Ottone
Georg Friedrich Händel 1685–1759
Oper in drei Akten
Text von Nicola Francesco Haym nach Stefano Benedetto Pallavicini
Uraufführung 1723, King’s Theatre, Haymarket, London
Einführungen eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer und kurz nach der Premiere als Audioeinführung überall, wo es Podcasts gibt. Weitere spannende Inhalte zur Produktion finden Sie im Opernappetizer auf unserem Blog.
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung Václav Luks
Ottone Yuriy Mynenko
Teofane Monika Buczkowska-Ward
Gismonda Paula Murrihy
Adelberto Iurii Iushkevich
Matilda Cecelia Hall
Emireno Jonas Müller
(…) Die Premiere krönt ein selbst für die emsige Oper Frankfurt geschäftiges Wochenende. Mit Tschaikowskis lautem Schlachtenklanggemälde Mazeppa (als Übernahme von den bis vor Kurzem von Intendant Bernd Loebe geleiteten Tiroler Festspielen Erl) sowie dem Mozart-Fragment Zaide und dem Händel [Ottone] als Doppelvorstellung im Bockenheimer Depot und im Opernhaus stehen hier drei absolute Spielplanraritäten nebeneinander. Gleichzeitig sind das die ersten drei Novitäten 2026/27, wo andere deutsche Opernhäuser gerade einmal eine oder gar keine Premiere hervorgebracht haben.
Damit ist Frankfurt weltweit genauso einmalig wie mit elf Premieren in der gesamten Saison (von denen, bei zwei Uraufführungen, sonst nur Verdis Maskenball zum Kernrepertoire zählt). Der seit 24 Jahren amtierende Langzeitintendant Bernd Loebe macht solche staunenswerte Vielfalt möglich – auch weil er das Vertrauen seiner zahlreichen Abonnenten genießt. (…)
Manuel Brug, www.welt.de
Regisseurin Jetske Mijnssen gelang mit der Rarität Ottone am Sonntagabend ein rundweg überzeugendes Debüt an der Oper Frankfurt. Berstend vor barocker Sinnlichkeit, tänzerischer Raffinesse und psychologischer Stimmigkeit stutzte sie die verworrene Handlung von Georg Friedrich Händels Librettisten Nicola Francesco Haym auf ein Sozial-Experiment zusammen. (…)
Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de
(…) Das Orchester schippert unterdessen geschmeidig und farbenreich durch die Musik, als wäre es sein Hauptberuf, historisch informiert zu spielen. Auch dafür ist es in der Zeitschrift „Opernwelt“ zum „Orchester des Jahres“ gewählt worden und bekommt zusammen mit Václav Luks noch etwas mehr Beifall als das prächtige Ensemble. Wohlwollend auch der Beifall für die geschmackssichere Regie.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
(…) Neben der janusköpfigen Gismonda Paula Murrihys überzeugen auch Monika Buczkowska-Ward (Teofane) und die an schwerem Liebeskummer leidende, eigentlich Adelberto versprochene Matilda (Cecelia Hall). Die konkurrierenden männlichen Protagonisten sind beide mit exzellenten Countertenören besetzt: Yuriy Mynenko in der Titelpartie und Iurii Iushkevich als Muttersöhnchen Adelberto. Für Zwerchfellattacken sorgt die hinzuerfundene Rolle der Contessa (Corinna Schnabel), die sich selbst inmitten brodelndster Leidenschaft nicht von ihrem geliebten Nickerchen abbringen lässt. Während Mirjam Motzke und Guillermo de la Chica López jede Menge tänzerisch-barocke Eleganz versprühen.
Passend dazu steigen unter Alte-Musik-Spezialist Václav Luks trotz des klein besetzten Orchesters schmissige Da-Capo-Arien, populäre Evergreens, aber auch abgründige Schwermut, wie Ottones F-moll-Scena „Tanti affanni ho nel core“ in prachtvoller Varianz aus dem Orchestergraben. Einhelliger Schlussjubel.
Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse
(...) Die Musik ist stark und abwechslungsreich. Ein großes Lob ans komplette Ensemble – und auch ans Regie-Team –, die gestern alle viel Applaus bekommen haben.
Martin Grunenberg, hr2-kultur / Frühkritik
(…) Optisch ist die Produktion ein absoluter Hingucker. (…)
Thomas Molke, www.omm.de
Wenn Heiratspolitik zum bösen Spiel wird: Ottone soll Teofane heiraten. Doch man hat die Rechnung ohne die ehrgeizige Gismonda gemacht. Sie intrigiert im Hintergrund, um ihren Sohn Adelberto in Position zu bringen.
Aus Momentaufnahmen rund um die historische Hochzeit zwischen dem deutschen Kaiser Otto II. und der byzantinischen Prinzessin Theophanu setzt sich die fiktive Handlung des Ottone-Librettos zusammen. Es basiert auf Stefano Benedetto Pallavicinis Textbuch zu Antonio Lottis Dramma per musica Teofane, das Händel in Dresden gesehen hatte, als er dort italienische Sänger*innen für seine eigenen Projekte castete. Und in der Tat erscheint die bei Lotti titelgebende junge Braut als der eigentliche Dreh- und Angelpunkt auch von Händels Oper, die dem Genre entsprechend mit zahlreichen Verwicklungen aufwartet.
Der Londoner Uraufführung im Januar 1723 war ein vielschichtiger Entstehungsprozess vorausgegangen, in dem sich der Komponist nicht zu knapp mit den unterschiedlichen Ansprüchen der verpflichteten italienischen Gesangsstars auseinanderzusetzen hatte. Das Ergebnis wurde ein feines Geflecht aus raffinierten, eleganten, innigen Arien, deren Melodien im Kopf bleiben. Nicht von ungefähr etablierte sich Händels dritte für die Royal Academy of Music in London entstandene Oper als ein Kassenschlager, der zu Lebzeiten des Komponisten zusammen mit seinem Rinaldo die meisten Wiederaufführungen erlebte. Ein heute selten gespieltes Werk, das eine Wiederentdeckung verdient!
Mit freundlicher Unterstützung