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Stream: »Nur wer die Sehnsucht kennt«

Tschaikowski-Lieder inszeniert von Christof Loy

Die Produktion ist ab Freitag, 26. März, 19.30 Uhr (MEZ) als Stream auf unserer Website abrufbar und bis zum 25. Juni verfügbar.

Einen Trailer und eine Einführung finden Sie oben auf dieser Seite.

Auszüge aus dem Programmheft sind hier kostenlos downloadbar.

(…) [Regisseur Christof] Loys Idee, den überaus umfangreichen Vorrat an Tschaikowski- Romanzen für eine szenische Erzählung zu nutzen, lenkt den Blick auf ein vorzügliches Sänger-Ensemble, das die Nuancen dieser seelischen Momentaufnahmen stimmlich ausleuchtet. Der charakterstarke, nie an Wohlklang einbüßende Bariton [Vladislav] Sulimskys ist Zentrum dieser musikalischen Erzählung, wie die dunkle Erscheinung des tragischen Mannes, der nach Gutsherrenart Stiefel zum Smoking trägt, der Bezugspunkt jeglicher Bühnenerzählung ist.
(…) Mehr als reale Figuren sind Olesya Golovneva mit einem situationsbezogen eingesetzten Sopran und Kelsey Lauritano mit ihrem hell timbrierten Mezzo Rollenmodelle in der Vorstellungswelt des alten Mannes, sowie man die jüngeren Männerrollen als Symbole seiner früheren Lebensphasen lesen kann: Mikołai Trąbka mit jener jugendlichen Frische, die ihre Vergänglichkeit gleich mitdenkt, Andrea Carè als tenoral ausgelebte Midlife-Crisis des Liebenden, der die Vergeblichkeit des Sehnens beschreibt. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Was Loy mit seinen fünf Solisten der Extraklasse in mehreren Probenwochen entwickelt hat: tief berührend, wie ein hell blitzender Solitär sich über den dumpf-grellen Müll unserer Tage erhebend. Was Kunst doch kann! Und was uns derzeit vorenthalten wird – wie gut, dass es wenigstens digitalen Trost gibt!

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Für das Intermezzo in der Mitte mit einem (vorher eingespielten) Satz aus dem Sextett Souvenir de Florence wurden die entsprechenden Streichinstrumente und Notenpulte sinnig auf das Bild im Bild verteilt. Für eine Nummer nehmen Kapellmeister Nikolai Petersen als Zweitpianist und Lauritano hier auch eine traditionelle Liederabendposition ein.
Der Hauptpianist Mariusz Kłubczuk ist vor dem Bild stark beschäftigt, vehement spielend, dezent im Halbschatten bleibend. Aus den 24 Nummern ragen etliche heraus, nach hinten raus steigern sich Intensität und Verve, und alles, was einem zu Beginn vielleicht noch zu unverbindlich erschien, wird zunehmend triftig. Überwältigend dringlich Andrea Carè mit „Warum?“ auf Heinrich Heine oder Sulimsky und Golovneva in „Zemfiras Lied“ auf Puschkin, das veritabel als Dialog mit Sprech-Passagen gestaltet ist. Die Duette und Quartette beglaubigen das Opernhafte, das Tschaikowskis Liedern ohnehin zueigen ist. Ein fabelhaft choreografierter aufgekratzter Tänzchenreigen auf das von Kłubczuk gespielte Dornröschen-Finale bestätigt den Sinn des szenischen Aufwands.
Triftig und tragisch. Sulimskys bedeutungsvoll ausinszenierter Schluck aus dem Glas zum Schluss erscheint als endgültiger Schritt, noch bevor man bei Loy liest, das Publikum solle ruhig an Tschaikowskis Cholera-Tod denken, verursacht wohl durch zumindest leichtfertig getrunkenes nichtabgekochtes Wasser. Alles bleibt vage, nur der Tod ist gewiss.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Aus der Fülle der Miniaturen, die bisweilen dramatisch steile Erregungskurven zeichnen, formt Loy eine Erzählung, die offen genug ist, um die Fantasie des Zuschauers nicht einzuengen. Michael Beyers Bildregie setzt die Figuren in der Korrespondenz andeutungsvoller Blicke geschickt zueinander in Beziehung: Wer ein dickes Paket ästhetisch ausgeklügelter Schwermut ertragen kann, ist mit dieser aufwendig und qualitativ hochwertig produzierten Filmfassung der Inszenierung gut bedient.

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier 


(…) Loy hat hier etwas wirklich Besonderes geschaffen: einen Abend der Intensität und Intimität, der ein Leben jenseits pandemischer Beschränkungen verdient.

Mark Pullinger, www.bachtrack.com (Übersetzung: Oper Frankfurt)

Liedkompositionen von Peter I. Tschaikowski verbinden sich zu einem intimen Theaterabend, der fünf Figuren und deren widersprüchliche Emotionen zeigt: Unterdrückte Liebesgefühle stehen der Suche nach rauschhaften Momenten gegenüber, die Trauer um zerbrochene Beziehungen führt zu Rückzug und Einsamkeit. Es entsteht eine zwischenmenschliche Dynamik, in der sich die einzelnen Charaktere aneinander abarbeiten, sich lieben, verachten und verklären - und immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen werden.

Tschaikowski erreichte mit seinen über einhundert meist als »Romanzen« bezeichneten Liedern eine stilistische Vielfalt wie kaum ein anderer russischer Komponist. Mit Vorliebe wählte er dabei Texte von Dichtern, die leicht zu verbalisierende Sujets vermieden. Die entstandene Leerstelle, das Ungesagte und Unsagbare, drückt Tschaikowski in seiner Musik aus. Diese unmittelbar erfahrbare Ebene machte die Liedkompositionen bereits zu seinen Lebzeiten populär. Während Tschaikowskis Romanzen in Russland bis heute fest im Repertoire verankert sind, standen sie in Westeuropa lange im Schatten seiner Opern, Sinfonien und Ballette. In der von Christof Loy entwickelten Inszenierung ist nun eine selten gespielte Auswahl an Liedern zu erleben, die durch kurze Klavier- und Kammermusikwerke ergänzt wird.

Die Aufzeichnung wurde von Unitel in Kooperation mit der Oper Frankfurt, dem Hessischen Rundfunk und Arte CONCERT produziert. Eine Veröffentlichung als DVD ist in Planung.
Die Produktion wurde darüber hinaus vom Patronatsverein gefördert.

Übertragungen durch den Hessischen Rundfunk:
27. März, 17.04–18 Uhr in der Sendung Musikland Hessen (Ausschnitte)
28. Mai, 20.04–22.30 Uhr in der Sendung Konzertsaal (komplett)

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