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Wozzeck

Alban Berg 1885-1935

Oper in drei Akten
Text vom Komponisten nach dem Drama Woyzeck von Karl Georg Büchner (1836) in der Ausgabe von Karl Emil Franzos (1879)
Uraufführung am 14. Dezember 1925, Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Eine Koproduktion mit »Den Norske Opera & Ballett Oslo«

Premiere vom 26. Juni 2016

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Gabriel Feltz
Wozzeck Audun Iversen
Tambourmajor Vincent Wolfsteiner
Andres Michael Porter
Hauptmann Peter Bronder
Erster Handwerksbursch Frederic Jost
Zweiter Handwerksbursch  Iurii Samoilov (9.3.) Mikołaj Trąbka
Der Narr Martin Wölfel
Marie Claudia Mahnke
Doktor Alfred Reiter
Margret Katharina Magiera

(…) Auch in der aktuellen Wiederaufnahme überzeugt Claudia Mahnke wieder mit der glutvollen Durchdringung ihrer Figur. Sie führt ihren üppigen Mezzosopran technisch souverän durch alle Klippen der Partitur. Man kann erneut ihre attraktive, geradezu leuchtende Höhe bewundern und mag es bedauern, dass sie ihr Rollenfach nicht in Richtung der dramatischen Sopranpartien erweitert hat (von Wagners Sieglinde als bereits geplantem ersten Schritt in diese Richtung hatte sie vor einigen Jahren wieder Abstand genommen). Andererseits spricht ihre intakte, in allen Lagen gut ansprechende und zu einer Fülle von Farbnuancen fähige Stimme dafür, dass es eine kluge Entscheidung war, ihr Material nicht durch Grenzüberschreitungen zu verschleißen. In der Titelpartie scheint Audun Iversen weiter gereift zu sein. Sein kerniger Bariton passt ausgezeichnet zu dem Kraftmenschen mit der verwundeten Seele.
Vincent Wolfsteiners schneidend-heller Heldentenor bewährt sich erneut in der Charakterisierung des Tambourmajors. Kleine Kabinettstückchen an nuanciert-ironischer Textbehandlung liefert Alfred Reiter als Doktor. Michael Porter ist mit seinem jugendlich-frischen Tenor eine gute Neubesetzung für den Andres. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Der getreue Peter Marsh sprang kurzfristig [für den erkrankten Peter Bronder als Hauptmann] ein, sang aber vom Notenpult am Bühnen­rand aus, so dass dem Publikum fast wie dem armen Wozzeck zu­mute war, Stimmen aus dem Nir­wana vernehmen zu müssen.
Die schon beim ersten Durch­gang 2016 sehr gelobte Koprodukti­on mit dem Opernhaus in Oslo ver­fehlte auch bei der Wiederaufnah­me ihre Wirkung nicht. Das Schick­sal des nervenkranken und miss­brauchten Habenichts Wozzeck er­fuhr durch Alban Berg eine ein­dringliche, in konzentrierter Dra­matik zusammengefasste musikali­sche Form, die das Opernorchester unter Gabriel Feltz überzeugend zu realisieren verstand. Audun Iversen hatte besonderes Gespür für die Rolle des leidgeprüften „Titelhel­den". (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

Christof Loys Lesart von Büchners letztem Werk zielt ganz auf die gemarterte Seele der Titelfigur. Am Falle des Friseurs Johann Christian Woyzeck, der am 21. Juni 1821 seine Geliebte erstach, wollte die fortgeschrittene Humanmedizin beweisen, dass seelische Konflikte und physiologische Tatsachen zusammenhängen. Die Stimmen, die der gelernte Perückenmacher ständig zu hören vorgab, wurden — um es mit einem Begriff des 20. Jahrhunderts auszudrücken — als psychosomatische Reaktionen angesehen. Alban Bergs vielgestaltige, aber dennoch auf eine strenge musikalische Gesetzmäßigkeit aufbauende, Atonalität und Zwölftonalität mischende Oper, deren Gesamtarchitektur die insgesamt 31 Szenen Büchners auf 15 Szenen konzentrierte, verleiht jedem einzelnen Teil eine singuläre charakteristische Farbe. Die Musik erhält ihre ungeheure Suggestionskraft nicht zuletzt durch ihren dramatischen Gestus. Sie ist strikt auf ihre szenische Realisierung ausgerichtet und — im allerbesten Sinne — Opernmusik, die, so der Komponist, »in jedem Augenblick sich ihrer Funktion als Dienst am Drama bewusst ist«.