Spielplan

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Capriccio

Richard Strauss 1864-1949

Konversationsstück für Musik in einem Aufzug
Text von Clemens Krauss und vom Komponisten

Premiere vom 14. Januar 2018

Mit deutschen und englischen Übertiteln
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung im Holzfoyer

Musikalische Leitung Lothar Koenigs
Gräfin Madeleine Kirsten MacKinnon
Graf Sebastian Geyer
Flamand AJ Glueckert
Olivier Iain MacNeil*
La Roche Alfred Reiter
Clairon Tanja Ariane Baumgartner
Monsieur Taupe Hans-Jürgen Lazar
Eine italienische Sängerin Florina Ilie*
Ein italienischer Tenor Michael Petruccelli*
Der Haushofmeister Gurgen Baveyan
Eine junge Tänzerin Katharina Wiedenhofer
Acht Diener Michael Porter (6./12./19.10.), Jaeil Kim* (26.10./4.11.), Isaac Lee, Jonas Boy, Ingyu Hwang, Lukas Eder, Bruno Roy, Miroslav Stricevic, Anatolii Suprun*

*Mitglied des Opernstudios

Lothar Koenigs leitete zum ersten Mal das Opern- und Museumsorchester, das sich diesmal in leisen, fast kammermusikalischen Tönen zu üben hatte. Graf und Gräfin waren in Person von Sebastian Geyer und Kirsten MacKinnon Neubesetzungen, die mit klaren stimmlichen Konturen und ausgewogener Balance aufwarteten.
(…)
Von der Premiere kannte man noch AJ Glueckert als Flamand und Alfred Reiter als Theaterdirektor La Roche mit einem eindrucksvollen, leidenschaftlichen Plädoyer für Geist und Würde des Theaters.
Dass es während der gesamten zweieinhalb Stunden Spielzeit stets auch ein wenig selbstironisch zugeht bei den Theaterleuten, versteht sich von selbst. Sinnbild für diese Komik ist Tenor Hans-Jürgen Lazar in der Rolle des ewig schläfrigen Souffleurs Monsieur Taupe, der am Ende des Theaters in der Oper einen gewichtigen Auftritt hat.
Von allem war das Publikum sehr angetan. Der Schlussapplaus galt aber auch dem Bühnenbildner Johannes Leiacker, der erst kürzlich für seine überzeugende Frankfurter Arbeit ausgezeichnet worden ist.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltete umsichtig und souverän Lothar Koenigs. Der Dirigent animierte das bestens disponierte Orchester zu schlankem, silbrigem Streicherklang, zu rhythmischer Präzision während der Lach- und Streit-Oktette, verband leicht ironische Zwischentöne bei den vokalen Dialogen und wurde der Strauss’schen Orchestersprache in jeder Hinsicht gerecht. Betörend schön klang die „Mondscheinmusik“ sowie die wunderbare Untermalung des finalen Schlussmonologs. Quasi trug er kompetent seine Sänger auf musikalischen Händen.
(…)
Die Protagonisten der qualitativ hochwertigen Aufführung wurden vom begeisterten Publikum lautstark und stürmisch gefeiert.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu

»Keine Lyrik, keine Poesie, keine Gefühlsduselei«, hatte Richard Strauss sich für seine letzte Oper gewünscht und gemeinsam mit seinem Freund Clemens Krauss als Librettist das »Konversationsstück für Musik« entwickelt. Im Zentrum dieser selbsternannten »Kopfgrütze« steht die Gräfin Madeleine, umworben von zwei Künstlern: dem Dichter Olivier und dem Musiker Flamand. Wem gibt Madeleine den Vorzug? Personifiziert wird hier die ewige Musiktheaterfrage nach dem Primat von Wort oder Musik. Und das mitten im Zweiten Weltkrieg: 1942 wird Capriccio, das Werk zweier Günstlinge des nationalsozialistischen Regimes, uraufgeführt. Realitätsflucht? Gewiss. Und doch ist nicht zu überlesen, dass die beiden Schöpfer ihre Oper trotz der peinlich genauen Zensur ausgerechnet auf ein Schloss in der Nähe von Paris verlegen. Nicht zu überhören sind zudem die Seitenhiebe auf das Hier und Jetzt von Strauss und Krauss in einem Diskurs über das Theater, der immer wieder auch das Welttheater zu meinen scheint. Im Bühnenbild und mit Kostümen von Johannes Leiacker versetzt Regisseurin Brigitte Fassbaender die Oper in ihre Entstehungszeit: Die französische Hauptstadt in den 1940er Jahren unter deutscher Besatzung. Es herrscht weitgehende Kollaboration. Doch es regt sich auch Widerstand. In ihrer Inszenierung klopft Brigitte Fassbaender Capriccio auf seine Doppelbödigkeit hin ab und widmet sich zugleich mit großer Aufmerksamkeit den zahlreichen theaterinternen, mal kritischen, mal äußerst amüsanten Zügen des Werks, in dem Strauss nicht nur Operngeschichte aufruft, sondern sich auch vielfach selbst zitiert. Kein Wunder, dass er diese Oper als sein »Vermächtnis« betrachtete.