Porträt Hannah Kendall
Die britische Komponistin mit Wurzeln im südamerikanischen Guyana, geboren 1984, erhielt ihre Ausbildung in Gesang und Komposition an der Exeter University und am Royal College of Music in London. Ihren Doktortitel erwarb sie an der Columbia University in New York bei Georg Friedrich Haas und George E. Lewis. 2022 wurde sie beim Schleswig-Holstein-Festival mit dem Hindemith-Preis ausgezeichnet, 2023 mit dem Ivor Novello Award. Hannah Kendall greift häufig Themen auf, die mit dem transatlantischen Sklavenhandel, dem Kolonialismus und seinen Nachwirkungen verbunden sind. In shouting forever into the receiver kommen Sprechfunkgeräte, die man mit Wachpersonal oder Polizeieinsätzen assoziieren kann, ebenso zum Einsatz wie Mundharmonikas und Spieluhren. Kendall geht es darum, die mechanistische Funktionsweise der Plantagenwirtschaft erlebbar zu machen – in der Hoffnung, die bis heute wirksamen Strukturen zu durchbrechen. Even sweetness can skratch the throat verweist auf die Realität der Zuckerrohrplantagen und zugleich auf den übermäßigen, ungesunden und abhängig machenden Einsatz von Zucker in unseren Lebensmitteln. Stilistisch bezieht Kendall sich auf die synkretistische Verschmelzung verschiedener Kulturen, wie sie im afro-karibischen Raum das Kreolische als eigene Kultur hervorgebracht hat. Eine der führenden Persönlichkeiten aus der jüngeren Generation der britischen Gegenwartsmusik ist zu erleben!
PORTRÄT HANNAH KENDALL
shouting forever into the receiver (2022)
Even sweetness can scratch the throat (2003)
DIRIGENT Nicolò Foron
GESPRÄCHSPARTNERIN Hannah Kendall
MODERATION Paul Cannon
Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.
