Spielplan

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Julietta

Bohuslav Martinů 1890-1959

Lyrische Oper in drei Akten / UA 1938
Text von Bohuslav Martinů nach dem gleichnamigen Drama von Georges Neveux.
Uraufführung am 16. März 1938, Nationaltheater Prag

Premiere vom 21. Juni 2015

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer.

Musikalische Leitung Alexander Prior

Julietta Juanita Lascarro
Michel Aaron Blake
Kommissar (Briefträger) / Waldhüter / Lokomotivführer Jonathan Abernethy
Mann mit Helm / Altvater »Jugend« / Verkäufer von Erinnerungen / Blinder Bettler Iain MacNeil
Mann am Fenster / Sträfling Alexander Kiechle
Kleiner Araber / Erster Herr / Junger Matrose / Hotelboy Nina Tarandek
Alter Araber / Alter Mann / Alter Matrose Magnús Baldvinsson
Alte Frau / Alte Dame Judita Nagyová
Vogelverkäuferin / Zweiter Herr Julia Moorman°
Fischverkäuferin / Dritter Herr / Handleser Kelsey Lauritano°
Beamter / Nachtwächter Michael Petruccelli°

°Mitglied des Opernstudios

(…) Unter der Leitung des jun­gen britischen Dirigenten Alexan­der Prior kann man nun wieder er­leben, wie vielschichtig, farbenreich und auch humorvoll Martinů mit seiner Musik 1938 diese surreale Welt schildert. Von Entengequake, rhythmischem Eisenbahnrattern und sehr intensiven Momenten von Liebe und Zärtlichkeit nimmt die Musik das Publikum mit zu Traurigkeit und Verzweiflung – mitreißend musiziert vom Frank­furter Opern- und Museumsor­chester. Juanita Lascarro ist wieder eine in Erscheinung und Stimme verführerische Julietta. Erstmals an der Oper Frankfurt ist der amerikanische Tenor Aaron Blake zu erle­ben, der nicht nur die zunehmende Verwirrung des Michel glaubhaft verkörpert, sondern auch mit be­eindruckendem tenoralen Glanz zwischen Liebe und Leiden schwankt. (…) Julietta an der Frankfurter Oper sollte man gesehen haben.

Martin Grunenberg, Frankfurter Neue Presse


(…) Der blutjunge Dirigent Alexander Prior (…) motiviert das Orchester zu einer Glanzleistung und präsentiert dieses musikalische Stil-Amalgam hellwach und mit einer Sicherheit und Frische, als handele es sich um eine Premiere. Wunderbar farbig und geradezu rauschhaft entfaltet er die Zwischenspiele. Schon nach wenigen Minuten hat sich ein Sog entwickelt, der den Zuschauer packt und auch akustisch in die kafkaeske Traumwelt hineinzieht.
(…) Es scheint (…) so, als veranstalte die Oper Frankfurt in dieser Produktion vom Dirigenten über den männlichen Hauptdarsteller bis hin zur kleinsten Nebenrolle ein Schaulaufen der hoffnungsvollsten Talente, die man trotz ihrer Jugend ob der staunenswerten Professionalität gar nicht mehr als „Nachwuchs“ bezeichnen kann. (…)
Insgesamt wird in unverbrauchter Frische eine Produktion präsentiert, die intelligente und dabei kurzweilige Unterhaltung bietet. Ein Besuch dieser Wiederaufnahmeserie wird dringend empfohlen, denn sie wird bereits die letzte sein. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Die Sehnsucht zieht den Buchhändler Michel zurück in das Städtchen, wo er sich einst in eine Frau, die er am Fenster singen hörte, verliebt hatte. Schon am Bahnhof muss er feststellen, dass die Bewohner des Ortes ihr Gedächtnis verloren haben. Der Klang des Liedes führt ihn schließlich zu jener Frau, Julietta. Doch die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion sind in diesem surrealen Werk durchlässig. Martinůs hinreißende Oper führt in eine Welt, in der die Zeit abhandengekommen scheint, in der Erinnerungen zwar käuflich, aber deswegen nicht unbedingt zuverlässig sind. Einflüsse von Debussys atmosphärischer Klangsprache, Populärmusik der Zeit sowie der tschechischen Musiktradition fügen sich zu einem tonmalerischen Gesamtbild von absurd-schöner Poesie.