(…) Die Suche nach Schönheit in einer gottlosen, entzauberten Welt ist ein zwiespältiges Unterfangen. Es ist ein Theater des Schönen und der bitteren Grausamkeit. In diesem Sinne illuminiert Tatjana Gürbacas Inszenierung auch George Benjamins suggestive Klangfindungen zwischen hypnotischer Subtilität und geräuschhafter Gewalt. Die kaleidoskopartigen Farbwirkungen dieser Partitur sind beim Frankfurter Opern- und Museumsorchester in den besten Instrumentenhänden und der Dirigent Erik Nielsen akzentuiert die Zeitschichten mit präziser Prägnanz. Das vermeintliche Kammerspiel ist packende, mit neunzig Minuten Spieldauer konzentriert-spannende große Oper. Die umjubelte Frankfurter Produktion zeigt, wie George Benjamin hier in offen produktiver Rätselhaftigkeit eines der besten Musiktheaterwerke des 21. Jahrhunderts über die Conditio humana gelungen ist. Wie immer zeigt sich ein allen Produzenten demütig dankender Komponist dem begeisterten Publikum beim Schlussapplaus.
Bernd Künzig, SWR Kultur am Morgen
(…) Getragen wird der Abend von zwei überragenden Sängerdarstellern: Ensemblemitglied Elizabeth Reiter, die Agnès mit überreicher Gefühlspalette zeichnet, und dem dänischen Meisterbariton Bo Skovhus als Protector. Wie die beiden sich in den 90 Premierenminuten begehren, zu besitzen trachten, sich eifersüchtig umkreisen und dabei immer wieder missverstehen, erzeugt glühende Reibungsflächen. Dabei ist Reiters Agnès alles andere als ein Opfer. Zornig ist sie als Analphabetin, süchtig nach Geliebt- und Gesehenwerden, dabei neugierig, fordernd und wütend im Umgang mit beiden Männern. „Kannst du eine andere Frau erfinden. Eine, die echt ist?“, fragt sie den Maler, von Countertenor Iurii Iushkevich mit engelhafter Androgynität verkörpert. Und zwingt ihn dann, ihren Liebesakt im Buch zu beglaubigen, um den Protector zu demütigen: „Mach, dass er Blut weint.“ (…)
Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse
(…) Es entsteht ein intensives, subkutanes Hörtheater, dem man sich kaum entziehen kann, so gar kein bluttriefender Krimi-Schocker, wie die Inhaltsangabe nahelegen mag. So bietet diese Neuinszenierung einigen Mehrwert, sie ergänzt die legendäre Uraufführungsproduktion um ein wichtiges Kapitel der Interpretationsgeschichte dieses enormen Werks.
Peter Krause, www.concerti.de
(…) Komplettiert wird das überragende Duo vom russischen Countertenor Iurii Iushkevich als Geliebten, den Benjamin doppelt besetzt: Zum einen in der Rolle des „Boy“, wie der mittelalterliche Maler genannt wird, der die Besitztümer des Protectors in einem Buch verewigen soll. Zum anderen als „erster Engel“, der das Geschehen kommentiert und vorantreibt. (…)
Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de
(…) In den Mord gerät der Mann mehr, als dass er ihn plant. Die Nähe zu Bergs Wozzeck ist hier am offensichtlichsten, wobei umso klarer hervortritt, dass „The Protector“ selbstverständlich kein Wozzeck ist – eher ein Golaud aus Debussys Pélleas und Mélisande, dem anderen Bezugspunkt, den George Benjamin selbst genannt hat: trotz seiner Übermacht der Frau nicht gewachsen, die ihm regelrecht entgleitet.
Die schaurige Szene des Herzverzehrs gestaltet Gürbaca in extremer Enge, näher kommen sich „The Protector“ und Agnès nie. Als das Unglück geschehen ist, kommen die Engel noch einmal in barockisierendem Tüll und Taft und mit selbst gebastelten schwarzen Masken auf die Bühne. Zeigen sie sich jetzt doch als Himmlische? Mehr Intensität bei größerer Offenheit und Vagheit ist nicht zu haben als in dieser so exzellent ausgestatteten wie mit faszinierenden Charakteren belebten Inszenierung.
Das Gewalttätige schlägt sich in der Musik subtil nieder. Eher vielleicht das Entsetzen als die Gewalt. Erik Nielsen dirigiert das als leidenschaftliches Musiktheater und zugleich mit der Exaktheit, die die ausgetüftelte Instrumentierung will. Der große Schlussbeifall braust für ihn und das Orchester noch einmal ganz besonders auf.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
(…) Der Szene mit dem Verzehr des Herzens wohnt – durch die kluge, zurückhaltende Inszenierung von Tatjana Gürbaca unterstrichen – etwas Rituelles inne, als wüssten alle längst, was geschehen wird, und könnten es doch nicht abwenden. (…)
Wolfgang Fuhrmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung
(…) Es entsteht ein intensives, subkutanes Hörtheater, dem man sich kaum entziehen kann, so gar kein bluttriefender Krimi-Schocker, wie die Inhaltsangabe nahelegen mag. So bietet diese Neuinszenierung einigen Mehrwert, sie ergänzt die legendäre Uraufführungsproduktion um ein wichtiges Kapitel der Interpretationsgeschichte dieses enormen Werks.
Peter Krause, www.concerti.de
(…) Erik Nielsen als einstiger Frankfurter Kapellmeister und Korrepetitor lässt im Orchestergraben nicht nur ungewöhnliche Instrumente wie Glasharmonika, Bassviola da Gamba, Steeldrums und Mandolinen leuchten. Auch die tiefe Verbundenheit Benjamins mit Weill, Berg und Debussy arbeitet er meisterlich heraus. Etwa, wenn Fagott-Soli Eifersucht illustrieren, Bassklarinetten Mordgelüste beklagen und gezupfte Bässe liebende Herzen erbeben lassen.
Bettina Boyens, Offenbach-Post
(…) Tolles Ensemble, wie eigentlich fast immer in diesem Opernhaus.
Fazit: Absolutely not to miss!
Andrea Richter, www.textor.online
(…) Das ist ganz großes Musiktheater.
Bernd Zegowitz, Allgemeine Zeitung Mainz