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Carmen

Georges Bizet 1838-1875

Opéra comique in drei AktenText von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée (1845)
Uraufführung am 3. März 1875, Opéra-Comique, Paris
Nach der kritischen Ausgabe von Michael Rot für die Frankfurter Produktion eingerichtet von Constantinos Carydis
Gesprochene Texte nach Henri Meilhac, Ludovic Halévy und Prosper Mérimée eingerichtet von Barrie Kosky
 

Premiere vom 5. Juni 2016

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Leo Hussain
Carmen Zanda Švēde
Don José Evan LeRoy Johnson / AJ Glueckert (4. 4.)
Micaëla Nadja Mchantaf (1., 3., 7.3., ) / Karen Vuong (10., 15., 23.3., 4.4.)
Escamillo Kihwan Sim / Andreas Bauer Kanabas (4.4.)
Moralès / Dancaïro  Sebastian Geyer (10.3.) Mikołaj Trąbka
Remendado Jaeil Kim / Michael Porter (23.3.)
Frasquita Sydney Mancasola
Mercédès Judita Nagyová (10., 15., 23.3.) / Karen Vuong (1., 3., 7.3.) Elizabeth Reiter (4.4.)
Zuniga Božidar Smiljanić

(…) Die Geschichte ist bekannt – und die Oper gehört zu den meistge­spielten überhaupt. Und doch: So wie Barrie Kosky sie in Frankfurt inszeniert hat, hat man sie noch nicht gesehen. Eine riesige Treppe beherrscht das Bühnenbild, genug, um in drei Akten eine ganz eigene Carmen-Welt entstehen zu lassen.
Bevölkert von seltsam ge­schminkten hochtoupierten Frauen und eher schlichten Männern, die von sechs überdrehten und Grimas­sen schneidenden Tänzerinnen und Tänzern zu einer bunten Revue ge­trieben werden (großes Kompli­ment an den Opern- und Kinder­chor!). Auch sonst ist vieles anders, wenn zum Beispiel die Dialoge durch das sinnliche Französisch Claude De Demos ersetzt werden. Und trotzdem bleibt das intensive Erleben der tragischen Liebesge­schichte in der wunderbaren Musik Georges Bizets. Bewundernswert, dass mit dem komplett neuen Sän­gerensemble die Aufführung nichts von ihrem Schwung und ihrer mu­sikalischen Klasse verloren hat. Zanda Švēde ist eine sängerisch und darstellerisch absolut überzeu­gende Carmen, an ihrer Seite ver­leiht der junge amerikanische Te­nor Evan LeRoy Johnson dem Don José Kraft und Glanz.
Aus dem durchweg gut besetzten Ensemble sei noch die Sopranistin Nadja Mchantaf herausgehoben, die als Micaëla zu überzeugen wusste. Und der britische Dirigent Leo Hussain lässt mit dem Orches­ter das spanische Kolorit der Musik erstrahlen. Kurz: Eine Carmen, die wieder das Publikum begeistert hat und die man keinesfalls verpas­sen sollte.

Martin Grunenberg, Frankfurter Neue Presse

Sie lebt frei von Angst im Hier und Jetzt: Carmen, die wahrscheinlich begehrteste Frauenfigur der Operngeschichte, ist für denjenigen, der aus einem Leben voller Konventionen stammt, weder zu verstehen noch zu fassen. So bringt sie Don José, der eigene Grenzen in anbetender Liebe zu überschreiten versucht, um den Verstand und wirft ihn aus seiner Lebensbahn. Alle Versuche, Carmen in die ihm bekannte Ordnung zu locken, die er als Rettung ansieht, sind zum Scheitern verurteilt. Die beiden treiben sich wechselseitig immer weiter in die Enge. Barrie Koskys Inszenierung führt die meistgespielte Oper der Welt zu den Wurzeln der Opéra comique zurück. In knappen Zwischentexten entwickelt sich die Handlung und steuert dem tragischen Ende entgegen. Auf dem Weg dorthin prallen lyrische Momente auf unheimliche Revue-Szenen der Schmuggler. Durch unerwartete Brüche zwischen dem bissigen Ton, der einer Opéra bouffe entstammen könnte, und der Tragödie sprengt Koskys Vision sowohl die gängigen Carmen-Klischees als auch die Gattungsgrenzen.