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Le Grand Macabre

György Ligeti 1923-2006

Oper in zwei Akten
Uraufführung 12. April 1978, Königliches Theater, Stockholm
Text von Michael Meschke und György Ligeti nach Michel de Ghelderode

In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Sebastian Weigle


Amanda Monika Buczkowska
Amando Judita Nagyová
Piet vom Fass Peter Marsh
Nekrotzar  Simon Neal
Astradamors Alfred Reiter
Mescalina Dshamilja Kaiser
Venus / Cehf der Gepopo  Gloria Rehm
Fürst Gogo Eric Jurenas
Schwarzer Minister Mikołaj Trąbka
Weißer Minister Michael McCown

Endzeitstimmung in Breughelland: Ein makabrer Sensenmann kündigt den Weltuntergang für Mitternacht an. Die Zeit läuft …

Im Angesicht der bevorstehenden Katastrophe scheint es mit der Sorglosigkeit im imaginären Fürstentum vorbei zu sein. Während ein Liebespaar ganz in seiner Lust vergehen möchte, spannt der selbsternannte Todesprophet Nekrotzar den weinseligen Piet vom Fass und den Sternengucker Astradamors als Gehilfen ein und zieht zum Palast. Dort hat den allseits beliebten Fürsten und die intriganten Minister die Schreckensnachricht bereits durch den Chef der Gepopo, der Geheimen Politischen Polizei, erreicht.

Geräuschvoll, traumwandlerisch und ziemlich schräg hüllt sich Ligetis Endspiel-Oper in einen kunterbunten Mantel, unter dem der Schabernack regiert. Das Schauspiel La balade du Grand Macabre des Belgiers Michel de Ghelderode, eine Art absurdes Mysterienspiel von 1934, liefert dem Komponisten den tragikomischen Stoff für sein Musiktheater, das im Auftrag des Opernhauses in Stockholm entsteht. Als Kommentar auf die Dogmen der musikalischen Avantgarde der Zeit nennt der in Rumänien geborene und seit 1956 im Exil lebende Ungar sein Werk augenzwinkernd eine »Anti-Anti-Oper« – im Grunde die Rückkehr zur Oper im traditionellen Sinne, allerdings »gefährlich, übertrieben, ganz verrückt und dreckig«. Inspiriert vom Prinzip der Pop-Art überlagern sich allerhand musikalische Anleihen, verfremdete Zitate und der derb-komische Text zu einem überdrehten Stilmix: Alltagsgegenstände tönen, halsbrecherische Koloraturkaskaden wirbeln, Requiem-Splitter tauchen auf und wieder ab, Himmelsklänge schweben. Die Musik ist dabei stets der Motor für die skurrilen Typen dieses verlotterten Welttheaters, das zudem mit dem wohl herrlichsten Besäufnis der Operngeschichte aufwartet. In einem ordentlichen Rausch zeigt die Apokalypse gleich ein anderes Gesicht. Ganz nach dem Motto »kein Spiel ohne Ernst« – oder umgekehrt – lässt Ligetis Weltuntergangsgroteske über Sinn und Unsinn der menschlichen Existenz nachdenken.