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Der ferne Klang

Franz Schreker 1878-1934

Oper in drei Aufzügen
Text vom Komponisten
Uraufführung am 18. August 1912, Opernhaus, Frankfurt am Main

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Wir widmen diese Neuproduktion von Franz Schrekers am 18. August 1912  in Frankfurt uraufgeführter Oper Michael Gielen (1927-2019), der von 1977 bis 1987 Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main war.

Musikalische Leitung Sebastian Weigle / Florian Erdl (11.5.)
Grete Graumann Jennifer Holloway
Fritz Ian Koziara
Wirt des Gausthauses "Zum Schwan" Anthony Robin Schneider
Ein Schmierenschauspieler Iurii Samoilov
Der alte Graumann / 2. Chorist Magnús Baldvinsson
Seine Frau Barbara Zechmeister
Dr. Vigelius Dietrich Volle
Ein altes Weib Nadine Secunde
Mizi Julia Dawson
Milli / Die Kellnerin Bianca Andrew*
Mary Julia Moorman*
Eine Spanierin Kelsey Lauritano*
Der Graf Gordon Bintner
Der Baron Iain MacNeil*
Der Chevalier / 1. Chorist Theo Lebow
Rudolf Sebastian Geyer
Die Kellnerin Bianca Andrew*
Ein zweifelhaftes Indididuum Hans-Jürgen Lazar
Ein Polizeimann Anatolii Suprun*
Alte Grete Steffie Sehling
Alter Fritz Martin Georgi

*Mitglied des Opernstudios

Laute Jubelchöre erklangen am Sonntagabend im Opernhaus nach der Neuinszenierung von Franz Schrekers Künstleroper Der ferne Klang. Große Zustimmung erhielt die sensible Regie von Damiano Michieletto, der die Geschichte um den Komponisten Fritz, der seine Geliebte Grete verlässt, um dem fernen Klang nachzujagen, mit einer raffiniert eingewobenen Erzählklammer versah.
Der erstmals in Frankfurt inszenierende Venezianer beschrieb die Handlung als eine Mischung aus Rückblenden, Träumen und Wunschvorstellungen, die sich in der Seele der gealterten Liebenden Fritz und Grete abspielen. Kongenial zur assoziativen Erzählstruktur erschuf Paolo Fantin mehrfache Bühnenebenen, in denen sich hinter durchsichtigen Vorhängen Ausschnitte der Geschehnisse abspielten, Zeitsprünge ereigneten und großformatige Bilder der Live-Kameras projiziert werden konnten.
Alle Sänger der erstmals in Frankfurt seit 1945 zu bewundernden Oper, die 1912 in Frankfurt uraufgeführt wurde, überzeugten als Debütanten in ihren Rollen. Sowohl die temperamentvolle Mezzosopranistin Jennifer Holloway in der Partie der Grete als auch der dynamische Ian Koziara als Fritz beeindruckten mit ihren lebendigen Charakterstudien und stimmlichen Höchstleistungen. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle wusste mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester sowohl die naturalistischen Milieus im Libretto zu prallem Leben zu erwecken, als auch die aufwühlende Romantik und die symbolistischen Partien Schrekers heraus zu meißeln.

Bettina Boyens / Wieland Aschinger, www.musik-heute.de


(…) Eine Empfehlung? Unbedingt! Die Sopranistin Jennifer Holloway und Dirigent Sebastian Weigle sind die Stars dieser Aufführung. Die große Stimme und der große Klang des Orchesters sind überwältigend. Diese Oper ist eine poetische Liebeserklärung im phantasmagorischen Gewand, man verlässt das Opernhaus mit einer Überraschung: Welch große Gefühle habe ich hier erlebt!

Natascha Pflaumbaum, hr2-kultur / Kulturfrühstück


(…) Der italienische Regisseur Damiano Michieletto (…) schafft ein eindringliches, psychologisch aufgeladenes Tableau zweier Liebenden, die zeitlebens, trotz räumlicher Distanz, miteinander verbunden sind, jedoch nie ganz zueinander finden. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt und weite Kreise zieht, so überlagern sich die Begegnungen und Erinnerungen von Fritz und Grete. Zeitliche Grenzen werden aufgelöst, überlagern und begegnen sich. Hervorgehoben wird dieser Eindruck durch elegante Videoeinspielungen von rocafilm (Roland Horvath und Carmen Zimmermann), die den Schein der geträumten Wirklichkeit zusätzlich verstärken. (…)
Michielettos Produktion beeindruckt durch ihre psychologisch aufgeladene Interpretation, einer eindringlichen Personenführung und intensiven dramatischen Bögen, während die Musik äußerst impressionistisch und ungewohnt leichtfüßig daherkommt. Allein aufgrund der aktuell geringen Zahl der Produktionen von Franz Schrekers Opern lohnt es, seine Musik in Frankfurt mit dieser besonders nachdenklichen, einfühlsamen und berührenden Produktion, wiederzuentdecken.

Alexandra Richter, www.bachtrack.com


(…) Und immer klarer tritt hervor, dass Greta selbst das Geheimnis des fernen Klangs, also den Schlüssel zur Inspiration, immer schon in sich trägt.
Der Moment, als Fritz und Greta dies bei ihrem letzten Wiedersehen erkennen, als beide, nunmehr alt, krank und gezeichnet vom Leben, ihr Dasein und ihre Liebe als vertane Chance begreifen, gerät zum Anrührendsten, was seit langem auf der Frankfurter Bühne zu sehen war. Das hängt auch mit der traumwandlerischen Sicherheit und Sensibilität zusammen, mit der Generalmusikdirektor Sebastian Weigle und das Museumsorchester Schrekers suggestive Klänge gerade im Leisen zum Sprechen bringen. (…)

Christian Wildhagen, Neue Zürcher Zeitung


(…) Jennifer Holloway nutzt entschlossen ihre Chance. Sie gestaltet mit dieser Grete ein packendes Frauenportrait, macht mit ihrem eleganten, gut fokussierten Sopran das naive Mädchen, die verzweifelte verschacherte Braut, die venezianische Edelkurtisane und die abgesunkene Grete ebenso glaubhaft wie die ganz alte Frau, die ihren sterbenden Fritz endlich wieder in den Armen hält – und ihm verzeiht. Was er eigentlich nicht verdient hat, denn, immer nur seinem Drang und Trieb folgend, hatte er sie längst vergessen, als er sie auf einem venezianischen Fest wiedersah. Und auch da hatte er nichts Besseres zu tun, als die „Gefallene“ zu verurteilen und zu beschimpfen. Seinem Ziel, dem fernen Klang, jagte er da noch immer erfolglos hinterher. Ian Koziera singt diesen Mistkerl mit tenoralem Schmelz und der nötigen Durchschlagskraft (…). Beide Sänger spielen auch noch fabelhaft, so dass die Zuschauer buchstäblich an ihren Lippen hängen und neugierig auf ihre Entwicklung blicken.
(…)
Paolo Fantin hat dafür ein Einheitsbühnenbild geschaffen, in dem sich vier weiße Räume hintereinander staffeln, zwischen denen immer wieder weiße Schleier auf- und zugehen und das Traumhafte der Vorgänge sinnlich verdeutlichen. Die Übergänge zwischen den Szenen werden fließend, die Dekoration kann ungesehen wechseln – bald hängt die Möblierung des Altersheims kopfüber an der Decke, bald schwebt die Harfe über der Szene, wenn Fritz wieder einmal von seinem fernen Klang träumt. Und zum Schlussbild senken sich gar sämtliche Instrumente des Orchesters herab – sie müssen stumm bleiben, da Fritz seinen Traumklang auch im Tode nicht hören wird.
Die Videokünstler Roland Horvath und Carmen Zimmermann nutzen die Schleier zur dezenten Projektion abstrakter weißer Muster, die traumhaft in der Luft weben, aber auch zu drastischen Bildern des kranken Fritz in seinem Bett. Als sein Arzt Rudolf setzt Sebastian Geyer am Ende noch einen Glanzpunkt, so wie dies davor Iurii Samoilov als Schmierenschauspieler, Dietrich Volle als Dr. Vigelius, Gordon Bintner als der Graf, der die von Fritz verschmähte Grete für ein paar Jahre heiratete, aber auch Nadine Secunde als die alte Frau getan haben, die Grete für ihren Edelpuff anwarb. In dem riesigen Sängerensemble gab es auch sonst nur Erfreuliches, und der von Tilman Michael wie gewohnt klangvoll einstudierte Chor führte sich mal als ekelhafte Meute, mal als beseligte Masse auf. (…)

Bernd Feuchtner, www.klassikinfo.de


(…) Der ferne Klang, dessen autobiografischer Gehalt sich auch in der engen Kleinbürgerwelt des ersten Aktes spiegelt, erzählt eine kleine Geschichte zweier nicht einmal besonders originell scheiternder Lebensläufe in musikalischem Cinemascope. Das ist nicht unangemessen, wenn man eine Vorstellung von inneren Stürmen hat. Es ist erst recht nicht unangemessen, indem Generalmusikdirektor Sebastian Weigle in Frankfurt jetzt eine derart fein gesponnene, brillant transparente, unschroffe (sehr punktuell schroffe) Musik vorstellt, dass die von Fritzens Publikum vermisste Stimmigkeit in reinster Form erklingt. Das Süße und die Dringlichkeit bekommen in Frankfurt Raum, aber nicht, um ihn zuzukleben, sondern damit Schrekers Musik Luft zum Atmen hat – eine eigene Musik aus dem Kosmos Strauss’ und Wagners, und das Ende des Fernen Klangs ist puccinesk.
Mit immenser Sorgfalt entfalten Weigle und das Orchester mit strahlenden Solisten auch die raffinierten Gleichzeitigkeiten der verwickelten Ensembleszenen. Schreker glüht dabei vor Ehrgeiz, die Frankfurter aber zeigen Nerven wie Stahl und lassen hundert Details hören und dazu Dutzende Stimmen, mit immer eigenen Farben: ein kleines Fest der menschlichen Stimme. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Im Edelbordell scheint der Jugendstil-Maler Gustav Klimt über allen Wassern zu schweben, es sind auf Lustbarkeit erpichte Gästen da und ein sich leicht seines Glitzerfummels entledigendes Personal. Auch Grete, die von einer Puffmutter (Nadine Sekunde) bedrängt wird, zieht es dorthin. Hier bringt Gordon Bintner als in Grete vernarrter Graf in der Ballade von der glühenden Krone seine Bassbariton-Qualitäten ins Spiel. Der junge US-Tenor Theo Lebow sympathisiert kokett mit den „Blumenmädchen von Sorrent“.
Für den Abstieg vom naiven Mädel zur Edelprostituierten und Straßenhure hat Jennifer Holloways lyrisch wie dramatisch ausgereifter Sopran viele Facetten. Als Fritz setzt Debütant Ian Koziara (USA) einen klangschönen, elastischen Tenor ein. Auf seinem Sterbebett wie in einer Pieta vereint, scheinen Wagners Tristan und Isolde nahe. Große Oper am Willy-Brandt-Platz. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Nicht mehr um das Sich-Verfehlen des sich prostituierenden Kleinbürgermädchens Grete Graumann und des in ihren Armen verpasste Lebenschancen erkennenden Komponisten Fritz geht es in erster Linie. Steffie Sehling und Martin Georgi werden als deren stark gealterte Doubles zu stummen Hauptfiguren. (…)

Roland H. Dippel, www.concerti.de


(…) Generell stellt sich pures Opern­glück ein, wenn Regisseure der Mu­sik leidenschaftlich zuhören. Der Venezianer Damiano Michieletto, Jahrgang 1975 und erstmals an der Oper Frankfurt zu Gast, scheint ein ganz besonderes Gespür für das sze­nische Umsetzen von Klängen zu haben, wobei er nach eigenen An­gaben nie die Regieanweisungen liest, sondern ausschließlich Text und Ton vertraut. Das Ergebnis ist in jeder Szene überzeugend: Seine Personenzeichnungen gehören zum psychologisch ausgefeiltesten, was in dieser Saison in Frankfurt zu erleben war.
Vor allem, wenn zwei Zeitebe­nen ineinander greifen und das ge­alterte Paar abwechselnd Kontakt zu den Erinnerungen herzustellen versucht, ist die psychische Wir­kung überwältigend. So will die junge Grete am Ende des ersten Ak­tes Selbstmord begehen, weil sie von ihrem versoffenen Vater beim Kegelspiel als Wetteinsatz an den übergriffigen Wirt verschachert wurde.
Aus Verzweiflung läuft sie von zu Hause fort und glaubt, ihre See­lenqualen im kalten Wasser erträn­ken zu können. Da erscheint Fritz als alter Mann (vorzüglich in der Pantomime: Martin Georgi), der seine junge Grete mit stummer, be­wegender Geste vor dem Freitod bewahrt. Aber auch in den natura­listisch prallen Milieustudien des ersten Aktes, der prachtvoll in Sze­ne gesetzten Venedig-Orgie des zweiten und der raffinierten „Oper-in-der-Oper"-Sequenz des dritten beweist Michieletto außergewöhn­liches psychologisches Geschick. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Dabei hätte Generalmusikdirektor Sebastian Weigle mit dem Frankfurter Opernorchester in Hochform noch dicker auftrumpfen können an schwelgerischer Opulenz. Aber in der klugen Balance zu den Singstimmen ist die Wirkung umso größer, zumal Schrekers Komposition wie ein Suchscheinwerfer die Psyche der Hauptfiguren abtastet, während ihre Umgebung im flüssigen musikdramatischen Erzählton aufgehoben ist. Diese vielen Gleichzeitigkeiten, die stilistisch sehr unterschiedliche Töne anschlagen, sind das vielleicht größte Ereignis dieses Abends, und wie differenziert Sebastian Weigle die raffiniert instrumentierten Abläufe steuert, fesselt die Aufmerksamkeit. (…)

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier


(…) Das Publikum tobt begeistert. Schreker gehört halt nach Frankfurt.

Bernd Zegowitz, Badische Neueste Nachrichten


(…) Damiano Michieletto inszeniert die Geschichte als traumschöne Szenenfolge in einem Seniorenstift. Hier mischen sich Realität und Wahnvorstellungen auf virtuose Weise. Ein altes Paar, Steffie Sehling und Martin Georgi, doubeln die echten Fritz und Grete. Sanft bewegte Gazevorhänge trennen Szenerien und Handlungsteile auf ungemein ästhetische Weise. Zum Finale schweben unzählige Instrumente vom Bühnenhimmel herab. Damiano Michieletto merkt man die Liebe zu seinen Figuren an. Besonders erfreulich ist, dass er die Grenze zum Kitsch nie überschreitet, was bei Der ferne Klang leicht passieren kann. Ein intensiver, stark bejubelter Abend!

Jörn Florian Fuchs, BR-Klassik / Leporello


(…) Jennifer Holloway als Grete bringt einen großen, zu dramatischer Dringlichkeit fähigen Sopran mit dezenter Mezzo-Grundierung ein und findet sehr anrührende Formulierungen für das Leid dieser Frau, Ian Koziara ist als Fritz so stark, dass man staunt, wie selbstverständlich Klangschönheit und Verzweiflung einhergehen können. Daneben verlangt die Partitur neben einigen Chören (Tilman Michael) viele mittlere und kleine Rollen, die durchweg überzeugend gestaltet werden. Vor allem Dietrich Volle als Doktor Vigelius bleibt in Erinnerung, im ersten Bild Teil der niederträchtigen Säuferrunde, wird er am Ende zu Gretes reuevollem Unterstützer. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Gegen (…) Ende hin bietet nicht nur die Musik ein emotionales Crescendo, auch die Szene verzaubert. Wenn plötzlich sämtliche Vorhänge fallen und aus dem Schnürboden Instrumente schweben, ist das ein echter Coup, der obendrein die Geschichte auf den Punkt bringt.
Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester bieten mit Lebens- und Todessehnsucht, aufsteigenden Klangwolken zwischen Romantik und Moderne, den wunderbaren Verwandlungsmusiken und einem Hauch von Fin de siècle alles auf, was diese Musik so reichlich bietet. Das ist in den Chorpassagen klar und präzise strukturiert und nie lärmig, und in den sinfonischen Passagen von betörender Suggestivkraft.
Vor allem Jennifer Holloway als Grete und Ian Koziara als Fritz haben keine Mühe, sich bei ihrem Aneinander-vorbei-Leben zu behaupten. Wie an der Oper Frankfurt üblich, sind auch alle anderen Solopartien exquisit besetzt. Von Iurii Samoilov als Schmierenschauspieler, über Julia Dawson als Edelnutte Mizzi bis zu Gordon Bintner als Gretes zeitweiligem gräflichen Verehrer. Ohne Gesang aber in der Darstellung der gealterten Alter Egos überzeugen auch Steffi Sehling und Martin Georgi.
Die Oper Frankfurt hat diese Produktion ihrem GMD von 1977 bis 1987, dem am 8. März verstorbenen Michael Gielen gewidmet. Ihm hat die beginnende Schreker-Wiederentdeckung mit seinen Dirigaten der Gezeichneten (1979 Frankfurt) und dem Fernen Klang an der Lindenoper in Berlin (2002) viel zu verdanken.

Joachim Lange, Dresdner Neueste Nachrichten


(…) Musik und Szene in musiktheatralisch vollendeter Durchdringung: im weißen Schleierraum fahren über den Liebenden alle Instrumente der Musik herab, sie beide scheinen vom Kosmos der Klänge umgeben und umspielt und umtost, alle Realität scheint im schwebenden All des Tönens aufgehoben – von Gretas Liebesschwärmen umhüllt stirbt Fritz – das Ende aller Klänge und Irrungen und Wirrungen, die weiße Schleierwelt fällt herab – schwarze Nacht und Blackout – Überwältigung – und nur ein Wort: Grandios!

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)

Ist der Weg das Ziel? Die Suche nach der blauen Blume, dem Sinnbild der Romantik, war die Imagination ewiger Wanderung zu einem Punkt jenseits alles Sichtbaren. Einer Erfüllung, die nicht in der Außenwelt, nicht im Kunstbetrieb zu finden war, sondern allein in der Seele. Das Fahnden nach dem fernen und metaphysischen Klang in Franz Schrekers erster abendfüllender Oper war das musikalische Pendant solcher Suche. Erst am Ende, im Zeichen des Todes, als ferne Glocken zu läuten beginnen, glaubt der Held, der Tonsetzer Fritz, im Inneren den Klang zu erlauschen, nach dem er sich unablässig verzehrt hatte. Zugleich ist dies der Augenblick, worin sich im Eros einer letzten Umarmung die künstlerische Erlösung vollzieht. »Hörst du den Ton? / Der schwindet mir nimmer / den halt ich so fest / wie ich dich nicht mehr lasse.«

Michael Gielen, ehemaliger Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt, der 1979 eine Schreker-Renaissance auslöste, pries einst die unterirdischen Verbindungslinien der Klangfelder und Zentralklänge des zwischen Spätromantik und Moderne stehenden Komponisten, seine an Freuds Traumdeutung orientierteVerknüpfung thematischer Gebilde. Schrekers tiefenpsychologisch motivierte Darstellung einer Recherche nach ästhetischer Authentizität aus dem Geistder Musik stellt neben die Künstlertragödie noch das vom Naturalismus geprägte, die Kolportage streifende Desillusionsdrama des weiblichen Opfers. Die wegen des angestrebten Kunstideals verlassene und vom eigenen Vater verschacherte »Jungfrau Margareta«, Grete genannt, wandelt sich als Greta zunächst zur Edelprostituierten und zur Straßenhure. Am Ende, als der Vorhang fällt, bleibt sie allein zurück.

Mit freundlicher Unterstützung