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Tristan und Isolde

Richard Wagner 1813-1883

Handlung in drei Aufzügen
Text vom Komponisten, nach dem Versroman Tristan (um 1210) von Gottfried von Straßburg. Uraufführung am 10. Juni 1865, Hoftheater, München

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Sebastian Weigle

Tristan Vincent Wolfsteiner
Isolde Rachel Nicholls
König Marke Andreas Bauer Kanabas (Januar / Februar) / Falk Struckmann (Juni / Juli)
Brangäne Claudia Mahnke (Januar / Februar) /Tanja Ariane Baumgartner (Juni / Juli)
Kurwenal Christoph Pohl (Januar / Februar) /Simon Bailey (Juni / Juli)
Melot Iain MacNeil
Ein Hirte Tianji Lin°
Ein junger Seemann Michael Porter / Michael Petruccelli (14., 23. Februar)
Ein Steuermann Liviu Holender

°Mitglied des Opernstudios

Großen Beifall fand die sensible und lichtstarke Neuinszenierung von Tristan und Isolde am Sonntagabend im Frankfurter Opernhaus. Regisseurin Katharina Thoma bewegte mit sicherem Gespür fürs das Innerliche und Mystische von Wagners Musik, fein herausgearbeiteter Psychologie und gründlicher Textanalyse.
Bühnenbildner Johannes Leiacker baute dem tragischen Liebespaar anfangs eine frei schwebende Planke, auf der sie behutsam zueinanderfinden konnten. Den gewaltigen Holzboden stellte er im zweiten Akt vertikal als bewegliches Symbol der „Nacht der Liebe“ in die Bühnenmitte und zeigte am Schluss eindrücklich sein endgültiges Zerschmettern. Olaf Winters Lichtdesign, das die Sehnsüchte und Enttäuschungen der Liebenden in zartesten Farbstufen ausdeutete, hatte entscheidenden Anteil am Gelingen der Wagner-Premiere. Mit Generalmusikdirektor Sebastian Weigle war ein Meister der Spätromantik am Pult, der seine Musiker zu maximaler Flexibilität und zu immer neuen Farben des Begehrens und der Verzweiflung anspornte. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Der makellosen Personenregie entsprechen die sängerischen Leistungen. Andreas Bauer Kanabas singt einen noblen, ungemein stimmschönen König Marke, Christoph Pohl einen lyrischen Kurwenal und Claudia Mahnke eine ihm ebenbürtige Brangäne. Dem Tristan von Vincent Wolfsteiner mag das baritonale Fundament fehlen, aber wie er die Partie ohne Schwankungen bis zu den absolut mörderischen Agonie-Szenen am Ende durchhält ist schier unfassbar. Schließlich die Isolde von Rachel Nicholls: eine körperlich wie stimmlich schlanke Stimme, bei der jeder Ton stimmt und es kein unschönes Vibrato gibt. Sie hat sicher nicht das in dieser Partie gewohnte überreife Superheldinnenorgan. Stimmlich wie darstellerisch mit der Regie übereinstimmend, ist sie aber eine junge, bedingungslos liebende Frau. Dass sie dafür am Ende Buhrufe abbekommt, ist mehr als ungerecht. Sebastian Weigle hält den Abend am Pult mit einem perfekt spielenden Opern- und Museumsorchester und eher gemäßigten Tempi zusammen. Überwältigend ist das trotzdem. Ein großer Abend mit einem bis heute unerreichten Ausnahmewerk.

Bernd Künzig, SWR 2 / Kultur aktuell


(…) Aus den kleinen Nebenrollen ragte der berechnende Melot von Ensemblemitglied Ian MacNeil vokal und darstellerisch heraus; Gastbariton Christoph Pohl sang einen glaubwürdig herzhaften Kurwenal; (…) Ensemblemitglied Claudia Mahnke sang Brangänes Wachrufe so traumverloren und betörend klangschön, dass einem „Weltennacht-Zauber“ in den Sinn kam. Erstes Ensemble-Wunder: Vincent Wolfsteiners Tristan – textgenau, hochexpressiv, dunkles Fundament und Höhenstrahlkraft, ermüdungsfrei bis in den Bühnentod bravourös (er wird in die freie Karriere gehen, aber Frankfurt verbunden bleiben). Zweites Ensemble-Wunder: Andreas Bauer Kanabas’ König Marke – textgenau, Melancholie fein schattierend, ein zu Herzen gehendes Timbre, auf Anhieb in eine Reihe mit Talvela-Moll-Salminen-Pape zu stellen. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)

Schicksalhaft miteinander verbunden, finden sie im Leben dennoch nicht zusammen.

Ihre erste Begegnung liegt Jahre zurück. Damals war der im Kampf schwer verletzte Tristan von Isolde gesund gepflegt worden. Und das, obwohl sie ihn als Mörder ihres Verlobten Morold und als Feind ihres eigenen Landes erkannt hatte. Jetzt soll die irische Prinzessin zum Friedensschluss König Marke von Cornwall, Tristans Onkel, heiraten ...

Was ist das für eine Beziehung, die in der Realität kein Fundament findet? Worin gründet die Verweigerung einer Existenz als Paar? Einzig in der unglücklichen Dreieckskonstellation oder dem moralisch-konventionellen Anspruch der Gesellschaft, des Einzelnen? Und ist die Unmöglichkeit dieser Beziehung nicht sogar die Grundvoraussetzung existenzieller Sehnsucht und Hingabe?

Für Richard Wagner bedeutete die Vertonung jenes mittelalterlichen Stoffes die Erfüllung seines selbsterklärten Bedürfnisses, sich »musikalisch auszurasen« – in »der vollsten Freiheit und gänzlichsten Rücksichtslosigkeit gegen jedes theoretische Bedenken«. Mit dem vielbesprochenen Tristan- Akkord revolutionierte er die Harmonik und legt den Grundstein für die Musik der Moderne: Die Spannung der Dissonanz wird nicht mehr, wie von den Regeln der Harmonielehre gefordert, in einer Konsonanz aufgelöst, sondern bleibt bestehen – als eine Frage ohne Antwort inmitten eines Gefühlslebens, das Wagner »zwischen äußerstem Wonneverlangen und allerentschiedenster Todessehnsucht« ansiedelt.