Spielplan

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Bianca e Falliero

Gioachino Rossini 1792-1868

Melodramma in zwei Akten / UA 1819
Text von Felice Romani nach Antoine Vincent Arnault.

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Giuliano Carella

Bianca Heather Phillips
Falliero Elizabeth DeShong
Contareno Bruce Sledge
Capellio Kihwan Sim
Doge Von Venedig Attila Mokus
Ein Kanzler / Ein Offizier /
Ein Gerichtsdiener Michael Petruccelli°

°Mitglied des Opernstudios

Eine Stadt strebt die Weltmacht an, sie deckt Verschwörungen von spionierenden Botschaftern auf und isoliert sich aus Angst vor Bedrohung.

Hinter hohen Mauern unterdrückt der größenwahnsinnige Zwergstaat Venedig jegliche Form von Individualität, Gefühlen und Liebe. Das menschenverachtende System erstarrt. In dieser bedrückenden Atmosphäre spielt das Familiendrama Bianca e Falliero, Rossinis letzte für die Mailänder Scala geschriebene Oper, die zu seinen reizvollen, doch zu Unrecht selten gespielten Werken gehört. Der Librettist Felice Romani verbindet eine Spionage-Story mit einer Variante der Geschichte von Romeo und Julia, wobei sich die verfeindeten Familien diesmal in einem langjährigen Erbstreit befinden.

Bianca, die Tochter des Senators Contareno, liebt heimlich den General Falliero, doch die politischen und finanziellen Interessen ihres Vaters bedrohen ihre Liebe. Bianca wird gnadenlos als Geisel der Familienfehde missbraucht. Falliero, der siegreiche Verteidiger des Staates, kehrt in dem Moment aus dem Krieg zurück, als eine Zwangsehe Biancas mit Capellio geschlossen werden soll. Die Konflikte sind vorprogrammiert. Die Zerreißproben Biancas zwischen der Vaterliebe als ursprünglicher Bindung und der versprochenen Hingabe an den Geliebten gaben Rossini Gelegenheit zur Erweiterung seiner vokalen wie orchestralen Ausdrucksmittel. Virtuose Koloraturketten liegen abseits jeder Belcanto-Akrobatik: Die Verzierungskunst in den großangelegten Szenen der Protagonisten dient diesmal als dramatisches Stilmittel eines Viererkonflikts. Dieses neue und mutige Konzept bei der Gestaltung der Gesangspartien wurde seiner Opera semiseria zum Verhängnis. Nicht zuletzt wegen der hohen vokalen Ansprüche konnte sich die Oper zu Lebzeiten des Komponisten nicht durchsetzen. Erst 1986 wurde das Werk in Rossinis Geburtsstadt Pesaro wiederentdeckt und offenbarte seine außergewöhnlichen Qualitäten.