Gästebuch

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... neben den kleineren und größeren Enttäuschungen der letzten Zeit und leider auch recht durchwachsen ausgefallenen Wiederaufnahmen der laufendne Spielzeit, kann ich hier endlich und wiederholt meinen Dank für die immer noch fulminant über die Bühne gehende "Carmen" aussprechen (Dank einem hoch motivierten Dirigenten, einem stimmlich sehr ansprechenden "neuen" Tenor und einer sehr nahe an Paula Murrihy herankommenden Protagonistin) - ... Was das Londoner Publikum zu überfordern scheint (man lese das Gästebuh des ROH), bringt die Frankfurter_innen zu Jubelstürmen und die nicht enden wollende positive Energie, die diese Produktion verbreitet, ruft nach einer raschen "Wieder-Wiederaufnahme" ...

Zur aktuellen Produktion DALIBOR wurde viel berichtet, darum nur noch einmal die Frage:
Wer interessiert sich überhaupt ernsthaft für dieses wunderbare Stück?
Die Regisseurin, der Inhalte wie Verlust, Rache, Gerechtigkeit und Freiheit offenbar nicht ausreichen, um einen Bezug zu den Figuren herzustellen und die nur einen überaus platten, gegenwärtigen Kontext assoziiert?
Der Dirigent, der grobe Striche zulässt, und - von einigen schön gelungenen lyrischen Passagen abgesehen - über weite Strecken kontrast- und spannungsarm dirigiert und jegliche zupackende Dramatik vermissen lässt?
Oder die Sänger*innen, die zwar tolle Stimmen, aber ansonsten nur gleichgültiges Rampensingen aufbieten? (Das gilt vor allem für die Gäste, im Ensemble gibt es wie üblich wieder schöne darstellerische Einzelleistungen, allen voran Thomas Faulkner).
Hier wie auch bei LA FORZA DEL DESTINO (ungleich klüger inszeniert) fällt auf, daß der Fokus bei Operninszenierungen zunehmend ausschließlich auf gesellschaftlicher, politischer und zeitlicher Verortung und Interpretation liegt - unabdingbar für modernes, lebendiges Theater. Wenn aber die Schicksale der Figuren, die Sprache der Musik unberücksichtigt bleiben, verwehrt man dem Publikum ein umfassendes, berührendes, intensives und in dieser Form einzigartiges Erlebnis. Die (Eigen-) Verantwortung dafür liegt bei ALLEN Ausführenden, Regisseur*innen sind oft nur die Sündenböcke. Wird dies aber erreicht, werden die Zuschauer*innen vielleicht auch wieder konzentrierter - oder stört das hemmungslose Reden und Husten die Akteur*innen etwa nicht? ;-)

Letzte Wiederaufnahme Daphne - von den insgesamt 19 Vorstellungen habe ich im Laufe der Jahre 8 erlebt. Grandiose Abende! Nun wollte ich noch einige Vorstellungen der Abschiedsserie besuchen, doch daraus wird nach der Erfahrung des heutigen Abends leider leider nichts. Wie dieser Herr Schager den ganzen Abend permanent zerschrien hat, war einfach unerträglich. Der Mann kommt ja in keiner Phrase aus dem Brüllmodus heraus! So schade um die wunderbare Leistung der Jane Archibald als Daphne und den Einsatz des übrigen Ensembles angesichts dieses verhunzten Abends durch den Gott Apollo.

Etwas verspätet möchten wir uns zum Silvesterabend in der Oper kritisch äußern. Die Aufführung "Die lustige Witwe" verlief sehr schleppend, da die Solisten und der Chor häufig die vorgegebenen Tempi des Dirigenten nicht aufnahmen und dem Orchester "hinterher sangen". Leider sprang erst ganz zum Schluß ein Funke über. Die anschließende Silvesterfeier im Foyer zeichnete sich durch ein mittelmäßiges Essen zu einem relativ hohen Preis aus. Ein kaltes Buffet wäre an diesem Abend sinnvoll gewesen, da die warmen Gerichte auf nicht vorgewärmte Teller gegeben wurden, oft fehlten die Zutaten und man musste warten, bis neue herbeigeschafft waren, so dass man , bevor man wieder seinen Platz erreichte, nur kaltes Essen auf dem Teller hatte. Das erfreuliche war die sehr nette, junge Bedienung.
Schade ! Da half nur noch: tanzen zu der sehr gut ausgesuchten Musik.

ein wahrer Held... Jakub Jozef Orlinski begeistert auch in der "2. Runde" von Rinaldo und wird zurecht gefeiert in der hinreissenden Inszenierung von Ted Huffman und Co. Das Bockenheimer Depot gibt einmal mehr den optimalen Rahmen für eine Barockoper. Maestro Di Felice und sein Orchester, die weiteren Solist/Innen und die Tänzer/Innen und eben der Star des Abends schenken Frankfurt Oper vom Feinsten... jetzt hat es gar das Fernsehen bemerkt und das Kurzportrait von J.J.O. bei 3sat und TTT hat gezeigt, es ist sehr wohl möglich im BD zu filmen...also warum nicht diesen großen Wurf für "die Ewigkeit konservieren"??...
Es geht das Gerücht, dass dieser Rinaldo wieder kommen soll, gar ins große Haus...ob das gut geht??
Da wäre doch Alcina (gab's in F noch nie??) eben mit Ted Huffman, Jakub Jozef Orlinsky und vielleicht Brenda Rae eine wunderbare Alternative....