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Der Traumgörge

Alexander Zemlinsky (1871-1942)

Oper in zwei Akten und einem Nachspiel
Text von Leo Feld
Uraufführung am 11. Oktober 1980, Opernhaus, Nürnberg

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Markus Poschner / Nikolai Petersen (Januar)

Görge Ian Koziara
Prinzessin / Gertraud Eleonore Marguerre
Grete Juanita Lascarro
Hans Liviu Holender
Marei Angela Vallone
Müller Barnaby Rea
Pastor Dietrich Volle
Züngl Ralf Simon
Kaspar Davide Damiani
Mathes Iain MacNeil
Wirtin Barbara Zechmeister
Wirt Matthew Swensen

Wenn Märchen eines Tages lebendig werden ... Vision oder Alptraum?

Um 1900 erlebte Wien eine kulturelle Blüte epochaler Bedeutung. Dabei avancierten Sigmund Freuds bahnbrechende Traumforschungen und seine Deutungen der Welt des Unbewussten zu den stärksten Inspirationsquellen für Literatur, Theater und Musik. Auch Görge, der Titelheld von Zemlinskys Oper, verarbeitet in seinen Träumen Ängste und Schicksalsschläge. Er lebt in der Welt seiner Bücher und verliebt sich in eine Traumprinzessin. Allerdings soll er Grete heiraten, eine bodenständige junge Frau, die sich von ihm mehr Realitätssinn wünscht. Doch Görge will sein Lebensmärchen verwirklichen. Er strandet als Trinker in einem Dorf und wird auch dort als Außenseiter betrachtet. In Gertraud, die als Brandstifterin und Hexe verschrien ist, erkennt Görge seine Prinzessin wieder. Mit ihr kann er seinen »Märchen lauschen, träumen, schweigen und spielen«.

Die zentralen Themen der Oper, Ablehnung und Hass gegenüber Fremden, ziehen sich wie ein roter Faden auch durch das Leben von Alexander Zemlinsky: In Wien erlebte er die ersten Anfeindungen gegen jüdische Künstler. Eines der prominenten Opfer war Hofoperndirektor Gustav Mahler, der ihn mit der Komposition beauftragt hatte. Auch seine unglückliche Liebe zu Alma Schindler floss in seine dritte Oper ein. Nach Mahlers Entlassung wurde die Premiere umstandslos gestrichen. So kam das Werk erst 1980 als Höhepunkt einer Zemlinsky-Renaissance in Nürnberg zur Uraufführung. Die hochromantische und ausdrucksstarke Musik erinnert zuweilen an Wagner, Mahler oder Humperdinck, wirkt dabei aber originell und inspiriert. Zemlinskys Partitur glänzt durch brillante Einfälle und raffinierte harmonische Konstellationen, die für expressive Momente in einer Geschichte über Außenseitertum, verzerrte Märchenwelten und Lebensalternativen sorgen.