Spielplan

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La serva padrona / Stabat mater

Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736)

(Ersetzt DIE BANDITEN)

La serva padrona  (Die Magd als Herrin)
Intermezzo in zwei Teilen
Text von Gennarantonio Federico
Uraufführung am 28. August 1733, Teatro San Bartolomeo, Neapel
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Stabat mater (Die Mutter stand mit Schmerzen)
Katholische Sequenz, Verfasser unbekannt
Uraufführung 1736 in Neapel
In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video (verfügbar auf YouTube)

(Keine Vorstellung dieser Produktion an Silvester, Informationen zum 31.12. zu gegebener Zeit unter Spielplan)

Laster und Frömmigkeit, Witz und Melancholie, Freude und Schwermut treffen beim Doppelabend mit Giovanni Battista Pergolesis (1710 bis 1736) La serva padrona und Stabat mater aufeinander. Es ist ein Abend der Gegensätze an der Oper Frankfurt: Opernintermezzo trifft auf katholische Sequenz. Katharina Thoma schafft es in ihrer Inszenierung, beides geschickt miteinander zu vereinen (…).

Beatrice May, Main-Echo Aschaffenburg


Schon bevor Streich­orchester und Continuo einset­zen, ist die pikante Situation klar: Die Art, wie die junge Serpina mit verwuschelten Haaren aus dem Ehebett ihres Hausherrn schlüpft, zeigt sie nicht nur als Dienerin, sondern als bereits schwangere Geliebte – morgendliche Übelkeit inbegriffen. Denn Vormund Uberto ist schon lange ihren Reizen er­legen und sträubt sich nur vor dem Traualtar, weil er in der Ver­sion von Regisseurin Katharina Thoma ein geistliches Amt beklei­det. (…)
Dass diese Umdeutung in der Frankfurter Oper (…) so gut funktioniert, hat einerseits mit dem jungen, kanadischen, auch im echten Leben verheirateten Sängerpaar Simone Osborne (So­pran) und Gordon Bintner (Bassbariton) zu tun, die beide in ihren Rollendebüts so vertraut mitei­nander turteln, flirten, schmollen und sich aus der Reserve locken, dass die knapp 300 Jahre alte Buf­fa wie frisch geschrieben über die Rampe kommt.
Der ironisch aufflackernde Heiligenschein, das ins Rutschen ge­ratene Wand-Triptychon und das stumme Hausfaktotum Vespone (Schauspieler Frank Albrecht), das Serpina kurzerhand zu ihrem „Hauptmann Ungewitter" erklärt und damit die Eifersucht Ubertos auf die Spitze treibt, tun ihr Übri­ges. Dass Uberto am Ende für Ser­pina sogar seine Priesterrobe an den Nagel hängt und sich zu ihr und dem Kind bekennt, scheint nach so viel erregten Gefühlen nur folgerichtig. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Gordon Bintner ist ein durchaus ansehnlicher Uberto, kein Bass, sondern ein Bariton, der seine gesteigerte Agilität auch stimmlich auszudrücken vermag, und Simone Osborne ist eine mit allen Wassern gewaschene Serpina, die Körper, Geist und Stimme virtuos einzusetzen vermag, um aus dem Diener Gottes einen verantwortungsvollen und selbständig handelnden Menschen zu machen. (…)

Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo


(…) Im pausenlosen Anschluss kre­denzt der musikalische Leiter Karsten Januschke dann Pergole­sis berühmtestes Werk, seine er­greifendes Stabat mater, oder „Poem des Schmerzes", wie Belli­ni das Opus Magnum über die Klage Marias nannte, die den Tod ihres Sohnes am Kreuz betrauert. Passend weitet sich das von Etien­ne Pluss liebevoll gestaltete Priesterzimmer zum beeindruckenden Kirchenraum. Um die ebenso himmlisch wie dramatisch into­nierende Monika Buczkowska und Kelsey Lauritano versammelt Thoma assoziativ eine Gruppe stummer Versehrter: eine verletzte Obdachlose, eine Prostituierte, einen Flüchtling, zwei Kinder und das Paar Serpina-Uberto samt Nachwuchs aus dem ersten Teil, das sich vom Leid der Gottesmut­ter ganz besonders berührt zeigt, jetzt, wo es selbst ein Kind be­kommen hat. Mit dem Raum er­weitert sich auch Vespones stum­mes Spiel, der sich vom staunen­den Beobachter zum aktiven Hel­fer und schließlich zum Verstor­benen wandelt. (…)

Bettina Boyens, Offenbach-Post


(…) Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Leitung des lang mit der Oper Frankfurt verbundenen Dirigenten Karsten Januschke avancierte zum regelrechten Barockorchester. In recht üppiger Besetzung mit Streichern und Continuo ertönte ein wohlig aufeinander abgestimmer Klang – kühn, virtuos und dennoch geschmeidig gab sich das sehr gut eingespielte Orchester. Die Musiker*innen schienen am letzten Abend vor der bevorstehenden Schließung nochmal alles geben zu wollen und das war deutlich zu hören.
Das im echten Leben bereits verheiratete Paar Gordon Bintner und Simone Osborne war ein unverkennbar eingespieltes Team, das der Komödie Charme und Esprit verlieh. Seine flexible und kraftvolle Bassbariton-Stimme beeindruckte hier ebenso wie ihr frischer Sopran. Bei Stabat mater blieb die gesangliche Gestaltung auf ebenso hohem Niveau. Die Stimme der Sopranistin Monika Buczkowska leuchtete klar und hell mit wenig Vibrato und auch Bianca Andrew, die erst in der Spielzeit 2019/20 aus dem Opernstudio in das Ensemble der Oper Frankfurt wechselte, wartete mit ihrer distinguierten und ausdrucksstarken Mezzostimme auf. (…)

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) Dirigent Karsten Januschke und Regisseurin Katharina Thoma [tun] alles, um ein geschmeidiges Ganzes herzustellen. Die Musik beruhigt sich vom Intermezzo zur katholischen Dichtung hin, aber sie behält bei verlängerten Melodielinien und entsprechenden verlängerten Empfindungen im Text eine Sensibilität dem Wort gegenüber, die vom kleinen Orchester und winzigen Ensemble überwältigend intensiv umgesetzt wird. In der Oper zu Scherzen aufgelegt mit gewitzt reinkommentierenden Glissandi, im frommen Gesang engelsgleich.
Die Magd als Herrin verlegt Thoma nicht ungeschickt in ein katholisches Milieu – als sollte das Zaudern des Mannes mehr Veranlassung bekommen, auch wenn es nun zugleich das nicht euphorische, aber vorhandene Happyend gewissermaßen verunmöglicht. Zudem teilen Angestellte und Chef offenbar schon das große Bett, hinter dessen Vorhängen sie nacheinander auftauchen. Gut möglich, dass sie schon schwanger ist. Gordon Bintner ist Uberto, jetzt ein Geistlicher, der mit beweglichem Bassbariton und stoischer Haltung ein schönes Pendant zu Simone Osborne darstellt, der agilen, auch als Sopranistin robusten Serpina in diesem kanadischen Duett. Serpinas Kittelschürze (Kostüme: Irina Bartels) ist das einzige, das eine zeitliche Einordnung im Heute nahelegt. Im etwas kärglichen katholischen Umfeld (Bühne: Etienne Pluss, Licht: Olaf Winter), mit allerdings prachtvollem Klappaltar – auf dem, als einziger klassischer Gag, zwischenzeitlich das Antlitz der reizenden Serpina dem braven Mann erscheint.
(…)
Wirkungsvoll geht die Rückwand von Pfarrers Wohnung zu den ersten Takten des Stabat mater hoch, die Bühne wird weit und abstrakt. Als fromme Renaissancedamen schieben sich die Sopranistin Monika Buczkowska und Kelsey Lauritano, Mezzo, von den Seiten hinein: in geschmackvoller Hell-Dunkel-Malerei ausgeleuchtet, die samtenen Gewänder in einem die Malkunst herausfordernden Faltenwurf, die Stimmen homogen und meditativ genug, um bei aller Süße eine Novemberstimmung zu erzeugen. Gemäldehaft auch die Gesten, aber Thoma sorgt dafür, dass sie nicht ins Posieren kommen. Auch hier hält sich das Geschehen in einer Mittellage aus Ernst und Gelassenheit, so dass bei aller unverhohlener Theatermäßigkeit der Bebilderung doch das Leben gespiegelt wird. Vielleicht ist das das Besondere an der Regiearbeit, bei allen Einschränkungen, die man als amüsierwillige Zuschauerin dafür in Kauf nehmen muss: Sich gerade nicht mit den näherliegenden Lösungen zufriedenzugeben. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Die Sopranistin Monika Buczkowska und die Mezzosopranistin Kelsey Lauritano verkörperten [im Stabat mater] in roter und grüner Tracht fromme Frauen und sangen so schmerzlich innig, wie man diese Partien selten hört. Das Timbre ihrer Stimmen verschmolz zu einem glühenden Ton, überlagerte sich höchst empfindungsreich zu einer ebenso intensiv wie sensible geführten Ensemblebegleitung, souverän dirigiert von Karsten Januschke. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Karsten Januschke und das Museumsorchester verstehen sich auf die Sprache der Musik des 18. Jahrhunderts, rhetorisch ist das bis ins kleinste Detail ausgefeilt und auch jedes Komma, jedes Ausrufezeichen sitzt an der richtigen Stelle. (…)

Bernd Zegowitz, Wiesbadener Kurier

Serpina hat genug davon, für Uberto nur die Haushälterin zu sein; sie möchte seine Frau werden.

»Die Magd als Herrin« – La serva padrona: Dafür setzt Serpina all ihren Charme und Witz ein. Außerdem versichert sie sich der Mithilfe des (stummen) Dieners Vespone. Weil Uberto sich von Serpina nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen will, schickt er Vespone los, um ihm eine andere Frau ins Haus zu holen. Stattdessen überredet Serpina Vespone, sich ihrem Dienstherrn in Verkleidung als aufbrausender Offizier »Capitano Tempesta« zu präsentieren, der angeblich ihr Bräutigam ist. So gelingt es ihr, Uberto eifersüchtig zu machen. Endlich gesteht er ihr seine Liebe und willigt in die Heirat ein.

Auf poetische Weise beschwört das Stabat mater dolorosa (»Die Mutter stand mit Schmerzen«) das Bild Marias, die den Kreuzestod ihres Sohnes Jesus miterleben muss. Die mittelalterlichen lateinischen Verse wurden häufig vertont. Vielgespielt ist bis heute die Komposition Pergolesis für zwei Frauenstimmen, in der Duette mit Arien abwechseln; sie zeichnet sich durch große Schlichtheit und Innigkeit aus. Zusammen mit seiner Buffo-Oper La serva padrona ergibt sich ein reizvoll kontrastierender Doppelabend über die Liebe, das Leben und den Tod.

Mit freundlicher Unterstützung