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Happy New Ears

Porträt Tania León

Für ein Einzelporträt wird Tania León nach Frankfurt kommen. Die aus Kuba stammende und seit 1967 in den USA lebende Komponistin, Hochschulprofessorin und Dirigentin zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der afrodiasporischen Musik. Mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Neuer Musik und kubanischem Esprit hat sie eine sehr persönliche Tonsprache entwickelt. Diese soll exemplarisch mit zwei Werken aus zwei Schaffensphasen und – wie üblich bei »Happy New Ears« – im persönlichen Gespräch vorgestellt werden. 

Rítmicas ist ein fünfsätziges Werk, dem ein rhythmisches Muster zugrunde liegt, wie es typisch ist für die subsaharische und karibische Musik – also die Musik, die durch die Deportationen während der Sklaverei ihren Weg aus West- und Zentralafrika nach Mittel- und Südamerika fand und sich dort u.a. mit spanischen Elementen vermischte. Dieses rhythmische Pattern, genannt »Clave« (spanisch für »Schlüssel«), kennt man von den lateinamerikanischen Tänzen wie Rumba oder Bossa Nova. In diesem Fall ist es der Grundrhythmus eines Son bzw. eines Guaguancó. Auf dieser Basis erzeugt Tania León – wie sie selbst sagt – einen »Regenbogen polyrhythmischer Erfindungen«. 

Als zweites Werk erklingt an diesem Abend Singin’ Sepia für Sopran, Violine, Klarinette und Klavier zu vier Händen, uraufgeführt 1996. Die fünf Lieder dieses Zyklus schrieb Tania León auf Texte der US-amerikanischen, Schwarzen Dichterin Rita Dove. Die u.a. mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Autorin verbindet etwa in ihrem Gedichtband Mother Love den griechischen Demeter-Persephone-Mythos mit der Geschichte ihrer Vorfahren, die als befreite Sklaven aus dem Süden der Vereinigten Staaten nach Norden zogen und sich eine neue Existenz aufbauten. Tania León wehrt sich in Interviews regelmäßig gegen festlegende ethnische Zuschreibungen. Sie beschreibt die Einflüsse, die sowohl ihre Persönlichkeit als auch ihre Musik geprägt haben, als vielfältig. In Singin’ Sepia fordert sie den Instrumentalisten wie auch der Gesangssolistin virtuose Könnerschaft ab. 

Programm:

Tanja León: Singin’ Sepia - Fünf Lieder nach Texten von Rita Dove (1996)
Tanja León: Rítmicas für Kammerorchester (2019)