Spielplan

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La damnation de Faust

Hector Berlioz 1803-1869

Légende-dramatique in vier Teilen

Text von Hector Berlioz und Almire Gandonnière nach Faust. Der Tragödie erster Teil (1806) von Johann Wolfgang von Goethe in der französischen Übersetzung (1828) von Gérard de Nerval
Uraufführung am 6. Dezember 1846, Opéra-Comique Paris (konzertant)
Szenische Uraufführung (Bearbeitung von R. Gunsbourg) am 18. Februar 1893, Opéra Monte Carlo

Premiere vom 13. Juni 2010

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Roland Böer
Faust Giorgio Berrugi
Méphistophélès Kihwan Sim
Brander Brandon Cedel
Marguerite Cecelia Hall

(…) Eine gänzlich neue Sängerbesetzung hat das ansonsten meist konzertant aufgeführte Werk einstudiert: Cecilia Hall gibt die unbedarft-naive Marguerite, Kihwan Sim mit keineswegs nur bö­sem Bariton den – wie immer – vir­tuos strippenziehenden Mephisto, während Giorgio Berrugi erfolg­reich und konditionsstark die lyri­schen ebenso wie die emotionalen und dramatischen Aspekte der Ti­telfigur gestaltet. Brandon Cedel singt Brandners Lied in der Studen­tenszene. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Zum  Erfolg der umjubelten Wiederaufnahme leistete natürlich von den Solisten abgesehen ganz entscheidend Roland Böer gewichtigen Beitrag. Man gewann den Eindruck, der Dirigent schien die rhythmische, feinziselierte Partitur zu lieben, denn Böer verhalf der typisch französischen Musik dezent parfümiert, voll Esprit und Leidenschaft zu akustischem Kolorit und vorbildlicher Präsenz. Das bestens disponierte und akkurat aufspielende Frankfurter Opern- und Museumsorchester schenkte mit seidenweichem Streicherklang den musikalischen Ruhezonen ebenso die vortreffliche Aussage, wie die bestens formierten Bläserfraktionen während der klar und exakt anvisierten eruptiven Passagen.
Tadellos ausbalanciert, höchst effizient zum orchestralen Klang fügten sich Chor und Extrachor in die heikle Intonation und temperamentvoll-vertrackten Rhythmen ihrer Parts, von Tilman Michael bestens vorbereitet.
Ein ehrenvoller Platz, gar auf den oberen Treppchen in der Reihe wirklich exzellenter Faust-Interpreten, gebührt Giorgio Berrughi. Der italienische Tenor, international gefragt, verhalf dem Titelhelden mit stilsicher korrektem, sehr ausgewogenem Vortrag zu vokal höchst anspruchsvoller Präsenz. Mühelos meisterte der Sänger die schwierige Partie mit klangvoller Mittellage seines herrlich timbrierten Materials, schenkte den zahllosen Spitzentönen der hohen Tessitura glanzvolle Momente und hielt zudem eine Vielzahl stimmlicher Nuancen und Schattierungen sowohl für den zweifelnden als auch den liebenden Helden bereit.
Agil kontrastierte in bestechender Optik Kihwan Sim den facettenreichen Méphistophélès, schenkte  dem Verführer eine unwiderstehliche Eleganz, den teuflisch-verschlagenen Sarkasmus und verstand es ausgezeichnet, in großartiger Darstellung diesen Charakter zu profilieren. Sein herrlich flutender, wunderschön timbrierter, in allen Lagen bestens tönender Bassbariton schenkte vokale Wonnen der besonderen Art. Flexibel, rhythmisch erklang das Tanzlied, dynamisch-schwarze Töne voll dämonischer Kraftentfaltung waren dem exzellenten Sänger ebenso zu eigen.
(…)
Mit frenetischem Beifall und viel Jubel feierte das Publikum alle Beteiligten (…). Opernfreunde aus nah und fern sollten eine der Folge-Aufführungen (…) keinesfalls versäumen.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu

»In der schändlichen Menagerie unserer Laster ist eines noch hässlicher, noch bösartiger, noch schmutziger — die Langeweile ist’s!« (Charles Baudelaire) Wenig ist vom einstigen Erkenntnisdrang des Gelehrten geblieben. Stattdessen umhüllt in der Deutung von Regielegende Harry Kupfer eine Wolke des Ennui, des tödlichen, melancholischen Lebensüberdrusses den alternden Faust. In einem verfallenen Theater Zuflucht suchend, hält er Rückschau auf sein Leben und durchläuft, begleitet von seinem dämonischen Schatten, noch einmal die Szenerien seines Scheiterns. Dem Versprechen von Lust und der Hoffnung auf Erfüllung folgt das Leiden am Selbstbetrug. Verdammt dazu, niemals lieben zu können, verliert er Marguerite — verdammt dazu, nie Erlösung zu erlangen, jagt der Held der Oper in einem schwarzromantisch gefärbten Finale auf ekstatischem Ritt in die Hölle. Eine entscheidende Abweichung von der Goethe’schen Vorlage, die in Hector Berlioz’ dramatischer Legende den von Pessimismus, Desillusion und düsterer Weltsicht geprägten Zeitgeist im Paris des mittleren 19. Jahrhunderts spiegelt. Der ewig Suchende stößt zwar in der Begegnung mit Marguerite auf das einfache Schöne — inmitten einer besitzgierigen, sittenlosen Welt. Doch auch das vermeintlich Unschuldige entpuppt sich als gnadenlos.