Gästebuch

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Gedanken zur Spielzeiteröffnung 2018/19
Liebe Oper Frankfurt, ich wollte abwarten und schweigen, aber die heutige Wiederaufnahme der Tosca hat anderes bewirkt: Ich bin etwas ratlos. Nach einer sehr durchwachsenen Zauberflöten-Wiederaufnahme (ich habe nicht Herrn Weigle hören können) mit einer leider die Versprechungen nicht halten könnenden Pamina (Vallone), einem fast schon zu üppigen Papageno (Samoilov), einer schlimmen Textverständlichkeit (ausgenommen Iuri Samoilov und Andreas Bauer) und einem in Frankfurt so nie gehörten, sehr schlimmen Knaben-Trio (Intonation, Rhythmus, alles), hat mich zumindest das Rollendebut von Roberto Saccà als Otello, entgegen vieler gelesener Kritiken (schlimmes Zeug in „Der Opernfreund“), berührt und überzeugt.
Das zweite Debut in der Wiederaufnahmen-Reihe mit Malin Byström als Tosca heute stand anscheinend unter dem Motto: Wer kann lauter? – Warum ist niemand mehr in der Lage, ein pianissimo zu singen? Bei Cavaradossis Arie steht „pensando“ – also „nachdenkend“; würde ich meine Gedanken so brüllen, wie es Herr La Colla tat (sogar Teile des Orchesters halten sich die Ohren zu), wäre ich bald sehr einsam. Er hat den Calaf in Berlin gebrüllt, den Pollione in Frankfurt in großen Teilen auch und nun macht er es mit dem Cavaradossi genauso – das geht (auch) auf Kosten der Intonation (das war heute z.T. unerträglich) und das wird seiner Stimme auf kurz oder lang sehr schaden; aber das Publikum jubelt über einen „kräftigen Tenor“ – Warum greift die musikalische Leitung hier nicht ein…? – Frau Byström sollte ebenso, nach ihrem in weiten Teilen recht ansprechenden Debüt, in den Dynamik-Angaben in der Partitur nachschauen: das „Vissi d’arte“ kann nicht so enden, wie sie es gesungen hat – Rollendebut hin, Rollendebut her – das pianissimo ist wohl aus der Oper verbannt worden…. – da hat uns Herr Kesting gegen Ende der letzten Spielzeit erkenntnisreich erklärt, was Belcanto, was guter Gesang ist – und was hören wir derzeit (nicht nur in Frankfurt) davon? Wenig bis nichts. Ich bin immer bereit, mich wieder neu verzaubern zu lassen (macht es Asmik Grigorian als Iolanta?) – aber derzeit ist da Nichts in Sicht … ich hoffe noch.
Und noch etwas; ich wünsche mir, dass irgendwann einmal die Übertitel synchron mit dem gesungenen Wort übereinstimmen - denn es ist schwer zu ertragen, dass das Publikum schon lacht, bevor Tosca tatsächlich gesungen hat, Cavaradossi möge der Attavanti schwarze Augen malen...

Herzlichen Glückwunsch für die hochverdiente Auszeichnung, die voll berechtigt ist. Aber es wäre auch interessant, zu erfahren, welche der fünf Sonderleistungen ausgezeichnet wurden.

Norma - tremendous Elza van den Heever!
Der Mensch wird nicht zum Tier, der Mensch ist Tier!
Gleich nebenan zu beobachten im Bogori-Wald des Zoos oder aktuell bei der Fußball-WM in Russland.

Nachdem wir seit Jahren immer sehr beglückt aus den Vorstellungen kommen, war die "Lustige Witwe" der erste wirklich gravierende Reinfall. Jeder Schwung war durch die Unterbrechungen rausgenommen und da hatten Orchester und Sänger wirklich Mühe im gemeinsamen Takt zu bleiben. Wenn die Oper Frankfurt nichts "Leichtes" inszenieren möchte, ist das ok, aber die Verkopfung der Witwe mit Sängern, die ihre Größe in dieser Inszenierung nicht erreichen konnten, war schade.

„Norma“ am 23.Juni 2018
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Intendanz,
selten bin so beglückt aus einen Opernabend nach Hause gegangen. Alles in allem war die Norma „ganz große Oper“!
Besonders hervorheben möchte ich aber Elza van den Heeven und Gaello Arquez. Frau van der Heeven beglückte zusätzlich zu ihrer wunderbaren Stimme noch mit einer außergewöhnlichen selten erlebten Bühnenpräsenz. Sie reiht sich für mich in die Reihe berühmter Sängerdarstellerinnen wie Astrid Varnay, Martha Mödl, Gwyneth Jones oder auch Maria Callas, um nur wenige zu nennen, ein. Großartig. Nicht zu überbieten! Welch ein Glück für das Opernhaus - aber auch für das Publikum - diese Künstler in ihrem Ensemble zu haben. Ein großer Schatz!
Die Inszenierung von Christof Loy unterstützte die Sänger*Innen und bestach mit ihrer Dichte und Enge des Bühnengeschehens. Die engen Räume der Bühnenbilder verstärkten zusätzlich zur Personenführung das dramatische Geschehen der Handlung.
Sie merken schon an der Auswahl der erwähnten „älteren“ Sängerinnen, dass ich nicht mehr zur ganz jungen Generation gehöre. Aber weit über 1000 besuchte Opernabende bringen auch ein gewisses Alter und dementsprechende Erfahrungen mit sich. Jetzt lebe ich im Saarland und kann leider selten so herausragende Abende wie in Frankfurt mit der Norma erleben.
Vielen Dank dafür.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und eine glückliche Hand bei der Auswahl der Künstler.
Mit freundlichen Grüßen
Rüdiger Anhalt, Homburg/Saar