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Werther

Jules Massenet 1842-1912

Lyrisches Drama in vier Akten (fünf Bilder)
Text von Edouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann nach dem Roman Die Leiden des jungen Werther (1774) von Johann Wolfgang von Goethe
Uraufführung am 16. Februar 1892, Hofoper, Wien

Premiere am 11. Dezember 2005

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Produktion der De Nederlandse Opera Amsterdam in Kooperation mit der Opéra Lyon

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Lorenzo Viotti / Hartmut Keil (30.12.)
Charlotte Julie Boulianne
Sophie Louise Alder
Werther Mario Chang
Albert Sebastian Geyer
Johann Barnaby Rea
Le Bailli Franz Mayer
Schmidt Peter Marsh
Brühlmann Constantin Neiconi
Kätchen Jianhua Zhu

»... und es müsste schlimm sein, wenn nicht jeder einmal in seinem Leben eine Epoche haben sollte, wo ihm der Werther vorkäme, als sei er bloß für ihn geschrieben «, so Goethe selbst über seinen Briefroman. Auf den größten Medienskandal des 18. Jahrhunderts geht eine ganze Suizidwelle zurück. Auch Jules Massenet überzeugte jenes Werk um den bis zur völligen Verzweiflung liebesbedürftigen Rechtspraktikanten Werther auf Anhieb als Vorlage für eine neue Oper. In ihr wird die ungelebte Liebe zwischen Werther und Charlotte sofort auch sinnliches Begehren. Das Libretto verschärft Charlottes Gefühlskonflikt zwischen Pflicht und Neigung und macht sie als Liebende, die ihre Gefühle unterdrückt, zur eigentlichen Hauptfigur. Im abstrakten Bühnenbild von Wolfgang Gussmann lässt Willy Deckers Inszenierung die Dynamik der Diskrepanz zwischen den Sehnsüchten des Individuums und den gesellschaftlichen Zwängen, zwischen Freiheit und Einengung, Hoffnung und Resignation räumlich erfahrbar werden. Die szenische Umsetzung unterstreicht die skurrilen, schwarzromantischen Anklänge des Werks und setzt im Bühnenbild wie in den Kostümen, welche auf die Entstehungszeit der Oper im späten 19. Jahrhundert rekurrieren, bewusst die Werther’schen Farben Gelb und Blau in Kontrast zu den vorherrschenden Grau-, Schwarz- und Weißtönen.

(…) Ein weiterer Debütant gab am Hause seinen glanzvollen Einstand: Lorenzo Viotti modellierte am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters die Massenet-Partitur in feinen Pinselstrichen. Spektakulär exaltiert mischte der junge Dirigent die Couleurs in schier magischer Akkuratesse ganz im Stile des Verismo, ließ mit dem bestens disponierten Orchester sensibel aufspielen, es an feinfühliger Zartheit, dem melancholisch-süßlichen Unterton der Musik nicht mangeln. Besonnen verband Viotti die innere Spannkraft der dramatischen Eruptionen mit herrlichen Instrumental-Reflektionen, hatte die Sänger stets aufmerksam im Blick, erwies sich als exzellenter Begleiter und zauberte authentische atmosphärische Klangwelten zum Niederknien. Bravo Maestro!
Bevor sich nach, am Hause üblichen zwei Applaus-Durchgängen endgültig der Vorhang schloss, feierte das Publikum alle Beteiligten in ausgelassener Euphorie. (…)

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu