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Daphne

Richard Strauss 1864-1949

Bukolische Tragödie in einem Aufzug
Text von Joseph Gregor
Uraufführung am 15. Oktober 1938, Opernhaus Dresden

Premiere vom 28. März 2010

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Sebastian Weigle
Daphne Jane Archibald
Leukippos Peter Marsh
Gaea Tanja Ariane Baumgartner
Apollo Andreas Schager
Peneios Patrick Zielke
Erster Schäfer Dietrich Volle
Zweiter Schäfer Jaeil Kim*
Dritter Schäfer Barnaby Rea
Vierter Schäfer Mikołaj Trąbka
Erste Magd Julia Moorman*
Zweite Magd Bianca Andrew*
Die alte Daphne Corinna Schnabel

*Mitglied des Opernstudios

(…) Am Pult des prächtig aufspielenden Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltete  GMD Sebastian Weigle, verhalf der komplizierten Partitur der „Bukolischen Tragödie“ zu ungewöhnlichem Melos (…). Fernab jeglicher Opern-Routine schenkte Weigle mit viel Gespür den vertrackten Melodien dieses Werkes jene unbefangene Frische des Musizierens. Seine Wiedergabe war geprägt von subtilem Hineinhorchen in diese ungewöhnliche, schwunghafte, höchst differenzierte Orchestersprache. Da wurde nichts dem Zufall überlassen, jede Phrase schien technisch sinnhaft ausmusiziert, in wunderbaren Klangeffekten der herrlich fließenden Streicher und ebenso der wohlig ausgereizten Blechbläserformationen erhielten die wunderbaren Melodienbögen ihre ganz spezielle individuelle Aussage. Strauss intonierte in seiner Daphne instrumentale Ausbrüche vom Format einer Elektra oder gar Frau ohne Schatten sowie unverkennbar die feinnervigen Rosenkavalier-Motive. Sebastian Weigle verstand es genial jene eruptiven Kräfte zu bündeln, bestens dank seines hervorragend disponierten Klangkörpers effizient zu mobilisieren und nuanciert in sonore Bahnen zu lenken. Trotz akribisch-orchestraler Hochspannung beleuchtete der einfühlsame GMD detailliert mit viel Gespür fürs Lyrische jene Poesie, welche uns den Komponisten so liebenswert erscheinen lässt und trug zudem seine Solisten quasi auf Händen.
(…)
Ein glanzvoller Opernabend fand viel zu schnell seinen Abschluss, alle Beteiligten wurden vom begeisterten Publikum vehement gefeiert.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu


(…) Jane Archibald nun ist es gelungen, sich das Regiekonzept vorbehaltlos anzueignen. Dieses Rollendebüt steht der großen Leistung der Vorgängerin in nichts nach. Auch musikalisch vermag sie zu überzeugen. Der erste Auftritt mit „Oh, bleibe noch, geliebter Tag“ wirkt noch etwas tastend, die Stimme verrät mit schnell flackerndem Vibrato, dass hier ein leichter Koloratursopran sich an einem neuen Stimmfach versucht. Doch schnell fasst sie Tritt. Die Sängerin spannt große Bögen, lässt ihre silbrige Stimme immer wieder leuchtend aufblühen und weiß besonders mit ihrem Schlussgesang zu berühren. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) obwohl Strauss kein Freund des Heldentenorwesens war, schreibt er hier für eine solche Stimme eine Partie, die ihresgleichen sucht. Bei der Premiere sang Lance Ryan, später der Siegfried in Nemirovas Ring, nun geht Andreas Schager ans Werk, ein phänomenales Kraftpaket, das dem Orchester erlaubt, forte zu spielen, wo forte steht, aber auch vielfarbige Kammermusik zu machen. So viel Kraft und Kondition – und doch auch lyrische, zarte Momente: Dieses Apolls wegen muss man die Aufführung sehen. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

In Capriccio (1942) lässt Richard Strauss den Dichter Olivier über den antiken Mythos der Daphne als Opernsujet nachsinnen: »Eine verlockende Fabel, doch äußerst schwierig darzustellen — Daphnes Verwandlung zum ewigen Baum des Gottes Apollo…« Darauf antwortet der Komponist Flamand: »Das Wunder der Töne kann sie gestalten!« Genau das hatte Strauss in seiner drittletzten Oper Daphne, uraufgeführt 1938, bereits getan. Daphne, die Tochter des Flussgottes Peneios und der Erdgöttin Gaea, wird von dem Schäfer Leukippos auf plumpe Weise umworben. Dem Freund aus Kindertagen entzieht sie sich ebenso brüsk wie später dem Annäherungsversuch des Gottes Apollo, der sie, als geheimnisvoller Fremder verkleidet, zunächst fasziniert. Apollos Verfolgung entkommt Daphne schließlich nur, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Dafür findet Strauss wahrlich »Wundertöne«; zugleich interpretiert er die von Ovid in seinen Metamorphosen überlieferte Geschichte auf subtile Weise mit psychologischem Scharfblick. Warum Daphne so verzweifelt auf das Werben der Männer reagiert, arbeitet Claus Guth, immer ganz nah an der Musik, in seiner 2010 mit dem FAUST-Theaterpreis ausgezeichneten Inszenierung heraus und beweist dabei ein tiefgehendes Gespür für die erschütternde Geschichte hinter der Geschichte — die fesselnde Studie einer traumatisierten Frau.