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A Midsummer Night's Dream

Benjamin Britten 1913–1976

Oper in drei Akten
Uraufführung 1960, Jubilee Hall, Aldeburgh
Text von Benjamin Britten und Peter Pears nach der Komödie von William Shakespeare

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführungen als Video kurz vor der Premiere und live eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot

Im Rahmen dieser Neuinszenierung findet am 22. Mai um 11 Uhr im Bockenheimer Depot die  8. Kammermusik statt.

Musikalische Leitung Geoffrey Paterson

Oberon Cameron Shahbazi
Titania Kateryna Kasper
Puck Frank Albrecht
Theseus Thomas Faulkner
Hippolyta Zanda Švēde
Lysander Michael Porter
Demetrius Danylo Matviienko
Hermia Tamara Gura
Helena Monika Buczkowska
Bottom Barnaby Rea
Quince Magnús Baldvinsson
Flute Brian Michael Moore
Snug Gabriel Rollinson°
Snout Theo Lebow
Starveling Jonathan Macker

°Mitglied des Opernstudios

Stell’ dir vor, du erwachst, und alles war nur ein Traum. Der Klimawandel. Die Pandemie. Der Krieg. Nein, an diesem Abend erwachen wir nicht aus einem Traum. Es war nur Verführung, großartiges Theater. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


A Midsummer Night’s Dream von Benjamin Britten ist starke Musik. Sinnlich, verträumt, verspielt, vieldeutig im Subtext, am Ende zauberhaft versöhnlich. Mit frenetischem Applaus hat das Premierenpublikum die jüngste Frankfurter Opern-Inszenierung dieser Shakespeare-Adaption im Bockenheimer Depot gefeiert.
Das Klangabenteuer beginnt am rechten Bühnenrand. Dirigent Geoffrey Paterson gestaltet gestenreich, was sich im Orchester zusammenfügt. Auf- und abrollende Glissandi versetzen die Hände des ersten Stars an diesem Abend in fiebrige Bewegungen. Es ist der Kinderchor der Oper Frankfurt. Álvaro Corral Matute hat ihn auf diese Rolle stimmlich vorbereitet, [fast] durchweg Mädchen. Glockenrein ist ihr Gesang, harmonisch ihre Bewegungen zur Musik.
(…) ein ausnahmslos hervorragend besetztes Ensemble, das die Entfesselung im Spiel mit der Lust am kunstvollen Gesang überzeugend verband und in Mimik und Gestik ausdrückte, was die Musik jenseits des Klangs suggerierte. Und mit dem Schauspieler Frank Albrecht in der Rolle des Puck beschwor Fassbaender Shakespeares Geist herauf.

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Die Menschen (…) stehen auf dem finsteren Boden der Tatsachen und des spannend ausgeleuchteten (Jan Hartmann), aber nackten Depots: Junge Leute halt, aber das ist auch nicht wenig. Denn unter der Regie von Brigitte Fassbaender bleibt es nicht beim neckischen Ausstattungstheater, das ist lediglich die Grundlage für das pulsierende zwischenmenschliche Miteinander, das Einander-Umkreisen, das Neugierig-Sein und, ja, auch die Angst voreinander. Puck, der Frechdachs, hat in Frankfurt fast immer Angst.
(…)
Die Feenwelt ist durch die äußere Transformation zugleich aller herkömmlicher menschlicher Regulierungen enthoben, während die Menschen sich selbst zu spielen scheinen, so natürlich (jedenfalls: vertraut) wirken sie. Jede Sphäre bleibt für sich: Monika Buczkowska und Danylo Matviienko, Tamara Gura und Michael Porter sind Helena und Demetrius, Hermia und Lysander, die sich alle im Wald verlieren und wiederfinden oder überhaupt finden müssen. (…)
Keine Knallchargen, sondern Menschen bei Fassbaender auch die Handwerker. Menschen, die etwas können, aber schauspielern können sie nicht. Mit mächtigem Bass führt Barnaby Rea sie als „Lasst mich den Löwen auch noch spielen“-Zettel an. Ihm wird diesmal besonders derb mitgespielt, indem die Inszenierung die Doppelbedeutung des englischen Wortes „Ass“ ausnutzt. Seine Kumpane, Magnús Baldvinsson und Brian Michael Moore, Gabriel Rollinson, Theo Lebow und Jonathan Macker, sind ihrerseits auf Draht. Wie in der insgesamt erstklassigen Besetzung nichts vergeudet wird, keiner beiseite bleibt (in einem Stück, in dem andauernd jemand beiseite bleibt). (…)
Der geschmeidige Countertenor Cameron Shahbazi und die Sopranistin Kateryna Kasper stellen das pompöse Elfenkönigspaar dar, Thomas Faulkner und Zanda Švēde sind nachher das hier friedfertige weltliche Paar Theseus und Hippolyta. Kurz währen die Irritationen (…), lange währt das Happyend.
Fassbaender klärt sogar auf, was aus dem indischen Knaben wird. Das hat einen immer ein wenig belastet, das Kind, das in der Gemengelage überflüssig wird. Einmal aber muss alles gut werden. Diesmal ist es so weit. Das Glück, sieh an, ist nicht banal, es ist zum Weinen schön.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Was aber ist, wenn man beim Erwachen jemand anderen liebt als beim Einschlafen? (…) Selbstbewusste Frauen, ungestüme Männer, aber die Liebe schlägt um in Zank und Streit. Krieg eben, handgreiflich, befeuert durch die deftig lautma­lerische Musik. Es kommt noch besser in diesem imaginären Wald-Athen. Theseus (Thomas Faulkner) und Hippolyta (Zanda Švēde) wollen heiraten. Sechs Handwerker, an ihrer Spitze Peter Quince (Magnús Baldvinsson) und der Weber Bottom (Barnaby Rea, dem die Kostümbildnerin Anna-Sophie Lienbacher nicht Eselsoh­ren, sondern einen dicken Hin­tern auf den Kopf setzt), werden dazu ein Laientheater in Szene setzen, um die drei Stunden zwi­schen Hochzeitsessen und Zubett­gehen zu verkürzen.
Diese höchst traurige Komödie um Pyramus und Tisbe und den Mond, eine Wand und einen Löwen wirkt wie improvisiert, die Sänger dürfen schauspielern und mal richtig dick auftragen, um­werfend komisch, unbeschreib­lich absurd. Die unbeteiligten Paare nehmen auf den mittler­weile fragmentierten Bühnenele­menten Platz und kugeln sich vor Lachen. Wie auch das Publikum. (…)

Andreas Bomba, Offenbach-Post

Shakespeares Komödie A Midsummer Night’s Dream hatte bereits zahlreiche Vertonungen erfahren, als Benjamin Britten gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, dem Tenor Peter Pears, die Oper für das von ihm gegründete Aldeburgh Festival schreibt. Die beiden orientieren sich eng an der literarischen Vorlage, kürzen die ursprünglich fünfaktige Komödie jedoch auf drei Akte. Eigentlich war die Oper für eine Kammerorchester-Besetzung entstanden, doch nachdem Britten die Chance erkannt hat, in dem Stoff die verschiedenen Welten der Fabelwesen, Liebenden und Handwerker abzubilden, erweitert er die Partitur für ein größeres Orchester. Das Ergebnis ist eine farbenreiche Komposition, welche die Feenwelt mit Harfenglissandi, Xylophon und Celesta neben Oberons Countertenor-Stimme, Titanias Koloraturen und Pucks gesprochenen Worten gestaltet. Die Liebenden hingegen werden von Streichern und Holzbläsern begleitet, während die Szenen der Handwerker durch tiefe Holz- und Blechbläser, Kontrabässe und Schlagzeug ausgestaltet sind. 

Im Zauberwald ist man sich längst nicht mehr grün. Zwischen Oberon und Titania herrschen Eifersucht und Ehestreitigkeiten um einen jungen indischen Prinzen. Oberon sinnt auf Rache und beauftragt Puck, ihm jenen Zaubersaft zu beschaffen, der Männer wie Frauen in jedwede Kreatur, die man nach dem Erwachen erblickt, verliebt macht. Der Wald wird so zum magischen Ort fortwährender Verwandlungen: Der Weber Bottom, der mit seinen Freunden ein Theaterstück zur Hochzeit des Herzogspaares einstudiert, verwandelt sich in einen Esel, in den sich die Elfenkönigin Titania verliebt. Und dann beträufelt auch noch Puck versehentlich die falschen Lider der schlafenden Liebenden mit dem Nektar der Zauberblume und löst dadurch ein Chaos der Gefühle aus. Am frühen Morgen ist der schöne Spuk, der sommerliche Traum, beendet und ein neuer Tag bricht an.

Mit freundlicher Unterstützung