Spielplan

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Liederabend im Stream: Folk Songs / Songs of Travel

Luciano Berio (1925 –2003)
Folk Songs

Ralph Vaughan Williams (1872 – 1958)
Songs of Travel

Folk Songs

Bianca Andrew Mezzosopran
Philipp Nickel Viola
Mikhail Nemtsov Violoncello
Eduard Belmar Flöte, Piccoloflöte
Matthias Höfer Klarinette
Françoise Verherve Harfe
Jürgen Friedel, Steffen Uhrhan Schlagzeug

Nikolai Petersen Musikalische Leitung

Songs of Travel

Jonathan Abernethy Tenor
Anne Larlee Klavier

Konrad Kuhn Moderation

Die Produktion wird vorab im Bockenheimer Depot aufgezeichnet und am Freitag, 16. April, 19.30 Uhr (MEZ) auf unserer Website, auf YouTube und auf Facebook gestreamt.

Unser digitales Programm ist natürlich kostenfrei. Wenn Sie uns mit einer Spende unterstützen möchten, finden Sie hier weitere Informationen.

Das detaillierte Programm finden Sie hier.

Der italienische Komponist Luciano Berio (1925–2003) fühlte sich stets zur Volksmusik hingezogen, deren Erkundung bei ihm wahren Forscherdrang auslöste. Den Begriff »Volksmusik« fasste er allerdings sehr weit. 1964 schuf er einen Zyklus von elf Liedern aus den unterschiedlichsten Kulturen in neun verschiedenen Sprachen, den er seiner Ehefrau, der amerikanischen Mezzosopranistin Cathy Berberian, widmete. Zwei Songs aus den USA und ein Lied aus Armenien, der Heimat von Cathy Berberians Vorfahren, finden sich ebenso wie ein aserbaidschanisches. Frankreich, Sizilien und Sardinien sind vertreten, daneben Berios Heimat Ligurien mit einem Lied im Genueser Dialekt. Schließlich entlehnt der Komponist den Chants d’Auvergne von Joseph Canteloube zwei Lieder in der okzitanischen Sprache. Der große Reiz der Folk Songs liegt – neben der kulturellen Vielfalt der Lieder – in der Instrumentierung für ein exquisites Kammerensemble. Flöte und Piccoloflöte, Klarinette, Harfe, Bratsche und Violoncello sowie das Schlagzeug wechseln sich solistisch und in verschiedenen Kombinationen ab in der charakteristischen Ausdeutung der jeweiligen Inhalte und Stimmungen: Kunstmusik, die sich als Brücke zur Volksmusik versteht. 

Songs of Travel – wer denkt da nicht an Schuberts Wanderer? Auch Robert Louis Stevenson war ein Wanderer – ein Weltenwanderer. Seine Reiselieder unterscheiden sich jedoch stark von Wilhelm Müllers Sehnsuchtsgedichten an Die schöne Müllerin oder deren Fortsetzung in der Winterreise. Auch die Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler haben einen anderen Tonfall. Gleichwohl dürften diese drei Liedzyklen für Ralph Vaughan Williams Pate gestanden haben, als er sich zwischen 1901 und 1904 Stevensons Songs of Travel zuwandte. Existenzielle Schwärze und Todesnähe sind auch hier zentrale Themen, werden aber von der entschlossen stoischen Gleichmut gegen alle Schicksalsschläge kontrastiert, die dieser Wanderer an den Tag legt. Seine Wege kann man sich wohl im schottischen Hochland vorstellen. Vaughan Williams‘ Zyklus ist von der britischen Volksmusik beeinflusst – was ihn in unserem Programm zum idealen Pendant zu den Folk Songs von Berio macht.

Mit freundlicher Unterstützung