Spielplan

zur Übersicht

Piotr Beczała (Tenor)
Helmut Deutsch (Klavier)

Wer Piotr Beczała live erleben will, muss in der Regel nach Salzburg, London oder gar New York aufbrechen, wo der polnische Tenor an der Seite von »Bühnen-Liebhaberinnen« wie Anna Netrebko, Diana Damrau oder Renée Fleming stetig für Begeisterungsstürme sorgt. Auf städtischen Kinoleinwänden sowie am eigenen Bildschirm lassen sich jedoch einige der musikalisch wie darstellerisch ausdrucksstarken und selbstsicheren Interpretationen des Tenors mitverfolgen, ohne einen vergleichbar weiten Weg anzutreten – etwa seine Auftritte an der Met als Chevalier des Grieux (Manon von Jules Massenet) unter Fabio Luisi oder als Herzog von Mantua (Rigoletto), für dessen Darstellung er 2014 den ECHO Klassik als »Sänger des Jahres« erhielt. Der Exklusivkünstler des Labels Deutsche Grammophon ergänzte seine überaus vielseitige Diskografie, die u.a. mit einer Grammy-Nominierung und mit Opernraritäten wie Karol Szymanowskis Król Roger, Jacques Offenbachs Die Rheinnixen oder Johann Strauß’ Operette Simplicius aufwartet, in jüngerer Zeit mit den Alben Heart’s DelightThe Songs of Richard Tauber und The French Collection. Nach rund einem Jahrzehnt, das seit Piotr Beczałas berauschender Werther-Darstellung an unserem Haus ins Land gezogen ist, dürfen sich die Frankfurter nun auf die Rückkehr eines Stars im »Liederabend-Format« freuen, mit der sich Weltreisen einmal mehr erübrigen.

Das genaue Programm des Frankfurter Liederabends von Piotr Beczała finden Sie hier.

Mit freundlicher Unterstützung

Wer Robert Schumanns Dichterliebe singt, wird automatisch mit Fritz Wunderlich vergleichen. Vor rund 50 Jahren legte Wunderlich mit Hubert Giesen am Klavier eine für alle nachfolgenden Tenöre maßgebliche Aufnahme vor. Der international gefeierte polnische Weltklasse-Tenor Piotr Beczała scheut diesen Vergleich nicht. Im Gegenteil, er fordert ihn heraus. So wie Wunderlich will er im Liedgesang brillieren. Zum Beweis hat er Schumanns Dichterliebe op. 48 verinnerlicht und für sein Unternehmen in dieser Saison den besten Schumann-Liedinterpreten am Klavier gewonnen. Helmut Deutsch gestaltet Klangbilder, die den Nerv des jeweiligen Liedes immer punktgenau treffen und trägt den Sänger auf seinem Weg durch die Höhen und Tiefen der in Poesie geformten Emotionen.
(…) Dass Beczała sich intensivst mit Schumann beschäftigt hat, belegt schon die Tatsache seiner perfekt verständlichen Aussprache. (…) Auch musikalisch stieg der Sänger tief ein. Unbeirrbar folgte er einem inneren Plan und phrasierte überaus präzise. So glaubte man, aus seinem Gesang die vielen unterschiedlichsten Gemütsbewegungen und emotionalen Schwankungen herauszuhören, die Schumann im Jahr seiner Hochzeit mit Clara in diesen Liederzyklus packte. Dabei riskierte Beczała zugunsten zartester Pianissmi hauchigen Stimmklang und blühte auf, so wie er auch mit tenoraler Kraft feuern kann. Mit Schumanns „Ich hab im Traum geweinet“ kam er einer überzeugenden Schumann-Interpretation sehr nahe. (…)

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Nach der Pause Russisches (Rachmaninow), Tschechisches (Zigeunerlieder von Dvořák) und, als Rarität, Lieder von Mieczyslaw Karłowicz. Der polnische Strauss-Zeitgenosse ahnte, wie man einen Sänger wie Beczała bewegt, Stärke zu zeigen, wenn es gilt, gleißend und klar die Höhenluft zu meistern. Wie wunderbar verschmilzt bei Beczała die mit einer Vielfalt an klingenden Konsonanten gesättigte polnische Sprache mit der Musik! Hier entstand die typische Lied-Atmosphäre von Lieben und Träumen, Enttäuschung und Melancholie. Starker Beifall, drei Zugaben von Leoncavallo, Moniuszko und Strauss („Habet Dank!“).

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Unproblematischer – obwohl problematisch im Zusammenhang mit so viel Kraft und warmer Stimmpracht eh ein merkwürdiges Wort ist – gestaltet sich insofern der zweite Programmteil: Lieder von Beczałas polnischem Landsmann Mieczyslaw Karłowicz, des Tschechen Antonín Dvořák (Zigeunermelodien) und des Russen Sergei Rachmaninow sind ja doch zumindest hierzulande mit viel weniger Erwartungsdruck behaftet. Sie lassen die Vielfalt von Beczałas Ausdrucksmöglichkeiten wunderbar zur Geltung kommen und geben ferner Gelegenheit, die sprachlichen Farbunterschiede wahrzunehmen – die Sperrigkeit des Tschechischen zumal. Helmut Deutsch lässt sich erst jetzt die Seiten umblättern, tastet sich interessiert voran. Vermutlich ist es eine Projektion anzunehmen, Beczała hätte nun die Führung übernommen.
Auch das Publikum im Frankfurter Opernhaus kommt jetzt richtig in Schwung, zumal die Zugaben mit köstlich strahlender Italianità beginnen (Leoncavallos „Mattinata“, mit einem polnischen Knaller von Stanislaw Moniuszko sich fortsetzen und mit fein geschmettertem, aber geschmettertem Richard Strauss („Zueignung“) enden.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

Mercedes-Benz