Spielplan

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Madama Butterfly

Giacomo Puccini 1858–1924

Japanische Tragödie in zwei Akten
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
Uraufführung 1904, Mailänder Scala

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln  

Einführungen als Video kurz vor der Premiere und live eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Antonella Manacorda

Cio-Cio-San, genannt Butterfly Heather Engebretson /Marjukka Tepponen ( 30.6., 3.7.)
Suzuki Kelsey Lauritano / Zanda Švēde (Juli)
Leutnant B.F. Pinkerton Vincenzo Costanzo (22., 26.5., 4.6.) /  Evan LeRoy Johnson
Konsul Sharpless Domen Križaj (Mai, Juni) / Željko Lučić  (Juli)
Goro, Heiratsvermittler Hans-Jürgen Lazar / Peter Marsh (30.6., 9.7.)
Kate Pinkerton Karolina Makuła°
Fürst Yamadori Michael McCown
Onkel Bonzo Kihwan Sim  (22., 26.5., 4., 6., 10.6.) /  Alfred Reiter
Der kaiserliche Kommissar Iain MacNeil /Božidar Smiljanić (10.6.) 
Der Standesbeamte Nicolai Klawa
Yakusidé Alexey Egorov
Die Mutter Julia Bell
Die Tante Michaela Schaudel
Die Kusine Alketa Hoxha
Das Kind Dolore Jakob Fritschi / Lotta Herzog

°Mitglied des Opernstudios

Bravochöre brandeten Heather Engebretson entgegen, als sie am Sonntagabend nach ihrem überragenden Debüt von Puccinis Madama Butterfly an der Frankfurter Oper allein vor den Vorhang trat. Ihre tief bewegende Verkörperung der japanischen Geisha Cio-Cio-San, der sie mit mutigem Körper- und Stimmeinsatz tragische Größe verlieh, ließ niemandem im vollbesetzten Opernhaus kalt. (…)

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Fabelhaft an ihrer Seite nun die japanisch-amerikanische Mezzosopranistin Kelsey Lauritano als todernste, ungemein präsente Suzuki. Sie trägt Kammerzofenmontur, denn alles Japanische ist abgedrängt, die Fremdheit der Kulturen, die gerade in Suzukis ersten Auftritten mit Pinkerton glasklar sich spiegelt, entwickelt sich von selbst, nicht durch exotisierende Accessoires. Das ist mutig, und es funktioniert weitgehend.
(…)
Konsul Sharpless ist der andere kluge, mitleidige Beobachter (natürlich viel mächtiger als Suzuki, aber als amerikanischer Mann dann doch auf der Seite des amerikanischen Mannes), mit milder Noblesse gesungen und gespielt von Domen Križaj. Als Ersatz für Evan LeRoy Johnson als Pinkerton sprang der Italiener Vincenzo Costanzo kurzfristig in die Produktion ein, macht das gut, wirkt stimmlich zunächst leicht gebremst, bietet aber starke, reine Höhen und ist auch für die nächsten zwei Vorstellungen eingeplant. [Regisseur] Schlathers Sympathien, um das noch einmal zu sagen, gehen nicht mit diesem Landsmann, beide übrigens in kurzen Hosen, Pinkerton bei seiner Hochzeit, Schlather beim Premierenbeifall.
Jenseits des zentralen Quartetts zahlreiche teils feine, teils flüchtigere Vignetten, Hans-Jürgen Lazar wird in Erinnerung bleiben als markanter, ungemütlicher Goro, weit entfernt von der possierlichen Karikatur, als die der Heiratsvermittler sonst oft auftritt. Mit Kihwan Sim als wutschnaubendem Onkel Bonze nimmt der kulturelle Clash einmal wirklich Fahrt auf. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Doch der sonstige musikdramatische Horizont wurde von Dirigent Antonello Manacorda und dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester vielfältig aufgespannt: da war ein unsentimental schneller Einstieg fern aller Räucherstäbchen-Schwelgerei, da waren feine Piano-Ziselierung um Blütenzauber, Summ-Chor und Morgendämmerung – und dann fulminante Dramatik im Zwischenspiel wie im Finale. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Und dann ist da plötzlich im zweiten Akt das Kind. Abgöttisch verehrt von Cio-Cio San als Zeugnis ihrer Liebesillusion mit Pinkerton. Als er bei seiner Rückkehr an der Seite seiner richtigen amerikanischen Frau auch noch dieses gemeinsame Kind ausgeliefert haben will, begeht sie vor dessen Augen Selbstmord. Die davor geschobene Wand verdeckt ihn gnädig vor unseren Augen. Wir sehen nur den allein gelassenen Jungen mit schlenkernden Beinen auf dem Stuhl sitzen. Das ist das grausamste Bild des Abends. R.B. Schlather inszeniert die Tragödie der an ihren Illusionen scheiternden Menschen. Überflüssiger Exotismus spielt da wahrlich keine Rolle mehr. (…)

Bernd Künzig, SWR 2 / Journal am Mittag


(…) Bloß kein Japan-Kitsch dachte sich in Frankfurt auch Regisseur R.B. Schlather, dem mit Bühnenbildner Johannes Leiacker ein Pu­rist ersten Ranges und mit Diri­gent Antonello Manacorda ein ausdauernder Puccini-Forensiker zur Seite stand. Gemeinsam for­mulierten sie die universelle Sen­dung: Käufliche Liebe gibt es auch heute überall, nicht nur im Nagasaki der Jahrhundertwende. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) In dieser völlig reduzierten Ausstattung, die jedes fernöstliche Kolorit ausblendet, erzählt der amerikanische Regisseur R.B. Schlather Puccinis 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführte Operntragödie ganz auf die Personenführung hin konzentriert; die japanische Tänzerin Sonoko Kamimura stand ihm dabei choreografisch zur Seite. Wie in einem Kammerspiel auf weit offener Bühne lassen sich in Frankfurt die beiden so unterschiedlich sich entwickelnden Akte verfolgen. Der erste, in dem Cio-Cio-San sich für Pinkerton von ihrer Familie und ihrer Religion lossagt, endet mit dem finalen Liebesduett in dem einzigen Illusionsraum, den Schlather in seiner Inszenierung zulässt. Nicht nur über der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum leuchtet der Sternenhimmel des Opernhauses so kräftig, dass die Fallhöhe zum zweiten Akt, der drei Jahre später spielt, noch einmal vergrößert wird. Er ist ein einziges Warten auf Pinkertons Rückkehr. Durch die absolute Reduktion der szenischen Mittel wirkt es umso belastender, wenn Cio-Cio- San verarmt, nur mit ihrer Dienerin Suzuki und dem zwischenzeitlich geborenen Sohn auf dessen amerikanischen Vater wartet. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Der böse Kern der Geschichte, den R.B. Schlather auf der nackten, kalten Bühne freilegt, rührt nicht, er schmerzt. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Nach 20 Jahren kommt Puccinis »japanische Tragödie« in einer Neuinszenierung auf die Bühne der Oper Frankfurt. Bei seiner Uraufführung 1904 in Mailand war das Werk alles andere als ein Erfolg. Puccini zog die Partitur zurück. Erst die zweite Fassung, wenige Monate später in Brescia uraufgeführt, begründete den internationalen Siegeszug der Oper. Es folgten jedoch weitere Umarbeitungen.

Erzählt wird die Geschichte der Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, aus Nagasaki. Der US-amerikanische Marineoffizier Pinkerton geht eine Verbindung mit ihr ein, die er selbst für eine unverbindliche Scheinehe hält, an die er sich nach seiner Abreise nicht mehr gebunden fühlt. Für Cio-Cio-San jedoch ist es der Bund fürs Leben. Als Pinkerton nach Jahren zurückkehrt und Butterfly erkennen muss, dass er inzwischen eine andere Frau geheiratet hat, dass er ihr sogar das gemeinsame Kind wegnehmen will, setzt sie ihrem Leben ein Ende. Darin folgt sie dem Vorbild ihres Vaters, der den traditionellen japanischen Selbstmord Seppuku vollzogen hatte, um seine Ehre zu wahren.

Die Musik verarbeitet fernöstliche Einflüsse, die in Gegensatz zur Zeichnung Pinkertons als typischer Amerikaner steht. Ganztonleitern und fünftönige Harmonien sowie exotische Instrumente schaffen die Atmosphäre eines idealisierten Japans aus westlicher Sicht. Durchweg jedoch kommt Puccinis Sinn für das ausdrucksstarke Melos zu seinem Recht, vor allem bei der Titelfigur. Ihre großen Ausbrüche berühren zutiefst.

Mit freundlicher Unterstützung