Spielplan

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Bianca e Falliero

Gioachino Rossini 1792–1868

Melodramma in zwei Akten
Text von Felice Romani nach Antoine Vincent Arnault
Uraufführung 1819, Teatro alla Scala, Mailand

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen als Video und seit dem 4. März wieder live eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Giuliano Carella / Simone Di Felice (19.3.)

Bianca Heather Phillips
Falliero Beth Taylor / Maria Ostroukhova (ab 11.3.)
Contareno Theo Lebow
Capellio Kihwan Sim
Doge von Venedig Božidar Smiljanić
Ein Kanzler / Ein Offizier / Ein Gerichtsdiener Carlos Andrés Cárdenas° / Jonathan Abernethy (26.3. musikalisch)

°Mitglied des Opernstudios

(…) Das Raritätenkabinett Oper Frankfurt hat neuerlich eine Wissenslücke geschlossen. (…)

Manuel Brug, www.brugsklassiker.de


Begeisterte Zustimmung erntete Gioachino Rossinis Bianca e Falliero am Sonntagabend in Frankfurts Opernhaus. Knapp 600 Besucher auf Plätzen im strengen Schachbrettmuster erlebten die konzentrierte Inszenierung von Tilmann Köhler, der den venezianischen Spionagethriller in die Gegenwart transportierte.
(…)
Alle überragenden Solisten debütierten in ihren Rollen, während die amerikanische Sopranistin Heather Phillips zusätzlich ihr umjubeltes Frankfurt- und Europadebüt gab. Die schottische Mezzosopranistin Beth Taylor in der Hosenrolle Fallieros erntete dank ihrer kraftvollen und zugleich koloraturwendigen Stimme ebenso Bravostürme wie alle drei Sänger aus dem Frankfurter Ensemble: Bassbariton Kihwan Sim zeigte sich mit seinem wankelmütigen Capellio in gewohnter Höchstform, ebenso wie Božidar Smiljanić als despotischer Doge von Venedig, während Tenor Theo Lebow mit der Bewältigung seiner schwierigen Koloraturpartie des Contareno ein Meisterstück gelang. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Alles in allem ein großer Abend, der bewies, dass Bianca e Falliero seine musikalischen Meriten hat. Einmal mehr wurde der Mut des Intendanten Bernd Loebe zu einem Spielplan voller Raritäten und Entdeckungen belohnt.

Uwe Schweikert, Opernwelt


(…) Ernst und Span­nung dieses Abends stra­fen alle deut­schen Rossi­ni-Klischees Lügen. (…)

Wolfgang Fuhrmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Die amerikanische Mezzosopranistin Heather Phillips gibt in Frankfurt ein beschwingtes Europa-Debüt, eine interessante Darstellerin fern von Holde-Mädchen-Opernklischees. Dem Waghalsigen des Gesangsparts ist sie gewachsen, und dass sie gelegentlich in Höhen und im Kräfteaufteilen an ihre Grenzen zu stoßen scheint, dürfte den überdurchschnittlichen Anforderungen der Partie geschuldet sein. Beth Taylors Mezzo hat spektakuläre Tiefen und souveräne Höhen, ein großer Auftritt.
(…)
Die Abfolge einer ausführlichen Musik des sanften und weniger sanften Aufbegehrens und Jammerns bietet trotz der gewissen Ebenmäßigkeit Bravourarien, durchgefeilte Ensembles und anspruchsvolle, unter der Leitung von Tilman Michael auch anspruchsvoll dargebrachte Chöre. Die Rossini-Crescendi sind mitreißend, Dirigent Giuliano Carella versteht sich im Verein mit dem Opern- und Museumsorchester auf den Zauber dieser immer etwas abgepufferten, immer nur scheinbar naturgewaltig freien Wucht. Das passt zum Thema, mit dem Regisseur Tilmann Köhler der ausführlich bespielten Klaviatur des Leidens beizukommen versucht: die gesamte Oper bei ihm ein Befreiungsversuch Biancas aus einer beklemmend engen, dabei unbehaglichen und kalten Welt. Das hat immer Aktualität, wenn auch derzeit wieder eine besondere. Bianca e Falliero war an der Oper Frankfurt jedoch tatsächlich schon vor bald zwei Jahren vorgesehen, ein frühes Corona-Opfer in einer Phase, als man dachte, in ein paar Wochen sei der Spuk vorbei. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Theo Lebow schafft es in der Partie des Contareno hinter all den eleganten Linien, den glasklaren Koloraturen, den sauberen Spitzentönen den skrupellosen, falschen Machtmenschen durchscheinen zu lassen. (…)
Bianca e Falliero ist (…) Rossini vom Feinsten, gesungen und gespielt auf einem Niveau, das extrem hoch ist. Frankfurt ist Italien.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Das sorgfältig geprobte Opern- und Museumsorchester spielt in Hochform, umsichtig angefeuert und stets die Sänger (in kleineren Rollen: Božidar Smiljanić und Carlos Andrés Cárdenas) unter­stützend von Giuliano Carella. Die Bühne (Karoly Risz) bietet an­gemessene Resonanzräume; halb­runde Wandsegmente lassen sich zu Kreisen oder Halbkreisen zu­sammenschieben, es gibt auf die­se Weise Innen und Außen, Vorne und Hinten. Das berühmte Quar­tett im zweiten Akt findet ebenso Platz wie der in mehreren Rollen tätige, von Tilman Michael stu­dierte, prächtig singende Chor. (…)

Andreas Bomba, Offenbach-Post


(…) Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zaubert unter der Leitung von Giuliano Carella einen prickelnden Rossini-Sound aus dem Orchestergraben, so dass es für alle Beteiligten großen Beifall gibt. (…)

Thomas Molke, www.omm.de


(…) Ein wenig durchdrungen von (…) Ironie scheint auch die Regie von Tilmann Köhler mit ihren parodistisch überzeichneten Figuren zu sein. Rossinis „goldene Töne“ erweisen sich in diesen drei Stunden als trag­fähiger und bestätigen einmal, mehr die glückliche Hand des Frankfurter Intendanten Bernd Loebe, wenn es um die Wieder­entdeckung von vergessenem Repertoire geht. Der Schlussap­plaus kann sich (…) hören lassen. (…)

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Vordergründig geht es um einen artistischen Wettbe­werb von halsbrecherischen Kolo­raturen. In Wahrheit aber toben die Gefühle. Sie verstecken sich in der hohen Schule des Gesangs und wollen nun zum Ausdruck, nein: zum Ausbruch kommen. Vom Schweben im siebten Liebeshimmel bis zu rasender Wut, vom Aufschrei verzweifelter Enttäu­schung bis zum finalen Glück.
Der dreistündige, großartige Abend am Frankfurter Opernhaus führt dies exemplarisch vor. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Giuliano Carella animierte das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zu einem weich gerundeten und präzise inspirierten Klang. Sensibel vernehmbar waren die anschwellenden Paukenwirbel unter den Holzbläser-Parallelen der Ouvertüre. Später blieb auch in den aufregendsten Koloratursequenzen Raum für die feine Auffächerung von Balancen und Farben. Dank Carella konnten die Sänger die ihnen abverlangten Drahtseilakte sogar mit einer gewissen Lockerheit angehen. (…)

Roland H. Dippel, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Insgesamt eine gelungene Produktion einer sehr lohnenden Rossini-Rarität.

Elisabeth Richter, Deutschlandfunk Kultur heute


(…) Das vollkommene Opern­glück entfaltet sich in dieser Spielplanrarität, wenn Chor und Orchester sich zu einem überwältigenden Crescendo steigern und die Bühne dazu so rot glüht wie die Musik. Das Happy End ergibt sich schließlich nicht aus Zweisamkeit, sondern aus Biancas Abschied von toxischer Männlichkeit. Hinter ihr schließt sich der Bühnenzylinder um Vater und Bräutigam, und vor ihr liegt die Zukunft. Die Aussichten in die­ser Oper sind besser als jene vor ihr.

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Die Regie (Tilmann Köhler) denkt durchaus auch in politischen Kategorien, Rebellion gegen die ungerechten Verhältnisse, Protest im bürgerlichen Kostüm (Susanne Uhl), die anfangs so zarte Bianca mutiert gar zur Straßenkämpferin.
Zum Schluss schließt sie die Wand hinter sich. Erschöpfung? Befreites Glück? Ausgrenzen des Elends? Für einen Moment? Für immer? Sängerisch und musikalisch unterhält der Abend bestens und auf höchstem Niveau. (…)

Andreas Bomba, Hanauer Anzeiger

Eine Stadt strebt die Weltmacht an, sie deckt Verschwörungen auf, besiegt ihre Feinde und isoliert sich aus Angst vor Bedrohung. Hinter seinen Mauern unterdrückt der Zwergstaat Venedig jegliche Form von Individualität und Liebe. Das menschenverachtende System erstarrt.

In dieser bedrückenden Atmosphäre spielt das Familiendrama Bianca e Falliero, Rossinis letzte für die Mailänder Scala geschriebene Oper, die zu seinen reizvollen doch – zu Unrecht – selten gespielten Werken gehört. Der Librettist Felice Romani verbindet eine Spionage-Story mit einer Variante der Geschichte von Romeo und Julia, wobei sich die verfeindeten Familien diesmal in einem langjährigen Erbstreit befinden.

Bianca, die Tochter des Senators Contareno liebt heimlich den General Falliero, doch die politischen und finanziellen Interessen ihres Vaters bedrohen ihre Liebe. Bianca wird gnadenlos als Geisel der Familienfehde missbraucht. Falliero, der Verteidiger des Staates kehrt in dem Moment aus dem Krieg zurück, als eine Zwangsehe Biancas mit Capellio geschlossen werden soll. Die Konflikte sind vorprogrammiert, die Zerreißproben Biancas zwischen der Vaterliebe als ursprünglicher Bindung und der versprochenen Hingabe an den Geliebten gaben Rossini Gelegenheit zur Erweiterung seiner Ausdrucksmittel.

Die virtuosen Koloraturen liegen diesmal abseits jeder Belcanto-Akrobatik. Die Verzierungskunst in den großangelegten Szenen der Protagonisten dient als Stilmittel in der Darstellung eines Viererkonflikts. Dieses mutige Konzept bei der Gestaltung der Gesangspartien wurde Rossinis Semiseria zum Verhängnis. Nicht zuletzt wegen der hohen vokalen Ansprüche konnte sich die Oper zu Lebzeiten des Komponisten nicht durchsetzen. Erst 1986 wurde sie in Rossinis Geburtsstadt Pesaro wiederentdeckt und offenbarte ihre außergewöhnlichen Qualitäten.

Mit freundlicher Unterstützung