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The Cave

Steve Reich *1936
Beryl Korot *1945

 Multimediales Oratorium in drei Teilen (1990-1993)

Frankfurter Erstaufführung
In englischer Sprache mit Übertiteln

Einführung vor jeder Vorstellung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot.

Die Höhle Machpela, auch Höhle der Patriarchen, in Hebron ist Ruhestätte des Erzvaters Abraham und seiner Nachkommen. Sowohl für Juden als auch für Muslime hat die Stätte eine enorme religiöse Bedeutung, führen doch beide ihre Abstammung auf Abraham zurück. Die dokumentarische Video-Oper The Cave des Komponisten Steve Reich und der Videokünstlerin Beryl Korot folgt den Spuren der Beziehung zwischen Juden und Muslimen und vergegenwärtigt damit die 4000 Jahre alte biblische Geschichte von Abraham, seinen Frauen Sara und Hagar sowie den Söhnen Ismael und Isaak.

Grundlage für The Cave bilden Interview-Aufnahmen mit Israelis, Palästinensern und Amerikanern. Die Antworten auf die stets gleichen fünf Fragen »Wer war Abraham? Wer war Sara? Hagar? Ismael? Und Isaak?« spiegeln die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Kulturkreise wider und entwerfen ein Kaleidoskop an Erinnerungen und Reflexionen. Mit der Video-Oper, die Musik mit multiplen Videos dokumentarischen Charakters kombiniert, begründeten Steve Reich und Beryl Korot eine »neue Art des Musiktheaters«. Auf fünf großen Videoleinwänden erscheinen die Bildsequenzen der Interviews – angereichert mit Bibel- und Koranzitaten –, vervielfältigt, simultan überlagert und zeitversetzt geschachtelt. Diese Bilder und Sprechmelodien nimmt Steve Reich als Ausgangsmaterial für seine Musik, verdoppelt und harmonisiert sie vielfältig.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe HEIM.SPIELE. (Einen Trailer finden Sie hier). Eine Kooperation mit dem Ensemble Modern auf Einladung der Oper Frankfurt. Mit großzügiger Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Aventis Foundation, der Deutsche Bank Stiftung, der Crespo Foundation, der Dr. Marschner Stiftung, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, der Freunde des Ensemble Modern e.V. und der Stadt Frankfurt.

Die Multi-Media-Oper The Cave von Steve Reich erlebte am Freitagabend ihre Frankfurter Erstaufführung. Das dreiteilige, dokumentarische Bibel-Oratorium unter der Leitung des US-Dirigenten Brad Lubman wurde vom Publikum im Bockenheimer Depot interessiert aufgenommen.
In dem Werk untersucht der subtile Minimalist Reich zusammen mit seiner Frau Beryl Korot, die als Pionierin der Videokunst gilt, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Weltreligionen in Bezug auf die Gestalt Abrahams und seiner Nachfahren. Dabei faszinierte auch 23 Jahre nach der Uraufführung der kleinteilig auf die Sprache reagierende, repetitive Sog von Reichs Klangsprache. Mit überwältigender Präzision wurde sie von den 20 Musikern des Ensemble Modern dargeboten. Das war insofern keine Überraschung, als den Frankfurter Klangkörper mit dem New Yorker Komponisten eine langjährige Freundschaft verbindet. Und mit Lubman am Dirigentenpult hatte man einen weiteren Reich-Spezialisten engagiert, dessen Einspielungen mit Werken des einstigen Minimalisten preisgekrönt wurden. (…)

Bettina Boyens, www.musik-heute.de


(…) Die „Installation“ mit ihren von Beryl Korot minuziös abgestimmten Video-Elementen bildet eine unveränderliche Grundlage jeder Aufführung. Dazu gibt es die „bewegliche“ Komponente der Live-Wiedergabe: vier Vokalsolisten (in Frankfurt [das Ensemble Synergy Vocals]: Joanna L’Estrange, Micaela Haslan, Alastair Putt und Tom Bullard) und ein 17-köpfiges Instrumentalteam, diesmal eben das mit als Gastgeber zeichnende Ensemble Modern.
Also eine höchst originelle Konstellation für ein Bühnenwerk, dessen besondere Pointe die überaus enge kompositorische Verzahnung der montierten gesprochenen Interviewtexte mit den vokalen und instrumentalen Klängen ist. Von der strukturbildenden Rolle der „Sprachmelodien“ bei Leos Janáček inspiriert, gewann der Komponist Steve Reich seine meist kurzatmigen repetitiven Floskeln ebenfalls aus dem akustischen Material der Interviewsprecher. Einerseits kann man staunen über einen originalen Sprachklang, der in der exakten instrumentalen Einkleidung „wie gesungen“ – mit bestimmbaren Tonhöhen – anmutet.
(…)
Vom ersten Moment an (der suggestiven Schlagzeug-Skandierung von Genesisversen auf dem Bildschirm) bestach die Präzision der instrumentalen wie der mehr als einheitliches Klangband denn solistisch agierenden Sänger unter der musikalischen Leitung von Brad Lubman und der die aggressiven Komponenten der Partitur nicht überbetonenden Klangregie Norbert Ommers. Die Aufführung belegte aufs Neue, wie produktiv sich die Existenz des hier beheimateten Ensemble Modern insbesondere auf die Musiklandschaft Frankfurts auswirkt.

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Das Ensemble Modern, geleitet vom Uraufführungsdirigenten Brad Lubman, hat die enorm anspruchsvollen Texturen mit technischer Virtuosität lebendig und beherzt umgesetzt. (…)

Stefan Michalzik, Offenbach-Post


(…) Jeder Satz, ganz, halb oder nur wortweise, obwohl gesprächsweise und frei formuliert, entwickelt einen Rhythmus. Ihm nähert sich der mittlerweile 80 Jahre alte Hauptvertreter des amerikanischen „Minimalismus“ allmählich, unterstützt durch die Bildsequenzen. Er destilliert Melodien und Rhythmen und erhält reine Musik. Unglaublich, wie perfekt das klappt, wie die Musiker sich auf die ständig wechselnden Rhythmen einlassen, wie präzise Brad Lubman zur Filmprojektion (BIG Cinema) dirigiert und Norbert Ommer die mikrofongestützten Klänge mischt. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Anfang mag das Wort gewesen sein, am Ende bleibt die musikalische Dimension der Sprache als ihr neuer Inhalt.
Dies gelingt beinahe unmerklich und schließlich so perfekt, dass die Menschen, die eben noch sprachen, auf einmal zu singen scheinen. Es ist das gleiche Material, das in neuem Klang- und Rhythmuskontext in eine andere Materialität mutiert. (…)

Helmut Mauró, Süddeutsche Zeitung