Spielplan

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Der Prinz von Homburg

Hans Werner Henze 1926-2012

Oper in drei Akten / UA 1960
Text von Ingeborg Bachmann nach Heinrich von Kleist.

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Jonathan Darlington

Prinz Friedrich Artur von Homburg Iurii Samoilov
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg Eric Laporte
Prinzessin Natalie von Oranien Ambur Braid
Graf Hohenzollern Peter Marsh
Die Kurfürstin Nina Tarandek
Feldmarschall Dörfling Iain MacNeil
Obrist Kottwitz Barnaby Rea
Drei Offiziere Theo Lebow, Sebastian Geyer, Dietrich Volle
Drei Hofdamen Angela Vallone, NN, Judita Nagyová
Wachtmeister Danylo Matviienko°

°Mitglied des Opernstudios

Eine Oper wie ein Pamphlet – für Mut und menschliche Güte, wider die blinde Anwendung von Gesetzen.

Fehrbellin, 1675: Im Traum sieht sich Prinz Friedrich von Homburg als ehrenvoller Sieger der bevorstehenden Schlacht und wird dafür von seinem Umfeld belächelt. Vor dem tatsächlichen Kampfbeginn ergeht die Order, erst auf ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten ins Gefecht einzugreifen. Homburg aber verfügt eigenmächtig jenen Angriff, der tatsächlich zum Sieg führt. Er wird wegen Ungehorsams zum Tode verurteilt. Die Nichte des Kurfürsten, Natalie, in die der Prinz verliebt ist, bittet ihren Onkel um Gnade. Dieser entscheidet schließlich, Homburg dann zu begnadigen, wenn der Verurteilte den Richterspruch für ungerecht befindet …

Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann hatten sich 1952 bei einer Tagung der Gruppe 47 kennengelernt und über ein Jahrzehnt zusammengearbeitet. In ihrer Oper entwickeln sie eine eigene Lesart von Kleists 1809/10 verfasstem Drama, das zwischen Melancholie, Heldentum und dessen Dekonstruktion changiert und in der Folge sich wandelnder politischer Verhältnisse immer wieder umgedeutet wurde. Der Fokus von Henze und Bachmann liegt auf dem Zeitlosen, dem Humanen, vom historisch Determinierten hin zum Zeitlosen. Die Musik – geschrieben für ein großes Kammerorchester – formuliert das im Libretto Angelegte weiter aus und stellt zwei Sphären einander gegenüber: jene sangliche und traditionsverbundene Welt des Traumes, die durch Mischklänge seltsam unscharf flimmert, und jene durchstrukturierte, mitunter seriell ausgearbeitete Welt des Gesetzes. Umso deutlicher stellt sich die Frage nach dem Platz, der dem Individuum in einer von Gesetzen reglementierten Gesellschaft zugestanden wird, nach der Vereinbarkeit von Empfindung und Gesetz.