Ver­an­stal­tung­en

 Oper Finale 2017 

Jeanne d' Arc

Jeanne, Tochter eines reichen lothringischen Bauern und Bürgermeisters, vernahm im Alter von 13 Jahren im nahgelegenen Wald Stimmen, die sie aufriefen, ein gottgefälliges Leben zu führen. Wiederholte Erscheinungen des Erzengels Michael, der Katharina und der Margarethe trugen ihr schließlich auf, ins benachbarte Frankreich zu gehen und das Land vor den Engländern zu retten. Ihre Siege im Hundertjährigen Krieg ließen sie zur Nationalheiligen aufsteigen. Tragisch endete ihre Geschichte. In Männerkleidung zog sie in den Krieg, befreite eine belagerte Stadt, ließ ihr mutiges Leben aber als Opfer der Inquisition. Der Häresie bezichtigt und schließlich nach einem grausamen Verhör schuldig gesprochen, verurteilte man sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen. Bereits zu Lebzeiten wurde sie zur Legende. Da ihre Asche in die Seine gestreut wurde, existiert keine Grabstätte. Der Unvergänglichkeit ihres Heldinnenmutes tat dies keinen Abbruch. 1456 – nur 25 Jahre nach ihrer Verbrennung – wurde sie in einem zweiten Tribunal der Inquisition rehabilitiert und 1929 schließlich von der Katholischen Kirche heilig gesprochen.

Der Stoff, aus dem ihr Leben gewoben war, inspirierte, weit über die Nationaldichtung Frankreichs hinausgehend, bedeutende Werke der Weltliteratur. Zu den Autoren, die sie faszinierte und die sie zu den mannigfaltigsten Auseinandersetzungen mit ihrem Schicksal motivierte, gehörten neben dem berühmten Spätwerk Friedrich Schillers u.a. William Shakespeare, Mark Twain, George Bernard Shaw, Jean Anouilh, Bertolt Brecht und Felix Mitterer.

Auch die Musik nahm sich der Jungfrau von Orleans an. Wir stoßen auf Namen wie Giuseppe Verdi, Peter I. Tschaikowski, Gioacchino Rossini und Salvatore Sciarrino. Walter Braunfels’ in den dunklen Zeiten des NS-Regimes entstandene, nach den authentischen Gerichtsakten niedergeschriebene Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna bilden einen Höhepunkt in der Stoffgeschichte.

Seit der Film das Licht der Welt erblickte, rückte die Figur der Johanna in zahlreichen Produktionen in den Fokus des noch stummen Mediums. Angefangen mit den Brüdern Lumière setzten sich Filmschaffende mit dem Schicksal des lothringischen Mädchens auseinander, wobei die Version des Dänen Carl Theodor Dreyer bis heute zu den eindrücklichsten Verfilmungen zählt. Unter Regisseuren wie Victor Fleming, Roberto Rossellini, Otto Preminger, Robert Bresson, Jacques Rivette oder Luc Besson verkörperten namhafte Schauspielerinnen, darunter Ingrid Bergman, Jean Seberg, Sandrine Bonnaire und Milla Jovovich, die französische Nationalheldin.

Aus Anlass der Frankfurter Inszenierung von Arthur Honeggers Oratorium Jeanne d’Arc au bûcher (Johanna auf dem Scheiterhaufen, 1938) widmen wir uns in unserem Oper Finale ausschließlich der Figur der Johanna. Ihr Schicksal durchwandert die Jahrhunderte. Ihr Mut kann uns auch heute noch als ethisches Modell dienen.