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Der Zar lässt sich fotografieren / Die Kluge

Kurt Weill (1900-1950)
Carl Orff (1895-1982)

(Ersetzt BORIS GODUNOW)

Der Zar lässt sich fotografieren

Opera buffa in einem Akt
Text von Georg Kaiser
Uraufführung am 18. Februar 1928, Neues Theater, Leipzig

Die Kluge

Oper in 12 Szenen
Text vom Komponisten
Uraufführung am 20. Februar 1943, Opernhaus, Frankfurt am Main

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video (verfügbar kurz vor der Premiere hier und auf YouTube)

Die Freude am Spiel mit Theaterformen, Erzähltraditionen und Konventionen des Musiktheaters teilen der Dessauer Kurt Weill und der Münchner Carl Orff. Während sich der eine mit seinem 1928 uraufgeführten Werk Der Zar lässt sich fotografieren auf das Gebiet der komischen Oper begibt, schafft der andere mit Die Kluge Anfang der 40er Jahre ein heiter-ernstes Sinnspiel, in dem sich Märchen, Volkstheater und bayerische »Kumedi« miteinander verbinden.

Im Zentrum der Handlung von Weills turbulentem Einakter steht ein Zar, auf den in einem Pariser Fotoatelier ein Attentat verübt werden soll. Zwischen dem Aristokraten und einer der Mitverschwörer*innen, die sich als Fotografin Angèle ausgibt, entwickelt sich ein für den Machthaber lebensgefährlicher Flirt … Als echte Zeitoper lässt Weills Werk populäre Unterhaltungsmusik anklingen und integriert technische Innovationen wie das Grammophon, auf dem der zum Hit avancierte Tango Angèle abgespielt wird.

Mit einem vergleichbaren Schwung und doch in ganz anderem Duktus entwickelt Carl Orff seine Oper Die Kluge. Er greift dafür auf das Grimm’sche Märchen Die kluge Bauerntochter zurück, jene Geschichte vom König und der klugen Frau, die sich in unzähligen Varianten weltweit wiederfindet. Von der Sprache ausgehend, zielt Orffs radikale und raffiniert primitive Partitur auf eine plastische Bühnenwirksamkeit. Dabei reicht die Palette des Ausdrucks vom gesprochenen über das rhythmisierte Wort bis hin zur Kantilene; entsprechend nimmt im Orchester das Schlagwerk eine Orff-typische Sonderstellung ein. Durch die Verwendung von Knittelversen entsteht eine kunstvolle Volkstümlichkeit, die immer wieder in die Persiflage kippt.

In Weills »Zar-Oper« wird das Geschehen von einem Herrenchor in Frack und Zylinder kommentiert. Bei Orff äußern sich drei Shakespeare-hafte Strolche in bänkelsängerischen Ensembles zu den Ereignissen – und so hörte das Publikum der Frankfurter Uraufführung im Jahr 1943 aus ihrem Mund die Worte: »Tyrannis führt das Zepter weit« …