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Il Corsaro

Giuseppe Verdi 1813-1901

Melodramma tragico in drei Akten
Text von Francesco Maria Piave nach der Erzählung The Corsair (1814) von Lord Byron
Uraufführung am 25. Oktober 1848, Teatro Grande, Triest

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Francesco Lanzillotta
Seid Željko Lučić
Medora Dorothea Röschmann
Gulnara Roberta Mantegna
Corrado Mario Chang
Giovanni Brandon Cedel

»Der wesentlichste Sinn des Lebens ist Gefühl: zu fühlen, dass wir sind; und sei es durch den Schmerz«, schrieb Lord Byron. Der Titelheld der Verserzählung The Corsair ist darin ein Ebenbild seines Schöpfers: ein echt Byron’scher Held. Seine Vergangenheit birgt dunkle Geheimnisse, sein Todesmut ist die Kehrseite seines Lebensüberdrusses, und die Liebe einer Frau gibt ihm nicht wirklich Halt. Corrado, offenbar von adeliger Herkunft, führt als Anführer der Freibeuter ein Leben außerhalb der Gesellschaft. Als sich die Gelegenheit zu einem Schlag gegen die Osmanen bietet, lässt er seine Geliebte Medora auf der Felseninsel, die sein Hauptquartier ist, zurück. Der Angriff auf den peloponnesischen Hafen Koroni misslingt, als Corrado die Frauen aus dem in Brand geratenen Harem retten will — wodurch er die Liebe der Odaliske Gulnara gewinnt. Sie ist die Favoritin Seids, des von ihr gehassten türkischen Paschas von Koroni. Indem sie Seid eigenhändig erdolcht, befreit sie Corrado und sich selbst. Zurück auf der Felseninsel findet Corrado die sterbende Medora vor: Sie hat Gift genommen, weil sie ihn für tot hielt. Er folgt ihr in den Tod.

Hatte die englische Schauerromantik zuvor schon Komponisten wie Bellini und Donizetti inspiriert, so lag die Entscheidung für den Byron-Stoff nahe, als Verdi im Auftrag des Verlegers Francesco Lucca eine Oper für London schreiben sollte. Aus dem Plan von 1845 wurde jedoch nichts; Verdi schrieb stattdessen die Schiller-Oper I masnadieri. Lucca pochte hingegen auf die Erfüllung des Vertrages, der drei neue Werke vorsah. Also holte Verdi das von Piave bereits fertiggestellte Libretto 1848 wieder hervor, komponierte die Oper und übersandte die Partitur an den Verleger mit den Worten, er solle damit machen, was er wolle. Der Uraufführung, die schließlich in Triest stattfand, blieb der Komponist fern, was ihm das dortige Publikum übelnahm. Das Stück fiel durch und hat sich bis heute keinen festen Platz in Verdis OEuvre erobern können; dabei enthält es nicht wenige reizvolle Nummern. Wir setzen mit Il corsaro die Reihe der konzertanten Aufführungen von Werken des frühen und mittleren Verdi fort.