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Die Nacht vor Weihnachten

Nikolai A. Rimski-Korsakow 1844–1908

Oper in vier Akten
Text vom Komponisten nach Nikolai W. Gogol
Uraufführung 1895, Mariinski Theater, St. Petersburg

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video

Musikalische Leitung Sebastian Weigle

Wakula Georgy Vasiliev
Oksana  Julia Muzychenko
Solocha Enkelejda Shkoza
Tschub Alexey Tikhomirov
Teufel Andrei Popov
Panas Anthony Robin Schneider
Der Bürgermeister Sebastian Geyer
Der Diakon Ossip Peter Marsh
Die Zarin Bianca Andrew
Pazjuk Thomas Faulkner
Frau mit violetter Nase Enkelejda Shkoza
Frau mit gewöhnlicher Nase Barbara Zechmeister

Über allem Hexenzauber Liebe
Christof Loy und Sebastian Weigle führen Nikolai Rimski-Korsakows kaum je gespielte Oper Die Nacht vor Weihnachten in Frankfurt zum triumphalen Erfolg
(…)

Uwe Schweikert, Opernwelt


(…) Der Regis­seur Chris­tof Loy (…) hat sich vom Frank­fur­ter Inten­dan­ten Bernd Loebe gewünscht, Rimski-Korsa­kows Märchen Die Nacht vor Weih­nach­ten nach einer Erzäh­lung von Niko­laj Gogol insze­nie­ren zu dürfen. Als Er­gebnis ist nun eines der größ­ten Thea­ter­wun­der der Frank­fur­ter Opern­ge­schich­te zu bestau­nen. (…)

Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung


(…) Ziehen Sie Ihre Maske auf, kaufen Sie Ihr Zugticket, oder schnallen Sie sich in Ihrem Flugzeugsitz an, um sich auf den Weg nach Frankfurt zu machen und diese Inszenierung zu sehen. Unsere Herzen brauchen Wärme, und sie versieht diesen Job besser als jeder Schnaps.

Shirley Apthorp, Financial Times (Übersetzung: Oper Frankfurt)


(…) Rimski-Korsakow griff (wie Humperdinck in einer anderen großen Weihnachtsoper, die sich in der Konkurrenz, und das sagen wir nicht jeden Tag, warm anziehen muss) auch nach Vorhandenem, sowohl für die fidelen jahreszeitgemäßen Koljada-Lieder – hier namentlich zu einer Sammlung ukrainischer Volkslieder – als auch die geistliche Besinnung.
Diese klassische Kunstvolkstümlichkeit funktioniert unmittelbar, zumal Rimski-Korsakow sie delikat orchestriert – vor allem den klirrenden Frost überirdisch funkeln lässt (Kristalle wie Sterne), und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester lässt es unter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle auch funkeln und strahlen. Munter und aufgedreht wird es musikalisch, derb wird es im Grunde genommen nie – man könnte schon, Weigle und Regisseur Christof Loy sind sich offenkundig einig darin, es nicht zu tun. Der Komponist sorgt ohnehin für ständige Abwechslung, strapaziert keinen Einfall über, hat lieber noch einen und noch einen. Die beiden längsten, überhaupt die einzigen beiden langen Arien bekommt Oksana, die kapriziöse, dann aber sehr verliebte junge Frau. Ewig will man ihr zuhören, ewig will man dem in engelhafte Höhen getriebenen Sopran von Julia Muzychenko zuhören. Ihre Oksana ist reizend, sie ist eitel, sie will die Schuhe der Zarin, aber dann will sie vor allem den Tenor und Schmied Wakula, und das ist leicht nachzuvollziehen, denn Georgy Vasiliev, auch er bei seinem Frankfurt-Debüt, ist und singt enorm rodolfohaft. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Neben den Huldigungen der Hofdamen – es dürfte in der russischen Oper kaum schönere Gesangsgirlanden geben – macht der Chor der Oper Frankfurt mit seinem Direktor Tilman Michael aus jedem seiner Auftritte ein Fest. (…)

Roland H. Dippel, www.die-deutsche-buehne.de


(…) In einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten bat der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe vor kurzem flehentlich: "Bitte zerstören Sie nicht, was wir in Jahrzehnten aufgebaut haben!" Fürs Weiterspielen tut das Haus alles, testet Zuschauer selbst. Diese explodieren am Ende dieser herrlichen Aufführung geradezu vor Glück.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung


(…) Christof Loy inszenierte die pantheistische Märchenoper aus dem Jahre 1895 mit geschmackvoller Opulenz. In Johannes Leiackers sternenreichem Weltenkosmos mit Riesenmond erzählt er die Geschichte vom braven Schmied Wakula, der auf dem Rücken des Teufels nach Moskau reitet, um für seine anspruchsvolle Verlobte Oksana die goldenen Schuhe der Zarin zu erbitten. Diese Bedingung hatte ihm die selbstverliebte Oksana für die Heirat gestellt.
Ursula Renzenbrinks von russischer Folklore inspirierten Kostüme, der komplette Zarenhof von Katharina der Großen in detailgetreuen Roben und neun teils klassische Tänzerinnen und Tänzer bildeten den Rahmen für die Verbindung von christlicher Vorweihnachtsstimmung mit Gestalten heidnischer Sonnenwendmythologie. Vier russische Gäste in den Hauptpartien verstärkten in ihren Hausdebüts den präzis intonierenden Chor des Hauses, weitere fünf Frankfurter Solisten und das hervorragend von Sebastian Weigle disponierte Opernorchester (…).

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Sagenwelten haben es im Westen schwer. Doch langsam finden seine [Nikolai Rimski-Korsakows] Opern auch hier wieder Gehör, wenn sich auch niemand erinnern kann, die Weihnachtsoper in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland erlebt zu haben.
Die Oper Frankfurt holte das Versäumnis mit einer hinreißenden Produktion nach, die jetzt schon als Wiederentdeckung der Saison gefeiert werden darf. (…)
(…) Wobei man nicht weiß, was mehr zu bewundern ist: die Flugchoreographie von Ran Arthur Braun oder die Unerschrockenheit der schwerelos durch die Lüfte schwebenden und purzelnden Sänger.

Nikolaus Schmidt, Badische Neueste Nachrichten


(…) Die meisten Hauptpartien werden von russischen Muttersprachlern gesungen, von ausnahmslos charaktervollen Stimmen, die überwiegend sowohl an der Oper Frankfurt als auch in ihren Partien debütieren. Georgy Vasiliev singt den Schmied Wakula mit stämmigem Tenor, Julia Muzychenko malt als Oksana ihre beiden Arien lyrisch feinfühlig aus, Alexey Tikhomirov gibt deren Vater Tschub mit hünenhaftem Bass. Den arg machtlosen Teufel mit Anzug und freier Brust färbt Andrei Popov geschmeidig, Enkelejda Shkoza singt und spielt die Mutter Solocha mit herzhaftem Mezzosopran. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Christof Loy gelingt ein sinnliches Spiel voller Humor und Leichtigkeit. Ins harmonische Schlussbild reiht sich selbst der Teufel ein – unbedeutend geworden. Welch schöne Illusion!

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

Weihnachten in dem ukrainischen Dorf Dikanka: Wie in jedem Jahr ziehen die Bewohner singend von Haus zu Haus und feiern die Geburt Christi. Der Schmied Wakula hingegen bläst Trübsal, denn er ist unglücklich in die schöne Gutsherrentochter Oksana verliebt. Diese will Wakula aber nur heiraten, wenn er ihr die goldenen Schuhe der Zarin besorgt. Verzweifelt wendet sich der Schmied an den Teufel, der umgehend mit ihm in die Hauptstadt fliegt. Die Zarin schenkt Wakula ihr schönstes Paar Schuhe und so steht seiner Hochzeit mit Oksana nichts mehr im Wege. 

In Die Nacht vor Weihnachten verbindet Nikolai A. Rimski-Korsakow die satirisch-realistische Darstellung eines ukrainischen Dorflebens mit allerhand fantastischen und mythologischen Elementen. Der grotesk-bunte Kosmos seiner Oper umfasst heuchlerische Amts- und Würdenträger genauso wie Hexen und Teufel, Luftgeister und Sonnengottheiten. Mit der Vertonung von Gogols gleichnamiger Erzählung hatte Rimski-Korsakow über zehn Jahre lang gewartet – aus Rücksicht auf Peter I. Tschaikowski, der den Stoff bereits 1874 in Der Schmied Wakula verarbeiteteErst nach Tschaikowskis Tod im Jahr 1893 begann er mit der Komposition und griff dabei musikalisch in die Vollen: Die Partitur ist gespickt mit Zitaten ukrainischer Volkslieder – so etwa in den Weihnachtsgesängen der Dorfbewohner, die sich immer wieder zu raumgreifenden Klangschichtungen verdichten. In fluoreszierenden Farben bringt der Komponist die Gestirne am Himmel zum Tanzen und schildert auf geradezu cineastische Weise Wakulas Flug durch die nächtlichen Lüfte.

Gogols Erzählung erfreut sich bis heute in Russland großer Beliebtheit – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Märchenverfilmungen des Stoffes. Rimski-Korsakows Vertonung hingegen ist weitaus unbekannter. Passend zur Weihnachtszeit kommt diese Opernrarität nun in der Regie von Christof Loy zur Frankfurter Erstaufführung.  

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