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Arnold Schönberg 1874-1951
Frank Martin 1890–1974

VON HEUTE AUF MORGEN       
Arnold Schönberg 1874–1951
Oper in einem Akt
Text von Max Blonda (Pseudonym für Gertrud Schönberg)
Uraufführung 1930, Opernhaus, Frankfurt am Main

BEGLEITMUSIK ZU EINER LICHTSPIELSZENE OP. 34
Arnold Schönberg
Uraufführung 1930, Krolloper, Berlin

SECHS MONOLOGE AUS »JEDERMANN«
Frank Martin 1890–1974
Liederzyklus für Bariton und Orchester
Text nach Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung 1949, Venedig

ERWARTUNG     
Arnold Schönberg
Monodram in einem Akt
Text von Marie Pappenheim
Uraufführung 1924, Neues Deutsches Theater, Prag

Musikalische Leitung Alexander Soddy

VON HEUTE AUF MORGEN

Ehefrau Ambur Braid
Ehemann Sebastian Geyer
Freundin Juanita Lascarro
Sänger Brian Michael Moore

SECHS MONOLOGE AUS »JEDERMANN«

Jedermann Johannes Martin Kränzle

ERWARTUNG

Eine Frau Camilla Nylund

Ein Mann, eine Frau. Die Ehe, der Alltag, das Leben. In einer Kombination von vier Werken Arnold Schönbergs und Frank Martins beleuchtet Regisseur David Hermann Fragen an die vergehende Zeit und die Entwicklung zweier durch die Ehe miteinander verbundener Individuen.

Schönbergs 1930 in Frankfurt uraufgeführter Einakter Von heute auf morgen exponiert auf humoristisch-heitere Weise ein Ehepaar und dessen Reflektion über das eigene Verhältnis. Für die Zeitoper typische Stilelemente wie amerikanische Tanzmusik und Jazz verbinden sich dabei mit der von Schönberg entwickelten Zwölftonmethode – seinem persönlichen Rüstzeug auf dem Weg in die Moderne.

Kaum ein anderes Medium markiert diese Moderne so deutlich wie der Film. 1929 schreibt Schönberg im Auftrag des Heinrichshofen’s Verlag seine Begleitmusik zu einer Lichtspielszene unter dem Motto »Drohende Gefahr, Angst, Katastrophe«. Für das Paar in David Hermanns Inszenierung bedeutet dies die Auflösung des Gemeinsamen…

Das vielfarbige Seelen-Kaleidoskop eines Mannes am Ende seines Lebens bringt der Schweizer Frank Martin in seinen Sechs Monologen aus »Jedermann« von 1943/49 zum Klingen. Ein Zyklus, der stets der Tonalität verpflichtet bleibt und dessen Text auf die bekannte Tragödie Hugo von Hofmannsthals zurückgeht. Martin hört darin sowohl »die schlichte Sprache der uralten menschlichen Ängste« als auch »die Sprache, in der uns das Evangelium die Erlösung durch die Liebe lehrt«.

Diverse Abstufungen angsttraumatischer Zustände und menschlicher Emotionen durchlebt jene Frau, die in Schönbergs Monodram Erwartung (1909) auf der Suche nach ihrem Geliebten durch den nächtlichen Wald irrt. Ein nahezu psychoanalytisch-protokollarischer Einakter, dessen Libretto aus der Feder der angehenden Ärztin Marie Pappenheim stammt. Mit seiner expressiven Ausdrucksfreiheit in Text und Musik sprengt er die Grenzen des damals Erwartbaren und atmet den undurchdringlichen, bangen Seelenzustand der Einsamkeit – die Kenngröße eines alten wie neuen Heute?