Spielplan

zur Übersicht

Boris Godunow

Modest P. Mussorgski (1839-1881)

Oper in vier Akten und einem Prolog
Text von Modest P. Mussorgski nach Alexander S. Puschkin
Uraufführung 1874, Mariinski-Theater, St. Petersburg

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführungen aktuell nur als Video (verfügbar kurz vor der Premiere hier und auf YouTube)

Musikalische Leitung Sebastian Weigle

Boris Godunow Ain Anger
Fjodor Bianca Andrew
Xenia Bianca Tognocchi
Xenias Amme Katharina Magiera
Fürst Wasili Iwanowitsch Schuiski Michael Siemon
Andrei Schtschelkalow / Rangoni Nicholas Brownlee
Pimen Thomas Faulkner
Grigori Otrepjew AJ Glueckert
Marina Mnischek Dshamilja Kaiser
Rangoni Nicholas Brownlee
Warlaam Alfred Reiter
Misail Theo Lebow
Eine Schenkwirtin Marvic Monreal
Ein Gottesnarr Michael McCown

Ein von Schuldgefühlen gequälter Herrscher, machtgierige Intriganten, ein wankelmütiges Volk und ein Mönch, der im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte schreibt.

Nach der Ermordung des legitimen Thronfolgers Dimitri gelangt der Adlige Boris Godunow unter dem Jubel des Volkes an die Zarenmacht. Animiert von den Ausführungen des Mönches Pimen, der in seiner »Chronik der russischen Geschichte« Boris Godunow als Dimitris Mörder benennt, gibt sich der Novize Grigori als dem Attentat entkommener Dimitri aus und erhebt Anspruch auf den Thron. Während Boris mit den Schatten der Vergangenheit ringt, wendet sich das Volk dem neuen Usurpator zu, bis schließlich der »falsche Dimitri« zum Zaren gekrönt wird.

1825 verfasste Alexander S. Puschkin in Anlehnung an den Historiker Nikolai M. Karamsin ein Drama im Stil Shakespeares, das die Zeit der politischen Unruhen in Russland vor der Thronbesteigung des ersten Romanow im Jahr 1613 in den Blick nimmt. Dank Mussorgskis Oper, welche die moralische Verstrickung Godunows sowie dessen Weg in den Wahnsinn akzentuiert, hat diese Episode russischer Geschichte Eingang in das Bewusstsein der westlichen Welt gefunden. Der Komponist kürzte Puschkins packende Bilderfolge und verlieh den lose miteinander verknüpften, kontrastierenden Massen- und Kammerspielszenen durch ihre harmonische wie musikalisch- thematische Nähe zur Volks- und Kirchenmusik einschließlich Glockengeläut einen eindeutig »russischen« Klang.

Nachdem das Komitee der Kaiserlichen Oper in St. Petersburg Mussorgskis Werk vor allem wegen einer fehlenden großen Frauenpartie abgelehnt hatte, machte sich der Komponist eberhaft an eine Umarbeitung. Dabei erlaubte er sich eine freiere Gestaltung, betonte das Folkloristische, veränderte die Szenenfolge und fügte mit dem »Polen-Akt« die Partie der Marina und die des Rangoni ein. Doch schon 1882 verhinderte die Zensurbehörde eine Etablierung dieser 1874 uraufgeführten Fassung. Nach Mussorgskis Tod sollten auch Nikolai A. Rimski-Korsakow und später Dmitri D. Schostakowitsch eine eigene Orchestrierung der Oper vorlegen.