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Xerxes

Georg Friedrich Händel 1685-1759

Oper in drei Akten
Text nach einem Libretto von Silvio Stampiglia
Uraufführung am 15. April 1738, King' s Theatre Haymarket, London

Premiere vom 8. Januar 2017

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn imHolzfoyer

Musikalische Leitung Constantinos Carydis
Xerxes Zanda Švēde
Arsamene Lawrence Zazzo
Romilda Louise Alder
Atalanta Elizabeth Sutphen
Amastre Katharina Magiera
Ariodate Božidar Smiljanić
Elviro Thomas Faulkner

(…) Knapp zwei Jahre nach der umjubelten Premiere kehrt Serse, der liebestolle persische König, also wieder auf die Frankfurter Bühne zurück. Und kaum eine Arie kann ihn wohl besser bereits in den ersten Takten großformatig in Szene setzen, als jenes berühmte Larghetto „Ombra mai fu“ – diese verlockende Chance ließ bei der Wiederaufnahme auch die litauische Sopranistin Zanda Švēde nicht verstreichen. Der Neuzugang im Ensemble brillierte mit weichem, hellem Timbre (…).
Während man am Dirigentenpult mit dem Griechen Constantinos Carydis auf den bereits bekannten Maestro der Premiere stieß, gab es im Ensemble einige neue Stimmen. Im Zentrum stand natürlich Zanda Švēde in der Titelrolle. Als rivalisierender Bruder Arsamene wurde ihr in Lawrence Zazzo ein Countertenor zur Seite gestellt. Eine Rochade in der Besetzung nahmen Elizabeth Sutphen (Romilda) und Louise Alder (Atalanta) vor, die in der Premiere noch in der jeweils anderen Partie zu hören waren – dies ist Ausdruck einer besonderen Flexibilität und Hinwendung zur barocken Materie und diesem in mehrerlei Hinsicht außergewöhnlichen Bühnenwerk Händels. Katharina Magiera gefiel in der Rolle der Geliebten Amastre und mit Božidar Smiljanić (Ariodate) und Thomas Faulkner (Elviro) waren auch zwei „echte“ Männerstimmen mit von der Partie. Dass man drei rundum erfüllte Stunden Barockoper erleben durfte, lag aber auch an dem ausgezeichnet inspirierten Opern- und Museumsorchester, das sich unter Carydis’ Leitung bereits in der Ouvertüre mit zartem Strich in Szene setzte. (…) das dankbare Publikum quittiert alles mit starkem, ausdauerndem Beifall.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Vor genau zwei Jahren hatte die Produktion Premiere. Sie war ein großer Erfolg bei Publikum wie Kritik. Einer der Hauptgründe war der Dirigent Constantinos Carydis. Er hatte sich dieses Stück gewünscht, und er hatte ihm mit einer minutiös ausgefeilten Klangdramaturgie seinen Stempel aufgedrückt. Es ist ein großes Glück, dass es der Intendanz gelungen ist, den inzwischen international gefragten Künstler auch für die komplette Wiederaufnahmeserie zu gewinnen. (…)
Das Frankfurter Opernorchester beweist einmal mehr seine Kompetenz in Sachen historisch informierte Aufführungspraxis. Vibratoloses Spiel der Streicher, sprechende Phrasierung und lebendige Artikulation sind ihm zur mühelosen Selbstverständlichkeit geworden. Carydis geht aber einen entscheidenden Schritt weiter. Er formt mit den gut aufgelegten Musikern einen punktgenauen Soundtrack mit genau auf die Szene abgestimmten Tempo-, Dynamik- und Farbabstufungen. Das alleine ist so ungeheuer faszinierend, dass schon die Musik in der Lage wäre, den Abend zu tragen. Wenn nötig erzeugen die Instrumente nicht bloß Töne, sondern Geräusche, lassen es zischen, krachen und bedrohlich grummeln. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Der exzentrische und liebestolle König Xerxes will immer das haben, was er nicht kriegen kann: Er pendelt zwischen strategischer Kriegsführung und Frauengeschichten ungeniert hin und her. So plant er, eine gigantische Brücke für sein Heer zu bauen und zugleich die Geliebte seines Bruders, Romilda, zu erobern. Und das, obwohl er bereits mit der Königstochter Amastre verlobt ist. Liebe, Neid, Eifersucht und irreführende Versprechungen sorgen für allerlei Wirbel, wenn Händel in seiner musikalischen Tragikomödie das Chaos einer verlogenen Gruppe der High Society durchleuchtet. Am Ende wird der König in seine Schranken verwiesen und muss einsehen, dass seine Macht keine Gefühle steuern kann.

Xerxes gehört zu den letzten Bühnenwerken Händels und zeugt von der Virtuosität und Lebenskraft eines alternden Komponisten. Sein Stil ist ausgefeilt, er arbeitet mit frischen Farben. Nicht nur die verblüffende, ganz für sich stehende erste Arie des Xerxes »Ombra mai fu« deutet auf eine Erneuerung der Musikdramaturgie hin, sondern auch der weitgehende Verzicht auf Da-capo-Formen bei den Arien und der schnelle Wechsel zwischen kurzen Rezitativen und Arien, womit er die Figuren dieses bissigen Gesellschaftspanoramas unwiderstehlich komisch darstellt. Im Gewand der Turbulenzen vermittelt Händel einen tiefen Einblick in die Welt der Gefühle eines überforderten Machthabers: eine bissige Persiflage auf die Sehnsüchte, Verzweiflung, Macken und den (selbst-)zerstörerischen Größenwahn wie auch auf eine in sich verstrickte Gesellschaft.