiegervater. Kann Emilia den Mörder ihres Vaters noch lieben? Der König lässt sich von den tragischen Zwischenfällen nicht irritieren und bleibt trotz erheblicher Turbulenzen entspannt. Flavio spielt seine Untertanen gegeneinander aus, teilt, herrscht und genießt den Stillstand in seinem Reich.

Als der Dichter Nicola Francesco Haym den Text für Händel aus verschiedenen Opernlibretti zusammenstellte, behielt er die ironischen Töne der venezianischen Vorlagen bei und baute das tragische Grundmotiv aus Pierre Corneilles Le Cid, die Rache des Sohnes für die Kränkung des Vaters, in sein Textbuch ein. Zudem stellte er den Konkurrenzkampf zwischen zwei schwachen, machtgierigen Höflingen mit den karikierenden Mitteln einer Stegreifkomödie dar. Komponiert für die größten Sängerpersönlichkeiten der Zeit, nimmt Händel in Flavio die Opera seria, mit der er in London seine größten Erfolge feierte, aufs Korn. Seine Musik fasziniert durch Arien, die auf leichte Tanzrhythmen bauen, die Situationen mit viel Humor kommentieren und die Macken der Charaktere freilegen. Flavio bietet beste Unterhaltung, virtuose Gesangskunst und einen kritischen Blick auf die Abgründe verlogener Machstrukturen.